
Unter der schönen Überschrift "
Das wohltemperierte Internet"
erklärt Alex Ross, warum das Internet vielleicht die Pop-CD erledigt, aber sehr gut für die klassische Musik ist: er stellt einige ausgezeichnete Blogs und Musiker-Homepages für klassische Musik vor. Und dann ist da natürlich iTunes. "Als Apple 2003 seinen iTunes Musikladen startete, hob es auf seiner Homepage Künstler wie
Esa-Pekka Salonen und
Anna Nebtrebko hervor; als Resultat stiegen die Verkäufe von klassischer Musik sprunghaft. Ähnliche Aufwärtstrends gab es bei Amazon und
ArkivMusik. Die Anonymität des Internets hat klassische Musik für Nichtfanatiker zugänglicher gemacht. Ersthörer können Kritiken lesen, Audiosamples vergleichen und sich dann zum Beispiel für eine Beethoven-Aufnahmen von
Wilhelm Furtwängler entscheiden, ohne die Demütigung zu riskieren, unter dem säuerlichen Blick eines Verkäufers den Namen des Dirigenten falsch ausgesprochen zu haben." Zu den besten Adressen gehören für Ross die
Website des
Arnold Schönberg Centers in Wien, das Blog
"Think Denk" des Pianisten
Jeremy Denk und
Keeping Score, eine Website des San Francisco Symphonie Orchesters, auf der einzelne Musikstücke wie zum Beispiel
Beethovens "Eroica" erklärt werden. Ross hat natürlich auch selbst ein
Blog.
Margaret Talbot
porträtiert ausführlichst
David Simon, den Schöpfer der HBO-Serie
"The Wire", der - kann man es anders sagen? - besten Krimiserie aller Zeiten: "Rafael Alvarez, ein früherer Reporter der
Baltimore Sun, den Simon als einen Autor fürs Drehbuch angeheuert hat, sagte: 'In einem russischen Roman, arbeitet sich der Leser durch die ersten hundert Seiten. Dann wendet sich das Blatt und man versinkt in dem Roman. Bei 'The Wire' könnte es gut bis zur sechsten Folge dauern, bis man drin ist.'"Die Schöpfer von 'The Wire' würden niemals behaupten, dass ihre Arbeit so gut wie die von
Tolstoi oder Dickens sein, aber so ganz können sie dem Vergleich auch nicht widerstehen."
Weiteres: John Updike
bespricht eine
Biografie von David Michaelis über
Charles Schulz, Schöpfer der "Peanuts" (Harper Collins). Thomas Mallon
rezensiert eine Studie über
Wernher von Braun:
"Von Braun: Dreamer of Space, Engineer of War" (Knopf). Paul Goldberg
stellt die "spielerische"
Architektur von
Will Alsop vor. Sasha Frere-Jones
fragt sich in einem längeren Artikel, warum
Indie-Rock "so weiß" und langweilig geworden ist. Und Anthony Lane
sah im Kino
"We own the Night" von
James Gray und
"Lust, Caution" von
Ang Lee. Zu lesen ist außerdem die
Erzählung "Among Animals and Plants" von
Andrei Platonov und Lyrik von
Louise Glück, Franz Wright und
Jack Gilbert.
Nur im
Print: Porträts der iranischen Videokünstlerin
Shirin Neshat, des Geschäftsführers der Metropolitan Opera
Peter Gelb und des amerikanischen Historikers
Jacques Barzun, der 100 Jahre alt wird, sowie eine Betrachtung über
entzauberte Filmstars.