Magazinrundschau - Archiv

The New Yorker

855 Presseschau-Absätze - Seite 60 von 86

Magazinrundschau vom 03.06.2008 - New Yorker

In dieser Doppelnummer würdigt Elizabeth Kolbert in einem ausführlichen Porträt Buckminster Fuller, genialer Architekt, Designer, Philosoph und Kartograf in Personalunion, der unter anderem die geodätische Kuppel erfand. "Eine seiner frühesten Erfindungen war ein wie ein Luftschiff geformtes Auto. Es hatte drei Räder - zwei vorn, eins hinten - und statt des Rückfensters ein Periskop. Wegen seiner ungewöhnlichen Konstruktion ließ es sich auch vorwärts einparken und konnte eine so enge Hundertachtzigwendung vollziehen, dass es sich praktisch auf der Stelle drehte. In Bridgeport, Connecticut, wo das Auto im Sommer 1933 vorgestellt wurde, verursachte es derartiges Aufsehen, dass der Verkehr zum Erliegen kam und besorgte Autofahrer Fuller beschworen, es in der Rushhour von der Straße zu nehmen. Fuller nannte diese Erfindung Dymaxion Car." Ab 26. Juni ist im Whitney Museum übrigens die Ausstellung "Buckminster Fuller: Starting with the Universe" zu sehen.

In mehreren kleinen Artikeln geht es um persönliche Einlassungen zum Thema Glaube und Zweifel, unter anderem des kenianischen Schriftstellers Uwem Akpan, des Ghanaers Mohammed Naseehu Ali, der amerikanischen Schrifsteller Tobias Wolff, Edwidge Danticat, Allegra Goodman und George Saunders. Zu lesen sind außerdem die Erzählung "Natasha" von Vladimir Nabokov und Lyrik von Philip Levine und Gerald Stern.

James Wood renzensiert eine Studie über die alte Frage, warum Gott Leiden zulässt: "God?s Problem" (HarperOne). Louis Menand bespricht eine Biografie über Ezra Pound: "Ezra Pound Poet. A Portrait of the Man and His Work" (Oxford). Peter Schjeldahl führt durch eine Jeff-Koons-Retrospektive im Museum of Contemporary Art in Chicago. Sasha Frere-Jones erklärt, was Auto-Tune, eine Software zur automatischen Tonhöhenkorrektur, mit der menschlichen Stimme anstellt. Und Anthony Lane sah im Kino die Kinoversion von "Sex and the City".

Magazinrundschau vom 27.05.2008 - New Yorker

Lawrence Wright schreibt über Sayyid Imam al-Sharif alias Dr. Fadl, ehemaliger Führer der ägyptischen Terrorgruppe Al Dschihad sowie intellektueller Vordenker von Al Qaida, der in einem neuen Buch "Rationalizing Jihad" der Gewalt abschwört. Die Prämisse des im vorigen November in arabischen Zeitungen teilabgedruckten Buchs, dessen Autor erheblichen Einfluss in der islamistischen Welt hat, lautet: "'Nichts erregt den Zorn Gottes mehr als unberechtigtes Blutvergießen und Zerstörung von Eigentum.' Fadl stellt dann eine Reihe neuer Regeln für den Dschihad auf, die im Wesentlichen die meisten Formen des Terrorismus dem islamischen Gesetz nach für illegal erklärt und die Möglichkeiten des Heiligen Kriegs auf extrem seltene Umstände beschränkt. Seine Argumentation mag obskur wirken, auch auf die meisten Muslime, doch Männer, die ihr Leben riskiert hatten, um zu verwirklichen, was sie für die maßgeblichen Gebote ihrer Religion hielten, war jedes Wort ein Angriff auf ihr Weltbild und stellte die Chancen auf ihre eigene Erlösung in Frage."

Weiteres: Jonathan Rosen beschäftigt sich mit der anhaltenden Relevanz des englischen Dichters John Milton, zu dessen 400. Geburtstag eine ganze Reihe Bücher neu aufgelegt wurden, darunter auch seine bekannteste Schrift, das epische Gedicht "Paradise Lost". Paul Goldberger besichtigt die architektonischen "Extravaganzen", die Peking sich für die Olympischen Spiele geleistet hat. Sasha Frere-Jones stellt das neue Album "Here I stand" des R&B-Sängers Usher vor. David Denby hält die Wiedererweckung von "Indiana Jones" nach so vielen Jahren für einen Fehler.

Zu lesen sind außerdem die Erzählung "A Night at the Opera" von Janet Frame und Lyrik von Stanley Plumly und Arda Collins. Nur im Print: ein Artikel über Verbrechensbekämpfung der Zukunft.

Magazinrundschau vom 20.05.2008 - New Yorker

Joan Acocella beschäftigt sich unter der schönen Rubrizierung "Annals of Drinking" ausführlich mit dessen Folgen: dem Kater. Wir erfahren unter anderem: "Manche Begriffe dafür beziehen sich prosaisch auf seine Ursache: Demnach sind die Ägypter 'noch', die Japaner 'den zweiten Tag', die Chinesen 'vom Vorabend' betrunken. Die Schweden sind 'von hinten erwischt'. Doch erst in Sprachen, die eher die Folgen statt der Ursache beschreiben, entfaltet sich wirklich poetische Kraft. Menschen in El Salvador erwachen als 'Radiergummi', Franzosen mit 'hölzernem Mund' oder 'Haarschmerzen'. Deutsche und Holländer haben einen 'Kater', vermutlich kreischend. Die Polen erleben 'schreiende Kätzchen'. Mein Favorit sind die Dänen, die 'Schreiner in der Stirn' haben. Entsprechend den Eskimos, die neun Wörter für Schnee kennen, haben die Ukrainer mehrere für den Kater. Und gemäß des jüdischen Trinkverbots, hatten die Israelis bis vor kurzem keinen eigenen Begriff. Dann beschlossen Experten der Akademie für Hebräische Sprache in Tel Aviv, dass man einen Begriff brauche und kreierten einen: hamarmore, abgeleitet von dem Wort für Vergärung."

Weitere Artikel: Anlässlich einer Neuauflage seines ersten Buchs "Things Fall Apart" (Anchor) porträtiert Ruth Franklin den nigerianischen Schriftsteller Chinua Achebe. James Wood rezensiert den Roman "Netherland" von Joseph O'Neill (Pantheon). Peter Schjeldahl führt durch eine Ausstellung mittelalterlicher Kunst im Jewish Museum. Und Anthony Lane sah im Kino Fatih Akins Film "Auf der anderen Seite" ("The Edge of Heaven"). Zu lesen sind außerdem die Erzählung "The Full Glass" von John Updike und Lyrik von Arthur Sze, Sarah Arvio und Don Paterson.

Nur im Print: ein Text von Woody Allen, das Porträt eines Videokünstlers, der sich mit Hurrikan Katrina auseinandersetzt und eine Reportage aus einer Suppenküche in Chelsea.

Magazinrundschau vom 13.05.2008 - New Yorker

Sue Halpern beschreibt, wie traumatisierte Veteranen mit einem Kriegssimulationsprogramm behandelt werden. "Das Programm nennt sich Virtual Iraq und die Patienten arbeiten in einer computersimulierten Umgegbung darin ihr Kampftrauma auf. Das Portal besteht aus einem am Kopf befestigten Bildschirm, Kopfhörern, einer Geruchsmaschine und einer modofizierten Version von Full Spectrum Warrior, einem populären Videospiel."

David Remnick porträtiert den amerikanischen Jazz-Discjockey Phil Schaap, der seit siebenundzwanzig Jahren jeden Werktag auf WKCR, dem Radiosender der Columbia University, die Sendung "Bird Flight" moderiert, die sich "so obsessiv, leidenschaftlich und detailreich" dem Bebop-Saxofonisten Charlie Parker widmet, dass ihr Macher "gelegentlich klingt wie ein durchgedrehter Talmud-Gelehrter, der beschlossen hat, dass die Gesetze der Menschheit nicht in den alten babylonischen Traktaten ruhen, sondern in wechselnden Aufnahmen von ,Moose the Mooche' und ,Swedish Schnapps'."

Weitere Artikel: Hendrik Hertzbergs kommentiert die vorerst letzte Runde im Kampf um die Präsidentschaftskandidatur zwischen Barack Obama und Hillary Clinton. Zu lesen ist außerdem die Erzählung "East Wind" von Julian Barnes und Lyrik von Bob Hicok und Richard Wilbur.

Bee Wilson rezensiert eine Studie zur Nahrungsmittelkrise: "The End of Food" von Paul Roberts (Houghton Mifflin). Alex Ross resümiert ein fünf Konzerte umfassendes Stravinski-Festival. John Lahr stellt Inszenierungen von Stücken von Caryl Churchill und Samuel Beckett vor. Sasha Frere-Jones bespricht die amerikanische Version von "Deutschland sucht den Superstar", die Fox-Sendung "American Idol". Und David Denby sah im Kino die Komödien "Noise" von Henry Bean mit Tim Robbins in der Hauptrolle und "Harold & Kumar Escape from Guantanamo Bay" von Jon Hurwitz and Hayden Schlossberg.

Magazinrundschau vom 06.05.2008 - New Yorker

Der New Yorker hat in dieser Woche einen Schwerpunkt zum Thema Erfindung und Innovation. Der Sachbuch-Bestsellerautor Malcom Gladwell stellt in einem Essay die Gruppe "Intellectual Ventures" vor, die der Multi-Millionär Nathan Myhrvold aus Wissenschaftlern, Tüftlern und originellen Geistern zusammengestellt hat und finanziell großzügig unterstützt. Das Ziel von I.V.: Erfinden, erfinden, erfinden. Und klappt es? Weit jenseits des Erwartbaren. Im Moment meldet I.V. rund fünfhundert Patente im Jahr an, Gladwell nennt nur einige Fakten zu dieser Erfolgsgeschichte: "Intellectual Ventures hat gerade ein Patent angemeldet für automatische, batteriebetriebene Brillen mit einer winzigen eingebauten Videokamera, die Aufnahmen von der Retina macht, auf die die flüssigkeitsgefüllten Gläser mit einer Geschwindigkeit von bis zu zehnmal pro Sekunde reagieren. Gerade hat I.V. Lizenzen für ein Bündel Patente für achtzig Millionen Dollar verkauft... Bill Gates, einer der wichtigsten I.V.-Investoren, stellt fest: 'Ich kann Ihnen fünfzig Beispiele geben für Ideen, die sie hatten, von denen jede einzelne zur Gründung eines Startup-Unternehmens taugt.'"

Weitere Artikel: Elizabeth Kolbert staunt über die Ausdauer von Hillary Clinton. Anthony Lane bespricht das jüngste Werk der Wachowski-Brüder "Speed Racer" (er versteht wenig und findet den Film bei genauerer Betrachtung pop-faschistisch) und Chris Eigemans Debüt "Turn the River".

Magazinrundschau vom 22.04.2008 - New Yorker

"Erobere die englische Sprache, um China stärker zu machen!" Dies ist das Motto von Li Yang, der den Chinesen rechtzeitig vor den Olympischen Spielen noch ordentliches Englisch beibringen soll. Evan Osnos stellt die Lehrmethoden Yangs vor, der seine Schüler englische Vokabeln skandieren lässt und für seine Fans weniger ein Lehrer als ein "Versprechen auf Selbstverwandlung" darstellt. "Seit er im Alter von neunzehn Jahren mit dem Unterrichten begann, trat er vor Millionen chinesischen Erwachsenen und Jugendlichen auf. Gewöhnlich unterrichtet er in Stadien Klassen von zehntausend Menschen oder mehr. (...) 'Ich kenne diese Art von Agitation', schrieb Wang Shuo, einer der einflussreichsten chinesischen Schriftsteller, in einem Essay über Li. 'Es ist eine Art alter Hexenkunst: Lass eine große Menschenmenge antreten, peitsche sie mit Worten auf und erzeuge eine Energie, die stark genug ist, Berge ins Wanken und die Meere zum Schäumen zu bringen', fährt er fort. 'Ich glaube, dass Li Yang das Land liebt. Aber seinen Patriotismus auf diese Weise auszuagieren, ist genauso eine Scheiße wie Rassismus.'" (Hier ein Beispiel von Yangs Methode bei Youtube.)

Weiteres: Patrick Radden Keefe schildert die Hintergründe eines Falls von unbefugtem Abhören der der Unterstützung von Al Qaida verdächtigen islamischen Wohltätigkeitsorganisation Al Haramain Islamic Foundation durch die amerikanische Regierung. Zu lesen sind außerdem die Erzählung "Bullfighting" von Roddy Doyle und Lyrik von Dora Malech und Franz Wright.

Daniel Mendelsohn stellt zwei neue Publikationen über den griechischen Geschichtsschreiber Herodot vor. Paul Schjeldahl führt durch eine Retrospektive von Olafur Eliasson im MoMA. Und Anthony Lane sah im Kino die Komödie "Baby Mama" von Michael McCullers, den Krimi "Roman de Gare" von Claude Lelouch und den Thriller "88 Minutes" von Jon Avnet.

Magazinrundschau vom 15.04.2008 - New Yorker

Definitiv nichts für Klaustrophobiker ist Nick Paumgartens ausführliche Reportage über Aufzüge in Wolkenkratzern - unter besonderer Berücksichtigung ihrer Pannenanfälligkeit. Neben zahlreichen Geschichten von stundenlang Steckengebliebenen erfährt man aber auch Nützliches. "Für Aufzüge gelten zwei Grundkriterien. Eines ist die Umschlagskapazität: angepeilt ist die Beförderung einer bestimmten Prozentzahl der Gesamtpopulation des Gebäudes in fünf Minuten. Dreizehn Prozent sind eine gute Zielvorgabe. Das andere ist der Zeitabstand beziehungsweise die Einsatzfrequenz: die durchschnittliche Hin- und Rückfahrt eines Aufzugs dividiert durch die Anzahl der Aufzüge. In einem amerikanischen Gebäude soll das Intervall weniger als dreißig Sekunden betragen und die durchschnittliche Wartezeit rund sechzig Prozent davon. Dauert es länger, werden die Leute ärgerlich."

Weitere Artikel: Hendrik Hertzberg philosophiert über die politischen Implikationen der "Versprecher" im amerikanischen Kampf um die Präsidentschaftskandidatur. Caroline Alexander bereiste den bengalischen Mangrovenwald und informiert über die vom Aussterben bedrohten bengalischen Königstiger. Zu lesen ist außerdem die Erzählung "The Repatriates" von Sana Krasikov und Lyrik von Rachel Hadas und Derek Walcott.

Ian Buruma bespricht mehrere Bücher, die sich mit der Ablösung der westlichen Vorherrschaft beschäftige, darunter "Rivals: How the Power Struggle Between China, India and Japan Will Shape Our Next Decade" (Harcourt) und "The Post-American World" (Norton). Paul Goldberger besichtigt neue Flughäfen in London, Peking und Madrid. Sasha Frere-Jones stellt das neue Album von Portishead vor. Und David Denby sah im Kino die Komödien "Forgetting Sarah Marshall" von Nicholas Stoller und "Smart People" von Noam Murro.

Nur im Print: Jonathan Franzen besichtigt die Zukunft Chinas (hier erzählt er von seiner Reise), außerdem Artikel über Schwimmen in der Nordwestpassage und Rache in Neuguinea.

Magazinrundschau vom 08.04.2008 - New Yorker

Jeffrey Toobin setzt sich mit der nächsten Stufe in Guantanamo auseinander und fragt sich, was nach der von allen Seiten geforderten Schließung des Gefangenenlagers mit den Häftlingen geschehen wird. "Von den derzeit rund 275 Gefangenen in Guantanamo sind etwa 60 für eine Verlegung anerkannt, sofern Länder gefunden werden können, die sie aufnehmen. (Ein komplizierter Punkt angesichts der Tatsache, dass die Vereinigten Staaten nicht imstande waren, Übergaberegelungen zu treffen, insbesondere mit dem Jemen. Andere Häftlinge geben an, dass sie in ihren Heimatländern gefoltert werden würden; Fälle von Algeriern und Tunesiern sind derzeit noch vor dem Federal Court in Washington anhängig.) Bei den verbleibenden Gefangenen erwartet [der Brigadegeneral Thomas W.] Hartmann, dass nur für sechzig oder achtzig von ihnen ausreichend Beweise vorliegen, um Anklage erheben zu können. Kurz: Es gibt über 130 Häftlinge, für die die Verwaltungsbeamten keinen Plan haben, abgesehen von unbestimmter Haftdauer ohne Verhandlung."

Weiteres: Ian Parker schildert erschöpfend die Mühe, die hinter dem unangestrengten Charme von George Clooney steckt. Zu lesen sind außerdem die Erzählung "The Lie" von T.C. Boyle und Lyrik von Emily Moore und Michael Longley. Louis Menand bespricht Nicholson Bakers neuen Roman "Human Smoke". Peter Schjeldahl führt durch eine Retrospektive des japanischen Künstlers Takashi Murakami im Brooklyn Museum. Gary Giddins hörte ein Konzert von Ornette Coleman in der Town Hall. Und Anthony Lane sah im Kino Martin Scorceses Stones-Film "Shine a Light".

Nur im Print: Jane Kramer über Israel und Palästina und eine Reportage über die sonderbaren Kandidaten für das Bürgermeisteramt in London.

Magazinrundschau vom 25.03.2008 - New Yorker

Was das Web für die Existenz der Druckzeitung bedeutet untersucht der linksliberale New Yorker Publizistikprofessor Eric Alterman in seinem Artikel über das Leben und Sterben des amerikanischen Zeitungsmarkts. DerAufstand der Blogs gegen die Mainstreammedien (MSM) kam in Amerika zunächst von rechts, erzählt Alterman, bevor mit Medien wie der Huffington Post auch eine liberale Blogosphäre entstand. Die alte Papierzeitung ist aber so oder so zum Aussterben verdammt, konstatiert Alterman nicht ohne Melancholie: "Wir werden in eine fragmentierte, chaotische Welt der Nachrichten eintreten, die durch ein Mehr an Community-Konversation aber auch durch einen entscheidend geringeren Anteil an erstklassigem Journalismus charakterisiert sein wird. Der Wandel der Zeitungen von Unternehmen, die objektive Berichte bringen, zu einem Haufen von Communities, die alle ihre eigenen 'News' und ihre eigenen 'Wahrheiten' zum Debattieren anbieten, bedeutet den Verlust einer verbindlichen nationalen 'Erzählung' und 'Faktenlage', die eine Grundlage unserer Politik bilden."

Weitere Artikel: Sasha Frere-Jones schreibt über den Avantgarde-Eklektizismus der Soulsängerin Erykah Badu. Der indische Schriftsteller Pankaj Mishra nutzt Pico Iyers Buch "The Open Road: The Global Journey of the Fourteenth Dalai Lama", um darüber nachzudenken, wofür der Dalai Lama eigentlich genau steht. Zu lesen ist außerdem die Erzählung "Great Experiment" von Jeffrey Eugenides und Lyrik von Stanley Moss und Louise Glück.

Magazinrundschau vom 04.03.2008 - New Yorker

In einem wunderbaren Essay über das Wesen der Garderobe amerikanischer Comic-Helden entwickelt Michael Chabon Grundlagen zu einer Theorie der Transformation durch eine "zweite Haut". Bestechend belegt er sie anhand einer Spielszene aus seiner Kindheit, in der er und ein Freund sich mittels Badetüchern in Superhelden verwandelten: "Indem wir redeten, unsere Capes zuknoteten und Flip-Flops gegen unsere Fußsohlen klatschten transformierten wir nicht nur uns selbst. Auf unserem Weg zum Pool transformierten wir die Welt, formten sie zu einem Ort, in dem dieses möglich war: Dass die Wiedergeburt eines Artus-Ritters in Gesellschaft eines heiligen mittelamerikanischen Hexenmeisters Trost und Kameradschaft finden konnte. Ein paar Jungs aus Columbia oder Cleveland konnten sich eine komplette Welt superheldenhafter Abenteuer ausdenken. (...) Dafür mussten wir nur der ständigen Einladung folgen, welche die Superhelden-Comics mittels eines Handtuchs an uns richteten. Es war eine Einladung, in die Welt ihrer Geschichte einzutreten, am aktuellen Geschehen der Comics teilzuhaben. Und mit dem Zuknoten eines magischen Badetuchs etwas zu tragen, was wir in uns verborgen wussten."

Weitere Artikel: Lauren Collins porträtiert Michelle Obama, die die Rolle der amerikanischen Politikerehefrau derzeit neu erfindet. Zu lesen ist außerdem die Erzählung "Raj, Bohemian" von Hari Kunzru und Lyrik von Dan Chiasson und Stephen Dunn.

Janet Malcolm beschreibt das boshafte Vergnügen an der Lektüre von Cecily von Ziegesars Bestseller-Serie "Gossip Girl" (deutsch: "Ist es nicht schön, gemein zu sein?") über weibliche Teenager der New Yorker Oberschicht. John Lanchester bespricht einen Band über Düfte: "Perfumes: The Guide" (Viking), geschrieben vom wunderbaren Luca Turin (mehr hier). Und David Denby sah im Kino den Thriller "The Bank Job" von Roger Donaldson und Jacques Rivettes Verfilmung einer Balzac-Novelle "Die Herzogin von Langeais" ("Ne touchez pas la hache"), die letztes Jahr auf der Berlinale lief.

Nur im Print: Porträts des Ehepaars Isabel und Ruben Toledo, Künstler und Modedesignerin, sowie eines Pariser Designers, der Iggy Pop nacheifert, und ein Bericht über neuen technischen Schnickschnack.