
D. T. Max
besucht das süditalienische Städtchen
Matera, das einst als der ärmste Flecken Italiens galt, wo die Menschen in Höhlen,
den Sassi, lebten. Versuche, sie aus dieser Lage zu befreien, gipfelten am Ende in ihrer - wohlgemeinten! -
Vertreibung aus den Höhlen und der
Ansiedlung in Neubauten, deren Architekten sich durchaus Gedanken gemacht hatten, wie man die soziale Kultur der Materaner bewahren könne. Sie zerfiel trotzdem. Als die Höhlen schon einzustürzen drohten, kamen plötzlich neue Bewohner - Kreative zumeist, die sich dort niederließen. Heute ist Matera Anziehungspunkt für Filmcrews und Touristen. Und die
ehemaligen Bewohner? Max besuchte einen von ihnen,
Vito Festa, im Neubauviertel: "Festas Familie hatte die
Sassi 1959 verlassen, da
war er elf, und zog nach Spine Bianche, eines der nahen, von den Modernisten errichteten Neubauviertel. "Wir waren so glücklich, wir hüpften auf den Betten", erinnert er sich. Ihm gehört heute ein Haus im Norden der Stadt. Als wir dorthin fahren, sehe ich erstmals das
moderne Matera... Festas Haus befindet sich etwa zwei Meilen von den
Sassi entfernt, in einer Straße mit
zweistöckigen Bungalows, die wie eine Hommage auf die alte Grotte wirken. Das Innere jedoch könnte nicht unterschiedlicher sein. Fest geht stolz durch die Garage um die Haupttür zu öffnen. Er zeigt mir Birnen- und Grapefruitbäume, die er in seinem kleinen ummauerten Hinterhof gezogen hat, die glänzenden Marmorfußböden und die zwei Küchen - eine im Keller, für die Tage wenn es zu heiß war, neben dem Wohnzimmer zu kochen. Alles blitzt. Die
Sassi-Höhlen werden für ihre
fehlenden rechten Winkel gefeiert. Festas Wohnung bestand aus einer Serie perfekter Rechtecke.
Nichts hat eine Geschichte, außer dem roten Telefon mit Wählscheibe, einem Dekorationsstück. "Ich mag hübsche Dinge", erklärt Festa."
Weitere Artikel: Sarah Stillman schildert in einer
Reportage die Folgen der amerikanischen Flüchtlingspolitik, die illegale Einwanderer gerade auch gegenüber kriminellen Landsleute im Regen stehen lässt. Stephen Witt
rekapituliert die aufregenden Kindertage der
Musikpiraterie im Netz, als Napster und Co. eine Revolution in Gang setzten. Peter Schjeldahl
besucht das neue Whitney Museum of American Art von Renzo Piano. Und Oliver Sacks
dokumentiert den tragischen Fall des Schauspielers und Schriftstellers
Spalding Gray, den eine Gehirnverletzung in den Suizid trieb.