Magazinrundschau - Archiv

The New Yorker

854 Presseschau-Absätze - Seite 42 von 86

Magazinrundschau vom 14.04.2015 - New Yorker

Der New Yorker präsentiert ein Reisespecial. Tom Kizzia schreibt über Langzeit-Missionen im All und die Frage, warum Frauen die bessere Mars-Crew stellen (sie benötigen weniger Kalorien!) Der Knackpunkt zukünftiger Missionen, wie Tests zeigen, betrifft übrigens nicht unbedingt die Zusammensetzung der Teams, sondern offensichtlich das Essen: "Eine Moskauer Studie von 1999 besteht zwar darauf, dass der Nationalitätenmix problematischer sei als der Geschlechtermix. Aber Internationalität auf Raumstationen ist inzwischen üblich, allein wegen der Vielzahl an beteiligten Nationen … Der einzige internationale Konflikt im Hi-Seas-Testdome der Nasa drehte sich um die Zubereitung einer aserbaidschanischen Teigspeise … Und am Ende einer viermonatigen Studie machte der Nutella-Fall die Runde. Ein Crew-Mitglied hatte egoistischerweise die monatliche Nutella-Ration der Gruppe aufgegessen."

Außerdem gibt es Beiträge über den Goldrausch in Peru (hier) und das Volk der Tlingit in Alaska (hier). James Verini sendet einen packenden Bericht über eine Piratenattacke im Indischen Ozean. Jill Lepore widmet sich der Bedeutung der Magna Carta. Anlässlich einer Ausstellung im Moma porträtiert Peter Schjeldahl den Künstler Jacob Lawrence und seine "Migration Series" und Anthony Lane widmet seine Filmkolumne heute nur einem Film: Olivier Assayas" "Clouds of Sils Maria".

Magazinrundschau vom 31.03.2015 - New Yorker

Im aktuellen Heft des New Yorker porträtiert Evan Osnos Chinas Staatschef Xi Jinping, Vorsitzender von 87 Millionen Mitgliedern der chinesischen KP, Apparatschik mit äußerst bewegter Vergangenheit und Chinas autoritärster Politiker seit Mao, der am historischen Widerspruch von wirtschaftlicher Freiheit und politischer Zwangsjacke nichts ändern will: "Um wirtschaftliches Wachstum zu erhalten, will China Innovationen fördern, aber indem er die Universitäten politisch einfrieren lässt, riskiert Xi genau jenes disruptive Denken zu unterdrücken, dass das Land für seine Zukunft braucht. Manchmal gewinnt Politik die Oberhand über rationales Denken. 2014, nachdem China jahrelang in Wissenschaft und Technologie investiert hatte, übertraf sein Anteil an Forschung und Entwicklung den Europas. Aber als die Regierung die Gewinner der Preise für sozialwissenschaftliche Forschung verkündete, waren sieben von zehn Projekten einer Analyse von Xis Reden (offiziell bekannt als "Serie sehr wichtiger Reden des Generalsekretärs Xi") oder seines charakteristischen Slogans gewidmet: der chinesische Traum."

Jonathan Franzen macht sich Gedanken zum Klimawandel. Vielleicht lohnt es sich ja doch, CO2 einzusparen? "Das Problem ist, dass es keinen Unterschied für das Klima macht, ob ein Einzelner mit dem Auto fährt oder mit dem Rad. Der CO2-Ausstoß ist derart groß, die Mechanismen, die das Klima beeinträchtigen, so nichtlinear und die Effekte zeitlich und räumlich so weit zerstreut, dass mein ganz persönlicher Beitrag dazu nicht ersichtlich ist. Ich kann mich dafür kritisieren, überdurchschnittlich viel an CO2-Gasen zu emittieren. Aber wenn ich den durchschnittlichen jährlichen Verbrauch errechne, der nötig ist, um die globale Erwärmung in diesem Jahrhundert auf zwei Grad zu limitieren, muss ich feststellen, dass die Unterhaltung eines einfachen amerikanischen Einfamilienhaushalts diesen in nur zwei Wochen überschreitet."

Außerdem unterzieht sich Elif Batuman einer transkranialen Gleichstromstimulation, angeblich gut gegen Parkinson und Depression. Und Stephen Rodrick porträtiert die Besetzungschefin Allison Jones und Kelefa Sanneh porträtiert die Musikerin Katie Crutchfield, Gründerin der Indie-Band Waxahatchee. Lesen können wir außerdem Kamel Daouds Short Story "Musa".

Besprochen werden u.a. Susan Butlers Buch über Roosevelt und Stalin sowie zwei neue Bücher über die Konzentrationslager der Nazis - Sarah Helms ""Ravensbrück: Life and Death in Hitler"s Concentration Camp for Women" und Nikolaus Wachsmanns "KL: A History of the Nazi Concentration Camps".

Magazinrundschau vom 24.03.2015 - New Yorker

In der aktuellen Ausgabe des New Yorker besucht Judith Thurman Menschen, deren Muttersprache ausstirbt. Sie sind die Letzten, die diese Sprache sprechen: "Am Ende dieses Jahrhunderts werden ca. 50 Prozent aller Sprachen auf der Erde nur noch in Archiven existieren. Laut "Catalogue of Endangered Languages (ELCat)", einer Initiative von Linguisten der Universitäten Hawaii, Manoa und Eastern Michigan, sind seit 1960 an die 30 Sprachfamilien verschwunden, durchschnittlich macht das eine ausgelöschte Sprache alle vier Monate. Die Muttersprache von mehr als drei Milliarden Menschen gehört zu einer der folgenden 20, in der Reihenfolge ihres Vorkommens: Mandarin, Spanisch, Englisch, Hindi, Arabisch, Portugiesisch, Bengali, Russisch, Japanisch, Javanesisch, Deutsch. Wu Chinesisch, Koreanisch, Französisch, Telugu, Marathi, Türkisch, Tamilisch, Vietnamesisch und Urdu. Englisch ist die Lingua franca des Digitalzeitalters, und diejenigen, die sie als zweite Sprache sprechen, übertreffen ihre Muttersprachler um hunderte Millionen. Überall auf der Welt geben Menschen ihre angestammte Sprache zugunsten der dominanten Sprache der Bevölkerungsmehrheit auf. Eine Assimilation, die viele Vorteile bringt, da das Internet sich ausbreitet und die Jugend vom Land in die Städte zieht. Aber der Verlust einer über Jahrhunderte gewachsenen Sprache und ihrer einzigartigen Kosmologie könnte Konsequenzen haben, die wir nicht erkennen, bis es zu spät ist."

Außerdem: Das Leben als endlose Folge von jump cuts - Daniel Zalewski porträtiert die unter Amnesie leidende Künstlerin Lonni Sue Johnson. Und Seymour M. Hersh erinnert an das Massaker der US-Truppen im vietnamesischen My Lai, dessen Umstände ihn seit 1971 nicht loslassen.

Magazinrundschau vom 17.03.2015 - New Yorker

In der aktuellen Nummer des New Yorker besucht Patricia Marx Seoul, die Weltkapitale der plastischen Chirurgie. Ein Psychologie-Professor erklärt, warum das so ist: ""Im Vergleich zu westlichen Kulturen zählen Äußerlichkeiten wie sozialer Status, Kleidung, Gesten, Aussehen mehr als innere Werte. Was andere über einen denken ist wichtiger als Selbsteinschätzung. In den USA wird man einen geborenen Musiker nicht zwingen, Fußball zu spielen. In Korea dagegen glaubt man an den Fortschritt durch Anstrengung, also zwingt man sein Kind dazu, Fußball zu spielen." In Korea kann jeder ein David Beckham werden und mit etwas Mühe auch so aussehen. Korea ist keine Nation, die so leicht aufgibt. Das Land ist über 400 Mal von fremden Mächten überfallen und okkupiert worden, ohne ein einziges Mal der Agressor gewesen zu sein, den Vietnamkrieg ausgenommen. Nach dem Koreakrieg sank das Bruttoinlandsprodukt auf 64 Dollar pro Kopf, weniger als dasjenige Somalias, und die Bevölkerung lebte unter einem Gewaltregime. Heute steht Südkoreas Bruttoinlandsprodukt an 14. Stelle weltweit. Ist es verwunderlich, dass ein Land, das sich immer wieder erfolgreich neu erfunden hat, der Gesichtschirurgie einen so hohen Stellenwert einräumt?"

Außerdem: James B. Stewart berichtet, was der Direktor der New Yorker Met alles unternimmt, um die 3800 Plätze in seinem Haus Abend für Abend zu füllen. Rebecca Mead verfolgt den steilen Aufstieg der kartoffeligen Birkenstock Schuhe zum unverzichtbaren Hipster-Utensil. Und es gibt eine Kurzgeschichte von Colm Tóibín: "Sleep".

Magazinrundschau vom 10.03.2015 - New Yorker

Für die aktuelle Nummer des New Yorker besucht Adam Gopnik das 1933 nach London emigrierte einzigartige Warburg Institute, das durch Umstrukturierungsmaßnahmen der University of London in seiner Existenz bedroht ist, und stößt auf seltsame Parallelen: "Es handelt sich um eine Bibliothek wie keine zweite in Europa - mit ihrer interdisziplinären Anlage, all ihren Eigenheiten und ihrer Originalität, ihrer seltenen Tiefe und ihren unerwarteten Untiefen. Magie und Wissenschaft, Böses und Heiligenleben liegen hier nah beieinander in einem Labyrinth der Imagination, der Zeichen und des Gedächtnisses … Es geht ums Geld. Die Universität wollte, dass Warburg, wie andere Institute auch, seine Mittel selber organisiert. Die Warburger dagegen wollten, dass die Universität sie unterstützt, auf ewig, so wie die Stifungsurkunde von 1944 es vorsieht."

Richtig finster liest sich Patrick Radden Keefes riesiger Artikel über die Frage, ob der Sinn-Fein-Chef Gerry Adams entgegen seinen Beteuerungen auch Mitglied der IRA war. Er war mehr als das, wenn man den mündlichen Zeugnissen einstiger führender Mitglieder der Truppe glaubt, findet Keefe heraus, er war sogar der Chef der IRA. Adams selbst bestreitet das vehement und weist nicht unzutreffend darauf hin, dass seine einstigen Weggefährten den von ihm getragenen Friedensprozess brüsk ablehnten. Anhand des IRA-Mords an der Hausfrau und Mutter von zehn Kindern Jean McConville, der laut Adams" ehemaligen Kumpanen von Adams selbst angeordnet wurde, entfaltet Keefe noch einmal das ganze Hass-Panorama dieses Konflikt, der heute ruhig gestellt, aber nicht ausgestanden ist. Adams hat der 2013 gegen ihn angestrengte und bald fallengelassene Strafprozess nicht geschadet: "Sinn Fein ist heute die populärste Partei in Nordirland. Laut Umfragen glauben die Hälfte ihrer Anhänger nicht an Adams" Behauptungen, er sei nie IRA-Mitglied gewesen. Aber es scheint sie nicht zu kümmern."

Außerdem: Jill Lepore denkt nach über Ungleichheit in den USA und ihre Ursachen. Thomas Mallon porträtiert Marios Varga Llosa und seinen ruhelosen Realismus.

Magazinrundschau vom 03.03.2015 - New Yorker

Im neuen New Yorker erklärt der Publizist Peter Hessler die Feinheiten der chinesischen Zensur. Indem er seinen persönlichen Zensor Zhang Jiren bei "Shanghai Translation" beobachtet, stellt er fest, dass die Unterschiede zu westlichen Publikationsgepflogenheiten gar nicht so groß sind: "Im Westen gibt es diese selbstherrliche Tendenz in Sachen Zensur, die bei vergleichbaren Themen wie Armut als unangebracht angesehen wird. ... Ein Begriff wie "Selbstzensur", bei uns gern verwendet, gibt dem Individuum in einer Weise die Schuld, die vielleicht nicht gerechtfertigt ist. Wir haben kein wirtschaftliches Äquivalent, keine treffende Bezeichnung dafür, was arme Menschen angeblich tun, um ihre eigene Armut zu verfestigen. Jemand wie Zhang, der in einem viel restriktiveren System aufgewachsen ist als dem heutigen, würde sich eher in positiven Begriffen beschreiben. Aus seiner Perspektive ist Selbstzensur nicht das Entscheidende, sondern die Anstrengungen, derer es bedarf, um dem chinesischen Leser ausländische Bücher zugänglich zu machen. Dafür geht er echte Risiken ein."

Außerdem erzählt Eric Schlosser in einer Reportage, wie drei christliche Pazifisten - zwischen Ende fünfzig und 82 Jahre alt - unbehelligt und ohne irgendeinen Alarm auszulösen auf das Gelände einer Nuklearwaffenfabrik spazierten, dort eine halbe Stunde religiöse Lieder sangen, um den Ort "zu heilen", und dann von einer zufällig vorbeifahrenden Patrouille aufgegriffen wurden. Alle drei wurden zu Gefängisstrafen verurteilt. Besprochen werden ein Buch über New York Hardcore 1980-1990 sowie Filme von David Cronenberg ("Maps to the Stars") und Yann Demange (""71"). Und: Stephen King liefert eine Story aus dem Wilden Westen: "A Death".

Magazinrundschau vom 17.02.2015 - New Yorker

In einem Brief aus Libyen stellt Jon Lee Anderson den antiislamischen General Khalifa Haftar vor, der aus Virginia nach Tripolis zurückkehrte, um mit seiner "Libyschen Nationalarmee" die "Libysche Morgenröte", die Armee der islamischen Extremisten, zu bekämpfen. Haftar hatte ursprünglich geholfen, Gaddafi an die Macht zu bringen, sich dann gegen ihn gewendet, für die CIA gearbeitet und war schließlich nach Amerika in Pension gegangen, bis "das Volk" ihn um Rückkehr gebeten habe. Der Rest der Welt steht dem Schlamassel ratlos gegenüber, bekennt Benjamin Rhodes, ein Sicherheitsberater der amerikanischen Regierung: ""Die UN bekommt ein Mandat, geht dorthin und findet niemanden, mit dem sie zusammenarbeiten kann - die Ministerien sind Potemkinsche Dörfer. Der IMF geht dorthin, erklärt was falsch läuft und tut dann nicht mehr viel. Die Weltbank tut auch kaum was. Viele Menschen kamen nach Libyen auf der Suche nach Aufträgen, aber niemand bekam Geld und so verschwanden sie wieder. Die Nato versuchte ein nationales Verteidigungssystem aufzubauen, aber die Libyer machten nicht mit. Die Franzosen wollten 3000 Polizisten trainieren. Statt dessen trainierten sie 30. Dann wurden einige Kadetten zum Training nach Jordanien geschickt, aber die Jordanier schmissen sie wieder raus, nachdem sie aus Ärger über einen verspäteten Flug eine Sportanlage niedergebrannt hatten." Im November, erklärte er, wurden 300 libysche Soldaten, die in Britannien trainiert wurden, ausgewiesen, nachdem ein halbes Dutzend von ihnen in einem englischen Dorf Amok gelaufen war, mehrere Frauen angegriffen und einen Mann vergewaltigt hatte. "Die Libyer haben jeden geschlagen", sagt Rhodes, "egal ob man Gandhi oder Stalin war. Es spielte überhaupt keine Rolle, wie sehr wir uns angestrengt haben, sie haben uns alle geschlagen.""

Außerdem: Vor 90 Jahren wurde der New Yorker gegründet. Anlass für eine Jubiläumsausgabe, in der Mitarbeiter verschiedene Dekaden der Blattarbeit memorieren. Hilton Als etwa erinnert an die Veröffentlichung von James Baldwins Essay "Letter from a Region in My Mind" 1962, ein Meilenstein für das Magazin, das bis dahin fast ausschließlich den Interessen einer weißen, linken Leserschaft gewidmet war. Ian Parker porträtiert Apples Designguru Jonathan Ive und sein Faible für weiche Formen. Zadie Smith porträtiert die Komiker Key and Peele. Mary Norris, seit über zwanzig Jahren Korrektorin beim New Yorker, erzählt von ihrer Arbeit. Und Haruki Murakami steuert eine Short Story bei über einen Barbesitzer mit dem schönen Namen Kino.

Magazinrundschau vom 27.01.2015 - New Yorker

Im neuen Heft des New Yorker erklärt Wil S. Hylton, weshalb es ratsam ist, Bauchschmerzen nach dem Genuss von Hühnerfleisch in den USA nicht auf die leichte Schulter zu nehmen: "In den USA machen verseuchte Lebensmittel Jahr für Jahr 48 Millionen Menschen krank, 128.000 davon müssen stationär behandelt werden, 3000 sterben. Viele der gefährlichsten Krankheitserreger, wie Kolibakterien und Listerien, sind relativ selten, viele der verbreitetsten, wie Norovirus, sind zum Glück relativ ungefährlich. Salmonellen sind beides, verbreitet und potenziell tödlich. Über eine Million US-Amerikaner erkranken jedes Jahr an Salmonellen, 19.000 von ihnen müssen ins Krankenhaus. Salmonellen töten mehr Menschen als irgendein anderer aus Lebensmitteln stammender Erreger. Eine neuere Studie des US-Landwirtschaftministeriums belegt die Kontaminierung von 24 Prozent aller Hühnchenteile mit Salmonellen-Erregern. Eine Studie von Consumer Reports stellt fest, dass mehr als ein Drittel der mit Salmonellen verseuchten Hühnerbrüste einen resistenten Erreger tragen."

Außerdem: Adam Gopnik lernt Autofahren in New York. Und Rachel Aviv erzählt eine traurige Geschichte aus Albuquerque, wo die Rate der bei Polizeieinsätzen getöteten Zivilisten achtmal so hoch ist wie in New York City.

Magazinrundschau vom 20.01.2015 - New Yorker

Im neuen Heft des New Yorker erklärt Adam Gopnik, warum Michel Houellebecq gar kein Provokateur ist, sondern einfach ein Satiriker, einer der heutige Verhältnisse weiterdenkt, einer zudem mit wenig poetischem Gespür, aber aufrichtig, weil er wirklich an den Verhältnissen leidet, wie Gopnik meint: "Französische Rezensenten und amerikanische Vorschauen auf Houellebecqs neues Buch lassen eine bissige sardonische Polemik erwarten über das Böse am Islam, die Absurditäten des Feminismus, die Demoralisierung Frankreichs. Tatsächlich ist der Ton des Buches melancholisch. Das Leben erfüllt den Autor mit Trauer … Der Islamophobie-Vorwurf scheint unangebracht. Houellebecq ist nicht islamophob, er ist frankophob. Die imaginierte islamische Regierung in Frankreich wird eher liebevoll gezeichnet: Es herrschen Sicherheit und Höflichkeit, die Bildungsreform ist mustergültig - fast eine Art Neo-Gaullismus … In "Unterwerfung" verweigert die islamische Führung den großen Unternehmen ihre Unterstützung zugunsten kleiner Handwerksbetriebe. Doch für das bodenständige Frankreich kommt all das zu spät, so muss es sich unterwerfen … Satire zeigt, was geschieht, wenn nichts passiert, um das, was passiert zu ändern. Aber das ist nicht die Wirklichkeit."

Weitere Artikel: Mattathias Schwartz findet, für die Terrorabwehr braucht es keine Ausweitung des Überwachungsstaats, weil nahezu alle Urheber großer Terrorakte in den vergangenen 15 Jahren den Behörden ohnehin bekannt waren: Große Datenmengen nützen nichts, wenn man unfähig ist, die wichtigen Informationen herauszufiltern. Jill Lapore schildert Bemühungen, dass Netz zu archivieren. Und Alex Ross erinnert daran, wie der Anwalt Karl Heinrich Ulrich vor über hundert Jahren in Berlin für die Schwulenrechte eintrat.

Magazinrundschau vom 13.01.2015 - New Yorker

Vielleicht sollten wir uns wirklich langsam mit der Burka anfreunden? Unsere Daten sind ja schon off- und online ein gutes Geschäft. Aber demnächst werden auch unsere Emotionen vermarktet, lesen wir in Raffi Khatchadourians gruseliger Reportage für das neue Heft des New Yorker. Ursprünglich sollte die Interpretation unserer Gesichtsausdrücke (dahinter steckt keine Esoterik, sondern eher das Auszählen von Gesichtsfalten) medizinischen Zwecken dienen - der Kommunikation mit autistischen Kindern etwa. Inzwischen hat die Werbeindustrie Wind von der Sache bekommen und wittert ein Riesengeschäft: "Marian Bartlett, eine Forscherin an der Universität von Kalifornien in San Diego und führende Wissenschaftler bei der Firma Emotient, ließ einmal Filmmaterial durch ihre Software laufen, das ihre Familie beim Fernsehen zeigte. In einem Moment von Slapstick-Gewalt zeigte ihre Tochter in einem einzigen Frame wilde Wut, die in Überraschung und dann Gelächter mündete. Der Tochter war dieser Moment des Unbehagens gar nicht bewusst, aber der Computer hatte ihn bemerkt. Kürzlich demonstrierten Bartletts Kollegen in einer Studie, dass Computerprogramme, die "Mikro-Ausdrücke" scannen, vorhersagen können, ob Menschen ein finanzielles Angebot ablehnen werden: ein Aufblitzen von Widerwillen zeigt an, dass das Angebot als unfair empfunden wird, ein Aufblitzen von Ärger kündigt die Ablehnung an."

Außerdem: Adam Gopnik macht klar, dass es sich bei den ermordeten Redaktionsmitgliedern von Charlie Hebdo nicht um die Art zahme Karikaturisten handelt, wie man sie von amerikanischen Editorials her kennt: Ihre "Stilisierung zu Märtyrern und missverstandenen Botschaftern des Rechts auf freie Meinungsäußerung" erscheint ihm "als Verrat ihres Andenkens". Luke Mogelson berichtet, wie einzelne Gemeinden in Sierra Leone und Liberia mit großem Einsatz gegen das Ebola-Virus kämpfen. Und Sasha Frere-Jones annonciert das Comeback der Indie-Rockerinnen von Sleater-Kinney.