Magazinrundschau - Archiv

The New Yorker

854 Presseschau-Absätze - Seite 29 von 86

Magazinrundschau vom 15.05.2018 - New Yorker

Im neuen Heft des New Yorker erläutert Nick Paumgarten den Hype um das Koop-Survival-Game Fortnite, in dem es darum geht, sich gegen eine Invasion von Zombies zu verteidigen, das beliebteste Videospiel des Planeten: "Sein relativer Mangel an Bosheit - Fortnite ist nahezu frei von der Frauenfeindlichkeit und dem Rassismus so vieler anderer Spiele - verstärkt seine Popularität (der Spieler kann in verschiedene, jedes Geschlecht, jede Ethnie vertretende 'skins' schlüpfen). Es heißt, viele Mädchen spielen es, ob mit oder ohne Jungs … Außerdem ist Fortnite das Spiel mit den meisten Zuschauern. Es füllt Stadien und natürlich die YouTube-Kanäle, auf denen es insgesamt fast drei Milliarden Zuschauer verzeichnet. Auf der Streaming-Platform Twitch ist es ganz oben. Zugucken ist nicht länger nur für Deppen … Der Star heißt Tyler Blevind aka Ninja, der angeblich eine halbe Million monatlich damit verdient, seine Spielsessions nebst Kommentar auf Twitch zu streamen. Sein YouTube-Kanal hat mehr als 10 Millionen Abonnenten."

Außerdem: Evan Osnos schildert, wie Trumps Leute den "tiefen Staat" umkrempeln. Alex Ross berichtet über zwei Cembalisten, Jean Rondeau und Mahan Esfahani, die die Goldberg Variationen neu interpretieren. Adam Gopnik stellt einen Winzer mit ungewöhnlichen Ideen zu Traubensorten und Anbaugebieten vor. Amanda Petrusich hört das neue Album von Courtney Barnett. Anthony Lane sah im Kino Paul Schraders Ökoterror-Drama "First Reformed" und Michael Mayers Tschechow-Adaption "The Seagull".

Magazinrundschau vom 08.05.2018 - New Yorker

Im neuen Heft des New Yorker gibt Tad Friend erst einmal Entwarnung. Künstliche Intelligenz wird doch nicht so schlimm für die Menschheit wie vermutet: "Über eine Intelligenz nachzudenken, die uns überflügelt, kann klären helfen, was uns zu Menschen macht, im Guten wie im Schlechten. Sind wir in Sachen Künstlicher Intelligenz so weit gekommen, weil wir so gut sind, besser als Computer? Oder weil wir so schlecht darin sind, uns das Ende auszumalen. Künstliche Intelligenz bringt uns dazu zu erwägen, ob es klug ist, nach Aliens zu suchen, ob wir uns in einer Simulation befinden und ob wir Gott gegenüber beziehungsweise für ihn verantwortlich sind. Wird Künstliche Intelligenz die Lösung sein oder das Ende des Experiments? Künstliche Intelligenz ist bereits so allgegenwärtig, das wir sie kaum bemerken. Wir akzeptieren es, wenn Siri für uns Termine verwaltet, Facebook unsere Fotos markiert und die Demokratie unterläuft. Computer sind längst in der Lage, mit Aktien zu handeln, zu übersetzen, Krebs zu diagnostizieren. Ihre Reichweite ist schon unkalkulierbar. Algorithmen schreiben Musik, erkennen Sarkasmus, spielen Poker, reißen Witze, erdenken Filmszenarien und können einen IKEA-Stuhl zusammenbauen … Was bleibt für uns? Larry Tesler, der das Copy-and-Paste erfunden hat, hat vorgeschlagen, menschliche Intelligenz sei alles, was 'Maschinen noch nicht können'. 1988 erkannte der Robotik-Spezialist Hans Moravec, dass Aufgaben, die uns schwer erscheinen, für Rechner leichtes Spiel sind und andersrum. Es sei relativ einfach, einem Computer die Leistungsfähigkeit eines Erwachsenen anzutrainieren und schwer, ihm die Beweglichkeit und Auffassungsgabe eines Einjährigen zu vermitteln. Auch wenn Maschinen sehen und gehen können, besteht das Paradox weiter: Roboterhände zu programmieren gehört zum Schwersten überhaupt."

Außerdem: Caleb Crain stellt Robert Kuttners Buch "Can Democracy Survive Global Capitalism?" vor, das den Thesen des ungarischen Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlers Karl Polanyi neue Bedeutung verleihen will. Casey N. Cep stellt Zora Neale Hurstons Buch über den transatlantischen Sklavenhandel vor, das fast neun Jahrzehnte auf seine Veröffentlichung wartete. Peter Schjeldahl besucht die Soutine-Retrospektive im Jewish Museum in New York. Hua Hsu hört das neue Album des HipHoppers Post Malone. Anthony Lane sah im Kino Jason Reitmans "Tully" mit Charlize Theron.

Magazinrundschau vom 02.05.2018 - New Yorker

Im neuen Heft des New Yorker widmet sich Nicholas Schmidle der Cybersicherheit und ihren Fährnissen: "Schätzungen zufolge sind 90 Prozent aller US-Firmen Opfer von Hackerangriffen … Regierungsorganisationen wie die Nationale Sicherheitsbehärde N.S.A oder das Department of Homeland Security sorgen für die Sicherheit der Regierungsnetzwerke. Dem privaten Sektor bleibt der Schutz seiner Netzwerke selbst überlassen. Hilfe erhält er zunehmend von der Cybersicherheitsindustrie, die gern ehemalige N.S.A.-Mitarbeiter beschäftigt. Einige dieser Firmen sehen sich als Maurer, die ihren Kunden helfen, dickere Wände zu bauen, andere verstehen sich als Kammerjäger im Kampf gegen Ungeziefer. Viele von ihnen bieten 'aktive Verteidigung' an, ein vorsätzlich unscharf gehaltener Begriff für die Bereitschaft, Eindringlinge zu jagen, während sie sich im Kunden-Netzwerk befinden, oder auch: zurückzuhacken, also in die Rechner der Hacker einzudringen. Man spricht nicht gern offen darüber … Betroffene Unternehmen sind es leid, betroffene Stellungnahmen rauszugeben, um ihre Kunden davon zu unterrichten, dass sensible Personendaten gestohlen wurden. Das ist schlecht für den Aktienkurs und suggeriert Unfähigkeit. James Bourie, ein Unternehmer aus der Cybersicherheit erklärt: 'Sie wollen nicht länger passiv bleiben, aber sie wissen nicht, wie weit sie gehen können, ohne das Gesetz zu brechen' … Sollte das 'hacking back' legal werden, könnte es einzelnen Opfern von Cyberkriminalität zwar helfen, aber das Internet wird dadurch nicht sicherer. Wenn Waffenbesitz überhaupt ein Indikator ist, dann dafür, dass mehr Waffen mehr Gewalt bedeuten, und Cyperwaffen dürften noch viel schwerer in den Griff zu bekommen sein als richtige Waffen. 2012 konnten sich die USA und Russland nicht auf ein Cyberwaffen-Gesetz einigen. Open-Source-Hackercode, mit dem das Eindringen in Firmennetzwerke festgestellt werden kann, zirkuliert längst online, aber dieser Code ist auch für kriminelle Zwecke nutzbar. Nach Angaben eines früheren N.S.A.-Mitarbeiters haben z. B. iranische Hacker bei ihren Angriffen auf US-Banken solchen Code verwendet."

Außerdem: Peter Hessler berichtet aus Kairo, wie es ist, als Familie durch die Revolution zu gehen. Ben Taub begleitet einen Ex-Terroristenjäger auf Streife. Zadie Smith porträtiert die Fotografin Deana Lawson. Jonathan Dee liest Sergio de la Pavas polyphonen Roman "Lost Empress". Anthony Lane sah im Kino Joe und Anthony Russos "Avengers: Infinity War" sowie Claire Denis' "Let the Sunshine In" mit Juliette Binoche. Und in einer Kurzgeschichte von Isaac B. Singer geht es ums Hadern mit einem Gott, der Hitler möglich machte.

Magazinrundschau vom 17.04.2018 - New Yorker

Im neuen Heft des New Yorker erläutert Dan Chiasson, wieso Stanley Kubricks "2001: A Space Odyssey" auch 50 Jahre nach seiner Entstehung noch gut aussieht: "Kubrick gestaltete seine Vision der Zukunft mit dem Fleiß eines Historienfilm-Regisseurs. 2001 ist teilweise eine sehr pingelige Rekonstruktion einer Zeit, die erst noch stattfinden sollte. Kubruck kannte die Exponate der 1964er Weltausstellung und verwendete Magazinartikel über das Zuhause der Zukunft. Produktionsdesigner Tony Masters meinte, die Welt von '2001' wurde zu einer ganz bestimmten Zeit, einem ganz bestimmten Ort mit der kohärenten Ästhetik eines historischen Labels wie 'Georgianisch' oder 'Victorianisch'. Wir erschufen eine Lebensart, erinnert er sich, bis zum Besteck … Indem er ein nicht allzu weit entfernte Zukunft wählte, wollte Kubrick sein Publikum die Probe machen lassen, ob seine Vorhersagen stimmen würden. Ein Teil seines Genies war es, das zu beeinflussen, indem er das Set mit Designdetails großer Marken ausstattete: Whirlpool, Macy's, DuPont, Parker, Nikon. Wenn das Jahr 2001 wie der Film aussah, dann auch deshalb, weil die Vorstellungswelt des Films in die Realität umgesetzt wurde."

Außerdem: Nick Paumgarten bereist den Rio Grande - eine durch Trumps Mauerpläne gefährdete atemberaubende Landschaft. Ian Frazier geht dem Geheimnis der Maraschino Kirsche nach. Und Adam Gopnik porträtiert den Kinderbuchautor Edward Lear. Und Carrie Battan hört Cardi Bs "Invasion of Privacy".

Magazinrundschau vom 10.04.2018 - New Yorker

Im neuen Heft des New Yorker berichtet D. T. Max über chinesische Arbeiter, die in der Toskana italienische Designer-Handtaschen fertigen, damit die guten Stücke auch weiterhin ja das Label "Made in Italy" tragen können: "Geschätzte 100 Werkstätten in der Toskana stellen Handtaschen für die großen Modehäuser her. Jede dieser Werkstätten arbeitet mit Subunternehmern zusammen, die Applikationen aufnähen oder letzte Hand an das Produkt anlegen. Der Werkstattbesitzer, mit dem ich sprach arbeitet für Chloé, Burberry, Fendi, Balenciaga, Saint Laurent und Chanel. Er sagte, Chanel sei am meisten um die Qualität besorgt. Für eine Firma wie Fendi zu arbeiten, sei nicht leicht für einen Chinesen. Man muss die italienische Mentalität annehmen, meinte er, und die betreffende Tasche wie ein Italiener sehen. Ein Chinese denke erst einmal, er müsse soundso viele Taschen herstellen, doch hinter jeder Tasche stecke die genaue Überlegung, wie sie zu sein hat … 2014 verriet ein italienischer Kunsthandwerker dem Fernsehen, dass Gucci ihm einen mächtigen Vertrag angeboten hatte: 24 Euro pro Tasche. Er musste einen chinesischen Subunternehmer anstellen, der seinen rund um die Uhr arbeitenden Arbeitern die Hälfte zahlte. Im Laden kosteten die Taschen zwischen 800 und 2000 Dollar. Guccis Prüfer hielten es nicht für nötig, die Arbeitsbedingungen zu erfragen. Gucci nannte die TV-Berichte unwahr und ohne Zusammenhang mit der Realität des Unternehmens."

Außerdem: Der Schriftsteller Junot Diaz erzählt, wie er als Achtjähriger mehrfach vergewaltigt wurde und dieses Tat bis heute sein Leben bestimmt. Gary Shteyngart erklärt, warum ein Hedgefondsmanager nun auf Bitcoin setzt. Und James Wood bespricht Walter Kempowskis letzten Roman "Alles umsonst", eine Geschichte aus Ostpreußen vor dem Einmarsch der Roten Armee.

Magazinrundschau vom 03.04.2018 - New Yorker

Im neuen Heft des New Yorker begleitet Alexis Okeowo die pakistanische Dokumentarfilmerin Sharmeen Obaid-Chinoy, die sich des Vorwurfs pakistanischer Männer erwehren muss, westliche Vorurteile zu bedienen, indem sie Frauenschicksale in einer patriarchalischen Gesellschaft dokumentiert: "Obaid-Chinoys Filme behandeln schwierige Themen wie Kindesmisshandlung und Vergewaltigung, aber auch den sozialen Fortschritt - eine Ärztin, die eine Entzugsklinik leitet, einen jungen Anwalt für die Bildung von Mädchen. ... Mitunter hat sich die Regisseurin gegen die Ausstrahlung ihrer Dokumentationen im Fernsehen entschieden, um ihre Darstellerinnen vor Vergeltungsmaßnahmen zu schützen. Es gibt bei uns keine Kultur für das Anschauen solcher Dokumentationen, erklärt sie. Die Balance zwischen Information und Beunruhigung ist ihr wichtig … Zwischen 2002 und 2009 drehte Obaid-Chinoy eine Reihe von Filmen, in denen es um die beschränkten Rechte von Frauen in Saudi Arabien, den wachsenden Einfluss der Taliban in Pakistan, die Vergewaltigung und Ermordung kanadischer Ureinwohnerinnen oder illegale Abtreibung auf den Philippinen ging. Diese Filme waren wie Reportagen fürs Achtuhrfernsehen, mit Obaid-Chinoys als charismatischer Erzählerin. In 'Reinventing the Taliban?' von 2003 läuft sie durch Peshawar, während die Männer sie anstarren: 'Ich bin die einzige Frau hier.'"

Außerdem: Sheelah Kolhatkar berichtet vom Machtwechsel bei Uber und der Verwandlung vom skandalgeplagten Startup zum traditionellen Unternehmen. Dexter Filkins überlegt, was Saudi Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman mit seinen Annäherungen ans Weiße Haus bezweckt. Alex Ross trifft den 34-jährigen deutsch-italienischen Geiger Augustin Hadelich am Abend vor seinem erstem Britten-Konzert. Besprochen werden Meg Wolitzers Roman "The Female Persuasion", eine Ausstellung mit Cezanne-Porträts in der National Gallery of Art sowie zwei Filme: Steven Spielbergs "Ready Player One" und Andrew Haighs "Lean on Pete".

Magazinrundschau vom 27.03.2018 - New Yorker

Im neuen Heft des New Yorker trifft Larissa MacFarquhar den britischen Philosophen Andy Clark, der eine Theorie des expandierenden menschlichen Denkens entwickelt hat. Hilfsmittel des Denkens wie Smartphones und Sprache sind Teil des Denkens selbst, behauptet er: "Die meisten Menschen, stellte Clark fest, neigen dazu, sich mit ihrem Bewusstsein zu identifizieren. Das scheint nicht ungewöhnlich, handelt es sich doch um das Selbst, das sie am besten kennen. Doch Kognition ist viel mehr als das: die riesige, stille Kaverne der Seelen-Maschine mit ihren Schläuchen, Synapsen und elektrischen Impulsen. So viele unbewusste Systeme, Verbindungen, Tricks und tief eingegrabene Wege, die das pulsierende Material des Selbst bilden. Diesen primären Mechanismen, den Verkabelungen und Rohrleitungen der Kognition gelten Clarks Forschungen. Denkt man an all diese fundamentalen Dinge - einige von ihnen teilen wir mit anderen Säugern und weit entfernten Vorfahren, andere sind einzigartig und neu - kann das Bewusstsein wie eine sehr oberflächliche Sache erscheinen, ein User-Interface, das die tatsächliche Arbeit darunter verdeckt."

In einem anderen Artikel erklärt Joshua Rothman die neue Technik des "virtual embodiment", die unser Selbstverständnis tüchtig strapaziert. Margaret Talbot berichtet, wie die amerikanische Umweltschutzbehörde zum besten Freund der Fossilenergielobby wurde. Und Rachel Aviv erzählt die Geschichte einer jungen Frau, die den Sinn für die eigene Identität verlor. Peter Schjeldahl sah im Met Breuer eine Skulpturenausstellung über den Körper. Und Anthony Lane sah im Kino Steven Soderberghs mit einem Iphone gedrehten Psychothriller "Unsane" sowie Aaron Katz' Hollywood-Mystery "Gemini".

Magazinrundschau vom 20.03.2018 - New Yorker

Im neuen Heft des New Yorker erklärt Adam Kirsch anhand neuer Bücher von Simon Schama ("The Story of the Jews: Volume Two: Belonging, 1492-1900") und Martin Goodman ("A History of Judaism") unterschiedliche Möglichkeiten, sich der jüdischen Geschichte zu nähern: "Für Schama umfasst das Judentum alles, was Juden getan haben, ihre Lebensäußerungen überall auf der Welt. Der Boxer Dan Mendoza war Jude, Esperanza Malchi, Vertrauter am Osmanischen Gericht im 16. Jahrhundert, ebenso wie kanonische Gestalten wie Moses Maimonides, der mittelalterliche Philosoph, oder Theodor Herzl. Schama bietet einen demokratischen, humanistischen Ansatz. Er wirft einen Blick auf die Beziehungen zwischen Juden und der nichtjüdischen Kultur, in der sie lebten, schon weil die überkommenden Quellen es so gebieten. Juden, die in der nichtjüdischen Welt einen Namen hatten, hatten überdurchschnittlich viel mit dieser Welt gemein. Aber auch, weil Schama sich nicht so sehr für religiöse Praktiken und Texte interessiert … Für Goodman indes hat jüdische Geschichte viel mehr mit Ideen und Glauben zu tun. Er interessiert sich für das, was Juden zu Juden macht, nicht, was sie zu Menschen macht. Doch auch er betont, dass das Judentum nie über eine einfache, einheitliche Identität verfügte. Und auch er misstraut den biblischen Quellen. Daher beginnt er auch nicht mit ihnen, sondern mit ihrer Nacherzählung durch Flavius Josephus aus dem ersten Jahrhundert n. Chr. Durch ihn ist uns diese Periode überliefert. Er war der Schama oder Goodman der antiken Welt."

Außerdem: Jill Lepore erinnert an die Meeresbiologin Rachel Carson. Anthony Lane sah im Kino "Tomb Raider" und Wes Andersons "Isle of Dogs".

Magazinrundschau vom 13.03.2018 - New Yorker

In einem sehr schönen Artikel geht Andrew Marantz der Frage nach, wie man im Netz Meinungsfreiheit garantieren kann, ohne den bösen Kräften, Verrückten und Trollen ein Invasionsangebot für den öffentlichen Raum zu machen. Zu diesem Zweck besucht Marantz Reddit, einen berühmt-berüchtigten Social-News-Aggregator, bei dem jeder Links posten und eine Community in sogenannten "Subreddits" um sich scharen kann. Berühmt wurde Reddit, nach Google, YouTube, and Facebook die meistbesuchte Webseite der Welt, vor allem durch Postings, die das Recht auf freie Meinungsäußerung bis zur äußersten Grenze - und darüber hinaus, würden viele sagen - austesten. Ein Beispiel: Der subreddit r/Jailbait (inzwischen gelöscht), auf dem Fotos, die Frauen unter die Röcke glotzen, gepostet wurden. Marantz hat einen ungewöhnlich offenen Zugang zu den Mitarbeitern und ihrem Chef, Steve Huffman, was vielleicht mit dazu beiträgt, das sein Porträt unerwartet sympathisch ausfällt. Am Ende, stellt sich heraus, läuft alles auf den common sense der Leute hinaus, die die Postings prüfen:
"Eine Frau mit Kapitänsmütze sagt 'Okay, jemand hat gerade gefragt, wie die Redewendung bring dich um behandelt wird.'
'Kommt immer auf den Kontext an', sagt Ashooh. 'Die Leute werden das bald nicht mehr hören können, aber so ist es.'
'Uff, wir haben eine Sodomitenseite übersehen', sagt die Frau mit Kapitänsmütze. 'SexWithDogs war zwar auf unserer Liste, aber DogSex nicht.'
'Warst du bei DogSex', fragt Ashooh.
'Yep.'
'Und was läuft da?'
'Naja, also ...'
'Haben da Leute Sex mit Hunden?'
'Und wie.'
'Gut, dann lösch es.'
'Ich brauche mehr Käsestangen', sagt die Frau mit der Kapitänsmütze und steht auf. 'Wieviele Käsestangen sind zu viel? Ab wann wird das zu Gewalt gegen meinen eigenen Körper?'
'Kommt auf den Kontext an', sagt Ashooh."

Während sie der iranisch-stämmigen India Mahdavi durch ihr Pariser Atelier, ihre Wohnung und über die Stockholmer Möbelmesse folgt, versteht Lauren Collins, warum die Innenarchitektin mit ihrer Einrichtung des "Sketch" ein Rosa-Revival begründet hat. Das Londoner Restaurant, das am häufigsten auf Instagram zu sehen ist, sei der Beweis für Mahdavis Talent, den gut geschulten Blick ihrer kultivierten Kunden noch schärfer zu stellen, schwärmt Collins: "Das Pink in Sketch wurde als staubiges Pink beschrieben, als Kaugummipink, Babypink und - von einem Reddit-User - als 'in einer Vagina besoffen werden'. Patrick Bay, ein Farbenhistoriker und Autor von 'The Anatomy of Color', sieht es als 'bläuliches Pink', was, so sagt er, oft eine Assoziation mit weiblichen Dingen weckt, mit Lingerie und Bonbons. Laut 'On the External Characters of Minerals', einer grundlegenden Systematik von Farben, die der deutsche Geologe A. G. Werner 1774 veröffentlichte, korrespondiert das von Mahdavi gewählte Pink am ehesten mit Aurora Rot, das man im Gefieder des Buntspechts findet (Tier), in Äpfeln (Gemüse) und gelber Arsenblende (Mineral). Mahdavie bescheibt das Sketch-Pink, das Pantone als Rose Quartz 13-520 führt, als 'Pink, das die Essenz von Pink ist'."

Also, um mit Kay Thompson zu sprechen: Banish the black, burn the blue and bury the beige



Außerdem: Rebecca Mead berichtet von einer Transsexuellen, die ihr Gesicht dem einer Frau angleichen ließ. Sheila Marikar trifft Hollywoods Star-Stylisten Andrew Weitz. Und Lauren Collins besucht die Felder, auf denen die Rosen für Chanel No. 5 gedeihen.

Magazinrundschau vom 06.03.2018 - New Yorker

Im neuen Heft des New Yorker erzählt Jane Mayer, wie der Ex-Spion des MI 6, Christopher Steele, uns vor Trump und seiner Russland-Connection warnen wollte: "Steeles Quellen behaupteten, Russlands Inlandsgeheimdienst (FSB) könne Trump leicht erpressen, da er Videoaufnahmen besaß, die Trump bei perversen Sexspielen in Russland zeigten. Demnach wohnte Trump 2013 in der Präsidentensuite des Ritz Carlton in Moskau, zahlte eine Reihe Prostituierter für 'Natursekt'-Performances, um das Bett zu entweihen, in dem Barack und Michelle Obama bei ihrem Staatsbesuch geschlafen hatten. Es gab vier Quellenangaben, aber alle Berichte waren secondhand … In Steeles Bericht waren die Namen der Quellen ausgelassen, doch sie wurden beschrieben als hoher aktiver Offizier im Kreml, Hotelangestelle und Trump-Mitarbeiter. Wesentlicher als die sexuellen Details ist in der Rückschau der Umstand, dass der Kreml und Trump in der Kampagne von 2016 politisch konspirierten. Es hieß, die Russen hätten Trump über fünf Jahre aufgebaut und Putin hätte ihn unterstützt, um in den USA und in der transatlantischen Allianz 'Zwietracht zu sähen'. Der Bericht behauptete, obwohl Trump keine Immobilien-Geschäfte in Russland tätigte, hätten er und seine vertrauten Mitarbeiter wiederholt Geheimwissen des Kremls über Hillary Clinton und andere politische Gegner erhalten. Die Behauptungen waren verblüffend und unwahrscheinlich. Sie hatten das Zeug zum Hochverrat, selbst, wenn sie nur teilweise der Wahrheit entsprachen."

Außerdem: Jiayang Fan besucht Chinas Weingüter, die wie Pilze aus dem Boden schießen. Margaret Talbot fragt sich, ob das Florida-Shooting endlich etwas an den Waffengesetzen ändern wird. Und Kathryn Schulz berichtet über die niemals endende Stinkwanzenplage in den USA. Alex Ross hört die Opern "Semiramide" und "Parsifal" in der Met. Peter Schjeldahl sieht im Whitney's eine Retrospektive des Mid-century-Malers Grant Wood. Und Anthony Lane sah im Kino Francis Lawrences Thriller "Red Sparrow" und Samuel Maoz' "Foxtrot".