Magazinrundschau - Archiv

The New Yorker

854 Presseschau-Absätze - Seite 28 von 86

Magazinrundschau vom 28.08.2018 - New Yorker

In der aktuellen Ausgabe des New Yorker berichtet Jon Lee Anderson, wie Nicaraguas Präsident Daniel Ortega sich bewährter Autokraten-Taktiken bedient: "Seit elf Jahren festigt Ortega seine Macht mit raffiniertem Geschacher. Auch wenn seine Karriere vor vier Jahrzehnten als marxistischer Revolutionär begann, hat er sich mit Unternehmensführern arrangiert und mit der Katholischen Kirche verbrüdert, indem er die Abtreibung verbot. Noch immer wettert er gegen US-Imperialismus, zugleich umwarb er den Internationalen Währungsfonds und ließ eine Welle amerikanischer Pensionäre ins Land, die in Nicaragua Immobilien kauften. In den letzten Monaten versucht Ortega verstärkt, die Kontrolle wiederzuerlangen, und bedient sich dazu der Strategien von Autokraten in der Türkei, in Ägypten, Venezuela und anderswo: Erkläre deine politischen Gegner zu Betrügern, stifte die Menge zur Gewalt an und weise jede Verantwortung von dir. Hunderte Protestierende wurden getötet oder ins Gefängnis gesteckt … Eine maskierte Bürgerwehr ging systemtisch auf die Barrikaden los und tötete. Ortega behauptet, die Paramilitärs wären eine Erfindung der Medien, steckten mit seinen Feinden unter einer Decke oder wären nur Leute aus der Gegend, die sich selbst verteidigten. Parallelen zur Krim 2014 drängten sich auf, wo Putin zunächst abstritt, dass die Uniformierten an der Grenze Russen waren. Ortegas Äußerungen sind ebenso unglaubwürdig. Videos zeigen Paramilitärs bei der Zusammenarbeit mit uniformierter Polizei, eines zeigt Ortega, wie er inmitten von Leuten in Kampfanzügen einen maskierten Mann umarmt. Das ging so, bis die Leichen von Aktivisten auftauchten; sie zeigten Wunden von Schüssen im Hinterkopf - ein Zeichen für Massenexekutionen. Ein US-Offizier nennt es den Wechsel von einem Klima der Angst zum Terror."

Außerdem: Ian Parker trifft Glenn Greenwald, der Russlands Einfluss auf die amerikanischen Präsidentschaftswahlen 2016 bezweifelt. Simon Schama schaut sich die historischen Pigmente in der Sammlung Forbes an. Judith Thurman denkt über das Genie von Leuten nach, die Dutzende Sprachen sprechen. Carrie Battan hört Nicki Minaj. Louis Menand liest Francis Fukuyamas Buch "Identity: The Demand for Dignity and the Politics of Resentment" und Anthony Lane sah Julien Farauts Filmdoku über den Tennisprofi John McEnroe.

Magazinrundschau vom 21.08.2018 - New Yorker

In der aktuellen Ausgabe des New Yorker porträtiert Calvin Tomkins den 90-jährigen, höchst aktiven Maler Alex Katz und seine Porträt-Technik vor: "Indem er Charakter und Stimmung komplett ignoriert, bieten seine Bilder die reine Sensation der äußeren Erscheinung. Nicht, wer die Porträtierten sind, interessiert ihn, sondern wie sie in einem bestimmten Moment erscheinen. Für ihn gibt es nichts Spannenderes als die Oberfläche der Dinge, sagte er einmal. Er malte alle auf diese Weise, nicht nur seine Frau Ada (mehr als 200 Mal). Mitte der sechziger Jahre begann er, Personengruppen in sozialen Situationen festzuhalten. 'The Cocktail Party' zeigt eine Gruppe von gut gekleideten Leuten inklusive Ada in einem New Yorker Loft, 'Lawn Party' dreizehn festlich gekleidete Gäste vor einem Landhaus. Kleidung, Gesten, Frisuren sind spezifisch für die Zeit, aber das Eintauchen in ein dauerndes Jetzt, das Katz 'das schnelle Vergehen der Dinge' nennt, sorgt dafür, dass das Bild nicht altmodisch wirkt. Obwohl Katz mit den traditionellen Realisten der Zeit, Fairfield Porter, Jane Freilicher, Umgang hatte, war seine Arbeit nie realistisch. Die Gesichter seiner Figuren sind weich und makellos, fast exemplarisch, die Hintergrunddetails sind minimal. Seine Oberflächen wurden dünner und weicher in den Sechzigern, gezeichnet von wenigen Pinselspuren. Um die Kompositionsprobleme zu lösen, die Menschengruppen an den Maler stellen, nahm Katz Abstand vom direkten Auftragen der Farbe und brachte sich die Renaissance-Technik bei, bei der der Maler einen lebensgroßen Karton vor die Leinwand spannt und trockenes Pigment durch Nadellöcher aufbringt, um die Umrisse festzulegen. So arbeitet er beim großformatigen Bildern noch immer, stets auf der Suche nach Techniken, um neue Effekte zu erzielen."

Außerdem: George Packer resümiert die Folgen der Finanzkrise von 2008. Dana Goodyear berichtet über neue Body-Cams, die helfen sollen, Polizeigewalt in den Griff zu bekommen. Und Elizabeth Kolbert denkt über die Vor- und Nachteile der Philanthropie in unserer Zeit nach.

Magazinrundschau vom 14.08.2018 - New Yorker

Joshua Yaffa schreibt ein nicht immer vorteilhaftes, letztlich aber bewunderndes Portärt über den Hedge-Fonds-Betreiber Bill Browder, der zur bête noire Wladimir Putins wurde, so noire, dass Putin ihn sogar auf seiner berühmt-berüchtigten Pressekonferenz mit Trump in Helsinki nannte. Browder, der aus dem kommunistischen Hochadel der USA kommt (das gibt es, sein Großvater war Generalsekretär der Kommunistischen Partei in Amerika!) war zu frühen Putin-Zeiten Investor in Russland und sorgte für Ärger, als er für geschäftliche Transaktionen mehr Transparenz forderte. Aber sein Anwalt und Steuerberater Sergej Magnitski wurde festgenommen, in Gefängnissen gequält und starb nach Folterungen im Jahr 2009. Browder setzte in den USA den von Barack Obama verabschiedeten "Magnitsky Act" durch, der zeigt, wie wunderbar Sanktionen funktionieren, wenn sie ins Zentrum des Regimes zielen und Personen im direkten Umkreis Putins treffen, schreibt Yaffa, der unter anderem mit der Obama-Beraterin Celeste Wallander gesprochen hat: "Der Magnitsky Act bedrohte den unausgesprochenen Pakt, der Putins Beziehungen zu denen regelt, die seine Macht durchsetzen, seien es Beamte des Innenministeriums oder Bürokraten in der Steuerbehörde. 'Er beweist, dass Putins 'Kryscha' nicht dicht hält, erklärt Wallander. Kryscha ist Russisch für 'Dach' und bedeutet im Kriminellenjargon den Schutz, den ein Pate anderen anbieten kann. 'Er bringt seinen Gesellschaftsvertrag mit den Insidern seines Systems durcheinander."

Weitere Artikel: Adam Gopnik liest Julian Jacksons Biografie des französischen Generals und Staatsmanns Charles de Gaulle, der für die Franzosen heute eine eher zeremonielle Präsenz hat - "wenn er noch irgendwo lebt, dann in der endlosen Parade von Bücher über den Zweiten Weltkrieg von Briten und Amerikanern, in denen er als die größte Nervensäge in der Geschichte der liberalen Weltordnung erscheint." Carrie Batton hört Westküsten-HipHop von YG. Alex Ross besucht Bayreuth. Und Anthony Lane sah im Kino Spike Lees "Blackklansmen".

Magazinrundschau vom 24.07.2018 - New Yorker

Sam Knight liefert nicht nur eine Übersicht über die titanischen Probleme der Realisierung des Brexit - dabei scheint er mit der Idee des Brexit sogar zu sympathisieren - , sondern auch ein so bisher nie gelesenes persönliches Porträt über Theresa May und eine Reportage mit Details über die Folgen des Brexits. Eines Tages wollte May der Nation gute Nachrichten bringen: Das bei der EU eingesparte Geld soll in Krankenhäusern eingesetzt werden, sagte sie bei einer Rede: "Ich saß ein paar Sitze entfernt von Suzanne Tyler, der Direktorin des Royal College of Midwives. Rund 1.500 in der EU ausgebildete Hebammen arbeiten zur Zeit in britischen Krankenhäusern, aber seit 2016 ist die Zahl der aus Europa kommenden Hebammen jährlich um achtundachtzig Prozent zurückgegangen. Es gibt keine Einigung über die Bedingungen, unter denen die Hebammen der EU nach März arbeiten können; 234 Hebammen verließen das Land im vergangenen Jahr. 'Die Leute sind unsicher, was passieren wird', sagte Tyler mir. 'Wir könnten auf einen Schlag Hebammen für zehn Krankenhäuser verlieren.'"

Elisabeth Zerofskys Geschichte liest sich zu Anfang ein bisschen wie "Polen für Anfänger", aber sie ist trotzdem lesenswert. Es geht vor allem um die Geschichtspolitik der Gerechtigkeitspartei, und die kleine Geschichte über das Mokotow-Gefängnis zeigt zeigt einmal wieder, wie düster und komplex die jüngste Geschichte Polens ist: "Die Gerechtigkeitspartei, deren Programm ein Kapitel über 'Identität und Geschichtspolitik' enthält, führt eine ganze Kampagne unter dem Titel 'Wiedergewinnung der Geschichte', die auch dazu dient, das Gedächtnis an die 'Verstoßenen Soldaten' wiederzubeleben. Es ist kaum verwunderlich, dass es keinen historischen Konsens in der Erinnerung an sie gibt. Unter ihnen waren Gruppen, die mit Untergrundorganisationen liiert waren, die von der Exilregierung nicht anerkannt wurden, sie waren häufig rechtsextreme Antisemiten, die ein judenfreies Polen wollten. Hätte Polen nach 1945 seine Unabhängigkeit erlangt, hätte die Regierung wohl viele von ihnen vor Gericht gestellt, einige auch, weil sie Zivilisten ermordet hatten, darunter ethnische Weißrussen und Juden, die ins Land zurückgekehrt waren. Stattdessen endeten viele Verstoßene Soldaten im  Mokotow-Gefängnis, wo die Kommunisten sie folterten und exekutierten. Heute macht die Gerechtigkeitspartei aus dem Gefängnis ein Museum. 'Sie schaffen sich eine eigene Genealogie, eine Art Gründungsmythos über sich selbst', sagt der Historiker Jan Gross."

Weitere Artikel: Zadie Smith schreibt über die Porträts des Künstlers Henry Taylor. Adam Gopnik liest Michael Robertsons Buch über "The Last Utopians: Four Late Nineteenth-Century Visionaries and Their Legacy". Joanna Biggs bespricht Amitava Kumars Roman "Immigrant, Montana". Und Anthony Lane sah im Kino Ian Bonhôtes und Peter Ettedguis Filmdoku über den britischen Modedesigner Alexander McQueen.

Magazinrundschau vom 17.07.2018 - New Yorker

In der aktuellen Ausgabe des New Yorker erklärt Jiayang Fan, wie der Internethandel mit Drohnen, namentlich der des chinesischen Amazon, JD.com, das ländliche China verändert: "Seit den 80er Jahren haben der Kapitalismus und der Konsumismus das traditionelle Gefühl für Identität in China geschwächt. Die ländlichen Gegenden waren ihrer drastischen Armut wegen dagegen immun. Mit seiner Fähigkeit, das Hinterland zu erschließen, bringt der E-Commerce einen neuen Sinn für individuelle Identität ins Spiel, der zwar vom Gruppenzwang befreit, aber auch anfälliger macht für soziale Isolierung. Noch vor einer Generation, als im Dorf meines Vaters alle den gleichen Mangel litten, war der Name des Dorfes sein wichtigstes Identitätskennzeichen. In den vom E-Commerce belieferten Orten bilden die Leute heute Gruppen aufgrund ihre Besitzes. Autobesitzer verbrüderten sich untereinander, Computerbesitzer, und die, die nie viel besaßen, bildeten eine eigene Gesellschaft. Für meine Mutter und mich wurden Einkaufszentren zu den Orten, die uns eine neue aufstrebende Identität lehrten: was und wo einkaufen. Aber für ein Land mit 1,4 Milliarden Menschen gestaltet sich die Zeitreise anders. Man passt sich der dominanten Kultur weniger an; stattdessen erschafft man eine gänzlich neue. In China ist die Abwesenheit alter Identitätsformen und der Wunsch zur Neuerfindung am deutlichsten im Bereich der Luxusgüter spürbar. Chinesen konsumieren den Luxus wie die Weltmeister. Und weil die Konsumgewohnheiten weniger tief verankert sind, haben die Leute weniger Skrupel, eine Uhr für 20.000 Dollar per Smartphone zu kaufen."

Außerdem: Lauren Collins berichtet aus London, wie die BBC die Gehälter von Männern und Frauen angleichen will. Ruth Franklin überlegt, wie Kinderbücher idealerweise den Holocaust behandeln sollten. John Lanchester liest mit einem lachenden und einem weinenden Auge Bücher von Wirtschaftswissenschaftlern über menschliches Verhalten. Joshua Rothman liest Bücher, die sich mit dem wachsenden Pessimismus in der westlichen Welt beschäftigen, obwohl sich die Dinge ständig verbessern. Und Anthony Lane sah im Kino Gus Van Sants "Don't Worry, He Won't Get Far on Foot".

Magazinrundschau vom 03.07.2018 - New Yorker

In der aktuellen Ausgabe des New Yorker wägt Nathan Heller Vor- und Nachteile des bedingungslosen Grundeinkommens gegeneinander ab: "Die Gründe, warum Leute aller politischen Couleur das BGE unsterstützen, sind verschieden. Linksintellektuelle wie David Graeber verstehen es als Sicherheitsnetz. Zentralisten und Silicon-Valley-Vertreter schätzen es als Mittel gegen Niedriglöhne und Jobverlust durch KI. Superreiche wie Elon Musk und Richard Branson dürften sich weniger schuldig fühlen, wenn sie noch reicher werden. Schließlich passt das BGE auch ganz gut zur Leistungsgesellschaft. Wenn jeder die gleiche Finanzspritze abbekommt, dürfen sich die ökonomischen Gewinner in dem Glauben wiegen, ihr Scharf- und Geschäftssinn seien für den Erfolg verantwortlich: Reichtum als Belohnung …Beim BGE geht es weniger um das Verschieben von Geld als um die Bevorzugung von Interessen - nicht um die Frage, wer bedient wird, sondern wer am besten bedient wird. Ein erhellender Vergleich ist der freie Hochschulzugang. Die Kritik an Bernie Sanders Idee, auf Studiengebühren zu verzichten, lautete, dass viele amerikanische Familien zumindest einen Teil der Gebühren durchaus bezahlen können. Ohne die Gebühren würde dieses Geld in Malstunden, Nachhilfe und Investitionen fließen, die Gutgestellten ein prosperierendes bürgerliches Leben erlaubten. Diejenigen, die tatsächlich kein Geld für die Uni haben, würden weiterhin das Nachsehen haben."

Außerdem: Benjamin Moser fragt, warum der brasilianische Großschriftsteller Machado de Assis nicht breiter rezipiert wird, wo doch seine Charaktere so herrlich meschugge sind. Und Ariel Levy porträtiert die amerikanische Schriftstellerin Ottessa Moshfegh und ihre abstoßenden Frauenfiguren. David Sedaris besucht einen Schießstand. Hua Hsu würdigt den Godfather des Funk, George Clinton. Und Anthony Lane sah im Kino Stefano Sollimas "Sicario 2: Soldado".

Magazinrundschau vom 26.06.2018 - New Yorker

In der aktuellen Ausgabe des New Yorker besucht Andrew Marantz den Campus von Berkeley und stellt die spannende Frage, ob die Meinungsfreiheit infrage steht, wenn Rechtspopulisten wie Milo Yiannopoulos nicht an einer staatlichen Universität sprechen dürfen: "Ob ein Rabulist wie Yiannopoulos in Berkeley sprechen darf, berührt weniger die Frage, was das Gesetz sagt, als die, was das Gesetz sagen sollte. Das Kammergericht war in seiner großzügigen Interpretation der Meinungsfreiheit während der letzten fünfzig Jahre einigermaßen konsequent. 'Freie Rede darf nicht verhindert werden, selbst wenn sie zutiefst anstößig ist', erklärt der Dekan der juristischen Fakultät in Berkeley, Erwin Chemerinsky … Yiannopoulos kündigt seinen Besuch in Berkeley in den sozialen Medien als Milo's Free Speech Week und 'unser Woodstock' an … Yiannopoulos ist nicht der einzige Redner, der erkannt hat, dass ein Event an einer öffentlichen Uni inklusive wütender ideologischer Opposition eine willkommene PR-Aktion ist … Redner wie er gerieren sich als Verteidiger der freien Rede, nutzen die Meinungsfreiheit aber vor allem als Schutzschild."

Außerdem: Nicola Twilley untersucht die neuronalen Muster hinter dem Schmerz mit neuen bildgebenden Verfahren in der Hirnmedizin. Michael Schulman trifft den ehemaligen YouTube-Star Bo Burnham, der seine Ängste im Film "Eighth Grade" verarbeitet. Und Brooke Jarvis fragt, ob der Tasmanische Tiger vielleicht doch nicht ausgestorben ist.

Magazinrundschau vom 19.06.2018 - New Yorker

In der neuen Ausgabe des New Yorker ruft John Lee Anderson die Revolution in Mexiko aus, wo mit Andrés Manuel López Obrador ein neuer eigenwilliger Linkspolitiker gute Chancen auf einen Wahlsieg am 1. Juli hat. Seine Popularität verdankt er vor allem Donald Trump: "Offizielle Stimmen aus dem Regierungslager warnten ihre Kollegen in Washington, dass Trumps offensives Verhalten eine neue, feindselige Regierung in Mexiko ermöglichen könnte, ein Sicherheitsproblem gleich nebenan … In seinen Kampagnen spricht López Obrador allerdings oft vom mexicanismo, sein Äquivalent zu America first. Beobachter sagen, im Wettkampf der beiden Länder tendiert López Obrador dazu, nach innen zu schauen. Mexikos Militärs und Justizbehörden mussten in der Vergangenheit oft dazu überredet werden, mit den USA zusammenzuarbeiten, und López Obrador wird da wohl eher weniger Druck machen. Die USA haben die Regierungspartei dazu bewegt, Mexikos südliche Grenzen gegen Migranten aus Zentralamerika dichtzumachen. López Obrador hat angekündigt, die Einwanderungsbehörde nach Tijuana zu verlegen. 'Die USA wollen, dass wir die Drecksarbeit für sie machen', meint er. Trump möchte aus NAFTA aussteigen, López Obrador setzt auf Selbstversorgung und wird das befürworten. In seiner Kampagne heißt es, er möchte Mexikos Potenzial entwickeln, sodass 'keine Drohung, keine Mauer und keine Tyrannei eines fremden Staates die Mexikaner davon abhalten kann, in ihrem eigenen Land glücklich zu sein'."

Außerdem: Ed Caesar weint der britischen PR-Agentur Bell Pottinger keine Träne nach, die vor allem für Oligarchen und Diktatoren von Assad bis Lukaschenko arbeitete. Zum Verhängnis wurde ihr, dass sie im Auftrag des indischen Gupta-Konzern in Südafrika die gesellschaftlichen Konflikte anheizte: "Die Kampagne, dachte Tony Gupta, würde nicht nur dem Land nützen, sondern auch dem Unternehmen seiner Familie, wenn die Brüder nicht mehr als Oligarchen erschienen, sondern als Außenseiter, die der weißen Vorherrschaft entgegenträten." Amanda Petrusich besucht das jetzt der Öffentlichkeit zugängliche Anwesen des Musikers Prince. Und David Denby sieht Leonard Bernstein mit den Augen seiner Tochter - in der Buchkritik.

Magazinrundschau vom 12.06.2018 - New Yorker

In der aktuellen Ausgabe des New Yorker fragt Louis Menand anlässlich neuer EU-Datenschutzegeln, warum wir eigentlich über "Privatsphäre" sprechen, wenn es um den gebrauch persönlicher Daten geht: "Vielleicht handelt es sich um den falschen Begriff. 'Privatsphäre' ist ein komisches Wort für das durch kommerzielle Ausbeutung und staatliche Überwachung bedrohte Gut. Es suggeriert, dass das, worum es geht, niemanden etwas angeht, und das ist nicht wirklich, worum es sich bei den EU-Regelungen dreht. Das wahre Anliegen ist die Freiheit. Die Freiheit, über seinen Körper zu entscheiden, wer unsere persönlichen Daten sieht, unsere Bewegungen und Anrufe - einfach wer unser Leben überwacht und zu welchem Zweck. Die Gefahr des Datensammelns durch Online-Firmen besteht nicht darin, dass sie es benutzen, um uns etwas zu verkaufen, sondern darin, dass die Daten so leicht in die Hände von Leuten gelangen können, die weniger harmlos agieren, eine Regierung etwa … Es könnte sein, dass wir alle unsere Anfälligkeit für Verfolgung unterschätzen. Vielleicht sprechen wir ja nur über Bodenbeläge (wie jenes Paar in Oregon, dessen privates Gespräch Amazons Echo aufzeichnete und willkürlich versendete). Aber Behörden, die auf die Gnade des Präsidenten oder ein desinteressiertes Justizministerium hoffen, könnten sich ermutigt fühlen und ihre Hemmungen verlieren, wenn es um anderer Leute Privatangeleiten geht, sobald diese Leute einer Gruppe angehören, die die Regierung als unpatriotisch oder unerwünscht gebrandmarkt hat. Derzeit haben wir eine Regierung, die genau das macht."

Außerdem: George Packer porträtiert Obamas Redenschreiber Ben Rhodes. D. T. Max schaut "Skam" eine neue Teen-TV-Serie, die auf Facebook-Posts basiert. Und Rebecca Mead berichtet von den Färöer Inseln, wo es ungeahnte Gaumenfreuden zu entdecken gibt.

Magazinrundschau vom 22.05.2018 - New Yorker

In der aktuellen Ausgabe des New Yorker stellt Alice Gregory die französische Filmemacherin Claire Denis und ihre neue Arbeit "High Life" vor, ein Science-Fiction-Film mit Robert Pattinson und Juliette Binoche in den Hauptrollen und Denis' erster Film in englischer Sprache: "'High Life' ist viel teurer als alles, was Denis vorher gemacht hat, und sieht erst mal auch sehr anders aus, obgleich Denis seit rund 15 Jahren damit befasst ist und die Geschichte des letzten Menschen auf Erden erzählen wollte. Im Film sterben die Mitglieder einer Gruppe von Kriminellen auf der Suche nach alternativen Energien im All einer nach dem anderen. Übrig bleiben ein Gauner und seine Tochter, die auf der Mission im Raumschiff zur Welt kam (das Schiff wurde von Olafur Eliasson designed). Denis fokussiert sich auf die (Familien-)Beziehung der beiden … Gedreht wurde hauptsächlich in einem Kölner Studio, eine schwierige Erfahrung, wie man hört. Denis ist das Drehen im Studio nicht gewohnt, änderte Szenen kurzfristig per SMS, das Ganze war eine Art unbeabsichtigtes Method Acting."

Außerdem: Jeffrey Toobin überlegt, ob die Impeachment-Forderungen gegen Trump zum Bürgerkrieg führen könnten. Thomas Mallon vertieft sich in ein Buch über den Fotografen Weegee. Alex Ross hört Mahler mit Simon Rattle und dem London Symphony Orchestra. Und Hua Hsu staunt über die persönliche Sagenwelt des New Yorker Hip-Hoppers Rammellzee.