
Kein Mitleid für
Charles Baudelaire, er war nicht tragisch, sondern einfach
drogenabhängig, behauptet
Frank Hilton in seiner Biografie
"Baudelaire in Chains". Alle seine Probleme lassen sich daraus erklären: "die Unfähigkeit, seine finanziellen Probleme zu lösen, seine unbefriedigenden Beziehungen, seine schlechte Gesundheit, sein
guignon - das dämonische Pech, dem er ausgeliefert zu sein glaubte - und, am wichtigsten, seine chronischen Schwierigkeiten, einmal beständig kreativ zu arbeiten." In ihrer Besprechung
vergleicht Laura Miller Baudelaire mit dem Kollegen
Samuel Taylor Coleridge (zu empfehlen ist die ressourcenreiche
Seite der University of Virginia), ein Bruder im Geiste, der einfach Glück hatte, dass er Brite war. "Französische Romantiker tendierten zum Theatralischen und
Grandiosen, während die Briten sich durch Offenheit auszeichneten, gepaart mit
ironischer Selbstverunglimpfung." (Und wer hat die besseren Gedichte geschrieben, hm?)
Etwas zurückhaltender als
Outlook India (
nachzulesen in der Magazinrundschau vom 1. März) bespricht Philip Bobbitt
Ian Burumas and
Avishai Margalits Untersuchung über die Wurzeln und Auswirkungen unseres verzerrten Orientbilds: Interessanterweise
vergleicht Bobbitt "Occidentalism" (
erstes Kapitel) mit
Lee Harris' "Civilization and its Enemies" (
erstes Kapitel). Harris, konservativer Essayist, tritt für einen
Konfrontationskurs gegenüber dem militanten Islam ein und erinnert daran, dass der Aufschwung des Westens auch in seiner
Skrupellosigkeit begründet lag. "Harris sieht in Bin Laden eine Spiegelung der Missstände in der westlichen Welt; Buruma und Margalit sehen im Okzidentalismus die Reaktion von Elementen innerhalb unserer eigenen Kultur auf den
universellen Anspruch des Westens."
Weitere Artikel: Durch die unmäßige
Erweiterung des Copyrights bedrohen Unternehmen die öffentliche Sphäre, schreibt
Lawrence Lessig in "Free Culture" (
erstes Kapitel).
"Wuchtig argumentiert",
notiert der beeindruckte Rezensent Adam Cohen. Grimmig, aber gelungen,
findet Christopher Dickey
Rich Atkinsons Buch über seine Erfahrungen als eingebetteter Reporter in der
101st Airborne Division, deren Soldaten sich im
Irak von der Politik missbraucht fühlten. Als mehr oder weniger gerade heraus
lobt Molly Haskell schließlich "Peninsula of Lies" (
erstes Kapitel),
Edward Balls literarische Untersuchung einer
transsexuellen Beziehung im provinziellen Charleston des Jahres 1969.
Zu empfehlen ist wieder einmal das
New York Times Magazine. Niall Ferguson
wirft einen lesenswerten Blick auf Europa, das gerade als
Eurabia neu erfunden wird - von den
muslimischen Einwanderern. "Hinter den Nachrichten vom Terrorismus findet ein historischer Wandel statt: Muslimische Immigranten füllen Europas
demografische Leere und gestalten dessen Zukunft."
Außerdem
beschreibt Bruce Barcott, wie die Bush-Administration heimlich, still und leise die
Klimapolitik der USA radikal verändert hat. Und David Brooks
verteidigt die oft geschmähten
Vorstädte. Denn hier und nicht in den Metropolen sei der
amerikanische Traum auch heute noch zu Hause.