
Alan Wolfe
sieht die Flut von Polemiken, die den politischen Diskurs in die
Buchhandlung verlagert haben, als Rückgriff auf die Tradition der
Federalist Papers. "Lange vor der Dekonstruktion waren wir begeistert von einer
Hermeneutik des Verdachts. Es gab Parteinahme, bevor wir überhaupt Parteien hatten. Unsere Verfassungsväter warnten vor den Gefahren der Fraktionen, weil wir so selten zusammenhielten."
Michael Moore (
mehr),
Anne Coulter (
mehr) & Co beweisen Wolfe, dass die etablierten Eliten und Institutionen nicht mehr in der Lage sind, den nötigen Konsens herzustellen. In einer
Präsentation sind einige Zitate aus den neuen Pamphleten versammelt, deren
Schärfe man hierzulande nicht gewohnt ist. Mitglieder der Regierung werden mal als Fanatiker bezeichnet, mal mit Hitler verglichen, und ihr Vorgehen firmiert unter
"Bushs-Mittelfinger-Politik".
Respektlos, aber witzig ist Christopher Buckleys
Stichwortverzeichnis zu
Bill Clintons Biografieschmöker, von A wie "Angelou, Maya: liest
fürchterliches Gedicht bei Clintons Vereidigung" bis zu "Frau, diese: siehe auch
Monica Lewinsky".
Weitere Artikel: Eine intelligent präsentierte "Horde Bilder" die tausendfach belohnen,
verspricht Thomas Hoving den Lesern von
"Red Grooms", der "bisher beste" Band über den
Zeichner, der New York "so perfekt einfängt, dass wir manchmal vergessen, Kunst zu betrachten und nicht die Stadt selbst" (
hier einige Beispiele). Philip Caputo
bedauert, dass
Ex-General Tony Zinni seine Erinnerungen "Battle Ready" (
erstes Kapitel) unbedingt mit der Hilfe von
Tom Clancy schreiben musste. Als hervorragendes Buch über das Geschäft mit
High End Restaurants und "erstaunlich lesbar"
empfiehlt Adam Platt
"Sirio", in dem
Sirio Maccioni die Geschichte seines
Esstempels "Le Cirque" erzählt.
In Hochform präsentiert sich das
New York Times Magazine. In einer formidablen Titelgeschichte
kündigt Charles McGrath die
Graphic Novel als Literatur der Zukunft an. In der Herstellung verfahren
Art Spiegelman (
mehr) und Kollegen aber eher altmodisch. "In gewisser Hinsicht sind Graphic Novels fast ein primitives Medium und benötigen eine Menge
Handarbeit: Zeichnen, Tuschieren, Einfärben und Beschriften, fast alles von Hand (auch wenn einige Künstler mit Computerzeichnen experimentieren). Es ist, als ob ein traditioneller Romancier seinen Ausdruck nehmen und ihn dann Wort für Wort kopieren müsste, wie ein
federschwingender Mönch in einem mittelalterlichen Kloster. Für einige Zeichner sind vier oder fünf Bilder eine gute Tagesleistung, und sogar ein bescheiden bemessenes Buch kann Jahre brauchen, bis es fertig ist." In einem interaktiven Feature
sprechen Heroen der Gattung schließlich selbst über ihre Arbeit.
Deborah Solomon wagt sich in die Höhle des Löwen und
interviewt William F. Buckley, Konservativer und Gründer der honorablen
National Review. "- NYT: Müssen Sie immer so clever sein? - W.F. Buckley: Mit der Alternative kenne ich mich nicht aus. - NYT: Und warum sind konservative Autoren grundsätzlich witziger als liberale? - W.F. Buckley: Da bin ich mir nicht sicher.
Karl Marx war ein Knüller, hab ich gehört."
Weiteres: Robert S. Boynton
schildert den Kampf zwischen dem "Guerilla-Dokumentarfilmer"
Robert Greenwald und
Fox News. Ersterer hat aus unveröffentlichtem Material und
internen Memos ein Stück über den
Murdoch-Sender gemacht, und hofft, mit einem Schnellstart dem Verbot seines Films zuvorzukommen. Peter Landesmann
grübelt über die
Unklarheiten und auch den Sinn des lang vorbereiteten Prozesses gegen
Saddam Hussein. Und Ted Widmer
freut sich über das überfällige Revival des amerikanischen
Gründervaters Alexander Hamilton.