
Perry Anderson
macht deutlich, dass im
Irak-Konflikt sowohl die Kritiker der Bush-Regierung und die Bush-Regierung selbst von den gleichen
gedanklichen Prämissen ausgehen, und wünscht sich, man würde diese Prämissen kritisch beleuchten, anstatt sich "unablässig auf die
'internationale Gemeinschaft' und die
Vereinten Nationen zu berufen". Eine Kostprobe des von Anderson herbeigesehnten
Klartextes: "1. Es gibt keine internationale Gemeinschaft. Der Begriff ist eine Beschönigung für
amerikanische Vormacht. Es ist der Bush-Regierung anzurechnen, dass einige ihrer Funktionäre den Begriff abgelegt haben. (?) 2. Die Vereinten Nationen sind kein Sitz
unparteiischer Autorität. Ihre Struktur, die den fünf
Siegermächten eines Krieges, der vor fünfzig Jahren ausgefochten wurde, überwältigende Macht gibt, ist politisch
unhaltbar. (?) 3. Das
nukleare Oligopol der fünf Siegermächte von 1945 ist gleichermaßen unhaltbar. (?) 4. Territoriale Aneignungen -
Eroberungen, auf gut Deutsch - deren Bestrafung die
Rechtfertigung für eine UNO-Blockade gegen den Irak geliefert hat, sind nie von der UNO bestraft worden, wenn die Eroberer
Alliierte der Vereinigten Staaten waren, immer nur wenn sie deren
Gegner waren." Wer keinen Klartext spreche und auf einer anderen Ebene diskutiere, so Anderson, wolle nur "das Mobiliar retten".
In einem sehr reichhaltigen Artikel
erklärt Adam Philips unter anderem, wie wenig sich
Freuds Vorstellung der
Psychoanalyse mit rückhaltloser Anhängerschaft oder gar mit einem Personen-Kult verträgt. "Ich möchte Freud als
Frage beibehalten, und zeigen, dass es Bestandteil der von ihm erfundenen Psychoanalyse ist, dass es immer etwas geben wird (und soll), das es in Zusammenhang mit Freud und der Psychoanalyse zu hinterfragen gilt. (?) Er möchte uns die
Erfolgsgeschichte des Scheiterns erzählen. Freuds Genialität bestand darin, uns zu beschreiben, wie und warum genau es für uns gut und notwendig ist - gut weil notwendig - in
Konflikt mit uns selbst und anderen zu leben, und, sollten wir so gesinnt sein, in Konflikt mit Freud."
Weitere Artikel: Colin Burrow ist
begeistert von
Frances Harris' Buch "Transformations of Love: The Friendship of John Evelyn and Margaret Godolphin", in dem sie die Beziehung der beiden durch deren Briefwechsel und Evelyns Tagebuchnotizen beleuchtet. Schade nur, so Burrow, dass Harris diese seltsam
uneindeutige Beziehung nicht in den größeren kulturgeschichtlichen Zusammenhang der
Freundschaft im 17. Jahrhundert stellt, die sich "auf der delikaten Grenze zwischen
Erotik,
Religiosität und
Sozialem" bewegt.
Thomas Jones
findet es nach dem Abzug des großen sicherheitsbedingten
Militäraufgebots am Londoner
Heathrow-Flughafen nicht sehr beruhigend, Sätze wie "Es gibt nichts zu befürchten" zu hören. Und Peter Campbell ist schlichtweg
begeistert von der
Tizian-Ausstellung in der Londoner National Gallery.
Außerdem erscheint die
erste Folge von
Art Spiegelmans neuem Comic "Under the Shadow of No Towers", den es aber zukünftig leider nur in der Printausgabe geben wird.