
"Ich bin's nicht, Elisabeth ist es gewesen", könnte
Nietzsche berechtigterweise von einigen seiner Schriften behaupten. Jenny Diski hat über
Nietzsches böse Schwester recherchiert, unter anderem in
Carol Diethes eher lakonischer
Biografie ("Nietzsche's Sister and the Will to Power: A Biography of Elisabeth Förster-Nietzsche"): "Ihr Leben ist die Geschichte, in der
Mittelmaß über Inspiration,
Armseligkeit über Exzess und
Ressentiment über den Übermenschen triumphiert." Ihr Tod allerdings setzte ihrem Leben noch die Krone auf: "
Hitler war bei Elisabeths Beerdigung anwesend - sie starb 1935 - und zu dieser Gelegenheit wurde sie als die 'Priesterin des ewigen Deutschlands' gepriesen. Um genau im Mittelpunkt des
Familiengrabes beerdigt zu werden, hatte sie
Friedrichs gut verrotteten Leichnam ein Stück zur Seite verlegen lassen. Eine andere Version der Geschichte lautet allerdings, dass nur der
Grabstein ihres Bruders versetzt wurde. In diesem Fall wäre
sein Körper mit Elisabeths Namen versehen und ihren würde man jetzt für die sterblichen Überreste Friedrich Nietzsches halten. Als klares und endgültiges Zeichen einer kaum zu überbietenden
Bezwingung."
Stuart Kerr hat für die Internationale Juristenkommission den
türkischen Prozess gegen vier
kurdische Parlamentarier und Freiheits-Aktivisten
verfolgt, unter denen sich auch die "unverwüstliche"
Leyla Zana befindet. Sehr schnell wurde Kerr jedoch klar, dass dieser Prozess von vornherein auf einen
Schuldspruch hinauslief: "Über dem Podium, auf dem die drei Richter und der Staatsanwalt sitzen, ist eine Büste von
Atatürk, den Hüter des Nationalstaates angebracht. Seine altmodisch ottomanischen Worte sind in die Wand gemeißelt. Die Botschaft lautet, dass
Pluralismus nicht geduldet wird."
Weitere Artikel: Colin Kidd
lobt in höchsten Tönen
James Morones fast schon vaudevilleskes Buch "
Hellfire Nation. The Politics of Sin in American History", in dem der Autor nicht nur die "Substanz, sondern auch den Ton der amerikanischen
liberalen Mythologie" auseinander nimmt, und den
Puritanismus als den größten Verderber des Liberalismus outet. In Short Cuts hat Thomas Jones mit Erschrecken
festgestellt, dass der Parlamentarier
Frank Fields in seinem neuem Buch "
Neighbours from Hell: The Politics of Behaviour" nicht die Armut für
unsoziales Verhalten verantwortlich macht, sondern
die Armen. Und schließlich
schwärmt Peter Campbell von der Ausstellung "London 1753" im
British Museum, in der ersichtlich wird, was sich in
London mit der Zeit verändert hat, und was nicht.
Außerdem gewährt die
London Review Zugang zu
Artikeln des kürzlich verstorbenen
Edward Said (siehe auch unseren Link des Tages). Nur im Print zu lesen ist
Susan Sontags Besprechung von Anna Bantis "Artemisia".