
Andrew O'Hagan hat sich gleich eine ganze Reihe von
Star-Autobiografien (unter anderem von
Geri Halliwell und
Victoria Beckham)
zu Gemüte geführt und kann sich bei soviel ausgebreitetem
Schmerz und
Märtyrertum in zum
"Überlebenskampf" stilisierten Kindheiten nur den Kopf schütteln. Hier handele es sich offenbar um eine neue Art der Selbstdarstellung, denn die Stars klagten so einhellig, dass jedes einzelne dieser Bücher schlicht
"Noch taumelnd vor Schmerz" heißen könnte. Leiden sei eben nicht nur schick,
Leiden sei alles. "Für die neuere Art von Prominenten wird die Betrachtung der
Niemand-Jahre zum gesicherten Weg die
Jemand-Jahre und all die Exzesse, die damit einhergehen, zu rechtfertigen. Ruhm hat am Ende eine wesentliche
moralische Komponente: Es ist die harte Arbeit der
Selbsterhaltung, ein Gipfel der Vernunft, eine
schallende Antwort auf das Rätsel des Lebens, eine Bündelung vorbildlicher menschlicher Fähigkeiten, die
Träumerei einer perfekten und wohlverdienten Strafe, die ideale Entgegnung auf den
Missbrauch in der Familie. Berühmt zu sein erscheint am Ende wie
der erste Märtyrer-Preis, den die natürliche Ordnung vergibt. Die Beziehung zwischen
Heiligkeit und
Dummheit", schließt O'Hagan sarkastisch, "ist eine Verbindung, die in diesen Biografien zu tief für Tränen liegt."
In der Kurzgeschichte
"Giving up the Ghost" beschreibt
Hilary Mantel den Moment der
"midlife". Eine Kostprobe: "Wenn du dich umdrehst und zurücksiehst, an den Jahren entlang, siehst du flüchtig
die Geister anderer Leben, die du hättest leben können; in allen Häusern
spukt es. Die Gespenster und Trugbilder kriechen unter deinen Teppichen und zwischen Kette und Schuss der Gewebe,
sie lauern in Kleiderschränken und liegen flach unter Schubladenfächern. Du denkst an die Kinder, die du hättest haben können, aber nicht hattest. Wenn die
Hebamme sagt, 'Es ist ein Junge',
wohin geht das Mädchen? Wenn du glaubst
schwanger zu sein, und bist es nicht, was passiert dann mit dem Kind, das schon in deinem Geist Form angenommen hat? Du ordnest es ein in eine
Schublade deines Bewusstseins, wie eine Kurzgeschichte, die
nie gezündet hat nach den ersten paar Zeilen."
Weitere Artikel: Ian Jack
rollt die Geschichte der
britischen Marine auf und hat in zwei Büchern viel Wissenswertes über das harte Leben an Bord gefunden: in
Christopher McKees "Sober Men and True" und
Peter Padfields "Rule Britannia". Peter Campbell
schreibt über
Albrecht Dürer und dessen Fähigkeit, aus Informationen zweiter Hand die
Ikone des Nashorns zu machen (Ausstellung im
British Museum). In den Short Cuts
erinnert Mary-Kay Wilmers an den engagierten politischen Journalisten
D.A.N. Jones, der das Schreiben aufgeben musste. Nur im Print zu lesen ist unter anderem, wie
Alison Jolly sich "unter Lemuren" bewegt.