
Perry Anderson
zieht eine gründliche Bilanz des brasilianischen Erfolgspräsidenten
Luiz Inacio da Silva, genannt Lula. Was dabei herauskommt, ist eine faszinierende
tour d'horizon zur politischen, ökonomischen, kulturellen Lage Brasiliens gestern, heute und morgen. Der Linke Anderson, der in Lula nur sehr bedingt einen Linken erkennen kann, schließt mit einem Blick auf eine mögliche revolutionäre Zukunft, die derzeit allerdings in weiter Ferne zu liegen scheint: "Verglichen mit seinen Vorgängern, hatte Lula die Fantasie - sie verdankte sich seiner sozialen Herkunft -, zu sehen, dass der brasilianische Staat sich
mehr Großzügigkeit gegenüber den weniger Wohlabenden leisten könnte, und zwar so, dass es wirklich einen substanziellen Unterschied macht. Freilich bedeuteten diese Konzessionen keine Einschnitte für die Reichen und Vermögenderen, denen es nach jedem absoluten Maßstab sogar noch besser - viel besser - erging in den Lula-Jahren. (...) Obwohl aber die wirtschaftliche Verbesserung für die Armen noch kein gesellschaftlicher Machtzuwachs ist, kann das eine doch zum anderen führen. Das schiere Gewicht der
armen Wählermassen, macht, stellt man es gegen das schiere Maß der ökonomischen Ungleichheit und politischen Ungerechtigkeit, Brasilien zu einer Demokratie, die mit keiner Gesellschaft des Nordens vergleichbar ist. (...) Der Widerspruch dieser beiden Größen hat sich erst zu formulieren begonnen. Sollte sich die passive Verbesserung einst in aktive Intervention verwandeln, wäre ein
anderes Ende der Geschichte absehbar."
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