
Offenkundig sehr verärgert ist der
Historiker Hugh Roberts über die Ereignisse in
Libyen. In einer ausführlichen Bilanz
legt er seine Sicht der Dinge dar, von
Gaddafis Machtergreifung über die Diplomatiegeschichte des Landes bis hin zur Revolte gegen den Diktator, die Berichterstattung darüber und die NATO-Intervention. Seine Grundüberzeugung - eisern demokratisch und völkerrechtlich bestens aufgestellt, komme da, was wolle - ist durchaus nobel, vor
Zynismen schützt sie auch ihn allerdings nicht: "Es ist tendenzös und scheinheilig, einfach zu behaupten, Gaddafi würde 'seine eigenen Leute töten'; er tötete diejenigen seiner Leute, die
rebellierten. Es steht uns allen jederzeit frei, die Rebellen der Regierung vorzuziehen. Doch um die relativen Verdienste beider Seite geht es in solchen Situationen nicht: Es geht um das Recht eines Staates, sich gegen
gewalttätige Subversion zu wehren. Dieses Recht, einstmals selbstverständlich als Bestandteil von
Souveränität angesehen, ist nun kompromittiert."
Weiteres: Ein überwältigter T.J. Clark
sucht nach den richtigen Fragen, mit denen man der großen
Gerhard-
Richter-
Ausstellung in der
Tate Modern begegnen kann. Jenny Diski
schreibt über eine UFO-Studie des "anti-skeptischen Skeptikers"
Thomas E. Bullard (
hier seine UFO-Bestenliste). Tony Wood
bespricht eine Ausstellung über
Sowjetkunst und -architektur in der
Royal Academy of Arts. Ergriffen (und in Sichtweite zum Occupy-Protest)
reflektiert David Simpson über die ästhetische Funktion der
Wasserfälle an der
9/11-Gedächtnisstätte in New York. Mary-Kay Wilmers hat einen Nachruf auf
Peter Campbell, den langjährigen, am 25. Oktober verstorbenen Coverillustrator der
London Review of Books,
verfasst (Campbells letzte Arbeit, das
Cover der aktuellen Ausgabe, zeigt das Haus des Künstlers).
Im Magazinblog
finden wir eine schöne, wenn auch leicht irritierte Erinnerung von Tom McCarthy an den kürzlich verstorbenen Medienhistoriker
Friedrich Kittler und dessen Entourage.