
In einem
so inspirierten wie informativen 17-seitigen Artikel erklärt der amerikanische
Juraprofessor Eben Moglen, wie sehr
global spionierende Geheimdienste inzwischen unsere Demokratie bedrohen und was wir dagegen tun können. Moglen stellt dabei mehrere interessante Vergleiche an, darunter den der
Überwachung mit der Sklaverei. Gegen beide war und ist Widerstand erlaubt, selbst wenn
Gesetze diesen Widerstand verbieten: "Ein Teil unserer Tradition besagt, dass die Freiheit von unterdrückerischer Kontrolle allen Menschen überall zusteht, als Recht. Er besagt, dass Sklaverei
einfach falsch ist, dass sie nicht toleriert oder gerechtfertigt werden kann, weil der Sklavenhalter Angst oder ein Sicherheitsbedürfnis hat. ... Wir sollten gegen die
Methoden des Totalitarismus kämpfen, weil Sklaverei falsch ist. Weil die Überwachung der gesamten Menschheit durch Sklavenhalter falsch ist. Weil das Bereitstellen von Energie, Geld, Technologie und eines Systems, das die
Privatsphäre aller Menschen auf der Welt kontrolliert, falsch ist." Dies aber, der Kampf gegen die Überwachung, sei - wie der Umweltschutz - nicht nur die Aufgabe einer Nation, sondern könnte nur gemeinsam in Angriff genommen werden. Und das bedeute auch: "Die
deutsche Kanzlerin muss aufhören, über
ihr Mobiltelefon zu reden und statt dessen darüber reden, ob es okay ist, die Telefonanrufe und Textnachrichten
aller Deutschen an die USA zu liefern."
Auch in Indien rast die Zeit, aber niemand weiß wohin.
Pankaj Mishra wütet im
Guardian gegen
Narendra Modi, der mit seiner BJP die Wahlen so eindeutig gewonnen hat. Und er schreibt: "Modis Image als ein Exponent von
Disziplin und Ordnung baut auf die Erfolge wie auf die Versäumnisse des alten Regimes. Er bietet, von oben nach unten,
Modernisierung ohne Moderne: Hochgeschwindigkeitszüge ohne jede Kultur von Kritik, die Effizienz des Managements ohne die Garantie gleicher Rechte. Und dieses stromlinienförmige Design für ein neues Indien ist verlockend für die wohlhabenden, von den bettelarmen Massen abgestoßenen Inder, denen die Demokratie schon lange ein Ärgernis ist, und für die technokratischen, leicht despotischen "Macher", wie Lee Kuan Yew, den ersten Premierminister von Singapur."
Weitere Artikel: Bemerkenswert
findet es der Jurist
Philippe Sands bei der Lektüre von
Glenn Greenwalds "No Place to Hide", wie skrupulös Greenwald, Edward Snowden und Laura Poitras über die
Legitimation ihrer Enthüllungen nachgedacht haben - im Gegensatz zu den britischen Medien: "Großbritannien braucht eine echte Debatte über die Macht des Staates, Information in dem Maße zu sammeln, wie Snowden berichtet, inklusive der Ziele und Grenzen." David Runciman
denkt darüber nach, ob man
Politiker durch Informatiker ersetzen sollte. Mehr als nur eine
Steampunk-Mode sieht der
Komponist Christopher Fox in dem Revival
alter Aufnahmentechniken, gerade weil heute alle Musik der Welt jederzeit verfügbar und endlos ist.