
"Für
wichtige Entscheidungen habe ich früher eine Woche gebraucht, jetzt muss das innerhalb einer E-Mail geschehen", erzählt der
Architekt Ettore Sottsass einer ehrfürchtig lauschenden Stefania Rossini. Das Interview
gewinnt durch eine erfrischende Respektlosigkeit des Alters. "Gestern wie heute sind die Menschen
arme Schweine die sich dauernd furchtbar aufregen, aber wenn sie abends in ihrer
hoffnungslosen Nacktheit zu Bett gehen, wissen sie nicht, wer sie sind und was mit ihnen sein wird. Viele der Dinge, die wir machen, vor allem die Kunst, machen wir, um die Zeit anzuhalten und dem
Tod auszuweichen."
Außerdem
untersucht Luca de Biase, wie das einst als Katalysator für die Demokratie gefeierte
Internet zum Nährboden extremistischer und
gewalttätiger Gruppen wird. Fundamentalistische Islamisten, Terroristen, die europäischen und amerikanischen Ultrarechten, und natürlich die
italienischen Hooligans: Sie alle rufen durch das Netz zu Gewalt auf, organisieren ihre Aktionen und motivieren ihre Sympathisanten. "Während aber die Seiten der radikalen Rechten in Amerika und Europa eine
propagandistische Ausrichtung haben und sich an ein vorgebildetes Publikum mit freiem Zugang zum Netz wendet, zielen die islamistischen Terroristen wahrscheinlich eher auf eine Wirkung innerhalb ihrer Organisation."
Ohne einen letzten Seitenhieb will der Kolumnist
Paul Krugman (
offiziell und
inoffiziell gut im Netz vertreten)
Ronald Reagan in einem ursprünglich in der
New York Times veröffentlichten Kommentar nicht gehen lassen. Vor allem der
konservative Mythos, Reagan habe die längste Phase wirtschaftlichen Wachstums überhaupt zu verantworten,
ärgert ihn. "Die Wahrheit ist, dass der Boom der Jahre von 1982-1990
an dritter Stelle steht, nach dem direkt darauffolgenden von 1991-2001 und dem vorherigen von 1961-69." Und weiter: "Das
Geheimnis des langen Wachstums, das nach 1982 begann, liegt in der
Rezession, die davor lag."
Ansonsten weidet sich der
Espresso genüsslich an den
vier Millionen Stimmen, die Berlusconi bei der Europawahl verloren hat. Claudio Rinaldi
zählt im Titel die jüngsten
Niederlagen des Cavaliere, Edmondo Berselli
hofft dazu, dass der zögerliche
Konkurrent Prodi endlich durchstartet.