Magazinrundschau - Archiv

L'Espresso

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Magazinrundschau vom 21.06.2004 - Espresso

"Für wichtige Entscheidungen habe ich früher eine Woche gebraucht, jetzt muss das innerhalb einer E-Mail geschehen", erzählt der Architekt Ettore Sottsass einer ehrfürchtig lauschenden Stefania Rossini. Das Interview gewinnt durch eine erfrischende Respektlosigkeit des Alters. "Gestern wie heute sind die Menschen arme Schweine die sich dauernd furchtbar aufregen, aber wenn sie abends in ihrer hoffnungslosen Nacktheit zu Bett gehen, wissen sie nicht, wer sie sind und was mit ihnen sein wird. Viele der Dinge, die wir machen, vor allem die Kunst, machen wir, um die Zeit anzuhalten und dem Tod auszuweichen."

Außerdem untersucht Luca de Biase, wie das einst als Katalysator für die Demokratie gefeierte Internet zum Nährboden extremistischer und gewalttätiger Gruppen wird. Fundamentalistische Islamisten, Terroristen, die europäischen und amerikanischen Ultrarechten, und natürlich die italienischen Hooligans: Sie alle rufen durch das Netz zu Gewalt auf, organisieren ihre Aktionen und motivieren ihre Sympathisanten. "Während aber die Seiten der radikalen Rechten in Amerika und Europa eine propagandistische Ausrichtung haben und sich an ein vorgebildetes Publikum mit freiem Zugang zum Netz wendet, zielen die islamistischen Terroristen wahrscheinlich eher auf eine Wirkung innerhalb ihrer Organisation."

Ohne einen letzten Seitenhieb will der Kolumnist Paul Krugman (offiziell und inoffiziell gut im Netz vertreten) Ronald Reagan in einem ursprünglich in der New York Times veröffentlichten Kommentar nicht gehen lassen. Vor allem der konservative Mythos, Reagan habe die längste Phase wirtschaftlichen Wachstums überhaupt zu verantworten, ärgert ihn. "Die Wahrheit ist, dass der Boom der Jahre von 1982-1990 an dritter Stelle steht, nach dem direkt darauffolgenden von 1991-2001 und dem vorherigen von 1961-69." Und weiter: "Das Geheimnis des langen Wachstums, das nach 1982 begann, liegt in der Rezession, die davor lag."

Ansonsten weidet sich der Espresso genüsslich an den vier Millionen Stimmen, die Berlusconi bei der Europawahl verloren hat. Claudio Rinaldi zählt im Titel die jüngsten Niederlagen des Cavaliere, Edmondo Berselli hofft dazu, dass der zögerliche Konkurrent Prodi endlich durchstartet.

Magazinrundschau vom 14.06.2004 - Espresso

In schneidendem Tonfall erklärt Andrzej Stasiuk (mehr), warum Polen in den Irakkrieg gezogen ist. Traditioneller Größenwahn, neue Unsicherheit und vor allem die Mentalität der regierenden Postkommunisten seien dafür verantwortlich. "Ihr Horizont ist nie weiter gewesen als die Interessen der eigenen Partei. Ihre Politik dient nur der Machterhaltung. Das Regieren haben sie im kommunistischen Staat gelernt, in Zeiten, in denen ihnen genereller Hass und Befremden entgegenschlug. Die ganze Welt war gegen sie. Psychologisch betrachtet ähnelten sie mehr einer Mafia als einer politischen Partei. All diese Gewohnheiten, Neigungen und Charakteristika haben sie ins demokratische System mitgenommen. Außerdem wohnt ihnen das unbedingte Bedürfnis inne, Partner zu suchen, die stärker sind als sie, die sie bei Bedarf schützen werden, offene Rechnungen begleichen können und das Tohuwabohu, das sie angerichtet haben, wieder in Ordnung bringen."

Überall versucht man, politisch korrekt zu sein. In Italien versucht die politische Klasse derzeit eher, sich mit Beleidigungen zu überbieten, beobachtet Umberto Eco amüsiert in seiner Bustina. "Wenn unsere Politiker seinerzeit von einem Blatt ablasen und sagten: 'Es scheint offensichtlich, dass man in einer um Konvergenz bemühten und vielleicht sogar einer parallelen Politik eine asymmetrische Lösung bevorzugt, die auch einzelne Überschneidungen eliminiert' , bevorzugt man heute eher die Formulierung: 'Dialog? Zum Teufel mit diesen dreckigen Hurenböcken!'" Das Finale furioso des Artikels bilden etwa hundert Paradebeispiele der italienischen Schimpfwörterkultur, von spaccamerda bis furfantello, die leider nicht annähernd ins Deutsche zu übersetzen sind, aber schon beim bloßen Aussprechen Freude bringen.

Weitere Artikel: Wenn Bill Clintons Autobiografie am 30. Juni erscheint (Amazon hat sie schon früher), wird sie alle Rekorde brechen, prophezeit Enrico Pedemonte und beschreibt den Hype um die Erinnerungen des drittbeliebtesten amerikanischen Präsidenten aller Zeiten. Alberto Dentice analysiert die neue Generation der weiblichen Popstars, die, sagen wir, sich wieder über ihr Geschlecht definieren. Monica Maggi freut sich über die Rückkehr der italienischen Nationalheldin Cicciolina, mittlerweile 52-jähriger Ex- und Wieder-Pornostar, aus der Politik.

Magazinrundschau vom 01.06.2004 - Espresso

Wie tragisch aktuell doch die Klassiker sind, seufzt Umberto Eco in seiner Bustina. Von den Griechen ist ein Disput über internationale Gerechtigkeit und das Recht zum Präventivkrieg überliefert, der nach zweitausend Jahren immer noch so geführt werden könnte. Die Griechen erklären den im Krieg gegen Sparta neutralen Bewohnern von Melo, warum sie sterben müssen. "'Eure Feindschaft schadet uns nicht so sehr wie Eure Freundschaft. Eure Freundschaft wäre ein Beweis für unsere Schwäche, wohingegen Euer Hass unsere Stärke ist.' In anderen Worten: Entschuldigt vielmals, aber uns passt es besser, Euch zu unterwerfen als Euch in Ruhe zu lassen, denn so werden wird von allen gefürchtet." Gesagt, getan. Die zivilisierten Griechen erobern Melo und töten alle Männer der Insel.

Im mageren Kulturteil kündigt Cesare Balbo Wim Wenders' neuen amerikakritischen Film an, "The Land of Plenty", während Graziarosa Villani sich dem CD-Sharing widmet. Nach gebrauchten Büchern werden nun auch Tonträger dem anonymen Tausch überlassen. Moses Naim, Chefredakteur von Foreign Policy, macht in einem Rundumschlag alle für das Desaster im Irak verantwortlich: Bush, Blair, Berlusconi, aber auch Chirac, Schröder oder NGOs wie Amnesty International. Im Titel wertet Antonio Carlucci eine Umfrage aus, die in Erfahrung gebracht hat, was die Italiener von Bush&Co halten. Offensichtlich nicht sehr viel, obwohl auch Nicht-Leser des Espresso befragt wurden. So ziehen 71 Prozentder Italiener Bill Clinton vor (die Espresso-Leser), immerhin 17 Prozent favorisieren den jetzigen Amtsinhaber.

Magazinrundschau vom 17.05.2004 - Espresso

Der marokkanische Autor Tahar Ben Jelloun brandmarkt die saudische Elite als direkte Mitverantwortliche des islamistischen Terrors, der auch das eigene Land immer stärker treffe. Ähnlichkeiten findet er auch zwischen den Familien Saud und Bush. "Der Terrorismus ist nur das Symptom, und nicht die Krankheit. Sie besteht im religiösen Fundamentalismus wie er von den Saudis als auch von einigen Fanatikern aus dem Umkreis des derzeitigen Präsidenten der Vereinigten Staaten propagiert wird. Saudi Arabien erntet gerade nur, was es gesät hat."

Aus den empörten Leserzuschriften zu seinem kritischen Artikel über Mel Gibsons "Passion" liest Umberto Eco einen neuen Hang zur Bilderverehrung heraus, der ihn fatal an den byzantinischen Bilderstreit des 8. Jahrhunderts erinnert. "Viele der Leserkommentare sind nicht über den Film, sondern über Jesus (pro und contra, im Gegensatz zu früher gibt es offensichtlich heute nur noch Idolatriker, gläubige und nichtgläubige). Für die meisten scheint es schwierig zu sein, den Film von der Wirklichkeit zu trennen. Der Film ist für sie die Heilige Schrift, und dieser Jüngling, der Jesus spielt, ist Jesus."

Als "Invasion der Barbaren" bezeichnet der Espresso die Vorgänge im Irak auf der Titelseite, und Enrico Pedemonte präzisiert im Aufmacher, dass es nicht nur einige fehlgeleitete Soldaten gab, sondern bestimmt auch Höhergestellte, die sie fehlgeleitet haben: "die Spitzen des Geheimdienstes und des Verteidigungsministeriums". Im diese Woche unbefriedigenden Kulturteil findet sich nur ein Interview mit der italienischstämmigen, aber international ausgerichteten Schauspielerin Maya Sansa.

Magazinrundschau vom 10.05.2004 - Espresso

Eine Renaissance der Philosophie sieht Umberto Eco heranziehen, und liefert auch gleich eine Auswahl lesbarer Traktate für den Nachmittag im Cafe. Kant nicht, aber dafür Wittgensteins "Philosophische Untersuchungen": "Hin und wieder werden Sie bemerken, dass er verrückt war. Ja, er war verrückt. Aber wie!"

Die Ideologie ist tot. Deshalb haben die Politiker nur noch Anhänger und keine Gläubigen mehr, beklagt Moses Naim, Chefredakteur von Foreign Policy, in einem Kommentar. Dies bewirke, dass die Wähler schneller Ergebnisse sehen wollen, als vernünftige Politik sie liefern könne. Lietta Tornabuoni sinniert über Cannes und seinen Anspruch, in einer Zeit digital kopierter Massenware die Juwelen des Kinos herauszufiltern. Cesare Balbo freut sich, dass der von Disney fallen gelassene Michael Moore nun eben an die Cote d'Azur kommt, um "Fahrenheit 9/11" zu präsentieren. Und Lorenzo Soria bejubelt "Angels", ein sechsstündiges Filmepos über das von Aids zerüttete Amerika der Reagan-Jahre, das nun endlich auch auf Italienisch anläuft.

Der Titel ist ein Geschenk an den nun dienstältesten Ministerpräsidenten Italiens. Von den 1000 Lügen des Berlusconi werden nur 44 kapitale Fische aufgelistet. Die Auswahl fiel anscheinend schwer, denn schon beim Prozess um Sme (mehr) hat der Cavaliere in knapp zwei Stunden angeblich 81 Mal die Unwahrheit gesagt.

Magazinrundschau vom 03.05.2004 - Espresso

"Hannibal hat die Römer bei Cannae besiegt, weil er Elefanten hatte, die intelligenten Raketen seiner Zeit, aber tat er gut daran, die Alpen zu überqueren und auf der Halbinsel einzumarschieren?", fragt Umberto Eco in einer Bilanz des Irak-Kriegs. Um schließlich festzustellen, dass wie im Irak auch in Italien die Politik ohne Beteiligung der Bevölkerung betrieben wird - und das muss zwangsläufig scheitern. Der Chefredakteur von Foreign Policy, Moses Naim, zeigt sich ähnlich kritisch und fordert ein Ende des Unilateralismus, den die USA sich, dem Irak und der Welt langsam nicht mehr zumuten könnten.

Drei Typen der Nacht gibt es: Arbeitende, Schlafende oder Vergnügungssucher. Wie Europas Stadtplaner die Koexistenz dieser drei Gattungen möglichst reibungsfrei organisieren wollen, schildert Gabriele Isman. Michele Serra gehen die Pläne, die Evolutionslehre aus dem italienischen Lehrplan zu streichen, nicht weit genug: Wieder einmal sei eindrucksvoll bestätigt worden, dass in Wahrheit der Affe vom Menschen abstammt. Katia Riccardi zeigt, dass auch die Berufsprotestanten des 1. Mai mittlerweile im Internet angekommen sind. Im Kulturteil stellt der Espresso eine Ausstellung im Palazzo Inghirami in San Sepolcro vor, wo vier zeitgenössische Künstler den Renaissancemaler Piero della Francesca (eine kleine Ausstellung im Netz) neu interpretieren. In Gigi Rivas Artikel zur EU-Erweiterung kann man schließlich nachlesen, dass auch in Italien die Angst vor der wirtschaftlichen Konkurrenz vorherrscht.

Magazinrundschau vom 26.04.2004 - Espresso

Die Invasion der Imame beschäftigt Dina Nascetti. Sie hat einige der oft selbsternannten Religionsführer besucht und zu einem Panoptikum des Islams in Italien zusammengefügt, der besonnene Moderatoren ebenso beherberge wie aggressive Brandredner. "Der Metzger Bouriqui Boucheta, bekannt für seine verbale Vehemenz. Boucheta, lange weiße Tunika und Bärtchen, lebt, arbeitet und kämpft in Turin und tut alles, um sich in Szene zu setzen. Wahrer Agit-Prop, jede Situation ist geeignet, um in den Massen von frustrierten Immigranten aufzufallen. Er hat Osama Bin Laden verteidigt: 'Er ist ein guter Muslim'. Er sammelt Geld, um es an die palästinensischen Brüder der Hamas zu schicken. Er spricht Fatwas aus, wie jene für den Abfall vom rechten Glauben (darauf steht der Tod) gegen dem Imam Abdelaziz Khonati, seinen gefährlichen weil moderaten Konkurrenten."

Im lesenswerten Titel stellt Enrico Pedemonte den UNO-Sondergesandten für den Irak, den Algerier Lakhdar Brahimi vor. Der erntet nicht nur Pedemontes Wohlwollen für seine angriffslustiges Auftreten gegenüber den USA. "'Jeden Tag lässt Brahimi neue Anschuldigungen gegen die Amerikaner los, wegen ihrer Fehler in Bagdad. Das Paradoxe daran ist, dass sie ihm dafür auch noch dankbar sind', sagt ein arabischer Diplomat."

Weitere Artikel: Der italienische Norden, wirtschaftlicher Motor des Landes, stottert, warnt Gigi Riva. Die Krise sei substanziell, der Staat müsse ran und zukunftsorientierte Initiativen starten. Und Michele Serra fällt auf, dass Bush der legendäre und langersehnte Große Quqbar ist, der den zersplitterten Islam zu neuer Einheit führt.

Magazinrundschau vom 19.04.2004 - Espresso

Mit Tankwagen musste Mel Gibson das Blut an den Set von "Passion" herankarren, vermutet Umberto Eco. "Von der feinen Zurückhaltung der Evangelisten hat dieser Film rein gar nichts, er setzt alles in Szene, was vorher verschwiegen wurde, damit die Gläubigen in stiller Meditation des größten Opfers der Geschichte gedenken konnten. Wo die Evangelisten sich darauf beschränken, dass Jesus gepeitscht wurde, (drei Wörter in Matthäus, Markus und Johannes, keines in Lukas), lässt Gibson ihn zuerst mit Stöcken schlagen, dann mit nagelbesetzten Riemen und schließlich mit Knüppeln, bis er ihn so zugerichtet hat, wie das Publikum von McDonald's sich sein Hackfleisch vorstellt, also wie einen Hamburger, der nicht ganz durch ist."

Schwerpunkt des Heftes ist der Irak. Naomi Klein berichtet von amerikanischen Soldaten, die auf Zivilisten schießen, und räumt Muktada al-Sadr mehr Chancen ein als der Demokratie. Roberto di Caro beschreibt in seiner Aufmacherreportage Sadrs komplizierten und blutigen Weg zur Vorherrschaft im Irak. Als Kontrapunkt übernimmt der Espresso aus der New York Times vom 19. März Donald Rumsfelds höchst offizielle optimistische Lageeinschätzung. Er sieht den Irak als jüngstes Mitglied in einer Reihe demokratisierter Staaten wie Deutschland, Japan und Italien. "Terroristen sind wie Nazis".

Weitere Artikel: Giorgio Bocca findet Italien alles andere als demokratisch und wütet über die vorherrschende Anarchie und die Reichen, die den Staat ausplündern, aber vor allem über die Zivilgesellschaft, die das alles klaglos hinnimmt. Eleonora Attolico schwärmt von den modischen Meisterwerken der römischen Designerin Elsa Schiaparelli, die schon Greta Garbo und Marlene Dietrich zu ihren Kunden zählen durfte. Und Monica Maggi spürt Taschenuhren nach, natürlich keinen gewöhnlichen, sondern gesuchten Exemplaren mit erotischen Intarsien.

Magazinrundschau vom 13.04.2004 - Espresso

Der Fantasy-Autor Bruce Sterling (sein Blog und seine Fans) unterhält sich auf einer Tagung zur Roboterethik recht kohärent mit Francesca Tarissi. Es geht um die Rebellen der Zukunft und Sterlings Zeit als Cyberpunk. "Oh, ich würde sagen, die Namen und Definitionen sind doch nicht wichtig. Sie wechseln ständig: Bohemien, Flapper, Hippie, Punk, Raver, Dissident. Es gibt immer eine junge unzufriedene Minderheit. Der wahre Sieg besteht nicht darin, dass ich vorhergesagt habe, was jetzt eingetroffen ist, sondern dass wir jetzt alle cyber sind. Ich bin ein Cyberpunk, aber es gibt eine Cyberarmee, eine Cyberakademie, eine Cyberregierung, eine Cyberpost...". Die Cyberpresseschau nicht vergessen, bitte!

Andre Glucksmanns Polemik gegen das vom Terrorismus eingeschüchterte Europa scheint europaweit gefragt. Nach der FAZ (siehe Feuilletonrundschau vom 7. April) wettert er nun auch im anderen politischen Lager gegen den Kotau vor den Bombenlegern. "Das Schicksal hat zwei Mal zugeschlagen: September 2001, das zahlenmäßig bedeutendste Terrorattentat der Menschheitsgeschichte. März 2004, das qualitativ wirksamste Attentat gegen die Demokratie. Eine mit Pendlern besetzte Waggons fliegen in die Luft, und siehe da, drei Tage später dreht sich das Wahlergebnis, entgegen aller Vorhersagen. Wie regulär und vorbehaltlos legal der Ausgang des Urnengangs auch sein mag, versucht nun noch einmal den Attentätern zu erklären, sie hätten keinen Einfluss gehabt!"

In der Dienstleistungsgesellschaft kommen nur Bücklinge nach vorne, schimpft Giorgio Bocca, "all diese unbekannten aber empfohlenen Inkompetenten". Im Aufmacher veröffentlicht der Espresso das Tagebuch des Stefano Tanzi, Juniorchef des skandalträchtigen Parmalatkonzerns. "Ohne Datum: Ronaldo 5 1/2 Millionen im Jahr. Chile 10% weniger Budget. Kolumbien: in Dollars Februar 11 Prozent runter und 17 in lokaler Währung." Ein fußballliebender Entscheider, ohne Zweifel.

Leider nur im Print fordert Enzo Bianco eine Superprocura zur Terroristenbekämpfung und Naomi Klein fragt sich vor Ort, ob die USA im Irak nach einem Plan handeln.

Magazinrundschau vom 05.04.2004 - Espresso

Epochal, was da in Spanien nach den Anschlägen passiert ist, jubelt Umberto Eco in seiner Bustina di Minerva. Der Bürger hat sich endlich von den Medien emanzipiert. Eine semiologische Guerilla sei in Spanien entstanden, spontan und nicht-elitär, die die medialen Verlautbarungen nicht mehr glauben wollte. "Ein Wirbel, ein unaufhaltsamer Strom privater Kommunikation, der die Dimensionen eines kollektiven Phänomens annahm. Das Volk war bewegt, sah die Fernsehberichte und las die Zeitungen, aber zur gleichen Zeit kommunizierte jeder mit den anderen und fragte sich, ob das, was da kam, der Wahrheit entsprach. Innerhalb weniger Stunden bildete sich eine öffentliche Gegenmeinung heraus, die nicht das dachte und aussprach, was das Fernsehen ihnen weismachen wollte." Italien, seufzt Eco, ist da leider noch nicht so weit.

Der Titel ist der trüben Zukunft der italienischen Nachwuchsakademiker gewidmet, die sich auf wenige Jobs und noch weniger Geld einstellen dürfen. Kommt uns verdammt bekannt vor. Mit der Zukunft des Fernsehens beschäftigt sich Michele Serra in seiner Satira preventiva. Alle professionellen Journalisten, unkt er, würden durch Selbstentblößer von der Straße ersetzt, einige Prototypen zählt er gleich auf.

Nach dem persönlichen Einkaufs- und Fitnessberater kommt jetzt der eigene Stimmtrainer in Mode, verrät Carlotta Magnanini. Giacomo Leso unterhält sich mit Fanny Ardant (mehr) über ihren neuen Film "L'odore del sangue". Cesare Balbo und Katia Riccardi stellen die amerikanische Fernsehserie Kingdom Hospital vor, die Stephen King nach einer Vorlage Lars von Triers gestaltet hat. Lorenzo Soria hat sich von den "Ladykillers" der Coen-Brüder überraschen lassen.

Schließlich druckt der Espresso einen Text des Sängers Francesco Guccinis, worin dieser sich wehmütig an seine erste Begegnung mit dem "unendlich" geliebten Lambrusco erinnert.