
Wunderschön das Interview mit dem seit sieben Jahren in Pisa einsitzenden
Gefängnisphilosophen Adrano Sofri (verurteilt wegen Mitwirkung an der Ermordung eines Mailänder Polizeikommissars 1972, mehr dazu auf
dieser Sofri gewidmeten Website). Wlodek Goldkorn
unterhält sich mit Sofri im Besucherraum über das Altern, den Tod und das vergebliche
Unsterblichkeitsstreben der Großen. "Auch die Reichen sterben, und sie wissen es. Gianni Agnelli (
mehr) ist tot: eine große Desillusion für die Reichen, die denken, sie könnten sich die Verlängerung
bis zum Äußersten einfach kaufen (man erinnere sich an die köstlichen Worte der Dame auf dem Schafott: 'Bitte, eine Minute noch,
Herr Scharfrichter!'). Vielleicht muss man den Reichtum des Vokabulars jener afrikanischen Stämme erlangen, die für das Sterben nicht nur ein Wort haben, sondern mehrere Abstufungen kennen: beinahe sterben,
ein wenig sterben, ganz sterben, wirklich sterben....Die Reichen versuchen jetzt das Altern zu verlangsamen. Wenn sie das tun, und trotzdem alt werden, benehmen sie sich so, als wären sie
unsterblich."
In Italien startet das weltweit erste
Filmfestival, das
ausschließlich im Netz stattfindet. Die Jury bildet sich aus den Besuchern der Seite, die mehr als zwanzig Filme auf dem
Computermonitor anschauen und bewerten können. Cesare Balbo lehnt sich voller Vorfreude zurück und
meint, die Traditionalisten sollten das
Niff nicht gleich verdammen. "Diese Seite ist beileibe nicht der Tod des Kinos, vielmehr bedeutet das den Beginn einer
neuen Phase in der Kunst des Filmemachens."
Außerdem
sieht der marokkanische Schriftsteller
Tahar Ben Jelloun (
mehr) das schwere
Erdbeben im Rif-Gebirge im Norden Marokkos als
Katalysator der Unzufriedenheit mit dem autoritären Staat. Die Einwohner dieses Landstrichs haben schließlich schon die französischen Kolonialherren gestürzt. Giorgio Bocca
vermutet in seiner Antitaliano-Kolumne, dass ein zynischer Berlusconi das Leben der
italienischen Soldaten im Irak für schäbige amerikanische
Dollars aufs Spiel setzt. Und Eugenio Scalfari
rechnet ab mit dem Schlagerfestival von
San Remo, das mittlerweile keine Minute Zeit noch einen Euro Aufwand mehr wert sei (siehe auch unsere
Post aus Neapel).