Magazinrundschau - Archiv

L'Espresso

320 Presseschau-Absätze - Seite 25 von 32

Magazinrundschau vom 29.03.2004 - Espresso

Stolz und exklusiv präsentiert der Espresso im Titel die Geschichte von Riadh Jelassi, des ersten italienischen Pentito der Al Quaeda. Sechs Monate wurde der Aussteiger in Mailand "unter strengster Geheimhaltung" verhört, jetzt berichten Peter Gomez und Leo Sisti über die beunruhigenden Erkennntnisse: es existieren offenbar mehrere aktive italienische Terrorzellen, die Anschläge planten und planen. Jelassi selbst hat von Essid Sami Ben Khemais, dem Ideologen der tunesischen Salafiten in Italien erfahren, was Al Quaeda ist. "'Wir sind hier', antwortete der 'Reisende' den Schülern. 'Wenn die Brüder uns fragen, ob wir sie aufnehmen, nehmen wir sie auf, wenn die Brüder uns fragen, sie zu verstecken, verstecken wir sie, wenn sie uns nach Ausweisen fragen, geben wir sie ihnen, wenn sie uns nach Waffen fragen, dann geben wir sie ihnen. Das ist unser Auftrag. Das ist Al Quaeda."

Einen interessanten Blick hinter die Kulissen des Systems Berlusconi gibt uns Giancarlo Dotto mit seinem Porträt von Umberto Scapagnini, dem schillernden Leibarzt des Cavaliere. "Seine erklärten Lieblinge sind Berlusconi und sein Sohn Giovanni, mit dem er schon exotische Expeditionen durchgeführt hat auf der Jagd nach Methusalems, denen er Blut abnahm und ihre Ernährungsgeheimnisse entlockte, in nepalesischen und kaukasischen Weilern, im Kaschmir und in Vilcabamba in Ecuador, wo, wenn einer früher als mit hundert Jahren stirbt, das Kommentar der Menschen lautet: 'So jung?'"

Weitere Artikel: Moses Naim, Chefredakteur von Foreign Policy, fragt sich, ob Kerry wählen nur bedeutet, den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben. Im Kulturteil porträtiert Giacomo Leso den Franzosen Marc Levy (mehr), angeblich "Bestsellerautor per Zufall", der von drei Büchern in drei Jahren immerhin drei Millionen Exemplare verkauft hat. Eleonora Attolico empfiehlt den Besuch der National Portrait Gallery in London, wo gerade Arbeiten des Dandy-Fotografen Cecil Beaton ausgestellt sind.

Magazinrundschau vom 22.03.2004 - Espresso

Selbst die demokratischen Präsidentschaftskandidaten kümmern sich nicht um die wirklichen Opfer des Irak-Krieges, wie Naomi Klein (mehr) in einer wütenden Suada konstatiert. "Man konzentriert sich auf die Aufdeckung von Bushs Lügen , ein Prozess mit dem Augenmerk auf jene, die diese Lügen geglaubt haben, und nicht um über jene zu diskutieren, die durch diese Lügen getötet wurden. Wenn der Krieg ein Fehler war, dann müssen die Vereinigten Staaten als Hauptagressor die Sache wieder in Ordnung bringen."

Zeitungen sind voller Fehler, stellt Umberto Eco fest und schlägt den überforderten Chefredakteuren deshalb einige Dauerbrenner vor, die jeder Journalist hinbekommen müsste. "Ein faszinierendes Thema ist der 'Niedergang der Intellektuellen'. Jede Epoche findet, es gibt einen Niedergang der Intelligenz." Oder der "Untergang des Feminismus. Der unerträgliche Missbrauch der Anglizismen. Die Krise der Universität. Zu vermeiden sind diffizile Themen, die Recherchen mit ungewissem Ausgang erfordern, wie 'Neo-Lesbentum in Albanien'.

Michele Serra wittert in seiner Satira Preventiva islamistische Propaganda überall. Etwa beim Tod von Lady Di. "Dodi Al Fayed war in Wirklichkeit einer der ersten Selbstmordattentäter. Er fuhr den Mercedes selbst gegen den Pfeiler." Der "schreckliche Kult", der um die Prinzessin der Herzen entstand, "zeigt und/oder beschleunigt das massenhafte neurologische Defizit und verringert deutlich die kulturellen Abwehrkräfte des Okzidents." Monica Maggi schlendert schließlich über die Mailänder Comic-Messe, wo sich eine Sonderausstellung mit den beliebtesten Bösewichten der Comic-Literatur beschäftigt.

Magazinrundschau vom 15.03.2004 - Espresso

Wunderschön das Interview mit dem seit sieben Jahren in Pisa einsitzenden Gefängnisphilosophen Adrano Sofri (verurteilt wegen Mitwirkung an der Ermordung eines Mailänder Polizeikommissars 1972, mehr dazu auf dieser Sofri gewidmeten Website). Wlodek Goldkorn unterhält sich mit Sofri im Besucherraum über das Altern, den Tod und das vergebliche Unsterblichkeitsstreben der Großen. "Auch die Reichen sterben, und sie wissen es. Gianni Agnelli (mehr) ist tot: eine große Desillusion für die Reichen, die denken, sie könnten sich die Verlängerung bis zum Äußersten einfach kaufen (man erinnere sich an die köstlichen Worte der Dame auf dem Schafott: 'Bitte, eine Minute noch, Herr Scharfrichter!'). Vielleicht muss man den Reichtum des Vokabulars jener afrikanischen Stämme erlangen, die für das Sterben nicht nur ein Wort haben, sondern mehrere Abstufungen kennen: beinahe sterben, ein wenig sterben, ganz sterben, wirklich sterben....Die Reichen versuchen jetzt das Altern zu verlangsamen. Wenn sie das tun, und trotzdem alt werden, benehmen sie sich so, als wären sie unsterblich."

In Italien startet das weltweit erste Filmfestival, das ausschließlich im Netz stattfindet. Die Jury bildet sich aus den Besuchern der Seite, die mehr als zwanzig Filme auf dem Computermonitor anschauen und bewerten können. Cesare Balbo lehnt sich voller Vorfreude zurück und meint, die Traditionalisten sollten das Niff nicht gleich verdammen. "Diese Seite ist beileibe nicht der Tod des Kinos, vielmehr bedeutet das den Beginn einer neuen Phase in der Kunst des Filmemachens."

Außerdem sieht der marokkanische Schriftsteller Tahar Ben Jelloun (mehr) das schwere Erdbeben im Rif-Gebirge im Norden Marokkos als Katalysator der Unzufriedenheit mit dem autoritären Staat. Die Einwohner dieses Landstrichs haben schließlich schon die französischen Kolonialherren gestürzt. Giorgio Bocca vermutet in seiner Antitaliano-Kolumne, dass ein zynischer Berlusconi das Leben der italienischen Soldaten im Irak für schäbige amerikanische Dollars aufs Spiel setzt. Und Eugenio Scalfari rechnet ab mit dem Schlagerfestival von San Remo, das mittlerweile keine Minute Zeit noch einen Euro Aufwand mehr wert sei (siehe auch unsere Post aus Neapel).

Magazinrundschau vom 08.03.2004 - Espresso

Umberto Eco erklärt in einer lesenswerten Grundsatz-Bustina den Unterschied zwischen Konservativen, Revolutionären und Faschisten, um dann auf den Populismus a la Berlusconi überzuschwenken, der keine Inhalte hat, sondern nur Methode ist. "Es ist eine Form des Regierens, die, um die parlamentarischen Kompromisse zu umgehen, eine direkte Verbindung zwischen dem Führer und den Massen herzustellen versucht." Perfektes Beispiel sei das geplante neue Jagdgesetz, das die Jagdsaison erheblich verlängern soll (hier formiert sich der Widerstand). "Das diskutierte Gesetz fährt die Beschränkungen auf prä-ökologische Dimensionen zurück. Warum? Weil man mit diesem Vorschlag auf alte Strömungen eingeht, auf das Tiefe im Volk, das alle Kritik und Reform der Tradition ablehnt. Dieser Gesetzesvorschlag zeigt wieder einmal die populistische Beliebigkeitsnatur einer kriecherischen Regierung, die sich von Appellen an die unkontrollierten Instinkte der weniger gebildeten Wähler ernährt." Das Gesetz ist schließlich zurückgezogen worden, erfahren wir vom WWF.

Der Schwerpunkt dieses Frühlingsheftes liegt auf dem Essen. Graziarosa Villani legt dar, nach welchen Kriterien sich die Italiener am Supermarktregal entscheiden. Überraschung: "Meistens ist es die Lust auf etwas." Im ellenlangen Titel propagiert Paola Emilia Cicerone zeitgemäß die "neue Ernährungspyramide", diverse Schlankmacher und Diäten. Ciao, Panna cotta! Ade, ihr wundervollen Cornetti con crema!

Magazinrundschau vom 01.03.2004 - Espresso

Marvin Hier, Leiter des Simon-Wiesenthal-Zentrums von Los Angeles, brandmarkt Mel Gibsons Jesus-Film "The Passion" im Interview mit Lorenzo Soria als antisemitisch. "Ich habe kein Poblem mit dem Thema; die Christen haben natürlich das volle Recht, alle möglichen Filme über ein so zentrales Thema ihres Glaubens zu machen. Aber über zwei Stunden lang widmet sich Mel Gibson nur der physischen Agonie von Jesus. Außerdem schildert er die Hebräer als Karikaturen, mit finsteren Blicken, niemand von ihnen sagt jemals ein intelligentes Wort, und wenn sie den Mund aufmachen, dann nur um die Kreuzigung zu fordern. Mit Ausnahme der vier folternden Legionäre kommen die Römer hingegen gut weg, selbst Pontius Pilatus ist eine ängstliche und vernünftige Figur. Was sagt das dem Zuschauer? Dass die Verantwortlichen für die grauenvolle Gewalt gegen Jesus die Hebräer sind, eine Schlussfolgerung, die dem Antisemitismus Nahrung gibt, in einem Moment, wo dieser von Europa über Lateinamerika bis ins muslimische Asien in alarmierender Weise ansteigt. Ein Film, der die alten Stereotype verstärkt, während die Kirche den Weg der Versöhnung eingeschlagen hat."

In Sorias interessantem Titelpaket findet sich außerdem ein Gespräch mit Michael Lerner, dem ehemaligen Berater von Bill Clinton, der in Mel Gibsons Streifen die Politik von George Bush wiederzuerkennen glaubt (hier ein Leitartikel von Lerner, dem Herausgeber des Tiukkun Magazine, zum gleichen Thema). Zusätzlich gibt es eine Auswahl mit Links zum Thema.

Schön zu lesen ist der Text von Andrzej Stasiuk (mehr), in dem der Schriftsteller von den schneebedeckten Karpaten berichtet. "Von der Moderne haben es bisher nur die Taschenlampe, das Transistorradio und die Gummistiefel bis hierher geschafft. Alles Übrige ändert sich nicht, es gibt auch keinen Grund dafür."

Alberto Dentice preist Mudda (Magnificent Union of Digitally Downloading Artists), die digitale Musikplattform von Peter Gabriel und Brian Eno, die nicht weniger bewirken soll als die Herrschaft über die Musik wieder in die Hände der Musiker zu legen. Daniela Giammusso spricht außerdem mit Roland Emmerich über seinen neuen Weltuntergangs-Film The day after tomorrow.

Magazinrundschau vom 23.02.2004 - Espresso

Recht vergnüglich geht es bei Umberto Eco zu, der seine Bustina mit neu interpretierten Roman- und Filmtiteln füllt. Alle haben natürlich etwas mit der für Eco oft gar nicht so fröhlichen italienischen Gegenwart zu tun. Kostprobe gefällig? "Die Kartause von Parmalat (Stendhals Original hier) - Aufstieg und Fall des Fabrizio vom Bingo, eines jungen Hasardeurs, der kein Risiko scheut. Illustrationen aus den 'Totentanzi' von Holbein (so sieht der Totentanz aus). Der schwarze Korsar (das italienische Vorbild hier) - Anthologie des Buchs der Träume von Silvio Berlusconi."

Enrico Pedemonte malt ein Stimmungsbild der USA im Jahre vier nach Bush und spürt ein Beben, das vor allem von den jungen Bevölkerung ausgeht und den Texaner aus dem Sattel heben könnte. "Es ist ein diffuses Gefühl, greifbar noch am ehesten innerhalb der städtischen Intelligenz von New York und Boston, das da unter den Jüngeren heranwächst. Es ähnelt dem tauben Groll, der den Geist des antiberlusconischen Italien nährt. Während Italien aber noch nie von einem patriotischen Geist erfüllt wurde, könnte dieser Nationalstolz das Zeichen eines beispiellosen Bruches sein."

Im gesellschaftlichen Teil meditiert Monica Maggi über die absatzsteigernde Enthüllung Janet Jacksons, während Daniela Giammusso Jennifer Aniston huldigt, Sie wissen schon, die Schauspielerin, die "berühmt ist für ihre honigfarbenen Haare" man könnte auch einfach blond sagen).

Magazinrundschau vom 16.02.2004 - Espresso

Alle Welt schaut auf China. Die Zukunft aber wird nicht in der Volksrepublik, sondern im Königreich Saudi-Arabien bestimmt, behauptet Moises Naim, Chefredakteur von Foreign Policy. Das Land ist ein einziger Dampfkessel. Und "der Druck hat sich in den vergangenen Jahren erhöht und wird weiter ansteigen. 1980 lag das Pro-Kopf-Einkommen in Saudi-Arabien bei 25.000 Dollar. Heute wird es auf 8.000 Dollar geschätzt, trotz des Anstiegs des Rohölpreises. Die vorrangige und auch heute noch fundamentale Motivation von Osama Bin Laden und Al Qaida besteht nicht darin, so viele Amkerikaner wie möglich zu töten, sondern politische Änderungen in Saudi-Arabien zu provozieren. Das bedeutet nicht, dass Al Qaida die hauptsächliche Triebkraft ist. Al Qaida symbolisiert nur einige der Konflikte, die das Königreich in der Wüste zerreißen werden."

Michele Serra präsentiert ein satirisches Glossar der angekündigten Justizreform. Die geplanten Friedensrichter etwa werden aus Berufstätigen anderer Sparten ernannt, nach Serra "am besten Chirurgen in Bereitschaft und Piloten der All'Italia, die haben angenehm wenig Zeit". Monica Maggi annonciert die Renaissance des Romanciers im Netz und stellt Seiten vor, auf denen man seine eigenen literarischen Erzeugnisse der werten Öffentlichkeit präsentieren kann. Außerdem bilanziert die Unermüdliche die vorläufigen Web-Erfolge und Pleiten des neuen Jahrtausends, wie E-Books von Barnes and Noble (Pleite) und Viagra für Frauen (Erfolg).

Magazinrundschau vom 09.02.2004 - Espresso

Eine Überraschung erlebte Umberto Eco, als er sich vor einer Woche auf der Titelseite der Tageszeitung Il Giornale (dauert ewas) wiederfand. Dort wurde Eco nach einem Vortrag als entschiedener Befürworter der Bildungsreformen der Forza-Italia Ministerin Letizia Moratti (mehr) vorgestellt. Das muss richtig gestellt werden. "Der Titel meiner Ausführungen lautete 'Priester auf Wanderschaft. Wann die Universität endet', und das bedeutete, dass man in einer guten Universität nie anhält, auch nach dem Doktortitel geht es weiter für den, der die Berufung spürt zu forschen, und deshalb muss man nachdenken, wie man die Inhaber des Doktortitels unterstützen kann, auch um dem Exodus der Intelligenz hierzulande vorzubeugen." Vielleicht sollten Moratti und Buhlman mal telefonieren. Ecos Urteil über den Stein des Anstoßes ist letzlich altersmilde-weise oder besser resigniert. "In diesen Zeiten ist es besser, eine Presse zu haben, die die Karten auf dem Tisch durcheinander bringt als eine, die zum Schweigen gebracht wird."

Korruption allerorten, beklagt der Espresso seit Wochen. Nicht Parmalat sei das Problem, sondern der italienische Kapitalismus überhaupt. Giorgio Bocca verkündet jetzt in apokalyptischem Ton, dass das ganze Land nach dem Modell Mafia gestaltet sei. Und "wenn sich in einer Gesellschaft die Tendenz zeigt, dass Laster die Normalität sind und Untaten zu verständlichen menschlichen Schwächen werden, dann ist Anarchie unausweichlich." Mannesmann?

Des weiteren berichtet Monica Maggi aus Japan, wo nun das erste Mal ein Verleger ins Gefängnis muss, weil die Mangas seines Hauses zu hart sind. Maggi kündigt außerdem die ersten italienischen Kussseminare an und behilft sich mit Casanova. "Was ist der Kuss denn, wenn nicht das brennende Verlangen, ein wenig vom Geliebtsein einzuatmen?" Silvia Bizo plaudert schließlich mit Michael Douglas, der sich selbst als "gefallenen Hippie" sieht.

Magazinrundschau vom 26.01.2004 - Espresso

Forza Italia! Der Espresso widmet seinem Lieblingsfeind eine ganzen Kaskade von Artikeln. Pünktlich zum Europa-Wahlkampfauftakt und zum zehnjährigen Jubiläum der Partei staunt Marco Damilano im Titel über die "Risilvio" und zitiert einen kämpferischen Berlusconi: "Ich sage es ganz simpel: Die Ära nach Berlusconi hat schon begonnen. Aber die Zukunft dieser Mehrheit und dieser Partei liegt in den Händen einer Person. Und diese Person bin ich." Gleich darunter spricht Edmondo Berselli für das Volk, das auf einen Erlöser wartet. Und der Senator auf Lebenszeit Francesco Cossiga (mehr) analysiert die Führungsriege der Bewegung, die schlussendlich doch nur aus einem Mann besteht. Giampaolo Pansa liest Fedele Confalonieri (mehr), dem Präsidenten des Berlusconi-Medienverbunds Mediaset die Leviten, der sich auf die Wahlen anscheinend wie auf einen Bürgerkrieg vorbereitet. Abschließend erläutern Enrico Arosio und Lorenzo Soria, was genau die amerikanischen Lifting-Spezialisten kurz nach Weihnachten in den Schweizer Bergen mit dem Cavaliere gemacht haben.

Umberto Eco gesteht seine unmäßige Liebe zu alten Büchern und schreibt ganz nebenbei eine Hommage an das Druckwerk an sich. Dem Bibliophilen "erzählt das Buch eine Geschichte, aus Daumenabdrücken, kleinen Anmerkungen, Unterstreichungen, Widmungen, vielleicht sogar Holzwurmlöchern, und es erzählt diese Geschichte noch viel besser, wenn seine Seiten, nach fünfhundert Jahren, noch frisch und weiß unter dem Finger knistern."

Massimo Cacciari schreibt (spät, aber immerhin) über seinen verstorbenen Kollegen Norberto Bobbio, (mehr über den Philosophen und gleichfalls Senator auf Lebenszeit), den großen Bourgeois, der Erwünschtes und Mögliches zu vereinen suchte. Bissig wie gewohnt nimmt Michele Serra in seiner Satireglosse Iowa aufs Korn, das neben den Präsidentschafts-Vorwahlen und Indianerfriedhöfen nur Ersatzteile für Lüfter zu bieten hat. Dustin Hoffman und Gene Hackman sind Freunde, haben kürzlich einen Film zusammen gemacht und widmen sich wohl bald auch beide der Malerei, erfahren wir aus einem Gespräch mit Silvia Bizo. Und die berüchtigte Monica Maggi verrät Tests zur Partnersuche und damit irgendwie auch die romantische Amore selbst.

Magazinrundschau vom 05.01.2004 - Espresso

Das Geheimnis des Glücks, verkündet Giovanni Zucconi, hat nichts mit Geld zu tun, sondern mit "Chaos und Liebe". Das haben (nicht nur italienische) Ökonomen ausgerechnet. Glücklicher wird auch, wer sich öffentlich engagiert. "Nach einer langen Periode, von der zweiten Hälfte der Siebziger bis zum Ende der Neunziger, in der die Indikatoren des Privaten und der Subjektivität (der Kult des Unternehmens, die Mystifikation des Individuums, der Hedonismus) überwogen, ist der Zyklus des privaten Glücks nun an seinem Ende angelangt." Also raus auf die Straße und gegen Berlusconi marschiert! Macht glücklich.

Jeremy Rifkin, Autor und Präsident der Foundation on Economic Trends in Washington, freut sich über die nun wissenschaftlich belegte Erkenntnis, dass alle Tiere Gefühle haben. Die Einsicht, dass "auch Schweine weinen", bedeute eine "neue Phase in der Entwicklung der Menschheit". Pikanterweise wurden die betreffenden Studien von Fast-Food-Konzernen in Auftrag gegeben, die allerdings über die Ergebnisse nicht sehr erfreut sein dürften.

Natürlich wird der Zusammenbruch des Parmalat-Konzerns diskutiert. Im Aufmacher erregt sich Massimo Riva über die unnützen Streitereien der Kreditgeber. Und Michele Serra erzählt in einer bösen Glosse, wie mit der "legendären Kuh Nummer eins" alles angefangen hat. "Erschöpft vom Konsum von 50 Litern Milch am Tag und zerrüttet von Koliken, hat Tanzi eine wahrhaft geniale Idee: warum die Milch nicht verkaufen?"

Außerdem druckt der Espresso das Manifest der Sozialökologin Vandana Shiva (mehr zu ihrem Insitut RFSTE) ab, in dem sie eine "Demokratie der Erde" fordert, die die absterbenden Wirtschafts- und Politikformen der Gegenwart durch eine unbedingte Souveränität der Bürger ersetzen soll. Riccardo Bocca schlägt Alarm: Immer mehr bedenkliche chemische Verbindungen werden verarbeitet, ohne dass wir etwas davon erfahren. Monica Maggi erklärt, wie erotische Ikonen wie Marilyn Monroe unsterblich werden: Als Barbie-Puppe.