Im Kino

Schluck aus der Salatgurke

Die Filmkolumne. Von Lukas Foerster
31.07.2025. Adam Sandler zieht in Kyle Newachecks "Happy Gilmore 2" auf dem Golfplatz gegen Social-Media-Reizoptimierung und waffenscheinpflichtige Berufsjugendlichkeit zu Felde. Am stärksten ist das Comedy Sequel jedoch als Familienfilm.

Ein Golfball, der direkt auf die Kameralinse abgefeuert wird, dient als animiertes Logo der Produktionsfirma Happy Madison - eine Anspielung auf die Golfer-Komödie "Happy Gilmore", mit der Happy-Madison-Mastermind Adam Sandler 1996 einen seiner größten Kinoerfolge feierte und die auch als einer von zwei Namenspatronen der Firma dient (der andere: die High-School-Komödie "Billy Madison", 1995). Knapp 30 Jahre nach dem Originalfilm greift Sandler ein zweites Mal zum Golfschläger.

Wobei man gleich dazusagen sollte: So aggressiv und "in your face", wie es das Happy Madison-Logo nahelegt, geht es in Happy Madison-Filmen selten bis nie zu, erst recht nicht seit Sandlers Umzug zu Netflix im Jahr 2016. Vielmehr sind das ausgesprochen entspannte Angelegenheiten, Filme, die sich oft eher wie die Nebenprodukte eines Familienurlaubs anfühlen als wie die ultra-lukrativen Streaming-Blockbuster, die sie de facto sind. Man würde sich auch im aktuellen Fall nicht wundern, wenn der Dreh zu "Happy Gilmore 2" für Sandler & Company in erster Linie ein Vorwand für ausgiebigen Golfplatz-Tourismus war. Filmen um zu leben, nicht leben um zu filmen: das scheint - natürlich bleibt das eine Ferndiagnose, man steckt nicht drin - die Devise Adam Sandlers, darin Jess Franco ähnlich, zu sein. Dies ist im Übrigen keineswegs als Kritik gemeint. Im Gegenteil. Locker aus dem Ärmel geschüttelt statt streberhaft-überkontrolliert muten die Filme an, die auf diese Weise entstehen.

Orginalitätspreise, soviel müssen selbst die größten Happy Madison-Fans eingestehen, gewinnen sie freilich selten. Auch das Sportfilm-Sequel "Happy Gilmore 2" macht auf der Plotebene exakt das, was man von einem Sportfilm-Sequel erwartet. Wie erwartet konnte die titelgebende Hauptfigur nach dem Überraschungscoup aus dem ersten Film die Früchte ihres Erfolgs nicht lange genießen. Der unkonventionelle Golf-Champion Happy, der die schnieke Rasensportwelt mit Schlabber-Look und schlabbrigen Sprüchen aufgemischt hatte, schwört nach einem fatal deplatzierten Golfballschuss dem Sport ab, fängt an zu trinken und jobbt in einem Supermarkt. Bis er es sich, wie erwartet, doch noch einmal anders überlegt und sich ein weiteres Mal anschickt, die Golfplätze dieser Welt zu erobern. Wobei es, auch das keine Überraschung, diesmal nicht bei der individuellen Erfolgsgeschichte bleibt: Letztlich geht es bei Happys Comeback um nichts Geringeres als um die Verteidigung des traditionellen Golfsports. Und zwar gegen ein Start-Up-Investoren-Projekt namens Maxi Golf, das es sich auf die Fahne geschrieben hat, Golf, diesen ziemlich trägen Sport der alten, weißen Männer jung, hipp, dynamisch und divers zu machen.


Was auch heißt: Happy hat die Seiten gewechselt. War er einst selbst ein Agent der Erneuerung, der dem verkalkten, elitären Establishment eine populistische Locker-mach-Kur verabreichte, kämpft er nun, freilich immer noch mit derselben, inzwischen gut abgehangenen und mehr-als-nur-drei-Tage-bärtigen Slacker-Attitüde, auf Seiten der bestehenden Ordnung. Was man ihm freilich nicht zum Vorwurf machen kann. Denn die populistische Alternative ist nicht mehr das, was sie mal war. Maxi Golf will das alte Regime nicht stürzen, um den Golfsport zu demokratisieren und Adam-Sandler-mäßig zu profanisieren; vielmehr zielt das Start-up auf Social-Media-taugliche Reizoptimierung und waffenscheinpflichtige Berufsjugendlichkeit.

Die Idee ist nicht schlecht; mit etwas gutem Willen geht das Drehbuch durch als Verballhornung einer globalisierten Spaßkultur, die Inklusion predigt und digital vereinzelte Monaden produziert. Benny Safdie verleiht als Frank Manatee, Hauptsponsor von Maxi Golf, dem kommenden Fun-als-Stahlbad-Terrorregime denn auch ein angemessen schmierig herumkumpelndes Gesicht. Einer seiner Helfershelfer zückt gar, es mag ein schöner Zufall sein, die Milei-Kettensäge. Ansonsten bleibt die angedrohte schöne neue Welt von Maxi Golf in "Happy Gilmore 2" leider einigermaßen opak. Zwei parallel Bälle abfeuernde Golfer auf derselben Bahn und ein hydraulisch anhebbares, sich drehenes Grün - das soll es schon gewesen sein? Arg fußlahm ist die Imagination des Films schon auch da, wo es drauf ankommt. Lieblos fast durchweg die golfbezogenen Pointen. Bälle, die sich gegenseitig "abschießen" oder chemtrailartige Girlanden in die Luft zeichnen, nun ja. Dahingeschluderte Witz-Skitzen eher denn filmisch durchgeformte Witze sind das fast durchweg.

Super hingegen der erste Akt, Happys Niedergang mitsamt anschließendem Sichaufrappeln. Alki-Sandler versteckt seinen Treibstoff in allerlei Alltagsgegenständen, nimmt mal einen Schluck aus der Salatgurke, mal einen aus dem Pfefferstreuer. Eine zu gleichen Teilen abstruse, anrührend-verzweifelte und pragmatisch-ingenuöse Form der Kaputtheit. Schön auch Ben Stiller als Hal L., narzisstischer Leiter der Therapie-Gruppe, der Happy sich schließlich anschließt - eine veritable Arschlochrolle, von Sandler-Kumpel Stiller mit fießem Dauergrinsen zelebriert. Oder Happys vier fröhlich nichtsnutzige Söhne, gewissermaßen seine persönlichen Four Stooges, die außer zu Peniswitzen zu absolut gar nichts zu gebrauchen sind. Und vermutlich vor allem in den Film hineingeschrieben wurden, um ihre von Sandlers eigener Tochter Sunny gespielte Schwester Vienna, die eine Tänzerinnenkarriere anstrebt, in umso besserem Licht dastehen zu lassen. Wie schon in "You Are So Not Invited to My Bat Mitzvah", ihrem putzigen Debüt als Hauptdarstellerin, bringt Sunny Sandler mit ihrem jugendlichen Enthusiasmus einigen frischen Wind in die Happy Madison-Welt.

Auf die eine oder andere Art sind alle Happy Madison-Filme Familienfilme und "Happy Gilmore 2" ist vor allem da ein schöner Happy Madison-Film wo er ganz Familienfilm ist. Wie bereits angedeutet verliert die Sache tendenziell an Schwung, sobald Happy den Weg zurück auf den Golfplatz findet. Regisseur Kyle Newacheck versucht sich an einer Form der an die Parodien der legendären Zucker-Abraham-Zucker-Schmiede angelehnten Schnellfeuer-Komik, die Adam Sandler schon in jüngeren, dynamischeren Jahren nicht allzu gut gelegen hatte; und die seinem aktuellen Aggregatzustand als wandeldem, grundsympathischem dad joke erst recht nicht angemessen ist. Dass man mit "Happy Gilmore 2" geichwohl mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eine bessere Zeit verbringen wird als mit so ziemlich allen anderen aktuellen Netflix-Kacheln, die auszuwählen man theoretisch in Versuchung kommen könnte, versteht sich von selbst.

Lukas Foerster

Happy Gilmore 2 - USA 2025 - Regie: Kyle Newachek - Darsteller: Adam Sandler, Benny Safdie, Ben Stiller, Sunny Sandler u.a. - Laufzeit: 118 Minuten.