Der ukrainische Künstler Pavlo Markov vertritt auf der Biennale in Venedig die Ukraine. Er zeigt eine Trichter-Installation, die Wasser so lange teilt, bis unten scheinbar nichts mehr herauskommt. Inspiriert sei das Werk von der postsowjetisch "verrotteten" Infrastruktur in Charkiw, erklärt er während seiner Begegnung mit Marcus Woeller (Welt), bei der es natürlich vor allem um den Krieg geht. Die EU habe sich durch die Abhängigkeit von russischem Gas "sehenden Auges die Hände schmutzig gemacht", sagt er und glaubt nicht, dass sich die russische Gesellschaft je gegen Putin erhebt. Heute verstehe er, "warum er bei Autofahrten in Russland von Jahr zu Jahr mehr Werbetafeln an den Straßen sah, die vom Sieg im Zweiten Weltkrieg kündeten. 'Es ist der einzige Weg, wie man dieser Nation ein Gefühl von Selbstvertrauen geben kann. Russland produziert Idioten, die aus Spaß töten.' Das könne nun jeder in den Nachrichten sehen. 'Irgendwo tief drin in dieser Kultur brütet ein Virus. Vielleicht dasselbe Virus, das in Deutschland 1933 so viele Menschen Hitler wählen ließ.'"
Inwieweit tragen russische Kulturmanager eine Mitverantwortung für den Krieg, fragt Herwig G. Höller im Standard: "Dass konkrete Museumsdirektoren durch ihr Eintreten für Putin sowie mit militaristischen Ausstellungen und der Verharmlosung des Stalinismus die ideologischen Kriegsvorbereitungen unterstützten, steht außer Frage. Seit Jahren konnte die Kriegsrhetorik des Präsidenten nicht mehr überhört werden. So sprach Putin in einer Wahlkampfrede im März 2018 dreißig Minuten über neue russische Superwaffen. Als er eine einzigartige Massenvernichtungswaffenamens 'Avantgarde' vorstellte, gab es Standing Ovations der versammelten Eliten, darunter auch prominente Kulturfunktionäre."
Außerdem: Beim Anblick der Gemälde von Marlene Dumas, der der Palazzo Grassi in Venedig derzeit die große Ausstellung "open-end" widmet, möchte FAS-Kritikerin Laura Helena Wurth fast ein wenig "beschämt" wegschauen, so offen und "unbequem" zerre Dumas Themen wie Sexualität, Schönheit oder Pornografie an die Oberfläche: "Sie dekonstruiert nicht, sie zerfleddert. Wo man Höflichkeit und Anstand erwartet, sind selbstironische Distanz und eine Leichtigkeit, die manchmal fast rüpelhaft wirkt. Wie ein rüdes Cowgirl nähert sie sich Leben und Tod, Schmerz und Gewalt." In vielen Häusern, auch auf der Biennale in Venedig, ist derzeit Kunst von Frauen zu sehen, bemerkt Philipp Meier in der NZZ und stellt fest: So groß ist der Unterscheid gar nicht. In der Wiener AlbertinalerntStandard-Kritiker Stephan Hilpold den "Mythos Berlin" zu verstehen mit den Fotografien von Michael Schmidt, der in den Achtzigern, aber auch nach der Wende das "Kaputte und Widerständige", die "Härte und Trostlosigkeit" einfing. Besprochen wird die Paul-Gauguin-Ausstellung (Standard).
Ganz schön verstörend, was FR-Kritikerin Sandra Danicke da im Frankfurter MMK Tower sieht. Die Kunst des 1986 im Alter von 25 Jahren ermordeten Malers und Einbrechers Stéphane Mandelbaum muss man erst mal aushalten, stellt sie fest. "Bisweilen ist gar nicht klar, ob man es mit ausgefeilten Kompositionen oder mit zufällig entstandenen Schmierzetteln zu tun hat. Dann wieder klebte er Zeitungsfotos auf, die beim Näherkommen erschrecken, weil man plötzlich auf eine entblößte Klitoris blickt. Oder man entdeckt zwei gezeichnete kopulierende Schweine mit Davidsternen und Schläfenlocken und erstarrt. Auch Hakenkreuze findet man immer wieder in diesem Werk. Es scheint, als zeichnete sich der Außenseiter Mandelbaum - Jude, Homosexueller, Verbrecher - das Elend der Welt aus der Seele. Als exorzierte er gleichsam das Schicksal seiner Familie (der Großvater war Überlebender der Shoah), das Schicksal der Halbweltgestalten, der leidenden Exzentriker. Nicht wenige derer, die Mandelbaum abbildete, sind gewaltsam gestorben, etwa der linksradikale Aktivist Pierre Goldman, dem man erst einen Mord in die Schuhe schob, bevor man ihn auf offener Straße umbrachte."
So geht's nicht, meint in der FAZ Niklas Maak mit Blick auf die Documenta, die ihre Haltung zu BDS nicht diskutieren mag (ein Interview mit einem der Kuratoren zum Thema wurde von der Leitung der Documenta nicht freigegeben) und wenn, dann aber auf keinen Fall mit BDS-Kritikern. "Es gibt viele transnationale Künstlerkollektive, die jenseits von Boykott-Aufrufen an anderen Formen von Kritik arbeiten und denen es gelingt, das Leid der Palästinenser zum Thema zu machen, ohne das Existenzrecht Israels zu bestreiten, und die umgekehrt die Sorge der israelischen Bevölkerung zeigen, ohne 'die Palästinenser' kollektiv zu dämonisieren. Noch weiß man nicht, wer eingeladen ist nach Kassel - und wer aus welchen Gründen nicht. Wenn man auch auf der Documenta - wie es bei anderen Kulturveranstaltungen geschah - bestimmte israelische Künstler nicht einlädt, damit die BDS-Sympathisanten teilnehmen können, die sich weigern, mit Israelis auf einer Bühne zu stehen: Dann wäre das sympathische Bild der Gemeinschaftsscheune schon zusammengebrochen, bevor diese überhaupt eröffnet wird. Aufgeschreckt von Nachfragen, kündigt die Documenta nun an, der Kurator werde seine Aussagen zum BDS 'redigieren' und, anders als geplant, in der redigierten Form freigeben. Den Versuch, Berichterstattung zu unterbinden, macht das nicht ungeschehen."
Außerdem: Nicola Kuhn besucht für den Tagesspiegel das Kiasma, Helsinkis Museum für zeitgenössische Kunst. Stefan Trinks betrachtet für die FAZ Die "Tegernseer Tabula Magna", die Gabriel Angler um 1444 gemalt hat. Besprochen werden außerdem eine Ausstellung von Marlene Dumas in François Pinaults Palazzo Grassi in Venedig (Welt)
Fujiko Nakaya: Nebel leben. Foto: Andrea Rossetti / Haus der Kunst Freudig lässt sich Zeit-Kritiker Tobias Timm von den Nebeln umhüllen, in die die japanische Künstlerin Fujiko Nakaya das Münchner Haus der Kunst wirft: "Irgendwann war Nakaya unzufrieden mit der Malerei, die dem flüchtigen Charakter der Natur niemals gerecht werden konnte. Sie setzte sich in den Kopf, Wolkenmacherin zu werden, Wolken aus Wasser, nicht einfach nur aus Rauch zu schaffen. Ihr großes Vorbild war ihr Vater, der Physiker Ukichiro Nakaya, der den ersten künstlichen Schneekristall hergestellt hatte - mithilfe eines Hasenhaars, auch das kann man in einem Saal der von dem neuen Museumsdirektor Andrea Lissoni und der Kuratorin Sarah Johanna Theurer eingerichteten Ausstellung auf Fotografien bewundern. 'Man muss dem Eis zuhören, wenn man etwas über Eis lernen will', habe der Vater ihr beigebracht. Und so hörte Fujiko Nakaya den Wolken zu."
Nach Palermo und Marseille schlägt die Wanderbiennale Manifesta in diesem Jahr ihre Zelte in Prishtina auf. Im Standardfindet Katharina Rustler das eine ganz hervorragende Idee: Die Hauptstadt des Kosovos kann jede Unterstützung so gut gebrauchen wie die Kunstszene: "Die Stadt verfügt über kein Museum moderner Kunst. Um die Nationalgalerie zu so einem zu erweitern, fehlt es an geeignetem Raum, finanziellen Mitteln und einer aktuellen Leitung. Und auch die primär aus männlichen Künstlern und Malerei der 1970er-Jahre bestehende Sammlung sei verbesserungsfähig. Diese Strukturlosigkeit mit Drang zur Veränderung mutet wie ein Sinnbild für den Kulturbereich in Prishtina an. Vor der historischen Kulisse dieser chaotischen Stadt (mit architektonischen Einflüssen aus osmanischer Zeit, dem Kommunismus und der Bauwut Ende der 1990er) tummelt sich eine dynamische und international orientierte Szene, die sich - wenn sie nicht auswandert - für neue Ideen, Stabilität und eine offene Zukunft des jungen Landes einsetzt. Die Hoffnungen sind groß."
Weiteres: Im SZ-Gespräch mit Catrin Lorch schnurrtCecilia Alemani ihre Vorstellungen für die diesjährige Biennale in Venedig ab, die unter dem Motto "Körper und Metamorphosen" stehen wird. In der tazerzählt Sophie Jung von dem riesigen Fundus an antiken Scherben, die der Berliner Maler Peter Grämer einst aus dem Kriegsschutt des Martin-Gropius-Baus barg und nun dem Museum für Vor- und frühgeschichte vermachte.
Nackenstütze, Papua-Neuguinea vor 1900. Foto: Dominik Drasdow/ Linden-MuseumCarmela Thieme freut sich in der taz, dass das Stuttgarter Linden-Museum seine ozeanische Sammlung zeigt und dabei immer auch den Unrechtskontext mitbenennt, in dem die Stücke erworben wurden. Zum Beispiel ein maßstabgerechtes Modell eines Männerhauses aus Papua-Neuguinea: "Die flächendeckenden Schnitzarbeiten wurden 1905 von Tene Waitere, dem damals bekanntesten Holzkünstler in Aotearoa, Neuseeland, und Kollegen geschaffen. Auftraggeber war Thomas E. Donne, der es nach London überführen ließ, wo das Linden-Museum es 1912 erwarb. Ein solches, als lebendiges Wesen verstandenes Versammlungshaus war das Zentrum der Gesellschaft. Seine Schnitzereien erzählten die Legenden der Ahnen und von dem Halbgott Māui, der unsterblich werden wollte. Er kroch in die Vulva der mächtigen Göttin der Dunkelheit, um durch ihren Mund als Gott wiedergeboren zu werden, während sie sterben würde. Seine Hybris wurde ihm zum Verhängnis. Hine-nui-te-pō erwachte, schloss ihre Schenkel und brach Māui entzwei."
Besprochen werden die Fotografie-Schau "Deutschland um 1980" im Landesmuseum Bonn (SZ), die David-Hockney-Ausstellung "Landschaften im Dialog" in der Gemäldegalerie in Berlin (FAZ) und die Raffael-Schau in der National Gallery in London (Observer)
In der Berliner Zeitungfeiert Maritta Tkalec ausgiebig, dass Walter Womackas DDR-Liebling "Am Strand" wieder in das Haus des Malers in Lodin auf Usedom zurückkehrt.
Besprochen werden die Whitney-Biennale in New York (SZ), die aus München übernommen Ausstellung der Schweizer Künstlerin Heidi Bucher im Kunszmuseum Bern (NZZ), die Raffael-Ausstellung in der National Gallery (FAZ) und die Ausstellung "Freundschaftsanfrage No. 1", für die der Fotograf Hans-Christian Schink seine Werke mit Beständen des Von-der-Heydt-Museums in Wuppertal verbindet (FAZ).
Rebecca Belmore, Prototype for ishkode (fire), 2021. Foto: Whitney BiennaleNach einigen Skandälchen und Corona ist die Whitney Biennale zu neuem Leben erwacht, freut sich in der Welt Hannes Stein, der in der Neuausgabe einen wunderbar vielfältigen Überblick über die amerikanische Gegenwartskunst erhält. Was für ihn vielleicht daran liegt, dass "kaum einer der in der Whitney Biennale von 2022 vertretenen Künstler weiß, männlich und heterosexuell". Am stärksten berührt hat Stein die Skulptur, "ishkode (fire)" der "Kanadierin Rebecca Belmore, die zum Volk der Asnishinaabe gehört. Eine menschliche Gestalt; eine Gestalt, die aus einem Schlafsack geformt ist, als hätte sie sich ihn umgeworfen. (Bei genauem Hinsehen besteht dieser Schlafsack aus gehärtetem Ton, und innen steckt niemand.) Die Schlafsackgestalt schreitet, sie geht irgendwohin. Und umgeben ist sie von Patronenhülsen und von Kupferdraht, die diese Hülsen zusammenhalten. Das ist alles. Ganz einfach - und so monumental wie eine Barlach-Skulptur. Was Rebecca Balmore da gestaltet hat, ist die Figur des Überlebenden; und natürlich spielt es keine Rolle, ob der einsame Mensch, der da schreitet, ein amerikanischer Ureinwohner oder einer der Bewohner von Butscha ist, der irgendwie Putins Mördern entkam."
Jan Helda, Granica i czas. Niepewność granicy, 2019 video 1'19'', dwa obiekty, wymiary zmienne Julia Hubernagel ist für die taz ins polnische Białystok gereist, direkt an der Grenze zu Belarus, wo belarusische Künstler in der Galeria Arsenał (und bald auch in der Leipziger Gfzk-Galerie) Werke ausstellen, für die sie in ihrer Heimat verhaftet würden: "Doch die Grenze nach Polen ist nicht nur für Belarus:innen schwer zu überwinden. Zwischen den beiden Ländern wächst ein dichter Wald, der als eines der letzten verbliebenen Urwaldgebiete Europas gilt. Wegen neuer Krisen fast vergessen, irren darin immer noch schlecht ausgerüstete Geflüchtete umher, die Lukaschenko aus Syrien, dem Irak oder Afghanistan einfliegen ließ, um die Europäische Union unter Druck zu setzen. Wie viele dort noch ausharren, ist unklar. ... Einer der belarussischen Künstler hat sich der Situation in den Grenzwäldern angenommen. Der in Berlin lebende Jura Shust fügt in seiner Videoarbeit Drohnenaufnahmen des polnischen Grenzschutzes und Handyvideos von Geflüchteten nahtlos aneinander. Die Aufnahmen sprechen für sich: Geflüchteten, die sich in den Wäldern behelfsmäßig Unterschlüpfe bauen, deplatziert, gefangen in einem Konflikt zwischen Ost und West."
Hier ein Video von Shust:
Besprochen werden außerdem eine Ausstellung über Italien "zwischen Sehnsucht und Massentourismus" im Kunstmuseum Oskar Reinhart in Winterthur (NZZ), die Ausstellung "Heidi in Israel. Eine Spurensuche" im Jüdischen Museum in München (FAZ) und die Ausstellung "Rache. Geschichte und Fantasie" im Jüdischen Museum in Frankfurt am Main (FAZ).
Bedeutet der Boykott gegen Russland auch, dass man aus Russland ausgeliehene Kunstwerke nicht zurückschicken darf? Derzeit hängen einige Gemälde im finnischen Zoll fest, die in Italien ausgestellt waren, berichten Till Briegleb und Jörg Häntzschel in der SZ: "Viele andere Museen haben das umgekehrte Problem: Sie müssen ihre Ausstellungen ohne fest eingeplante Leihgaben neu konzipieren. Und sie fragen sich, was von der Zusammenarbeit mit ihren Partnerinstitutionen in Russland noch zu retten ist." Alexander Diehl unterhält sich für die taz mit dem Kunsthistoriker Tobias Vogt über Barnett Newman und Dan Flavin.
Besprochen werden die Gruppenschau "Das entwendete Meisterwerk. Bilder als Zeitmaschinen" in der Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien (Standard) und eine Ausstellung der Künstlerin Libby Heaney, die sich mit dem Quantencomputer auseinandersetzt, in der Schering Stiftung Berlin (Tsp).
Besprochen werden die Ernst-Wilhelm-Nay-Retrospektive in der Hamburger Kunsthalle (FAZ), die Ausstellung "Picasso: Painting the Blue Period" in der Phillips Collection in Washington (SZ) und eine Marcel-Duchamp-Ausstellung im Frankfurter Museum für Moderne Kunst (Zeit).
Alfredo Jaars Video "06.01.2020 18.39" 2022 über Polizeiangriffe auf Demonstranten in Washington / Whitney Biennale
Absolut herausragend in ihrer Reflektiertheit findet Holland Cotter in der New York Times die heute eröffnende Whitney Biennale in New York: "Biennalen sind fast per definitionem Gegenwartsereignisse (und beinhalten auch Gegenwartspolitik: gewerkschaftlich organisierte Whitney-Mitarbeiter verteilten bei der VIP-Eröffnung Flugblätter mit Forderungen nach höheren Löhnen). Bei diesen Veranstaltungen wird nur selten ein Blick zurück geworfen. Bei dieser Veranstaltung jedoch schon. Coco Fuscos Video ist eine Meditation über das, was verschwunden ist und weiter verschwindet. Adam Pendletons Videoporträt der Theologin und Aktivistin Ruby Nell Sales ist eine aufrüttelnde Hommage an eine lange, tapfere persönliche Geschichte, die bis in die Gegenwart reicht. Jonathan Bergers außergewöhnliche skulpturale Installation 'An Introduction to Nameless Love', ein riesiges Buch aus aus Blech geschnittenen Buchstaben, ist eine Art begehbares 'Leben der Heiligen'. Einige dieser Heiligen sind noch unter uns, andere nicht."
Raffaels Madonna von Alba, 1511. Bild: National Gallery of Art, Washington
Im Guardiankommt Jonathan Jones gar nicht aus dem Schwärmen heraus, so überwältigt ihn die große Raffael-Ausstellung in der National Gallery in London. Kein anderer Renaissance-Künstlern habe Liebe und Mathematik so harmonisch verbinden können: "Die Ausstellung lässt einen die ureigene Freude an der reinen, fast mathematischen Methode spüren. Raffaels Madonnen sind so heiter komponiert, so leicht und anmutig in ihren Farben, dass sie in der Luft zu schweben scheinen, ohne an der Wand befestigt werden zu müssen. Die Madonna von Alba ist ein rundes Gemälde (ein 'Tondo') in leuchtendem Blau und Rosa mit Jesus und Johannes dem Täufer als Kinder, die auf dem Schoß von Maria auf einer Wiese spielen. Die Landschaft hinter ihnen ist ein nebliger, bläulicher Schleier aus Bergen und Wasser unter einem klaren, hellen Himmel. Unheimlich ist der Sinn für Proportionen: Maria und die Jungen befinden sich genau dort, wo sie innerhalb des Kreises sein müssen, damit das Bild wie ein geometrisches Theorem wirkt. Raphael macht die Klänge der Sphären sichtbar."
Philipp Meier freut sich in der NZZ, dass die in Marokko geborene Künstlerin Latifa Echakhch den Schweizer Pavillon auf der Biennale in Venedig bepielen wird. In der Berliner Zeitungberichtet Ingeborg Ruthe, dass sich das private Hermitage-Museum in Amsterdam von der Petersburger Eremitage abkoppelt und dafür als solidarische Geste vom Rijksmuseum Vermeers "Mädchen mit dem Milchkrug als Leihgabe erhält.
Besprochen wird die große Retrospektive zu Georgia O'Keeffe in der Fondation Beyeler bei Basel (SZ).
Mehr als 400 KünstlerInnen riefen zum internationalen Boykott der Bienal de La Habana auf, um gegen die kubanische Regierung zu protestieren. Im taz-Interview mit Vera Dünninger nennt die kubanische Eileen Almarales Noy die Bienale einen totalen Fehlschlag und die politisch gesteuerten Kulturinstitutionen des Landes mittelmäßig: "Trotzdem schließe ich mich dem Boykott der Biennale nicht an. Die Regierung unterdrückt uns und versucht, unsere Kunst zu manipulieren, aber dieser Boykott macht uns kubanischen Künstler:innen Druck. Denn die Biennale ist eine der wenigen Gelegenheiten für uns, im Land auszustellen. Zum Teil sind es Kulturschaffende aus anderen Ländern, die ganz andere Möglichkeiten haben als wir, und die mit ihrem Boykott der Biennale einen eisernen Krieg gegen die Regierung und den Kunstbetrieb Kubas führen."
Edgar Degas: Ukrainische, nicht mehr russische Tänzerinnen. Bild: National Gallery, London In der FAZ meldet Gina Thomas, dass die Londoner National Gallery ein Pastell von Edgar Degas umbenennt und aus russischen Tänzerinnen jetzt "Ukrainische Tänzerinnen" macht: "Dafür sprechen die blau-gelben ukrainischen Nationalfarben in den Kopfkränzen der Tänzerinnen."
In der Weltberichtet Martina Meister von der vorläufigen Bilanz der Unesco zu den kulturellen Schäden, die der Krieg gegen die Ukraine bisher anrichtete. Am schwersten betroffen sei Charkiw im Nordosten: "Dort sei das Holocaust-Mahnmal, die Verkündungskathedrale, das staatliche Theater für Oper und Ballett sowie das Kunstmuseum von russischen Bomben teilweise oder ganz zerstört worden."