Paul Gauguin: Tahitianische Frauen, 1891. Bild: Musee d'Orsay In der FAZ kommt Andreas Kilb noch einmal auf die bisher vielgelobte Paul-Gauguin-Ausstellung "Why Are You Angry" in der Alten Nationalgalerie in Berlin zurück und fragt sich, warum die Kuratoren Gauguins Tahiti-Bildern nicht etwas dokumentierte Realität gegenübergestellt haben, wenn sie schon einen Mythos zerschlagen wollen. Aber auch in anderer Hinsicht sieht er die Schau fehlgehen: "Der Essentialismus, das Denken in Hautfarben, das im Zentrum der postkolonialen Ideologie steht, prallt an seiner Kunst ab. Denn Gauguin wollte aus seiner Haut heraus. Er kam nach Tahiti als Europäer, um es nicht mehr zu sein. Am leichtesten lässt er sich feministisch packen: Gauguin heiratete minderjährige Mädchen und ließ sich von ihren Familien versorgen. Aber auch das Stereotyp des Sextouristen, dem er mit seinem Reisebuch 'Noa Noa' Nahrung zu geben scheint, erklärt seine Bilder nicht, denn sie sind nicht lüstern, sondern demütig. Sie beschwören nicht das erotische Paradies, sondern das Rätsel seiner Abwesenheit. Immer wieder halten sie den Moment fest, in dem das vorzeitliche Glück, das Gauguin auf Tahiti suchte, gerade vorbei ist. Zorn und Trauer, böse Geister und schwere Träume ziehen über die Gesichter seiner Modelle wie eine Infektion."
Weiteres: Im SZ-Interview mit Catrin Lorch berichtet der ukrainische Künstler Nikita Kadan, wie er in einem Bunker in Kiew ausharrt und von dort aus Sichtbarkeit für den krieg organisiert. Das von ihm kuratierte Filmprogramm "Ein Brief von der Front" ist im Münchner Haus der Kunst zu sehen. In der FAZresümiert Stefan Locke eine Diskussion zwischen Durs Grünbein und Marion Akcermann zum Stellenwert ostdeutscher Kunst.
Überwältigt kommt Sandra Danicke (FR) aus der großen Marcel-Duchamp-Ausstellung im Frankfurter Museum für Moderne Kunst, die ihr vor Augen führt, wie viel sie über den Künstler nicht wusste: "Man steuert auf einen Raum zu, in dem zahlreiche impressionistische Gemälde (und einige Zeichnungen) an den Wänden hängen. Sie sind gut, keine Frage, bloß bringt man sie nicht mit Duchamp in Verbindung. Über sein Frühwerk spricht keiner, es ist - im Angesicht dessen, was folgen sollte - auch nicht der Rede wert. Das, was dann allerdings folgte, ist so heterogen, verrückt und schlau, das man in dieser gigantischen Überblicksausstellung - insgesamt sind ungefähr 700 Objekte, Bilder, Fotos zu sehen - geistig gar nicht hinterher kommt. Duchamp hat vieles ausprobiert, oft war er der Erste. Er hat mit seinen Rotoreliefs die Op-Art dreißig Jahre vor der sogenannten Stilrichtung erfunden, hat eine Performance initiiert, indem er Kinder in einer Surrealisten-Ausstellung Ball spielen ließ, als noch niemand von Performance sprach. Er hat den Zufall mit einer solchen Dreistigkeit für Objekte eingesetzt (der Schwung eines zu Boden gefallenen Fadens bot die Vorlage für eine Schablone), dass man noch heute davor steht und denkt: krass!"
Am Rande seiner Kritik der großen Lygia-Pape-Ausstellung im Düsseldorfer K20, die er als "unerhört sinnliches Ereignis aus reiner Energie" empfiehlt, kommt Hans-Joachim Müller in der WamS auch auf den Ursprung des brasilianischen Modernismo im Bauhaus zu sprechen: "Wer einmal durchs Museo de Arte Moderna in Rio de Janeiro spaziert ist, fühlt sich wie in einem Tempel der geometrischen Abstraktion und steht vor lauter Opfergaben an den brasilianischen Modernismo. Dabei lässt sich leicht vergessen, dass all die künstlerischen Arbeiten mit Quadraten, Rechtecken, Kreisen und säuberlich begrenzten Farbfeldern durchaus ihre kolonialistischen Wurzeln haben. Waren es doch die Bauhaus-Emigranten der Dreißiger- und Vierziger, die mit ihren 'Vernunftformen' erst in den USA Furore machten, wo sie Sprachmittel für die technizistischen Träume der Erfolgsgesellschaft schufen, um dann nach Mittel- und Südamerika weiter zu expandieren und mit gefeierten Nachkriegskünstlern wie Max Bill, Sophie Taeuber-Arp oder Richard Paul Lohse die großen Vorbilder des unendlichen Spiel- und Variantenreichtums einer konstruktiven Kunst zu etablieren."
Besprochen wird die Ausstellung "Die letzte Tüte", ein Abgesang auf die Plastiktüte in der Berliner "NochMall" (Tagesspiegel), die Ausstellung "Wider die Macht" im Haus der Geschichte in Niederösterreich, das erstmals umfassend die Kunstsammlung des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes zeigt (Standard) und die große Gauguin-Ausstellung "Why are you angry?" in der Berliner Alten Nationalgalerie: "Über Gauguin wird kein Verdikt gesprochen, jeder kann sich ein eigenes Urteil bilden", lobt Nicola Kuhn im Tagesspiegel. In der tazerinnert Petra Schrott an den Fotografen Paul Glaser, der im März starb.
In der Welt taucht Boris Pofalla ein in das fast zeitgenössisch wirkende "Farbbad" der Werke Ernst Wilhelm Nays, aber auch in das Wirken des Künstlers im Dritten Reich, das die Hamburger Kunsthalle in einer großen Retrospektive nun beleuchtet. Nays Kunst galt zwar 1937 als "entartet", aber schon 1939 konnte er weiterarbeiten und hatte Zugang zu höchsten Kreisen der Wehrmacht und zur intellektuellen Elite des 'Dritten Reiches', wie Pofalla im Katalog von dem Kunsthistoriker Martin Schieder erfährt: "Dieses Nebeneinander während der Horrorjahre, in dem auch Carl Schmitt und Wassily Kandinsky ihre Auftritte hatten, ist faszinierend. Wie Ernst Jünger unterhielt Nay während des Krieges Kontakte zu französischen Künstlern, wie Jünger war er Frankreichfan und Besatzer zugleich, ein Feingeist und der Soldat eines mörderischen Regimes. Ein Hobbymaler und Industrieller stellte ihm seine Bibliothek in Le Mans zur Verfügung, Nay malte den Garten des Pierre Térouanne, ein erstaunliches Bild, wie überhaupt die selten in dieser Breite gezeigten Frankreichbilder eine Schlüsselstellung in seinem Oeuvre darstellen. Es sind regelrechte Dschungel, Wildnisse, in denen die Figuren aber nicht verlorengehen, sondern ekstatisch aufgehoben sind. Diese aus dicker Farbe zusammengespachtelten Bildräume, die überhaupt keine Tiefe haben und doch so viel enthalten, bilden die unmittelbare Grundlagen für den Nay der Nachkriegsära."
Bild: Tobias Rehberger: self portrait 2. 2020. Courtesy of Gallery Baton. Foto: Lim Yang Hwal. Copyright: Tobias Reherger. Katinka Fischer (FAZ) lässt sich im Kunstmuseum Stuttgart in der Ausstellung "I do if I don't" nicht von der grellen Oberfläche über die "politischen Schwingungen" im Werk von Tobias Rehberger hinwegtäuschen, etwa wenn der Bildhauer seine Kollegen als Vasen arrangiert: "Anders als gewohnt stehen indes die Vasen nicht auf Sockeln, sondern verteilen sich in Petersburger Manier vor der Museumswand wie traditionelle Blumenstillleben auf Tafelbildern. Was die 'Porträts' mit den Künstlern verbindet, deren Namen ihnen jeweils die Titel geben, erschließt sich meist nur schwer. Bei 'William Kentridge' etwa entspricht die Zweifarbigkeit der Vase seinen charakteristischen Kohlezeichnungen. Von deren Virtuosität hat das windschiefe Gefäß jedoch nichts. Leichter zu dechiffrieren ist die Baumwolle, die sich aufdrängt als Symbol für Sklavenarbeit und Unterdrückung der Schwarzen, die zu Kentridges zentralen Themen gehören."
Besprochen werden die Renoir-Ausstellung im Frankfurter Städel (Tagesspiegel), die Ausstellung "Anna Haifisch - Chez Schnabel" im Museum der bildenden Künste in Leipzig (Tagesspiegel) und die Ausstellung "Macht! Licht!" im Kunstmuseum Wolfsburg (taz)
Wie selbstbestimmt die Künstlerinnen der Zwanziger lebten, erfährt Bettina Wohlfarth in der FAZ im Pariser Musée du Luxembourg, das in der Ausstellung "Pionierinnen" den Künstlerinnen im Paris der Années folles ein Denkmal setzt: "Beim Betreten fällt der Blick unweigerlich auf ein großformatiges Gemälde. Es zeigt in einem kubistisch dekonstruierten, wie in Splitter berstenden Bildraum einen Soldaten mit einer Begleiterin am Kaffeehaustisch sitzend. Anstelle eines Gesichts grinst jedoch ein Totenschädel, und eine Hakenprothese ersetzt die Hand. Das Antlitz der Frau ist eine Gasmaske mit hohlen Augen und Rüsselnase. Das makabre Bild von 1917 'La Mort et la Femme' der in Russland geborenen Künstlerin Marevna - eigentlich Maria Worobjowa-Stebelskaja - setzt den Kontext, mit dem ein in der Kunst- und Sozialgeschichte außergewöhnliches Jahrzehnt beginnt. Ein Weltkrieg und eine Pandemie waren gerade überwunden."
Ein bisschen entmutigt kommtMonopol-Kritiker Philipp Hindahl aus der Berliner Galerie KOW, die in der Ausstellung "Balot" auch den Film "White Cube" des niederländischen Künstlers Renzo Martens zeigt. Martens geht darin der Verbindung von Kunst und Kapital nach - und der Armut kongolesischer Arbeiter: "'Komm lieber schnell runter, dem weißen Mann wird schon ganz unwohl!', ruft ein Arbeiter zu Beginn des Films scherzhaft dem anderen zu, der gerade ganz nach oben auf eine Palme geklettert ist, um dort Palmnüsse abzuschlagen. Kunst, sagt Martens, kann verschiedene Dinge leisten, dazu gehören Inklusivität, Vielfalt, Kritik. Bloß seltsam, sagt er dann, dass er Kunst über Armut im Kongo machen kann, die dann wiederum Kapital in London, New York oder anderswo generiert. Überall eben, außer bei den Protagonisten seiner Kunst. Auch hier wird dem weißen Mann unwohl."
Besprochen werden die Ausstellung "Guarding the Art", kuratiert von den Wärtern des Baltimore Museums of Art (SZ), die Ausstellung "Anna Haifisch - Chez Schnabel" im Museum der bildenden Künste in Leipzig (FAZ).
Ganz richtig findet die Leiterin des Steirischen Herbst, Ekaterina Degot, in einem sehr luziden SZ-Interview mit Ingo Arend die Entscheidung, Machtfiguren des Kunstbetriebs wie den Dirigenten Valery Gergiev oder den Regisseur Nikita Michalkow zu boykottieren. Auch die Aufrufe gegen die russische Kultur erscheinen ihr gerechtfertigt, wenn sie sich gegen die messianische Identität Russlands richteten: "Diese Stimmung gibt es tatsächlich in der russischen Kultur, wenn auch definitiv nicht bei Tschechow oder Strawinsky. Aber von nun an werden wir russische Romane mit diesem blutigen Krieg im Hinterkopf lesen, so wie wir die deutsche Romantik mit etwas Vorsicht lesen. War das Gift vielleicht schon da?" Aber auch den russischen Dissidenten muss geholfen werden: "Im Moment geht es darum, dieser Gesellschaft zu helfen, physisch und intellektuell zu überleben, im Exil und in Russland selbst. Man muss viele Anti-Putin-Aktivisten buchstäblich retten, weil sie in Russland jetzt einem enormen Risiko ausgesetzt sind oder in den Nachbarländern ohne europäisches Visum festsitzen. Man muss das Kurzwellenradiowiederbeleben, das den Menschen in Russland die Wahrheit sagen könnte."
Geier über Lima: Foto: Tres / Espacios Revelados Für den Tagesspiegelstreift Philipp Lichterbeck über das Festival "Changing Places" in der peruanischen Hauptstadt Lima, wo etwa das auf Interventionen spezialisierte KunstkollektivTres aus Mexiko 170 Kilo Schlachtabfälle auf einer Art Altar deponierte: "Die Idee hinter dem Projekt 'Türme der Stille II' war es, Geier anzulocken, diese für Lateinamerikas Städte so typischen Tiere, die sich als Allesfresser des Abfalls annehmen und sogar in Perus Wappen auftauchen, weil sie schon für die Ureinwohner eine Bedeutung in Opferritualen hatten. In Lima werden heute sogar trainierte Geier eingesetzt, um illegale Müllhalden aufzuspüren. Es gibt nur ein Problem: Die Geier ignorieren das Fleisch, seit Tagen schon, und werden es auch bis zum Ende der Installation nicht anrühren, kreisen stattdessen zu Dutzenden im Aufwind darüber. Kann es sein, dass die Geier von den Abfällen Limas so gut genährt sind, dass sie die zusätzliche Nahrung gar nicht brauchen?"
Weiteres: In der NZZsorgt sich Georges Waser um ein Lieblingsmotiv der Impressionisten, die Eglise Saint-Valery in Varengeville-sur-Mer, die heute im Meer zu versinken droht. Besprochen werden die Fotografie-Schau "Deutschland um 1980" im LVR-Landesmuseum in Bonn (taz) und Hew Lockes fantastische Prozession in der Tate Britain (Observer).
Jochen Lempertz: Kirschen, 2019. Foto: Portikus Ganz hingerissen ist Sandra Danicke von Jochen Lempertz' Fotografien im Frankfurter Portikus, die auf den ersten Blick so unscheinbar wirken: "Nie sind spektakuläre Lichtverhältnisse zu sehen, wie sie in der Schwarzweiß-Fotografie üblich sind, vieles wirkt grau in grau. Mal sieht man einen Käfer, mal ein Paar Kirschen. Doch dann! Ganz allmählich entdeckt man die Feinheiten. Zarte Linien auf einem Blatt. Eine spezielle Körnigkeit, die es bei Digitalfotografie gar nicht gibt. Das winzige Konterfei des Fotografen, gespiegelt in einem Froschauge. Das Kirschenbild, das doch nicht bloß Kirschen zeigt, sondern eine diffuse, verlockende Lichtstimmung. Oder - je nach Betrachtungsweise - ein einsames Paar, eine Komposition aus Linien und Kreisen, ein letztes Glück an einem Spätsommertag."
Weiteres: Philipp Meier meldet in der NZZ vom Kunstmarkt, dass bei den Auktionshäusern die Russian Sales völlig zum Erliegen gekommen seien, bei denen russische Oligarchen ihre Petrodollar für Romantiker, Wintermärchenmaler und Fabergé-Eier hinauswarfen. Ingo Arend hat sich für die taz zu verschiedenen Kunstevents nach Saudi-Arabien fliegen lassen, möchte aber noch nicht abschließend entscheiden, obs es sich dabei um reine Marketingveranstaltungen handelt oder um Zeichen echter Öffnung.
Wolf Vostell: Ihr Kandidat, 1961. Bild: Kunstmuseum Den Haag
Ziemlich gefordert wurde FAZ-Kritiker Georg Imdahl in der Doppelausstellung "Kunst nach Auschwitz", die das Kunstmuseum Den Haag den beiden befreundeten Künstlern Boris Lurie und Wolf Vostell widmet. Ihre Werke zielten frontal auf ein zur Verdrängung neigendes Publikum, wie Imdahl schreibt: "Es sind Bilder, Collagen und Objekte, die dem Publikum einiges zumuten, sie stellen Gewalt und Pornographie dar, verführen zu einem Voyeurismus, den sie zugleich brüsk zurückweisen und als pervers demaskieren, sind Ausdruck einer aufklärerischen Obsession, die einer versöhnlichen Läuterung den Weg abschneidet. Man möchte weder hinschauen noch wegschauen. So lassen die verstörenden Werke ihre Betrachter, darunter viele Jugendliche, in einer Verhaltenheit zurück, die mit Händen zu greifen ist."
Hanno Hauenstein trifft für die Berliner Zeitung den Künstler Kang Sunkoo, dessen zweite "Statue auf Limitation" nun am Berliner Nachtigalplatz errichtet wurde. Die erste steht im Humboldforum und prangert den nachlässigen Umgang mit der deutschen Kolonialgeschichte an.
Es sind vor allem seine Designs, die den amerikanisch-japanischen Bildhauer Isamu Noguchi berühmt machten. Dass aber auch sein aus Tuschezeichnungen und vielfältigen Skulpturen bestehendes künstlerisches Werk einen Blick wert ist, erkennt Katharina J. Cichosch (taz) im Kölner Museum Ludwig, das dem Bildhauer eine große Werkschau widmet. "Radikal sanftmütig" erscheinen ihr die Arbeiten, die genaues Hinsehen erfordern: "Seine Reproduktion des immer wieder Ähnlichen erzeugt subtile Unterschiede. Zarte Parallelen zur popkulturellen Serienkunst tun sich auf, die erst ein, zwei Jahrzehnte später auf der Bildfläche auftauchte. Und: Seine Skulpturen sind in Bewegung. Allein durch die Weise, wie der Bildhauer Form schafft und wie er Formen miteinander kombiniert. Bei der Gipsfigur 'Chinese Girl' von 1930 mit ihrem mehrfach in sich verrenkten Körper. Den 'Interlocking Sculptures', die wörtlich beweglich sind, weil ihre einzelnen Elemente, die oft an Knochen erinnern, auseinandergenommen und wieder neu zusammengesetzt werden können."
Auch die russische Comic-Künstlerin Victoria Lomasko hat Russland verlassen. Im taz-Gespräch mit Julia Hubernagel kritisiert sie den Boykott russischer KünstlerInnen und erklärt, weshalb die RussInnen nicht auf die Straße gehen und protestieren: "Das liegt daran, dass unsere Gesellschaft tief gespalten ist, in eine junge und eine alte, sowjetische Generation, in Menschen, die gegen und für Putin sind. Viele Menschen sind zudem unpolitisch. Unabhängige Stimmen finden bei uns kaum Gehör. Nur schätzungsweise 20 bis 30 Prozent der Russen sind gegen Putin und den Krieg in der Ukraine. Als ich aufwachte und von der Invasion in der Ukraine las, wusste ich sofort, dass Russland ein abgeriegeltes faschistisches Land sein wird."
Außerdem: In der FAZ betrachtet Stefan Trinks die Karikatur "Wladimir der Schreckliche nach Repin" des Karikaturisten-Duos Greser und Lenz und Ilja Repins Gemälde "Iwan der Schreckliche und sein Sohn Iwan am 16. November 1581" von 1883 und stellt fest: "Geschichte wiederholt sich derzeit als grausige Farce".
Besprochen wird die Ausstellung "The Violence of Handwriting Across a Page" im Kunstmuseum Basel, eine Hommage von Jenny Holzer an Louise Bourgeois, die Kito Nedo in der SZ für eine "Sensation" hält.
Der Fotograf Reiner Riedler interessiert sich nicht für die Rückzugsorte der Reichen. Es sind die kleinen Sehnsüchte und Fluchten, die er festhält. Das kann man jetzt in einer Werkschau im Wiener Westlicht sehen, die Stephan Hilpold im Standard wärmstens empfiehlt: Riedler "entdeckte im chinesischen Shenzhen Brautpaare, die sich zwischen Cheops-Pyramide und Eiffelturm ablichten lassen, oder Menschen, die in einem Themenpark in Florida der täglichen Kreuzigung Christi beiwohnen. In einer Hotelanlage im türkischen Antalya schwebt der Animateur als Superman über den Roten Platz, im deutschen Bottrop vergnügt man sich in einer Indoor-Skihalle. Als sei die Wahl der Motive dabei nicht pittoresk genug, sind die Bilder der Serie in leuchtend satten Farben gehalten. In den wunderbaren, vor knapp zwanzig Jahren entstandenen Bildern über russische Wanderzirkusse ergibt das einen merkwürdigen Kontrast zu der Tristesse der umliegenden Plattensiedlungen oder der abgestellten Wohnwägen. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion zerfiel auch der russische Nationalzirkus."
Weiteres: Susanne Memarnia unterhält sich für die taz mit dem Künstler Kang Sunkoo über dessen Installation "Statue of Limitations", die im Afrikanischen Viertel in Berlin an den deutschen Kolonialismus erinnern soll. Besprochen werden zwei Ausstellungen zur Minimal Art: im Bucerius Kunst Forum in Hamburg und im Augusteum in Oldenburg (taz).
Paul Gauguin (1848-1903), Vahine no te Tiare. The Woman with the Flower, 1891. Ny Carlsberg Glyptotek
Eine Berliner Ausstellung will Paul Gauguin als kolonialistischen Maler "entlarven". Dazu wurden auch polynesische Künstler eingeladen. "Doch je schärfer sie in ihren Videos und Installationen den Mythos attackieren, karikieren, destruieren, desto stärker hält er sie im Bann - als wären sie noch immer Kolonisierte der westlichen Kunst", erkennt Zeit-Kritiker Hanno Rauterberg, für den diese Strategie erkennbar nach hinten losgeht: "Wer Gauguin überwinden, wer den Blick auf Polynesien weiten will, darf die Künstler nicht bloß als Zeugen im musealen Diskurs befragen. Denn so wirkt es, als würde ihre Kunst hier nur geschätzt, wenn sie sich doch wieder mit uns, den alles bestimmenden Europäern, befasst. Selbst der Katalog verrät so gut wie nichts über das Polynesien von heute, über die noch immer fortdauernde Abhängigkeit vom französischen Gutdünken oder die gravierenden Nachwirkungen der 193 Atomtests, die es zwischen 1966 und 1996 in der Gegend gab."
In der Weltstellt Katharina Hoeftmann die äthiopisch-israelische KünstlerinNirit Takele vor. Besprochen werden eine Ausstellung von Selma Selman im Kunstraum Innsbruck (Standard), die Ausstellung "Tough Connections. Mike Cloud, Happy Dannenberg, Rita Rohlfing, Achim Zeman" im Kunstverein Aschaffenburg (taz), die Ausstellung "Fantastische Tierwesen" in der Gemäldegalerie Berlin (Tsp), und die Schau "Holbein. Capturing Character" in der Morgan Library and Museum in New York (FAZ)