Cornelius Pollmer berichtet in der SZ von seinem Treffen mit AnkeEngelke, die aktuell im Kinofilm "Mutter" zu sehen ist. Besprochen werden MareilleKleins Komödie "Da kommt noch was" (Tsp) und die Serie "Another Monday" (FAZ).
Der Almancı-Popkultur eine Bühne: "Liebe, D-Mark und Tod" (Rapid Eye Movies) Völlig umgehauen (und das im übrigen sehr zu Recht) wurde Matthias Dell im Tagesspiegel von CemKayas so mitreißendem wie erhellendem Dokumentarfilm "Liebe, D-Mark und Tod" über die Geschichte der populären Musik der türkischen Gastarbeiter in der alten Bundesrepublik: "Es ist fulminant, wie mühelos es Kaya gelingt, die erzählerischenFliehkräfte seines überbordenden Materials in 90 Minuten zu beherrschen. Der Film ist eine Wucht, aber er schwitzt nicht. Mit jedem Interview - mit YükselÖzkasap, der 'Nachtigall von Köln', oder CavidanÜnal, der 'Diva von Europa' - ließe sich eine ganze Episode einer zehnteiligen Doku-Serie bestreiten." Der Film "will nicht bloß dem weißen Deutschland gesellschaftliche Zusammenhänge aufzeigen", sondern bietet "auch die glamouröseBühne, auf der die Almancı-Popkultur sich selbst begreifen kann: als eine Geschichte, die bisher nicht geschrieben und tradierbar war." Auch Ralf Krämer vom Freitagstaunt: Hier geht es um Stars, "die in der BRD mit GoldenenSchallplatten ausgezeichnet wurden und in den größten Hallen Konzerte gaben", aber die weder damals noch heute kaum jemand aus der Mehrheitsgesellschaft kennt.
Ohne Schutzraum: Ana de Armas spielt Norma Jeane Baker, die Marilyn Monroe war (Netflix) AndrewDominik hat für NetflixJoyceCarolOates' Roman "Blond" über das Leben von Norma Jean Baker verfilmt, die den meisten am ehesten als MarilynMonroe bekannt ist. Mit Glamour ist nicht zu rechnen: "Die Geschichte ist ein Schauerstück über eine junge Frau, die in den Fünfzigern in die Maschinerie des Hollywoodsystems gerät und in eine fürchterliche Einsamkeit rutscht", schreibt Tobias Kniebe in der SZ, dem der Film mitunter allerdings zu sehr ins "tragischePathos" abgleitet. Der Film macht sich mit Hollywoods Schaulust ein bisschen zu sehr gemein, findet auch Anke Leweke auf ZeitOnline, er werde über die Laufzeit "zunehmend übergriffig. ... Zugunsten eines provokantenSchauwertes nimmt der Film seiner Figur schließlich auch noch das letzte posthume Recht auf Selbstbestimmung. Im Kontext von Marilyns Schwangerschaften und Abtreibungen begibt sich die Kamera gleich mehrmals in den Uterus der jungen Frau und zeigt leinwandfüllend einen Embryo." Es fehlt "ein visueller und erzählerischer Frei- oderSchutzraum für die Frau, die allen zu gehören schien und sich dadurch selbst abhandengekommen ist". "Im Kern erzählt der Film von der Erschaffung und dem Verschwinden weiblicher Subjektivität", hält Dominik Kamalzadeh im Standard fest.
Außerdem: Eine pseudonym schreibende russische Autorin erklärt auf ZeitOnline, wie es russischenKinos gelingt, US-Blockbuster zu zeigen, obwohl Hollywood seine Filme derzeit gar nicht nach Russland importiert. Hanns-Georg Rodek ulkt in der Welt mit Michael "Bully" Herbig darüber, über welche Bevölkerungsgruppen man heute noch problemlos Witze machen könnte - auf "Feuilletonisten" einigen sich beide rasch.
Besprochen werden Michael "Bully" Herbigs Relotius-Verfilmung "Tausend Zeilen" (taz, FR, Freitag, mehr dazu hier), Rosa von Praunheims semidokumentarischer Film "RexGildo - der letzte Tanz" (SZ, FR), DannyBoyles für Disney+ umgesetzte Sex-Pistols-Serie "Pistol" (ZeitOnline, SZ), PayalKapadiasauf Mubi gezeigter Film "A Night of Knowing Nothing" (Tsp), EdwardBergers Neu-Verfilmung von Erich Maria RemarquesRoman "Im Westen nichts Neues" (Welt, Zeit, mehr dazu bereits hier), IvanCalbéracs "Weinprobe für Anfänger" (SZ), NataliaSinelnikovas Debütfilm "Wir könnten genauso gut tot sein" (taz), die Netflix-Serie "Die Kaiserin" über Sisi (FAZ), die MDR-Krimiserie "Lauchhammer" (Welt) und CarolinSchmitz' "Mutter" mit AnkeEngelke (SZ). Außerdem informiert uns die SZ, welche Filme sich in dieser Woche lohnen und welche nicht.
Verehrung für Ikonen der deutsch-türkischen Musik: "Liebe, D-Mark und Tod" Perlentaucherin Thekla Dannenberg kann sich den Lobeshymnen auf CemKayas Kino-Doku "Liebe, D-Mark und Tod" über die Geschichte der türkischen Popmusik in Deutschlandnur anschließen: "Knallig kolorierte Sequenzen wechseln sich in rasantem Tempo ab mit klarem Schwarzweiß und traurigem Berliner Grau. Bei aller Verehrung, die Kaya den Ikonen der deutsch-türkischen Musik aus den siebziger, achtziger und neunziger Jahren entgegenbringt, lässt er nur selten gute Laune aufkommen: Die Geschichte der türkischen Musik in Deutschland ist auch eine Geschichte der bereutenMigration, des Exils und des Abgelehntwerdens." Auch Georg Seeßlen ist in der Zeithingerissen von dieser Nachhilfestunde in Sachen deutscher Gesellschaftsgeschichte: Zu erleben ist eine "verrückte alte Zeit, in der es unverschämtenGlamour inmitten von schmutzigem und eintönigem Alltag gab, unverschämte Freiheit inmitten von Unterdrückung und Bedrohung und, ja, auch unverschämtenReichtum inmitten von Mangel und Armut".
Außerdem: Valerie Dirk wirft für den Standard einen Blick darauf, wie österreichischeKinos der energieknappenkaltenJahreszeit entgegen sehen. Wolfram Schütte schreibt auf Artechock einen Nachruf auf Jean-LucGodard. In seiner Artechock-Kolumne schwärmt Rüdiger Suchsland von der französischen Filmkultur, die er bei einem Abstechner nach Paris erleben konnte. Außerdem meldetArtechock den überraschenden Tod seines Filmkritikers GregorTorinus.
Besprochen werden NataliaSinelnikovas Sozialsatire "Wir könnten genauso gut tot sein" (eine "hoffnungsvolle neue Stimme im deutschen Kino", staunt Andreas Busche im Tsp), AndrewDominiks auf Netflix gezeigtes Biopic "Blonde" über MarilynMonroe (zwar kein Faktenfilm, schreibt Robert Wagner im Perlentaucher, aber "die Wahrheit einer Frau, die vergebens nach Halt sucht, erscheint umso nachdrücklicher und ergreifender"), CarolinSchmitz' "Mutter" mit Anke Engelke (FAZ), Rosa von Praunheims semidokumentarisches Biopic über RexGildo (Tsp), EdwardBergers "Im Westen nichts Neues" (Artechock), Michael "Bully" Herbigs Relotius-Verfilmung "Tausend Zeilen" (FR, Artechock), Laurent Nègres beim Zurich Film Festival gezeigter "A Forgotten Man", der auf ThomasHürlimanns Stück "Der Gesandte" basiert (NZZ) und die "Sisi"-Serie von Netflix (Welt, Presse).
Zeigt die Armut der chinesischen Landbevölkerung: "Return to Dust" Li Ruijuns Kinofilm "Return to Dust", der auf der Berlinale nach Schnittauflagen gezeigt werden durfte, wurde in China nun (nach zunächst sogar positivem Feedback in den Staatsmedien) komplett verboten,berichtet Fabian Kretschmer in der taz. "Der sperrige Film, der die unkonventionelle Liebesgeschichte zwischen einem verarmten Bauern und einer körperlich behinderten Frau erzählt, wartet mit all jenen Eigenschaften auf, die in der Volksrepublik das Publikum verschrecken und die Zensurbehörden auf den Plan rufen: ein niedriges Budget, statische Kameraeinstellungen und eine schwer zu verdauende Gesellschaftskritik." Dennoch hatte der Film an den chinesischen Kinokassen zunächst ansehnlichen Erfolg, was die Zensoren einschreiten ließ. "Staatschef Xi Jinping geriert sich zwar als Mann des einfachen Volks, der sich der 'Armutsbekämpfung' in den Provinzen verschrieben hat. Doch zugleich verlangt er, dass sein Volk möglichst wenig von den sozialen Problemen zu sehen bekommt: Die Künste sollen laut Xi 'positive Energien' versprühen und die Leute 'harmonisieren'." Spannend, aber falsch: "Tausend Zeilen" von Michael "Bully" Herbig Michael "Bully" Herbig hat mit "Tausend Zeilen" JuanMorenosBuch zum Relotius-Skandal verfilmt und dabei nur zur Sicherheit von vornherein so viel verfremdet, dass man ihn schwerlich festnageln kann: Aus Relotius wird da Begonius. Der frühere Komödienblockbuster-Regisseur versucht aus der Vorlage einen sämigen Thriller zu schöpfen, schreibt ein ziemlich genervter Bert Rebhandl im Standard. Doch "spannend ist das wahrscheinlich nicht einmal für Eingeweihte", da Herbig "einfach zu naiv" vorgeht. Wie die Aufarbeitung des Skandals zeige auch dieser Film "von Beginn an in die falsche Richtung. Sie hätte sich besser mit der Sprache von Relotius (der ja mit seinen Manierismen eher ein Symptom als ein Einzelfall war) befasst, kommt nun aber als eine Genresimulation daher, die so tut, als käme es vor allem auf Heldentum an. Das soll die Verdienste von Juan Moreno nicht schmälern, läuft aber auf dieselben Logiken der Fiktionalisierung hinaus, auf denen das System Relotius beruhte. Dass diese Logiken hier offen zutage liegen, weil Herbig mit dem ganzen Operationswerkzeug des Spannungskinos herumfuchtelt wie ein Möchtegern-Spielberg, macht die Sache nur noch falscher." SZ-Kritikerin Susan Vahabzadeh findet den Film hingegen "lustig, und irgendwiewahrhaftig", auch wenn der Film jedes Risiko und Fettnäpfchen von vornherein in weitem Abstand umschifft. Aber "man sieht, was Michael Herbig für ein hervorragender Handwerker ist".
Außerdem: Gerhard Gnauck schreibt in der FAZ einen Nachruf auf den Schauspieler FranciszekPieczka. Besprochen werden Edward Bergers für Netflix produzierte Remarque-Verfilmung "Im Weste nichts Neues" (der stöhnende FAZ-Kritiker Andreas Kilb sieht "hölzerne Symbolik und überzüchtete Kamerabilder"), AndrewDominiks auf Netflix gezeigter Marilyn-Monroe-Film "Blonde" (taz, mehr dazu hier) und die Arte-Doku "Kabul Airport" über die tumultartigen Zustände am Flughafen in Kabul bei der Luftbrücke im August 2021 (FAZ).
Ist das jetzt schon Heimatgefühl oder bloß Langeweile? "Alle reden übers Wetter" (Grandfilm) Zwei aktuelle Kinofilme, AnnikaPinskes "Alle reden übers Wetter" und LarsJessens Verfilmung von DörteHansensRoman "Mittagsstunde" bieten Patrick Holzapfel einen Anlass, im Filmdienst über den jüngeren deutschen Heimatfilm nachzudenken. Beide Filme kreise schließlich um die beiden zentralen W-Fragen: Wer sind wir und wo? "Das Zuhause wird in der Vergangenheitsform inszeniert. Eigentlich sind es Zeitreise-Filme, freilich aus entsprechend subjektiver Sicht. Die Entwurzelung hat Konjunktur im deutschen Kino. Man erinnert sich kaum an glücksbeseelte Bilder von Eltern und Kindern jenseits von Flashbacks. ... Das Zuhause ist etwas, was in diesen Filmen eigentlich gar nicht mehr existiert. Die beiden Hauptfiguren kehren vielmehr auf einen fremdgewordenenPlaneten zurück. Beide suchen nach einem Sinn, nach einem Ich in diesem unheimlich gewordenen Heim. Ist das der Grund, warum man zum Nomaden geworden ist? Ein zur Heimatlosigkeit verführtes Wesen, das sich aufgrund gesellschaftlicher Ideen nicht von seinem Zuhause lösen kann?"
Außerdem: Die NZZplauscht mit CharlotteGainsbourg, die beim Zurich Film Festival mit dem Golden Eye Award ausgezeichnet wurde. Anlässlich von Michael "Bully" Herbigs Verfilmung der Relotius-Affäre wirft Patrick Seyboth für epdFilm einen Blick darauf, wie Reporter in der deutschenFilmgeschichte dargestellt wurden. Jan Wiele berichtet in der FAZ kurz und bündig von der Eröffnung der Marbacher Ausstellung "Abgedreht - Literatur auf der Leinwand", bei der VolkerSchlöndorff zugegen war. Im Filmdiensterinnert Michael Ranze an ArthurMann, der heute vor 100 Jahren geboren wurde.
Besprochen werden MattSarneckis beim Zurich Film Festival gezeigter Dokumentarfilm "The Killing of a Journalist" über den Mord an dem slowakischen Investigativ-Journalisten JánKuciak (NZZ), RomainGavras' Netflix-Thriller "Athena" (ZeitOnline) und Rosa von Praunheims Semi-Doku "Rex Gildo - Der letzte Tanz" (Welt).
Forcierter Naturalismus: "Im Westen nichts Neues" Peter Körte wirft für die FAS einen Blick auf die Hoffnungsträger der deutschen Filmproduktion für den kommenden Kinoherbst in diesem Annus Horribilis, das deutlich niedrigere Zahlen als vor der Coronakrise mit sich brachte, aber keinen Ausgleich in Form von Staatshilfen. Dass EdwardBergersNetflix-Produktion "Im Westen nichts Neues" (nach Remarques gleichnamigem Roman) für den Oscar ins Rennen gehen soll, ist schon mal keine gute Nachricht, findet Körte: "Die russische Invasion war nicht absehbar, als der Film gedreht wurde. Berger hält es jedoch für 'den richtigen Zeitpunkt, diesen Film zu zeigen' - 'wir scheinen immer wieder zu vergessen, was Krieg ist'. Dass sein Film nun aber der Erinnerung auf die Sprünge hilft, muss man bezweifeln. Durch die Formsprache des großen Kinoepos, in seiner Mischung aus pathetischer Botschaft und üppigen Production Values, erinnert er vor allem an Kriegsfilme, die man gesehen hat."
Weitere Artikel: Beim Filmfestival in SanSebastián "zeigte sich das spanischeKino beeindruckender und vielfältiger denn je", berichtet Thomas Abeltshauser in der taz. In der FRplaudertMichael "Bully" Herbig über seinen Relotius-Film. Valerie Dirk berichtet im Standard von einer Tagung über Machtmissbrauch an Filmsets. Nachrufe auf die Schauspielerin LouiseFletcher schreiben Bert Rebhandl (FAZ) und Tobias Kniebe (SZ).
Besprochen werden François Ozons "Peter von Kant" (Jungle World, unsere Kritik hier) und die britische Serie "The Undeclared War" (Freitag).
Ein eigenes Starsystem: die Doku "Liebe, D-Mark und Tod" Ulrich Gutmair staunt in der taz über die Fülle an Material, die CemKaya für seinen Dokumentarfilm "Liebe, D-Mark und Tod" über die Geschichte der populären Musik der türkischen Gastarbeiter und deren Kinder zusammengetragen hat: Von der deutschen Mehrheitsgesellschaft unbemerkt, hatte sich hier von den Sechzigern bis in die Neunziger ein parallelerMusikmarkt entwickelt - mit eigenen Stars, Wirtschaftsstrukturen und diversen Goldenen Schallplatten. Zu sehen gibt es "seit ihrer Ausstrahlung oft nie wieder gezeigte Aufnahmen zeitgenössischer Dokumentarfilme und Fernsehbeiträge. Und wir hören Musik vor allem in türkischer, aber auch in deutscher Sprache. Manchmal wird beides wild durcheinander gemischt wie in der Klage des Duos Derdiyoklar an die geliebte Gabi: Die Liebe zwischen einem Ali und einer Gabi könne den Rassismus von Kohl und Strauß nicht aufheben. Denn die forderten ja Ausländer raus! Derdiyoklar sind mit ihrem Disco-Folk Vorläufer des Rap, der in Deutschland ohne den Witz und den Style der Gastarbeiterkinder nicht denkbar ist." Wir hören rein:
Außerdem: In der Filmbranche tut sich einiges, um die Arbeitsatmosphäre an Sets künftig zu verbessern, berichtet Valerie Dirk im Standard. Reinhard Kleber denkt im Filmdienst darüber nach, warum RemakesvonKinderfilmen so beliebt sind.
Besprochen werden OliviaWildes Genderthriller "Don't Worry Darling" (Standard, unsere Kritik hier), die Serie "A League of Their Own" über die Geschichte des Frauen-Baseballs (Jungle World) und der beim Zurich Film Festival gezeigte Dokumentarfilm "Girl Gang" über den Karriereweg einer Influencerin (NZZ).
Liebe geht durch den Magen: "Bones and All" von Luca Guadagnino Als Filmprofessor hat der italienische Regisseur LucaGuadagnino zwar keinen allzu großen Grund zum Jubeln, was den Nachwuchs betrifft ("es ist ein Desaster"), verrät er im NZZ-Interview (in dem es ansonsten wegen seines neuen Films, der Kannibalenromanze "Bones and All", vielleicht ein bisschen zu forciert ums Essen geht). Aber dass es mit dem Kino zu Ende geht, glaubt er dennoch nicht, wiewohl er einen Bilderverdruss durchaus wahrnimmt: "Man ist 'blasé', hat keine Lust mehr, weitere Bilder zu sehen. Dabei geht es im Kino gar nicht um Bilder. ... Robert Bresson hat sinngemäß gesagt: Es geht nicht um die Schönheit des Bildes. Es geht darum, dass die Juxtaposition, das Nebeneinander von Bildern ein drittes Bild hervorruft, ein Bild im Kopf. Dieses ist es, welches man sieht. Man sagt mir seit vierzig Jahren, das Kino sei am Sterben. Ich bin 51. Ich war ein Kind, als ich schon hörte, mit dem Kino sei es vorbei. Und doch bin ich hier. Sie sind auch hier. Wir sind Leute, die im und um das Kino arbeiten, wir erfreuen uns daran. Wenn ich es mir recht überlege, bin ich optimistisch."
Weitere Artikel: Für Artechockspricht Dunja Bialas mit der ungarischen Regisseurin IldikóEnyedi, die vom Filmmuseum München mit einer Retrospektive geehrt wird. Eckhard Haschen resümiert für Artechock das FilmfestivalOldenburg. Außerdem berichtetArtechock in diesem Special von Filmfestival in San Sebastián. Daniel Moersener schreibt in der Jungle World zum Tod von Jean-Luc Godard (weitere Nachrufe hier und dort).
Besprochen werden François Ozons Fassbinder-Auseinandersetzung "Peter von Kant" (ND, Standard, SZ, Welt, mehr dazu bereits hier), Olivia Wildes Dystopie "Don't Worry Darling" (ZeitOnline, Welt, unsere Kritik hier), Lars Jessens Verfilmung von DörteHansensRoman "Mittagsstunde" (SZ, Tsp) und die auf Arte gezeigte Serie "Die schwarzen Schmetterlinge" (FAZ).
Wer klappert da mit der Tür? "Peter von Kant" von François Ozon Mit "Peter von Kant" deutet FrançoisOzonFassbinders Theateradaption "Die bitteren Tränen der Petra von Kant" um: Allerdings geht es hier nicht um eine Modeschöpferin wie noch in der Vorlage, sondern um einen stämmigen Filmemacher, dessen Ähnlichkeit zu dem deutschen Autorenfilmer auf den ersten Blick erkennbar ist - und dann spielt auch noch Hanna Schygulla dessen Mutter. Eine Hommage des französischen Regisseurs an seinen deutschen Kollegen? Fassbinder komme nicht sonderlich gut weg, schreibt Daniel Kothenschulte in der FR: "Nicht dass Ozon das manipulative Genie des kindlichen Tyrannen übertrieben hätte. Aber er hat seine Inszenierung mit etwas überzogen, das Fassbinder verabscheut hätte: falscher Glätte und echter Nostalgie. Da hat ihn Christoph Schlingensief in seinen Huldigungen besser verstanden. Denn Fassbinder bediente sich aus den in Hollywood und bei der Ufa prall gefüllten Arsenalen von Glamour und Pathos. Aber darunter strahlte eine rohe, tief menschliche Unvollkommenheit, die in Ozons Kino selten zu Gast ist. Alle Figuren werden auf ihre Oberflächen hin inszeniert, wie in der Boulevardkomödie hört man mit ihren Auf- und Abtritten förmlich die Türen klappern."
Viel liebevoller empfand Christiane Peitz vom Tagesspiegel Ozons Fassbinder-Darstellung: Der Film "verteufelt ihn nicht, den 1982 mit 37 Jahren viel zu früh Gestorbenen, flüstert Ozons Film gleichsam: Er war doch beides, Monster und zärtlich Liebender, egomanisch und hochsensibel gegenüber den Anderen." Der Film "erzählt von einem melodramatischen Niedergang und tummelt sich im Referenziellen", schreibt Carolin Weidner in der taz. In erster Linie handle er jedoch "von den trüben Wassern und hässlichen Auswüchsen des Showbusiness". Viel Freude hat Weidner dafür an IsabelleAdjanis Auftritt, die hier einen Song anstimmt: "Als koksendes und überdrehtes Starlet schwirrt sie um Peter von Kant, gibt sich als Vertraute und hat doch keine Ahnung, bereitet Amir die Bühne und vernascht ihn wenig später selbst, tut, als würde sie sich mit Geld allein zufriedengeben, während auch das Lechzen nach Ruhm keine kleine Rolle spielt." Robert Wagner vom Perlentauchersah zwar "ein ganz schön aussehendes, aber saftloses und leeres Biopic".
Weitere Artikel: Nach den dümmlichenProtesten dagegen, dass Disney in seiner kommenden "Arielle"-Realverfilmung eine schwarze Schauspielerin die Titelrolle übernehmen lässt, denkt Dobrila Kontić im Freitag über Potenzial und Grenzen des "ColorblindCasting" nach. In der SZ plaudert Michael Bully Herbig über seinen neuen Film, eine (in der NZZbesprochene) Verfilmung des Relotius-Falles. Andreas Rosenfelder hat für die Welt die Premierenfeier der neuen Staffel "BerlinBabylon" besucht.
Besprochen werden OliviaWildes "Don't Worry Darling" mit HarryStyles (Perlentaucher, SZ, FR, FAZ, taz), LarsJessens Verfilmung von Dörte Hansens Roman "Mittagsstunde" (online nachgereicht von der FAZ), die neue "Star Wars"-Serie "Andor" (FAZ, ZeitOnline, mehr dazu bereits hier) und CarolinSchmitz' "Mutter" mit einer AnkeEngelke, die kein einziges Wort spricht (FAZ), Außerdem informiert uns die SZ, welche Filme sich diese Woche lohnen und welche nicht.
Auf der Suche nach dem Popcorn: Die "Star Wars"-Serie "Andor" (Disney) Schon wieder eine neue "StarWars"-Fernsehserie? Wer aus nichts als nur den besten Gründen der Überproduktion des Disney-Konzerns längst überdrüssig geworden ist, sollte es vielleicht nochmal mit der von TonyGilroy betreuten Serie "Andor" versuchen, rät ein ziemlich schwärmender Peter Huth in der Welt. Zu erleben gebe es "intensives, erwachsenesFernsehen, das mit fast krimineller Energie und Tatkraft die Vorzüge des seriellen Erzählens anwendet und nutzt. ... Mit dickenshafterAkribie schaut Gilroy auf seine Figuren, auf die, die im Schlamm stehen und auf die in den luxuriösen Lofts der Hauptstadt." Fazit? "No more popcorn sozusagen."
Außerdem: Die alte Garde von Filmemachern, die in den Siebzigern das US-Kino erneuert haben, verschwindet langsam in den endgültigen Altersruhestand, seufzt Hanns-Georg Rodek in der Welt. Andreas Scheiner wirft für die NZZ einen Blick ins Programm des Zurich Film Festivals.
Besprochen werden Ruben Östlunds Cannes-Gewinner "Triangle of Sadness", den das Zurich Film Festival zeigt ("Was hat die Jury geritten", fragt sich ein völlig fassungsloser Andreas Scheiner in der NZZ), AnnikaPinskes Bildungsaufstiegsdrama "Alle reden übers Wetter" (Presse, Jungle World, der Filmdienst hat mit der Regisseurin gesprochen), OliviaWildes "Don't Worry Darling" mit FlorencePugh und HarryStyles (Tsp) und JohanvonMirbachsvon Arte online gestellte Knast-Doku "Weggesperrt - Bürger hinter Gittern" (taz).
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