Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 14.01.2023 - Bühne

Maria Callas, 1977 mit 53 Jahren in Paris gestorben, wäre im Dezember diesen Jahre hundert Jahre alt geworden. "Doch die gefallene Primadonna assoluta der Oper ist heute präsenter denn je", schreibt Manuel Brug in der Welt, "auch für jüngere Generationen die Diva schlechthin, weit über die enge Welt der Klassik hinaus - weltabgehoben, doch tragisch umflort, eingeglast in ihrer ewigen Kunst eines Singens, das sich nach zwei Tönen sofort erkennen lässt. Weil wir ihr Leben in ihrem Gesang zu hören glauben, der doch Kunstübung ist, nicht Natürlichkeit. Und doch - das eben machte sie aus - uns bis heute unmittel- wie unverwechselbar berührt, unser Empfinden stets aufs Neue in Schwingung versetzt." Und wer hat das besser beschrieben als Ingeborg Bachmann, die ihre Faszination "in einen kurzen, superenigmatischen Text zu gießen wusste: 'Maria Callas ist kein 'Stimmwunder', sie ist weit davon entfernt oder sehr nah davon, denn sie ist die einzige Kreatur, die je eine Opernbühne betreten hat.'"

Hören Sie selbst:



Anna Fastabend unterhält sich für die taz mit der Performerin Florentina Holzinger, die mit ihren Choreografien die leeren Theater füllt. Bisschen schwierig war es erst schon, in Amsterdam neuen Tanz zu studieren, weil der so undefiniert war, erzählt sie. "Ich habe mir in meiner Studienzeit viele Underground-Performances in New York angeschaut. Das waren meistens Sachen, die Hardcore waren. Irgendwie trashig und voll mit popkulturellen Referenzen. Ich fand es inspirierend, dass sich die Leute dort nicht so angeschissen haben, was Regeln, sexuelle Darstellungen und Tabus betrifft." Nacktheit spielt in ihren Shows eine wichtige Rolle, erklärt sie: "Ich finde es urwichtig, den weiblichen Körper so zu zeigen, wie er auf Billboards oder in Pornos normalerweise nicht dargestellt wird. Da muss er sich ja meistens sehr spezifisch verhalten, während er bei uns einfach seiner Arbeit nachgeht: Holzhacken, Schwimmen, Hürdenlaufen, whatever … Ich finde es dann aber trotzdem immer sehr lustig, wenn jemand behauptet, dass er nach fünf Minuten nicht mehr gesehen habe, dass wir alle nackt sind."

Außerdem: Der Romanist Gerhard Poppenberg empfiehlt in der FAZ deutschen Bühnen wärmstens die Wiederentdeckung von Pedro Calderón de la Barcas Barockkomödie "Die Verwicklungen des Zufalls", die gerade als zweisprachige Ausgabe in der Edition Reichenberger erschienen ist.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 13.01.2023 - Bühne

Die Pandemie ist vorbei, aber die Theater immer noch leer (meistens jedenfalls). Woran liegt's? Im Standard hat Margarete Affenzeller darauf auch keine Antwort, denn die Theater bieten ihrer Meinung nach eigentlich alles, was ein Publikum sich wünschen kann. Sie fürchtet vielmehr die Kritiker, "die schon länger Dünkel gegenüber den Entwicklungen der zeitgenössischen Bühnenkunst hegen. Ein irritierender, manchmal erschreckend abfälliger, immer polemischer Diskurs bricht sich derzeit Bahn über die Frage, was Theater (künftig) sein soll, vor allem aber darüber, wie falsch oder gar schädlich der eingeschlagene Weg sei. Die aktuelle Krise wird somit zum Katalysator einer Diskussion über Werthaltungen und Meinungen, eine Diskussion, die an sich begrüßenswert ist, würde sie nicht von populistischen Phrasen dominiert werden, deren Gehalt entweder jeder Grundlage entbehrt oder zumindest fragwürdig bleibt."

In der Welt ist Jan Küveler trotz der sinkenden Besucherzahlen optimistisch: Denn obwohl sich nach einer Umfrage der Uni Hildesheim nur ein Drittel der Bevölkerung fürs Theater tatsächlich interessiert, wünschen sich doch 86 Prozent, dass es weiter gefördert wird. Ein Widerspruch? Küveler ist da nicht so sicher. "Vielleicht klingt im kollektiven Unterbewusstsein auch noch der Satz nach, mit dem Willy Brandt 1972 im Düsseldorfer Schauspiel die Saison eröffnete: 'Theater ist die Schwester der Politik!' So gesehen verhandeln die Bühnen, wenn sie zuletzt arg um sich selbst kreisen, Machtmissbrauch in den eigenen Reihen anprangern oder statt ästhetischer Opulenz das humorlose Klein-Klein identitätspolitischer Debatten anbieten, im besten Fall avantgardistisch, was das Land als Ganzes umtreibt. Vielleicht nicht gerade in den Biergärten, aber in den Universitäten und Parlamenten."

Ariel Ashbel & Friends im Hau. Foto: Joseph Wegmann


Reichlich irritiert kommt Doris Meierhenrich (Berliner Zeitung) aus einer Performance im Berliner Hau von Ariel Ashbel & Friends, die ein Duett über Gott aus Arnold Schönbergs "Moses und Aron" mit Elektrosound mischen. So weit mag sie noch folgen, doch "bald taucht ein weiterer Performer auf, der Autor Senthuran Varatharajah, der salbungsvoll einen eigenen exegetischen Text zum Exodus vorliest und damit jede spielerische Ebene verlässt. Die Performance wird zur Predigt im Discoambiente, die im Wechsel mit allerlei spektakulären Laserlightshows, Elektroknackeffekten und gefälligen Pop-Gospels eines 'Show Choir' das religiös unbeschlagene HAU2-Publikum mitwippen lässt. ... Jedem Oberhirten müssten Freudentränen kommen."

Weiteres: Alexander Menden trifft für die SZ den Schauspieler André Kaczmarczyk im Restaurant des Schauspielhauses Düsseldorf und spricht mit ihm über die - tatsächlichen und angeblichen - Erwartungen des deutschen Theater- und Fernsehpublikums und die Erfahrungen der dritten "Generation Ost". Besprochen werden "Die große Pension Europa Show" des Aktionstheaters im Wiener Werk X (Standard) und Giuseppe Verdis Oper "Ernani" an der Flandrischen Oper Gent (FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 12.01.2023 - Bühne

Lilo Weber porträtiert in der NZZ die spanisch-schweizerische Choreografin La Ribot, die in der Filmkomödie "Last Dance" einen alten Mann mit zeitgenössischem Tanz erschreckt: "La Ribot machte konzeptionelle Tanzkunst, bevor der Trend aus Frankreich die Schweiz erreichte. Sie fing auch früh an, mit Video zu experimentieren. Nun tritt sie mit ihrem Ensemble in 'Last Dance' auf und spielt sich selbst: als die radikale Künstlerin, die sie geblieben ist. ... Ihre erste Serie sind die '13 Piezas distinguidas' - was sich vieldeutig als 'erkennbare, herausragende, andersartige, berühmte Stücke' übersetzen lässt. Es sind Soli, zwischen dreißig Sekunden und sieben Minuten lang, in denen La Ribot nackt auftritt, mit Klamotten aus dem Secondhandshop, aber auch mit Alltagsgegenständen und mit Musik. Und vor allem mit ausgedehnten Momenten der Stille. Die Soli unterminieren Frauenbilder aus Kunst und Literatur und hinterfragen den konkreten Ort der Frau in der Gesellschaft."

Hier eins davon:



Merle Krafeld schreibt im Van Magazin über Jay Scheibs Inszenierung eines digital erweiterten "Parsifal" in Bayreuth, die sie ziemlich sinnlos findet, weil nur einem Bruchteil des Publikums die dafür nötigen VR-Brillen zur Verfügung gestellt werden.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 10.01.2023 - Bühne

Ob in Antwerpen oder Bordeaux, Rom oder Paris, Hamburg oder Düsseldorf - überall sind aktuell Arbeiten von Robert Wilson zu sehen, freut sich im Tagesspiegel Rüdiger Schaper, der aber besonders einen Besuch am Staatsschauspiel Dresden empfiehlt, wo Christian Friedel derzeit als Solist Wilsons "Dorian" gibt: "Wie Wunderland-Alice kommuniziert er mit Spiegeln. Gefangen im Glamour seiner Garderobe, berauscht sich der Narziss am eigenen Bild. Ein kalter Fisch, eine einsame, unnahbare Erscheinung. Und ein glänzender Entertainer. Christian Friedel wirbelt. Seine Energie erfasst den Zuschauerraum sofort."
Szene aus "Der Sandmann". Bild: Emma Szabo.

Währenddessen versucht sich Charlotte Sprenger im Hamburger Thalia Theater an einer Musicalversion von Wilsons "Der Sandmann" nach E.T.A Hoffmann - ohne die Kritiker wirklich zu begeistern. "Das Unheimliche hat in dieser Kombination aus gekonntem Klamauk und Abschiedsstimmung keinen rechten Platz", seufzt Till Briegleb in der SZ: "Die täuschend echte Automatenfrau Olympia etwa, die Nathanaels blinde Liebe entflammt, könnte heute Sinnbild für so vieles sein: für die verblüffenden Animationen der künstlichen Intelligenz oder die chirurgische Modellierung von Frauenkörpern nach computergenerierten Schönheitsidealen. In Sprengers Finale betritt Olympia die Bühne dagegen zunächst als 'Steinerner Gast' in Blau, aus dem sich dann eine Tänzerin mit Lichtschlangen auf dem Körper schält. Durch die Decke senkt sich dazu ein blaues Holzpferd. Und so verliert sich diese Inszenierung zunehmend in vermeintlichem Augenschmaus, wobei die Erzählung sanft entschläft."

"Vielleicht ist die Sperrigkeit von 'Der Sandmann' aber auch Konzept", meint Nachtkritiker Falk Schreiber: "Dann muss man den Hut ziehen davor, wie sich eine junge Regisseurin, die bislang vor allem als sichere Handwerkerin auffiel, hier jeglicher Zugänglichkeit verweigert. Als Fest im Rahmen eines Theaterspektakels, dem irgendwie das Spektakel verlorengegangen ist, eignet sich dieser Abend jedenfalls ganz und gar nicht, am Ende ist er eben doch eine traurige Party. Als solche aber ist er konsequent."

Außerdem: Für die FAZ porträtiert Marc Zitzmann den französischen Theaterregisseur Thomas Jolly, der 2024 mit einem Gesamtbudget von 137 Millionen Euro die Eröffnungs- und Schlusszeremonien der Olympischen und Paralympischen Spiele in Paris gestalten wird.

Besprochen werden Tschaikowskys "Schwanensee", getanzt vom Kiew Grand Ballett in der Frankfurter Jahrhunderthalle (FR), Urban Priols satirischer Jahresrückblick "Tilt!" in der Frankfurter Jahrhunderthalle (FR), Sinem Altans Inszenierung "Das tapfere Schneiderlein" im Berliner Atze Musiktheater (Tagesspiegel), Thorsten Fischers Inszenierung von Eugene O'Neills "Eines langen Tages Reise in die Nacht" am Berliner Schlosspark-Theater (nachtkritik) und Jessica Gauses Inszenierung von Anne Leppers "Life Can Be So Nice" am Schauspiel Stuttgart (nachtkritik).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 09.01.2023 - Bühne

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Erstklassige Dingforschung erlebt Doris Meierhenrich in der Berliner Zeitung bei der Performance "1000 Falling Things", mit der die Postdramatiker von Showcase Beat Le Mot im HAU tatsächlich tausend Dinge vom Schnürboden krachen lassen, wie Meierhenrich frohlockt, einen Scheinwerfer etwa oder ein menschliches Skelett: "Viele Worte werden dabei nie gebraucht, dafür aber das Denken angeregt, wie sonst kaum wo. '1000 Falling Things' nun legt in seinen tausend Minidramen so einfach wie logistisch komplex nicht nur die Dramatik des Fallens frei, seine Brutalität, Schönheit, den Witz im ständigen Kampf mit dem Zufall. Sehr bald erweist sich dieser Zufall auch als höchst manipuliert. Was fällt wirklich von allein? Es gibt Dinge, die wunderbar vielgestaltig in Bewegung geraten und immer neue Zusammenhänge bilden können und Dinge, die schon als Müll produziert nur dumpf zu Boden schlagen." Helle Freude auch bei Nachtkritikerin Sarah Kailuweit: "Es ist eine ausgesprochen hübsche Performance - eben, weil sie sich nicht um ihre Einfachheit schert, sondern eben nur die simple Schönheit, Dinge fallen zu sehen strahlen lässt."

Besprochen werden Anne Leppers neues Stück "Life Can Be So Nice" am Schauspiel Stuttgart (Nachtkritik), Katharina Thalbachs Lesung von Gabriele Tergits Roman "Käsebier erobert den Kurfürstendamm" am Berliner Ensemble (SZ) und Eugene O'Neills Drama "Eines langen Tages Reise in die Nacht" am Berliner Schlossparktheater (Tsp, Nachtkritik, FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 07.01.2023 - Bühne

In der Welt horcht Manuel Brug bei dem amerikanischen Regisseur Jay Scheib nach, wie er sich die Neuinszenierung des "Parsifal" in Bayreuth vorstellt. Scheib wird mit "Augmented Reality" arbeiten und verspricht "pure Magie". Nur leider hat Katharina Wagner "nicht mehr viel Lust, sich mit dem komplexen Geflecht von drei Hauptgeldgebern und vielen Kunstverhinderern herumzuschlagen. Was jetzt dazu führte, dass trotz vorheriger Genehmigung nur 300 Brillen für den 'Parsifal' angeschafft werden. Gebraucht würden, damit alle im Saal wirklich all das sehen können, was Scheib sich ausdenkt, allerdings 2000."

Außerdem: Im Tagesspiegel freut sich Corina Kolbe über eine endlich wieder gut besuchte Oper in Italien. Besprochen werden Harry Kupfers Elektra-Inszenierung an der Wiener Staatsoper (Standard), Elina Finkes Inszenierung von Heinrich von Kleists "Amphitryon" am Theater Aachen (nachtkritik), Mart van Berckels Inszenierung von Johannes Harneits "Silvesternacht" an der Staatsoper Hamburg (nmz).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 06.01.2023 - Bühne

In der NZZ schreibt Ueli Bernays zum Neunzigsten des Schauspielers Emil Steinberger. Besprochen werden Michael Gubenkos Adaption von Bettina Wilperts Roman "Nichts, was uns passiert" am Theater Trier (nachtkritik) sowie Saverio Mercadantes "Francesca da Rimini" und Gaetano Donizettis "Don Pasquale" bei den Festspielen in Erl (FR).
Stichwörter: Donizetti, Gaetano

Efeu - Die Kulturrundschau vom 05.01.2023 - Bühne

"Elektra" mit Merkel-Klytemnästra am Theater Münster. Foto: Martina Pipprich


Alles Nazis, sogar Mutti! Paul Georg-Dittrich hat am Theater Münster Richard Strauss' Oper "Elektra" inszeniert, mit Elektra in SS-Uniform, die Bruder Orest, einen Neonazi, zum Mutter- beziehungsweise Kanzlerinnenmord anstiften will, stöhnt Luise Weidlich in der FAZ: "Klytämnestra und Ägisth sind Angela Merkel und Gerhard Schröder, im Hintergrund sieht man Flammen auf einer Deutschlandkarte - sie markieren Orte mit Flüchtlingsunterkünften. Elektra beendet das Stück als Beate Zschäpe und sinkt, anders als bei Hofmannsthal, nicht tot zu Boden. Die Rache siegt: Zu dritt triumphieren Orest, Elektra und Chrysothemis in der Mitte der Bühne. So dunkel die Botschaft, so eindimensional bleibt sie auch. Die Zusammenhänge sind wirr. Die Ursachen für den Nationalsozialismus und die bis heute vital gebliebenen rechten Ideologien, verkörpert von Reichsbürgern und NSU, werden - geradezu mythisch - im Wesen 'des Deutschen' gesucht und gefunden."

Weiteres: In der FR erinnert Arno Widmann an die Welturaufführung von Becketts "Warten auf Godot" vor siebzig Jahren im im Théâtre de Babylone in Paris. Katrin Bettina Müller berichtet in der taz von finanziellen Problemen des Hochschulübergreifenden Zentrums Tanz in Berlin. In der Berliner Zeitung schreibt Ulrich Seidler den Nachruf auf die Schauspielerin Christina Drechsler, die mit 41 Jahren gestorben ist. Besprochen wird Emmerich Kálmáns Operette "Csárdásfürstin" in Halberstadt (nmz).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 04.01.2023 - Bühne

Félix Vallotton: "Au Francais, 3e balcón", 1909. Bild: Wikimedia



Nicht nur eine Ausstellung über die Oper, sondern über das opernhafte Wesen erlebt Judith von Sternburg (FR) in der Bundeskunsthalle in Bonn. Aber, baut sie etwaigen Erwartungen vor, die Schau diskutiert die Oper nicht kritisch, sondern sagt einfach Ja: "Zum Bizarren, zur Schönheit, zum Spektakel, zur Illusion, die angesichts des aufwendigen Gesamtgeschehens besonders unperfekt sein mag, aber vielleicht auch darum besonders mitreißend. Das ist keine Schwärmerei - dafür ist es schon viel zu detailliert -, das ist das, worum es geht... Eine Ausstellung als Oper: Chrubasik und Meier-Dörzenbach führen das Publikum in ein theaterkatakombenhaftes Labyrinth, mit Gängen, Foyers, Räumen hinter den Kulissen. Ein raffiniertes Hörstationen-System begleitet die flanierenden Menschen und sorgt dafür, dass an passender Stelle (wie von Geisterhand, notfalls per Nummerneingabe) Jessye Norman den 'Liebestod singt, oder Enrico Caruso 'E lucevan le stelle'. Denn natürlich geht es um die größten Opern, dazu die Häuser, die Stars, die Technik, den Markt."

Weiteres: In der Welt blickt Manuel Brug auf Serge Dornys nicht ganz reibungsfrei verlaufende Intendanz an der Münchner Staatsoper. Im Tagesspiegel besucht Patrick Wildermann das von Regisseur Ufuk Güldü gegründete Theater im Ballhaus Prinzenallee im Wedding.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 03.01.2023 - Bühne

In der taz hält Tobi Müller Abgesänge auf die Theaterkritik für verfrüht, aber gut läuft es nicht gerade im Metier: "Alle Gespräche mit Theaterleuten, die ich in den letzten drei Jahren off und on the record über Machtmissbrauch, Sexismus und Rassismus führte, waren komplexer als die große Mehrheit der Texte, die ich darüber las. Es gibt in den Häusern eine Kultur der Kritik, der Beratung und der Auseinandersetzung, die vor wenigen Jahren unvorstellbar gewesen wäre. Während die klassische Kritik Rückzugsgefechte inszeniert und zum Beispiel das 'woke' Theater für den Publikumsschwund verantwortlich macht, obwohl die Zahlen, würde man sie denn recherchieren, das Argument nicht stützen, schreitet die Kritik in den Institutionen nach vorne. Das ist keine Frage des Charakters, sondern allein der Ressourcen. Die Theater sind sehr gut durch die Pandemie gekommen, dank der öffentlichen Hand. Die privaten Medien nicht so gut. Der Rest ist Rechnen."

Alexis Michaliks Erfolgsstück "Le Porteur d'Histoire" am Theatre des Béliers

In der FAZ porträtiert Marc Zitzmann den französischen Erfolgsdramatiker Alexis Michalik, der mit einem Hang zu geschliffenen Texten, Prägnanz und Optimismus zum Star der privaten Theater in Paris wurde und damit zwischen die politischen Fronten geriet: "Das als links geltende théâtre public schneidet ihn konsequent. Entsprechend verreißt das Linksblatt Libération seine Arbeiten ausnahmslos, während der eher rechte Figaro sie ebenso konsequent in den Himmel hebt; Le Monde spielt mit einer Alternanz von Lob und Tadel das zentristische Zünglein an der Waage. Doch so schmerzhaft strukturelle und schauspielerische Schwächen hier und da auch ins Auge stechen mögen, die erwähnten Produktionen bieten (bis auf 'Les Producteurs') mehr als bloß bemühte Unterhaltung. Nämlich: Spannung, Überraschungen - und immer wieder Momente, in denen es einem den Hals zuschnürt."