Cecile Wajsbrot

Mann und Frau den Mond betrachtend

Roman
Cover: Mann und Frau den Mond betrachtend
Liebeskind Verlagsbuchhandlung, München 2003
ISBN 9783935890151
Gebunden, 140 Seiten, 16,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Holger Fock und Sabine Müller. In Berlin weiht ein Schriftsteller eine Straße ein, die den Namen Caspar David Friedrichs tragen soll. Um ihn herum entsteht eine neue Stadt, er jedoch hat nur Augen für ihre immer noch sichtbaren Ruinen, in denen sich die unerfüllten Träume der Menschen widerspiegeln. In seiner Rede beschreibt er einfühlsam neun Bilder Caspar David Friedrichs, die für ihn unsere heutige Zeit vorwegnehmen: die Zerrissenheit der Menschen, ihre Sorgen und ihre Einsamkeit. Von jedem Bild schlägt er den Bogen zu seinem eigenen Schicksal als einst gefeierter Schriftsteller. Unter den Baukränen Berlins, zwischen halbfertigen Häusern und Straßen, erzählt er von seiner Begegnung mit einer Frau, die ihn als Dichter inspirierte und sein Leben für immer veränderte.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 08.01.2004

Eine ebenso heikle wie subtile Maskerade hat sich die Autorin Cecile Wajsbrot für dieses Buch ausgedacht, meint Rezensent Dieter Hildebrandt, in dem sie "deutsche Gewissensforschung a la francaise" betreibe. Sie begibt sich dafür in die Haut eines ostdeutschen Dichters, der sein jahrelanges Schweigen bricht, als er eine kurze Ansprache zur Einweihung einer nach Caspar David Friedrich benannten Straße halten soll. Daraus werden siebzig Seiten essayistische Seiten, die, wie der Rezensent schreibt, nicht nur Spurensuche und Geschichtsträumerei umfassen, sondern auch Gewissenspredigt und Schuldallegorien. Deren Ton schwanke zwischen Eindringlichkeit und Monotonie, "zwischen Hacks und Hermlin, zwischen Volker Braun und Wolf Biermann", staunt Hildebrandt - und dies alles sei mit "herrlichen Bilddeutungen" verbunden. Schließlich nimmt die unglückliche Liebe noch ihren Lauf und es bricht sich die Erkenntnis Bahn, dass man der Erkenntnis nicht entfliehen kann. "Eigentlich schade", meint Hildebrandt, dass sich Wajsbrot, "hinter einem Dichter am Rednerpult versteckt hat".

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 27.03.2003

Thomas Laux schwärmt von diesem Roman als "großen Wurf". Das Buch, in dem ein Ich-Erzähler aus Anlass der Einweihung einer Caspar David Friedrich-Straße der deutsch-deutschen und seiner persönlichen Geschichte gedenkt, sei nicht nur ungewöhnlich, weil hier eine französische Autorin über "deutsch-deutsche Befindlichkeiten" schreibe, so der Rezensent beeindruckt. Genauso fasziniert und begeistert ihn das "hermeneutische Verfahren", indem Wajsbrot mittels 9 verschiedener Bilder von Caspar David Friedrich einen "dramatischen Text" zustande bringt, der eine derart "dichte" Darstellung zwischenmenschlicher "Hoffnung und Vergeblichkeit" bietet.