Scharfe Kritik an der von
Martin Schulz und der
Zeit-Stiftung mit Prominenten wie Sascha Lobo, Christoph Keese und
BR-intendant Ulrich Wilhelm vorangetriebenen "
EU-Digitalcharta" (
alle Links hier)
übt Jürgen Geuter bei
golem.de: "Artikel 22 zum Immaterialgüterrecht können wir nicht einfach so stehen lassen. Statt die Debatten der letzten zehn Jahre über eine
Neuausrichtung des Urheberrechts aufzunehmen, geht der Entwurf in eine ganz andere Richtung: Anspruch auf einen 'fairen Anteil' der Erträge haben demnach
Rechteinhaber, nicht zum Beispiel Autoren. Die Kreativen und Schaffenden finden sich im Text gar nicht mehr, Kunst, Kultur und Wissenschaft sind
nur noch Handelsware."
Sehr gut informiert
ist offenbar der
faz.net-Blogger Hendrik Wieduwilt, der aus eine E-Mail zitiert, die behauptet, dass Martin Schulz am Montag "eine Abordnung der Initiatoren
mit protokollarischen Ehren im EU-Parlament empfangen (wird). Bitte beachten Sie auch die entsprechende Berichterstattung in den Medien." Am Montag wird Schulz aber auch beim
"Schirrmacher-Symposion" erwartet.
Schon vorgestern
staunte der Anwalt
Nico Härting über die "Charta", die den "Spieß
in Orwellscher Manier (umdreht). Die Grundrechte sollen nicht den Staat binden, sondern private Unternehmen. Zugleich soll es
dem Staat obliegen, diese Grundrechte durchzusetzen."
Andrian Kreye von der
SZ ist dagegen noch ganz beschwingt von der Initiative: "So viel Einigkeit ist selten.
Quer durch das deutschsprachige Spektrum der Parteien und Medienhäuser, die Generationen der Intellektuellen, Publizisten und Aktivisten geht die Liste der Initiatoren und Unterstützer einer 'Charta der digitalen Grundrechte der Europäischen Union', die am Mittwoch öffentlich wurde." Die
SZ, aber nicht zum Beispiel die
FAZ, gehörte zu den Zeitungen, in denen die
Zeit-Stiftung die Digitalcharta per
ganzseitiger Anzeige kommunizierte - die Frage, ob diese Anzeigen bezahlt, rabattiert oder kostenlos waren (und also von den Zeitungen unterstützt wurden), will die
Zeit-Stiftung nicht beantworten.
Der Blogger
Michael Seemann sagt im
Gespräch mit
detektor.fm: "Über Immaterialgüter, also Urheberrechte steht da ein Artikel drin, der könnte eins zu eins aus dem Springer-Lobbyismus kommen. Und da Christoph Keese (Hauptlobbyist der Springer-Verlags, d.Red.) beteiligt ist, glaube ich, dass genau das der Fall gewesen ist."
Erstaunlich kritisch
geht auch
FAZ-Medienredakteur Michael Hanfeld mit dem von
Frank Schirrmacher inspirierten Entwurf ins Gericht - er weist auch darauf hin, dass noch Digital-Kommissar
Günther Oettinger von eine solchen Charta wohl nicht so begeistert ist. Und der Grünen-Politiker
Jan Philipp Albrecht erklärte schon vorgestern im Gespräch mit
wired.de, warum er er die Sache mit initiierte.