Dass der in Schleswig-Holstein lebende freie Regisseur und Schauspieler
Uwe Dag Berlin aufgrund der komplizierten Bestimmungen während der
Coronakrise kaum staatliche
Unterstützung erhält, ist die eine Sache. Dass er allerdings von der
Künstlersozialkasse als freier Schauspieler nicht akzeptiert wird, war Christine Dössel neu, die sich mit ihm für die
SZ unterhalten hat: "Dahinter steckt die Auffassung, dass freischaffende Schauspieler, wenn sie in einem Stück oder Film mitspielen, '
weisungsgebunden' sind, also den Vorgaben eines Vertrags und eines Regisseurs unterliegen. Wenn ich als Gast an die Berliner Volksbühne komme, habe ich einen Vertrag mit diesem Theater, bin abhängig und für diese Zeit auch
sozialversichert. (…) Sobald man aber sozialversichert ist, hat man
kein Anrecht auf KSK-
Mitgliedschaft. Ich war da immer nur drin, wenn ich hauptsächlich als Regisseur gearbeitet habe. Für Regisseure gilt diese Weisungsgebundenheit nicht. Oder man tingelt als Schauspieler mit einem Solo durch die Lande."
Derweil ist für die Kulturwirtschaft ein
Hilfsprogramm von einer Milliarde Euro beschlossen worden,
meldet Rüdiger Schaper im
Tagesspiegel und erklärt die nicht weniger komplizierten Vergaberegeln: "In vier Sparten können kulturelle Einrichtungen Hilfe beantragen. 250 Millionen Euro sind dabei für '
pandemiebedingte Investitionen' vorgesehen. Das betrifft Privattheater und Kinos, Musikclubs wie Literaturhäuser oder auch Messen - überall dort müssen Innenräume
Belüftungssysteme bekommen, neue Bestuhlung und Ticketing-Systeme, um die Abstandregeln umsetzen zu können. Denn diese müssen nach wie vor eingehalten werden.
Strikte Hygiene ist teuer, geht es doch bei all den Vorkehrungen auch darum, die Pandemie weiter einzudämmen und es nicht zu einer zweiten Welle kommen zu lassen. In der zweiten Sparte, mit 450 Millionen Euro der größte Topf, soll künstlerische Arbeit wieder ermöglicht werden für die 'vielen kleineren und mittleren Kulturstätten und -projekte, die vor allem privatwirtschaftlich finanziert sind', wie es in der amtlichen Mitteilung heißt."
Ilya Khrzhanovsky, Regisseur des berühmt-berüchtigten "Dau"-Projekts soll, finanziert von russischen Oligarchen, ein Gedenkprojekt in
Babyn Jar realisieren (unser
Resümee) und plant eine
performative Geisterbahnfahrt, in der die Besucher ethische Entscheidungen treffen sollen. Allerdings sorgt das Projekt jetzt für eine Menge Streit, berichtet Gerhard Gnauck in der
FAZ: "Der niederländische Historiker
Karel C. Berkhoff, Leiter einer Arbeitsgruppe, die die Grundlage für die Gedenkstätte ausarbeitete, nahm aufgrund 'ethischer' Bedenken seinen Abschied. Der Wiener Kurator
Dieter Bogner sprach von einem drohenden '
Holocaust-Disney-Park' und gab auf, ebenso die Kiewer Geschäftsführerin
Jana Barinowa; sie befürchtet, dass hier 'Memorialisierung und Marketing vertauscht werden' sollen. In einem offenen Brief forderten sechzig Intellektuelle die Entlassung Khrzhanovskys."