9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Kulturpolitik

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 09.07.2020 - Kulturpolitik

Anna-Lena Scholz und Tobias Timm hatten gestern als erste über das Gutachten des Wissenschaftsrats über die Stiftung Preußischer Kulturbesitz berichtet - und über die Empfehlung, sie aufzulösen. Nun gehen sie in der Zeit mehr ins Detail der Argumentation: "Bisher sei auf dem Weg durch die vielschichtigen Hierarchieebenen vieles versandet. Wenn man dem Organigramm der Zuständigkeiten folgt, müsste etwa - ein fiktives Beispiel - der Leiter der Alten Nationalgalerie, will er eine Ausstellung organisieren, diese nicht nur mit dem Direktor der Nationalgalerie absprechen, sondern auch mit dem Generaldirektor der Staatlichen Museen (der über eine eigene Verwaltung herrscht); diesem wiederum ist der Präsident der SPK mit seiner Hauptverwaltung vorgesetzt, die in allen Budget- und Personalfragen das Sagen hat."

Andreas Kilb zeigt sich in der FAZ allerdings von dem Vorschlag, die SPK in vier kleinere Stiftungen zu zerschlagen, nicht überzeugt: "Haben sich die Evaluierer aus dem Wissenschaftsrat schon einmal gefragt, ob die eine Forderung vielleicht der anderen widersprechen könnte? Vier Stiftungen brauchen vier eigene Stiftungspräsidenten und ebenso viele Leitungsstäbe, Dienstsitze, Pressesprecher, Personalchefs et cetera. Die Summen, die diese institutionellen Umrüstungen kosten, werden bei der kreativen und technischen Aufrüstung der Einrichtungen schmerzlich fehlen."

Längst "überfällig" nennt Rüdiger Schaper heute im Tagesspiegel indes den Vorschlag, die Stiftung aufzulösen. "Perestroika für die Preußenstiftung!" ruft er: "Aufbau und irgendwie auch noch der Geist der Stiftung stammen aus den 1950er Jahren, aus dem West-Berlin des Kalten Kriegs. Nach der Wende wurden Museen, Bibliotheken, Forschungseinrichtungen schnell zusammengelötet. Es entstand ein kaum beherrschbares Konglomerat aus etlichen stark renovierungsbedürftigen Altbauten in Ost und West und tückischen neuen Projekten. Das erklärt sich aus der Historie, aber der Stau am Bau lähmt gewaltig. Im Grunde beginnt das Problem schon mit dem Namen. Preußischer Kulturbesitz: historisch nicht falsch, aber abschreckend und einengend. Auch die Sache mit dem 'Besitz' passt nicht mehr so recht ins 21. Jahrhundert."

Für die Berliner Zeitung hat sich Harry Nutt unter anderem bei Olaf Zimmermann, dem Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats, umgehört: Als "Gau" für die SPK bezeichnet er den Bericht: "Das wird der größte Umbau werden, den wir im Bereich der deutschen Kulturpolitik erlebt haben. Das gilt insbesondere mit Blick auf das Verhältnis der neuen Einrichtung zu den Ländern, von denen ja gewissermaßen 15 von 16 offensichtlich vor die Tür gesetzt werden sollen." Und: "Es ist zumindest ungewöhnlich, dass der Bericht vorab an die Redaktion der Zeit gelangt ist. Das zeigt zumindest, dass da sehr starke politische Kräfte im Hintergrund am Werk sind." Ebenfalls im Tagesspiegel sammelt Christiane Peitz Reaktionen aus der Politik auf die Empfehlungen des Wissenschaftsrates.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 08.07.2020 - Kulturpolitik

Schon vor einiger Zeit hat die Bundesregierung ein Gutachten des Wissenschaftsrats über die Stiftung Preußischer Kulturbesitz in Auftrag gegeben - die in Berlin bekanntlich eine ganze Reihe bedeutungsvoller Kulturinstitutionen des ehemaligen Landes Preußen von den Museen der Museumsinsel bis hin zur Staatsbibliothek bündelt und zusammengezählt über 2.000 Mitarbeiter hat. Anna-Lena Scholz und Tobias Timm von Zeit online konnten einen Entwurf des Papiers lesen - das schlicht und brisant die Auflösung der Stiftung empfiehlt: "Die Gutachter empfehlen, die Vielzahl an Institutionen nicht mehr unter der bisherigen Dachorganisation zu bündeln, deren Wirken sie als 'dysfunktional' bezeichnen. Es sei zu einer 'strukturellen Überforderung' der SPK gekommen, ihre Einrichtungen würden dadurch in ihrer weiteren Entwicklung gehemmt. Derzeit wird die SPK von einem Präsidenten geleitet, dem Archäologen Hermann Parzinger."

Der Bericht sei eine Bombe, eine Umsetzung wäre "die größte kulturpolitische Maßnahme seit der Wiedervereinigung", kommentiert Jörg Häntzschel in der SZ, der auch über die schlechten Besucherzahlen der so renommierten Häuser in Berlin schreibt. Und Monika Grütters dürfte einverstanden sein: "Die Paralyse der SPK und die dennoch ungeminderte Macht des zentralistisch regierenden Parzinger irritieren die ebenfalls sehr machtbewusste Grütters seit Langem. Vor drei Jahren versprach Grütters gegenüber der SZ, in ihrer zweiten Amtszeit wolle sie 'den Tanker SPK neu aufstellen'. Sie ließ das sogar in den Koalitionsvertrag schreiben."

Rüdiger Schaper annonciert im Tagesspiegel ein "heftiges Sommergewitter". Und hat in seinem Artikel kaum genug Platz, um die Misere auszumalen: "Unbequem ist es für die Stiftung schon jetzt. Der Neubau des Museums für das 20. Jahrhundert, ein Lieblingsprojekt von Grütters, steht wegen der bereits vor Baubeginn explodierenden Kosten von derzeit 450 Millionen Euro schwer in der Kritik. Zudem wartet am Kulturforum die Staatsbibliothek auf ihre Grundsanierung. Am Pergamonmuseum nehmen die Arbeiten kein Ende, während am Hamburger Bahnhof der Komplex der Rieckhallen abgerissen und die Flick-Sammlung abgezogen wird und der Bund über einen Kauf des alten Bahnhofsgebäudes verhandelt. Am Humboldt Forum verzögert sich die Innenausbau wegen der Corona-Krise." Eine Neuordnung wäre überfällig, meint auch Harry Nutt in der Berliner Zeitung.

Weiteres: Ärger gibt's auch im Literaturarchiv Marbach, wo sich die Betriebsrätin Ulrike Weiß über den Führungsstil der neuen Direktorin Sandra Richter beschwert - die ihre neue Politik unter anderem mit der Notwendigkeit der Digitalisierung begründet, berichtet Rüdiger Soldt in der FAZ.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.07.2020 - Kulturpolitik

Für britische Kulturinstitutionen ist die Coronakrise trotz der Rettungsprogramme der Regierung verheerend, berichtet Gina Thomas in der FAZ: "Die ohnehin von der Hand in den Mund lebenden regionalen Bühnen sind besonders hart vom Lockdown getroffen worden. Das Nuffield Southampton Theatre, das zwei Bühnen in der südenglischen Hafenstadt betrieb, hat bereits im Mai Insolvenz angemeldet und 86 Mitarbeiter entlassen. Das Leicester Haymarket Theatre ist in Konkurs gegangen, und das Royal Exchange Theatre in Manchester hat in der vergangenen Woche betriebsbedingte Kündigungen für 65 Prozent seiner Belegschaft signalisiert."

Für Stefan Laurin von den Ruhrbaronen ist die Krise eine Chance, neue Akzente in der Kulturpolitik zu setzen: "Setzen sich die traditionellen Anbieter in diesem Kampf um die knapper werdenden Mittel durch, werden sie es auf Kosten anderer, zum Teil unabhängiger und jüngerer Anbieter tun. Auf jeden Fall wird viel Geld von Institutionen gebunden, die an Bedeutung und Beliebtheit verlieren. Und dieses Geld fehlt, um anderen Anbietern zu helfen, die in einer existenziellen Krise stecken. Es besteht also die Gefahr, eine zum Teil überkommene Kulturlandschaft auf Kosten innovativer Anbieter zu stützen - und das an den Interessen der Menschen vorbei, die Kulturangebote nutzen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 03.07.2020 - Kulturpolitik

Die Kunsthistorikerin Jadwiga Kamola, die hauptberuflich "Konzepte für ein rassismusfreies, sozial engagiertes Museum der Zukunft" erstellt, plädiert auf Zeit online dafür, sich in der Museumspolitik mehr an den USA zu orientieren. Sie seien nämlich schon weiter in Sachen Aufarbeitung des eigenen Rassismus, den Kamola pauschal der Kunstgeschichte unterstellt: "In Ausstellungstexten gilt es national konnotierte Ausdrücke wie 'Stämme', 'Heimat' und 'Leitkultur', eurozentrische Dichotomien wie 'europäische und außereuropäische Kunst' sowie Ausdrücke, die die Triebfedern des deutschen Kolonialismus als 'Entdeckerdrang' und 'Neugier' und Raubgüter als 'Kunst- und Kulturschätze' verklären, zu korrigieren. Die gegenwärtige Sprache in Museen grenzt Menschen mit einer Migrationsgeschichte aus, sie vermittelt ein homogenes Bild der deutschen Gesellschaft und transportiert ein falsches geschichtliches Verständnis der hiesigen Sammlungsbestände. 'Enzyklopädische' Museen oder 'Universalmuseen' sind Erfindungen des 19. Jahrhunderts. Als Profiteure des Kolonialismus haben sie selbst eine Geschichte, die meist durch Rassismus bestimmt ist. Hier gilt es Begriffe zu finden, die in postkoloniale oder transkulturelle rhetorische Strategien eingebettet sind." (Es ist wirklich erstaunlich, in welchem Ausmaß sich weiße AkademikerInnen gegen Antirassismus immunisiert fühlen, so dass ihre eigene privilegierte Position innerhalb der Rassismusdiskussion nie thematisiert wird.)

9punkt - Die Debattenrundschau vom 02.07.2020 - Kulturpolitik

Der Architekt Daniel Libeskind soll nach dem Willen des Potsdamer Bürgermeisters Mike Schubert den höchst umstrittenen Wiederaufbau der Garnisonkirche (wo Hindenburg Hitler die Macht übergab, aber das war nur eine von mehreren Episoden) mit seinen typischen Gegenakzenten ein wenig gegen den Strich bürsten, berichtet Marco Zschiek in der taz: "Auch inhaltlich wächst der Druck auf die Befürworter einer Kirchenkopie. Kritiker des Wiederaufbaus der Potsdamer Garnisonkirche haben einen Internet-Lernort über die Geschichte des Bauwerks und die Debatten darüber gestartet. Ziel sei zu vermitteln, was die Garnisonkirche für die deutsche Geschichte und den 'Weg ins nationalsozialistische Unheil' bedeutet habe, sagte der Sozialwissenschaftler Micha Brumlik bei der Vorstellung des Internetportals am Freitag in Berlin."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.06.2020 - Kulturpolitik

Die Kuppel des Berliner Stadtschlosses wird seit kurzem von einer Inschrift umkränzt, die besagt, dass die gesamte Menschheit vor Jesus in die Knie gehen möge (unser Resümee). Dies ist eine gewissermaßen progressive Aussage gegen den "Cäsarenwahn" absoluter Könige, meint der Kunsthistoriker Peter Stephan in der FAZ: "Denkt man die Aussage des Textes zu Ende, so lautet ihr Fazit, dass die preußischen Untertanen nicht vor dem König, sondern gemeinsam mit dem König vor Gott knien. Kein Herrscher und kein Staat darf sich zum Heilsbringer aufschwingen oder sich als Mittelpunkt der Welt betrachten." So distanziere sich Friedrich Wilhelm "sowohl von Potentaten wie Ludwig XIV., die sich als Mittler zwischen Gott und den Menschen feiern ließen, als auch von Tyrannen und Autokraten wie Robespierre und Napoleon".

9punkt - Die Debattenrundschau vom 09.06.2020 - Kulturpolitik

Der Wiederaufbau des Turms der Garnisonkirche in Potsdam ist mittlerweile nicht mehr zu stoppen. Nun wird auch verstärkt der Wiederaufbau des Kirchenschiffes betrieben, berichtet Marlene Militz in der taz. Damit stünde ein Monument des deutschen Militarismus in scheinbar unversehrter Pracht wieder da. Weichen müsste das Rechenzentrum, ein Denkmal der DDR-Moderne. Dagegen wenden sich Kritiker wie der Architekturhistoriker Philipp Oswalt: Auch "die Landessynode der evangelischen Kirche hatte ihre Finanzierung eines 6-Millionen-Euro-Kredits davon abhängig gemacht, dass keine historische Rekonstruktion des Kirchenschiffs erfolge. Und dies grundbuchrechtlich abgesichert. Die Stiftung will nun darüber hinweggehen. Dabei sei 'das Nebeneinander von rekonstruiertem Turm und Rechenzentrum - gerade in dieser räumlichen Enge - extrem spannungsvoll', und erzähle viel, so Oswalt. So ähnlich sieht das auch Potsdams Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD). Er will das Rechenzentrum vor dem Abriss bewahren und ist gegen die Rekonstruktion des Kirchenschiffes."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 05.06.2020 - Kulturpolitik

Dass der in Schleswig-Holstein lebende freie Regisseur und Schauspieler Uwe Dag Berlin aufgrund der komplizierten Bestimmungen während der Coronakrise kaum staatliche Unterstützung erhält, ist die eine Sache. Dass er allerdings von der Künstlersozialkasse als freier Schauspieler nicht akzeptiert wird, war Christine Dössel neu, die sich mit ihm für die SZ unterhalten hat: "Dahinter steckt die Auffassung, dass freischaffende Schauspieler, wenn sie in einem Stück oder Film mitspielen, 'weisungsgebunden' sind, also den Vorgaben eines Vertrags und eines Regisseurs unterliegen. Wenn ich als Gast an die Berliner Volksbühne komme, habe ich einen Vertrag mit diesem Theater, bin abhängig und für diese Zeit auch sozialversichert. (…) Sobald man aber sozialversichert ist, hat man kein Anrecht auf KSK-Mitgliedschaft. Ich war da immer nur drin, wenn ich hauptsächlich als Regisseur gearbeitet habe. Für Regisseure gilt diese Weisungsgebundenheit nicht. Oder man tingelt als Schauspieler mit einem Solo durch die Lande."

Derweil ist für die Kulturwirtschaft ein Hilfsprogramm von einer Milliarde Euro beschlossen worden, meldet Rüdiger Schaper im Tagesspiegel und erklärt die nicht weniger komplizierten Vergaberegeln: "In vier Sparten können kulturelle Einrichtungen Hilfe beantragen. 250 Millionen Euro sind dabei für 'pandemiebedingte Investitionen' vorgesehen. Das betrifft Privattheater und Kinos, Musikclubs wie Literaturhäuser oder auch Messen - überall dort müssen Innenräume Belüftungssysteme bekommen, neue Bestuhlung und Ticketing-Systeme, um die Abstandregeln umsetzen zu können. Denn diese müssen nach wie vor eingehalten werden. Strikte Hygiene ist teuer, geht es doch bei all den Vorkehrungen auch darum, die Pandemie weiter einzudämmen und es nicht zu einer zweiten Welle kommen zu lassen. In der zweiten Sparte, mit 450 Millionen Euro der größte Topf, soll künstlerische Arbeit wieder ermöglicht werden für die 'vielen kleineren und mittleren Kulturstätten und -projekte, die vor allem privatwirtschaftlich finanziert sind', wie es in der amtlichen Mitteilung heißt."

Ilya Khrzhanovsky, Regisseur des berühmt-berüchtigten "Dau"-Projekts soll, finanziert von russischen Oligarchen, ein Gedenkprojekt in Babyn Jar realisieren (unser Resümee) und plant eine performative Geisterbahnfahrt, in der die Besucher ethische Entscheidungen treffen sollen. Allerdings sorgt das Projekt jetzt für eine Menge Streit, berichtet Gerhard Gnauck in der FAZ: "Der niederländische Historiker Karel C. Berkhoff, Leiter einer Arbeitsgruppe, die die Grundlage für die Gedenkstätte ausarbeitete, nahm aufgrund 'ethischer' Bedenken seinen Abschied. Der Wiener Kurator Dieter Bogner sprach von einem drohenden 'Holocaust-Disney-Park' und gab auf, ebenso die Kiewer Geschäftsführerin Jana Barinowa; sie befürchtet, dass hier 'Memorialisierung und Marketing vertauscht werden' sollen. In einem offenen Brief forderten sechzig Intellektuelle die Entlassung Khrzhanovskys."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 04.06.2020 - Kulturpolitik

Viele Bewohner in der Nachbarschaft der ukrainischen Schlucht von Babyn Jar wissen nicht einmal etwas von den durch die deutsche Besatzung an nur zwei Tagen ermordeten 30.000 Juden, sondern dank eines Denkmals nur von den durch "deutsche Faschisten getöteten Sowjetbürgern". Deshalb sponsern nur zwei jüdische Unternehmer, die in Russland Milliarden gemacht haben, ein Gedenkzentrum, schreibt Pavel Lokshin in der Welt. Nicht nur deshalb schlucken viele Ukrainer: Zum künstlerischen Leiter wurde DAU-Regisseur Ilja Chrschanowski ernannt (Unsere Resümees), der dort ein ähnliches immersives Projekt plant, so Lokshin: "Statt Laienschauspielern, die den Alltag des Stalinismus ausleben, sollen sich Besucher der Gedenkstätte einem sozialen Experiment unterziehen. Mit virtueller Realität, deep fakes, Gesichtserkennung und 'psychometrischen Methoden' will Chrschanowski für die Besucher 'einen schwierigen und manchmal schockierenden Weg' durch die Gedenkstätte vorzeichnen, in dessen Zentrum 'die Möglichkeit ethischer Entscheidungen' steht."

Neben der Rekonstruktion der "umstrittenen" Inschrift von Friedrich Wilhelm IV. am Kreuz auf dem Berliner Stadtschloss (Unsere Resümees) befindet sich noch eine weitere Inschrift, weiß Jörg Hänztschel auf Sueddeutsche.de: "Auf dem goldenen Reichsapfel prangt eine Widmung an einen weiteren König, einen Versandhaus-König: 'Im Gedenken an meinen Mann Werner A. Otto 1909 - 2011. Inga Maren Otto', lautet die Inschrift, die direkt über dem 'Äquator' des Reichsapfels eingraviert ist. Frau Otto hat das Kreuz mit ihrer Spende von einer Million Euro maßgeblich finanziert."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 02.06.2020 - Kulturpolitik

Weil sich die Politik lange davor gedrückt hat zu entscheiden, welche Kunst und Kultur förderungswürdig ist, konnte dieser Sektor immer weiter wachsen, schreibt Thomas Steinfeld, der die Zahl der im Kulturbetrieb Beschäftigten inzwischen auf knapp eine Million Menschen schätzt, in der SZ. In der Coronakrise könnte das finanzielle Füllhorn jedoch irgendwann versiegen. Dann wären klare Aussagen gefragt: "Man stelle sich vor: Tausend und Abertausende von Institutionen, Projekten und Freischaffenden, die alle mit dem Argument, man stehe doch für 'Kunst und Kultur', um die schwindenden finanziellen Ressourcen kämpfen. Wie unangenehm muss eine solche Situation sein. Man könnte dagegen vorausschauend handeln, zum Beispiel, indem man im Bereich 'Kunst und Kultur' Kriterien für die Vergabe von Subventionen einführt, ähnlich wie jetzt beim großen 'Hilfspaket' der Europäischen Union, bei dem zumindest ein Teil des vielen Gelds etwa an Investitionen in die Infrastruktur gebunden sein soll. Doch scheinen die Kulturpolitiker bislang nicht unterscheiden zu wollen."