Opfer von
islamistischer Gewalt sind auch
Muslime, in Saudi-Arabien, in Iran, in Afghanistan oder in Deutschland, schreibt
Ahmad Milad Karimi, Professor für Kalām, Islamische Philosophie und Mystik in Münster, der in der
SZ Muslime auffordert,
Haltung gegen Islamisten zu zeigen: "Gerade weil die deutsche Verfassung die
Religionsfreiheit garantiert, müssen erstens die
Freiheit zur Religionskritik und zweitens der Schutz der Religionsausübung kompromisslos und ohne falsche Toleranz durchgesetzt werden. Ideologien aber lassen sich nicht durch Verbote, Abschiebungen und Wegsperrung aus der Welt schaffen. Ihre Unglaubwürdigkeit muss von innen aufgezeigt werden. Daher scheint mir die beste Antwort auf religiöse Terroristen die Religion selbst zu sein. Denn mit der
Entlarvung ihrer Blasphemie treffen wir den wunden Punkt der 'heiligen' Krieger, die nur darauf warten, dass wir ihre Sicht übernehmen und auch wir von dem einen Islam sprechen, zu dem alle gleichermaßen gehören, egal ob sie morden oder friedlich sind. Religiöse Vereinnahmung durch Terroristen darf gerade aus religiösen Gründen nicht hingenommen werden. Dafür benötigen wir eine mündige,
mutige Kultur der Selbstkritik innerhalb religiöser Gemeinschaften. Aus dem Schlummerschlaf der lähmenden Opferhaltung müssen viele dafür erwachen."
Im
taz-
Gespräch mit Daniel Bax beklagt die SPD-Politikerin
Sawsan Chebli, Tocher palästinensischer Eltern,
fehlende Empathie der deutschen Öffentlichkeit gegenüber
Palästinensern, einseitige Berichterstattung und eine
Instrumentalisierung des
Antisemitismus-
Begriffs: "Wir erleben, dass der Antisemitismusbegriff zunehmend entgrenzt und instrumentalisiert wird, um legitime Kritik zu unterbinden. Das schadet dem Kampf gegen Antisemitismus. Wir müssen dringend zu einer
sachlichen Verwendung des Begriffs zurück. Im Moment wird selbst Wissenschaftlern, die zu Antisemitismus forschen und für eine differenzierte Sichtweise plädieren, unterstellt, sie würden Antisemitismus nicht ernst nehmen - nur weil sie darauf dringen, Kritik an staatlichem Handeln nicht mit der Hetze gegen eine verletzliche Minderheit gleichzusetzen."
Um
83 Prozent sind
antisemitische Vorfälle 2023 im Vergleich zum Vorjahr gestiegen, entnimmt
Ronya Othmann in der
FAS dem RIAS-Jahresbericht - und da deckt sich die empirische mit der anekdotischen Evidenz: "Es reicht bisweilen schon, ein
israelisches Gericht auf der Speisekarte zu haben, Entsetzen über das Massaker vom 7. Oktober zum Ausdruck zu bringen oder die Terrorverherrlichung auf europäischen Straßen zu verurteilen. Ehe man sich versieht, gilt man als
Zionist. Eigentlich ist ja nichts Schlimmes daran, ein Zionist zu sein (vom heutigen Status quo aus gesehen, bedeutet Zionismus ja meist bloß, dass man findet, den unabhängigen Staat Israel sollte es weiter geben). Aber der Begriff wird als
Schimpfwort verwendet, als Beleidigung. So, als sei Zionist zu sein in etwa so unverzeihlich wie Rassist zu sein. 'Zionazi' liest man in den sozialen Medien. Mancherorts kann es, gilt man als Zionist, auch schnell
gefährlich für Leib und Leben werden, in Pakistan beispielsweise, im Irak oder in Iran. Aber auch in Deutschland kann es Ausgrenzung, Anfeindung und Isolation mit sich bringen."
Die
Berliner Zeitung führt ein großes
Gespräch mit dem Juristen und
Schriftsteller Bernhard Schlink über den Osten. Er habe
Dirk Oschmann zu seinem Buch gratuliert, erzählt er dort und meint: "Man hätte die
DDR-
Aufarbeitung den
Ostdeutschen selbst überlassen sollen." Die Ostdeutschen seien nach der Wende enttäuscht von der Demokratie gewesen, aber nicht unfähig zur Demokratie: Sie hatten "eine Bilderbuchvorstellung von Demokratie und erwarteten, dass sie als Bürger direkten Einfluss haben, dass die Abgeordneten ihnen erkennbar und einforderbar verantwortlich sind, das die Parteien sich nicht abschotten, dass es keine Lobbys gibt, keine Seilschaften, keine Netzwerke." Er fordert mehr "
Plebiszite und mehr Partizipation …,
Bürgerräte, gemeindliche Zentren des bürgerlichen, gesellschaftlichen Austauschs, Politiker, die mit den Bürgern reden und sich ihren Fragen, ihrer Kritik, ob sachlich oder unsachlich, stellen. Ich denke auch, dass die
Brandmauer auf der kommunalen Ebene
nicht förderlich und deshalb zu Recht brüchig geworden ist. Entscheidend kann nur sein, mit wem sich, wenn auch kontrovers, vernünftig Demokratie leben und Politik machen lässt und mit wem nicht. Um zu gewährleisten, dass auch unter einem
AfD-
Bürgermeister oder -Landrat nichts Abwegiges und Rechtswidriges passiert, gibt es die Fach- und Rechtsaufsicht."