Die
Unis sind geräumt, aber die antiisraelischen Aktivisten machen weiter und besprayen Unigebäude mit dem von den Nazis bekannten und von der Hamas übernommenen "
roten Winkel", der politische Feinde markiert, hier an der Humboldt Uni.
Auch die Debatten um Bundesbildungsministerin
Bettina Stark-Watzinger gehen weiter. Sie hatte nach einen Protestbrief von FU-Professoren gegen eine Räumung des FU-Campus (unser
Resümee damals) in ihrem Ministerium prüfen lassen, ob diese Dozenten
gegen Vorschriften verstoßen hatten und durch Entzug von Fördermitteln zu sanktionieren seien. Die Professoren hatten damals gefordert, von
Polizeieinsätzen und strafrechtlicher Verfolgung der Pro-Hamas-Aktivisten abzusehen. Die Idee der Sanktionierung der Professoren wurde im Ministerium schnell fallen gelassen. Das heißt aber nicht, dass viele Uni-Professoren nicht weiter ihre kostbare Zeit für weitere Protestbriefe opfern. Über tausend Professoren bekennen nach einem
Bericht des
Tagesspiegel ihr
Gefühl der Einschüchterung über die Prüfaktivitäten der Ministerin -
hier der offene Brief: "
Repressive Überprüfungen von Wissenschaftler:innen, die ihre kritische Haltung zu politischen Entscheidungen öffentlich machen, sind aus
autoritären Regimen bekannt, die eine freie Diskussion auch an Universitäten systematisch behindern. Bereits der Anschein, die freie, gesellschaftliche Diskussion werde staatlich beschnitten, schadet unserer demokratischen Gesellschaft und dem Ansehen des Wissenschaftsstandorts Deutschland in der Welt." Die Ministerin sei
untragbar.
FAZ-Autor Thomas Thiel findet zwar die Prüfidee der Ministerin sowie ihre damaligen Äußerungen in der
Bild-Zeitung fehl am Platze, nennt aber auch die
Professoren selbstgerecht: "Es irritiert, dass mit keinem Wort erwähnt wird, für welches Recht die Unterzeichner des Berliner Statements der Lehrenden implizit eintraten: das auf die
Äußerung judenfeindlicher Parolen." Sogar das Netzwerk Wissenschaftsfreiheit weist laut Thiel übrigens Stark-Watzingers Prüfidee zurück.
Dass TU-Präsidentin
Geraldine Rauch nach dem Liken antisemitischer Tweets nicht zurücktreten will,
ist für
Benjamin Graumann, Jurist und im Vorstand der Jüdischen Gemeinde Frankfurt, in der
FR ein "Schlag ins Gesicht" für alle Juden in Deutschland: "Hätte ein Universitätspräsident
rassistische,
homophobe oder
frauenfeindliche Posts mit einem Like versehen, wäre man sich überall - vollkommen zu Recht - einig darüber, dass eine Person in so einer herausragenden Position nicht mehr tragbar wäre und ihrer Vorbildfunktion nicht mehr gerecht werden könnte. Warum also gelten bei antisemitischen Posts ganz andere Maßstäbe? Die Antwort ist ernüchternd und deprimierend. Es zeigt sich hierdurch jedoch exemplarisch die gefährliche Mischung aus Ignoranz und
Bagatellisierung, die wir derzeit erleben, wenn es um Judenhass geht."
In der
Welt erinnert sich der Schriftsteller
Burkhard Spinnen an seine Zeit bei der
Bundeswehr und reflektiert über seine Ernennung zum
Veteranen 2018 durch einen Tagesbefehl der damaligen Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen: "Es mag sein, dass in weiten Teilen der Bevölkerung der
Pazifismus noch als selbstverständlich, ja als verpflichtend gilt; doch währenddessen ringen ausgerechnet eine grüne Außenministerin und ein roter Verteidigungsminister um eine
dramatische Aufstockung des deutschen
Wehretats und eine Ausweitung der
Waffenhilfe für die Ukraine. Es ist eine
Bewusstseinswende top-down. An der Spitze spricht man wieder von
Wehrtüchtigkeit, während die Endmoräne des Pazifismus sich immer noch weiter ausbreitet. Ich frage mich: Waren die Etablierung des
Veteranenbegriffs, die Stiftung des Abzeichens und schließlich die Einrichtung eines
Veteranentags am 15. Juni womöglich schon eine Art Einstimmung auf das baldige
Rüsten zu neuen Kreuzzügen."
Im
Tagesspiegel schlagen die Politologin
Saba-
Nur Cheema und
Meron Mendel, Direktor der Bildungsstätte Anne Frank, Regeln für einen deutschen
Dialog über den Nahostkonflikt vor: "Weder das
Existenzrecht des Staates
Israel noch das Recht der
Palästinenser auf einen eigenen Staat sollen infrage gestellt werden. Die Gesamtschuld für den hundertjährigen Konflikt nur einer Partei anzulasten, ist falsch. Jegliche NS-Vergleiche verbieten sich genauso wie jede andere Form von
Antisemitismus und
Muslimfeindlichkeit. Über alles andere kann gestritten werden."
In letzter Zeit kommt es immer wieder zu unmotivierten
Messerattacken. Nicht selten greifen junge Männer mit Migrationshintergrund aus dem Nichts Passanten an. Die forensische Psychiaterin
Nahlah Saimeh spricht im Interview mit Karin Truscheit in der
FAZ von "kulturell komplett entwurzelten Tätern": "Die
extremistischen Ideologien sind so gefährlich, weil sie intrapsychische Konflikte aufsaugen und mittels Ideologie in ein sinnstiftendes Narrativ und den Frust in berechtigte Emotionen umwandeln auf dem Weg zu einer großen Utopie. Kernthema ist immer ein '
Ungerechtigkeits-Narrativ'." Saimeh fordert mehr
Sozialarbeit, "ob damit jedoch alle Probleme beseitigt werden, ist fraglich".