Morgen feiert Berlin den
Christopher Street Day (Näheres
hier). Die Szene ist völlig zerrissen,
berichtet Lilly Schröder in der
taz. Viele Schwulen- und Lesbenorganisationen schlagen sich aber recht eindeutig auf die
antiisraelische Seite. Die "Internationalistische Queer Pride" (IQP) etwa "positioniert sich eindeutig propalästinensisch. Teil des ursprünglichen Bündnisses der seit 2021 stattfindenden Demonstration waren die Israel-Boykottbewegungen 'BDS Berlin' und 'Palästina spricht'. In der Vergangenheit wurden Vorwürfe der Israelfeindschaft laut, im Aufruf für Samstag heißt es '
No Pride in Genocide & Apartheid'. Die Mitglieder des diesjährigen Bündnisses wurden bislang nicht bekannt gegeben. Der
taz gegenüber möchte IQP sich zu ihrer Haltung im Nahostkonflikt nicht äußern." Dagegen stehen auch einige proisraelische Gruppen.
Das Blog
Queer Nations übernimmt den Essay "Die Verqueerung des Antisemitismus" der amerikanischen Professorin
Corinne E. Blackmer, der zuerst in
Tablet erschien - noch vor dem 7. Oktober. Für die massive Israelfeindlichkeit vieler queerer Akteure macht sie direkt
Judith Butler und andere Theoretiker verantwortlich. Und zeigt auf,
wie schräg deren Diskurse sind: So " behaupten Israels Queer-Kritiker, dass die Anpreisung der liberalen Haltung des Landes zu den Rechten von Schwulen und Lesben eine Form von Rassismus und Islamophobie ist, die dazu dient,
Araber als homohassende Barbaren darzustellen. In verblüffendem Gegensatz dazu betrachten dieselben Progressiven die arabischen Länder, die staatlich geförderte, kulturell akzeptierte grausame Strafen für Homosexuelle (lange Gefängnisstrafen, Ehrenmorde oder Todesurteile) verhängen, als
subalterne Verbündete."
Im
Tagesspiegel ist
Ina Rosenthal, Autorin und Projektleiterin der queeren
Plattform "Pink Dot", entsetzt darüber, dass es inzwischen als
Provokation gelten soll, wenn sie ihren
Davidstern trägt: "Ich erinnere mich an eine Zeit, in der jüdisch zu sein in Deutschland etwas war, das man sagen, tragen, ertragen konnte. Weil es eben diese grundlegende Übereinkunft gab, dass niemandem aufgrund der Herkunft, Ethnie, Religion oder Hautfarbe die Existenz abgesprochen wurde. Was ist passiert? Wann haben wir angefangen, gegeneinander zu kämpfen?"
Die Publizistin
Christine Brinck wiederholt in der
Welt derweil noch einmal die Frage, die sich alle propalästinensischen Demonstranten gefallen lassen müssen: "Wo war das Camp mit
teuren Northface-
Zelten, als die
Russen Mariupol belagerten, aushungerten, eine Geburtsklinik, Schulen, Kindergärten bombardierten und tausende Zivilisten starben? Wer hüllte sich da in Columbia oder Yale in blaugelbe Fahnen und verlangte, den Russen die
Krim wieder abzujagen? Solidarität mit den überfallenen Ukrainern, die frei in ihrem eigenen Land leben wollen, äußern die hochmögenden Universitätsangehörigen nicht. Sie skandieren nicht 'Putin, hey, hey, how many kids did you kill today?' Die
weinenden ukrainischen Kinder machen medienmäßig nicht so viel her wie deren
Altersgenossen in Gaza. Wer marschiert für die
Uiguren?"
Seit Jahren hat der Verein
Verein Säkularer Islam Hamburg für die Schließung der "
Blauen Moschee" in Hamburg gekämpft - nun ist der Schritt gegen diese Agentur des Mullah-Regimes endlich vollzogen. In einer Stellungnahme entwirft der Verein, dem unter anderen
Necla Kelek und
Ertan Toprak angehören, ein Zukunft für das Gebäude: "Die Blaue Moschee sollte ein Kultur- und Gebetshaus '
Jina-Mahsa-Amini Zentrum' werden. Neben der Religionsausübung soll es vor allem die lange Kultur des Vielvölkerstaates Irans, seine Verbindungen zu Hamburg und den vielen Exil-IranerInnen und iranischen Kaufleuten dokumentieren und lebendig machen. Ein solches Zentrum sollte unbedingt zusammen mit den
demokratischen und säkularen Kräften, aber auch den unterschiedlichen Volksgruppen aus dem Iran, wie die Kurden, Belutschen, Azeris und iranisch religiösen Minderheiten (wie Sunniten, Bahais, Juden, Christen) und den islamischen Gemeinschaften, die sich zu Säkularismus bekennen, gestaltet werden."