9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Geschichte

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 19.08.2019 - Geschichte

Der Kolonialismus brauchte Diskurse, die die europäische Expansion rechtfertigte und besonders die vermentliche Überlegenheit der Europäer über die vorgefundenen Bevölkerungen erklärte, und ausgerechnet die Aufklärung lieferte diese Diskurse, schreibt der Historiker Christian Geulen in einem online nachgereichten Essay für die Zeit: "Ja, auch die Bewohner außereuropäischer Länder waren Menschen, aber Menschen einer unteren Entwicklungsstufe, die erst noch zivilisiert werden mussten, um wahrhaft Teil des europäischen Konzepts von Menschheit zu sein. Dies war eines der überzeugendsten Narrative, um in den folgenden 150 Jahren den imperialen Kolonialismus zu rechtfertigen."

Die Petersburger Schriftstellerin Elena Chizhova hat im Mai in der NZZ Stalin für die Hunderttausenden Toten der Belagerung Leningrads mitverantwortlich gemacht (unser Resümee). Ulirch M. Schmid teilt diesen Vorwurf nicht in dieser Schärfe, aber er zeigt, welch ein Tabu Chizhova allein mit diesem Thema berührte: "Mittlerweile sind die diskursiven Verteidigungslinien für den Heldenmythos der Leningrader Blockade in aller Deutlichkeit gezogen. Der oppositionelle Fernsehsender Doshd führte auf seiner Website im Jahr 2014 eine Umfrage durch: 'Hätte man Leningrad nicht besser aufgeben sollen, um dadurch Hunderttausende Menschenleben zu retten?' Allein die Frage löste eine Welle der Empörung aus. Zahlreiche Kabelnetzwerke nahmen Doshd aus ihrem Angebot, seither ist der Kanal fast ausschließlich auf Einnahmen aus Internetabonnements angewiesen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 16.08.2019 - Geschichte

Die Rolle der Hohenzollern im Übergang zum Nationalsozialismus war keineswegs "umstritten", wie es bisweilen heißt, stellt der Historiker Norbert Frei in der SZ klar und verweist noch einmal auf seinen Historikerkollegen Stephan Malinowski (Unser Resümee): "Wiederholt, unlängst auch in der SZ (Ausgabe vom 6. August), hat Malinowski daran erinnert, was diesbezüglich konkret zu den Hohenzollern zu sagen ist - von des 'Kronprinzen' Wilhelm von Preußens früher Bewunderung für den italienischen Faschismus über sein Planspiel mit Hitler vor der Reichspräsidentenwahl 1932 bis hin zur stilisierten Legitimation des 'jungen Deutschland' durch die alten Mächte beim 'Tag von Potsdam' am 21. März 1933, bei dem natürlich auch Wilhelm nicht fehlte. Der Kronprinz a.D. schmückte die Inszenierung nicht nur; seine Präsenz verhalf dem neuen Regime zu wachsendem Ansehen auch bei noch immer monarchisch denkenden Bürgern."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.08.2019 - Geschichte

In der Zeit erinnert der Historiker Andrej Angrick an die kaum erforschte Geheimaktion 1005 - jene Aktion, mit der die Nationalsozialisten vor 75 Jahren alle Spuren des NS-Genozids in der Sowjetunion und Osteuropa auslöschen wollten: "Die NS-Führung ist besorgt, dass durch die propagandistische Verbreitung solcher 'Gräuelmeldungen' die Loyalität der NS-'Volksgemeinschaft' zum Regime erodieren könnte. Reichspropagandaminister Joseph Goebbels fürchtet darüber hinaus, dass die Nachgeborenen womöglich nicht mehr die 'Tatkraft' und die 'Wachheit des Instinkts' besäßen, um die 'Judenfrage einer endgültigen Lösung zuzuführen', wie er am 7. März 1942 in seinem Tagebuch notiert. Intern beschönigt man die eigenen Verbrechen also nicht. Das Gewissen der gemeinen Volksgenossen aber soll nicht mit dem Wissen über das nationalsozialistische Vernichtungsprogramm belastet werden: Man will die 'innere Wehrhaftigkeit' der Bevölkerung nicht gefährden. Früh untersagt man deshalb private Foto- und Filmaufnahmen von Exekutionen."

Die New York Times präsentiert heute eine Sonderausgabe der New York Times Magazine mit dem "1619 Project", das auch online sehr prächtig geraten ist  - zum 400. Jahrestag der ersten Sklaven, die auf einem Boot in Amerika anlandeten. Es handelt sich um das größte Projekt dieser Art, das die Times je stemmte. Frauke Steffens berichtet in der FAZ über das Projekt: "Dass die New York Times diesen Aufwand betrieb, ist der Autorin Nikole Hannah-Jones zu verdanken. Sie hatte die Idee und überzeugte erst die Redakteure und dann renommierte afroamerikanische Historikerinnen, Dichter und Aktivisten von dem Projekt."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.08.2019 - Geschichte

Amerikas Zustand erinnert einige Kommentatoren, wie gerade Andrew Sullivan im New York Magazine (tief Luft holen, bevor Sie den Artikel anklicken und auf Trump als fetten römischen Imperator blicken), an die letzten Tagen der römischen Republik. Der Historiker Niall Ferguson, der als Gegenmittel Tom Hollands NYRB-Essay "Amerika ist nicht Rom. Es glaubt nur, dass es das ist" empfiehlt, winkt in der NZZ ab: Die amerikanische Verfassung unterscheide sich doch ziemlich stark von der römischen, "alle Präsidenten reiben sich an diesen Beschränkungen, aber keiner hat sie wirklich überwunden. Das wird auch Trump nicht schaffen. Der hervorstechendste Fehler der Hypothese vom präsidialen Imperator ist aber, dass Trump keinerlei Gelüste auf ein Imperium hat. Es juckt ihn, amerikanische Truppen aus Afghanistan abzuziehen. Er hat vom Betreiben eines Regimewechsels in Venezuela Abstand genommen. Sein Ansatz für alle Auslandengagements der USA ist rein geschäftlich ('Bezahlt für unseren Schutz, oder wir sind weg'). Er hat eine Art von kaltem Krieg mit China angefangen, wird aber versuchen, ihn abzublasen, wenn er zu dem Schluss kommt, die Kosten könnten seine Hoffnung auf Wiederwahl gefährden."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 09.08.2019 - Geschichte

Der Atombombenabwurf auf Hiroshima und Nagasaki jährt sich in diesen Tagen zum 74. Mal. Im Tagesspiegel fordert Malte Lehming den Abwurf als "Kriegsverbrechen" einzustufen: "Gilt im Krieg keine Moral? Sind alle Mittel erlaubt? Eine solche Auffassung widerspricht sowohl dem universellen Gültigkeitsanspruch ethischer Normen als auch den gängigen Urteilen über kriegerische Handlungen. Wenn alles erlaubt ist, gibt es zwischen einem Gewehrschuss und dem Einsatz bakterieller oder chemischer Kampfstoffe keinen Unterschied. Das Bombardement eines Mehrfamilienhauses, in dem sich neben Hunderten von Bewohnern angeblich auch ein gegnerischer Soldat befindet, dürfte dann eben so wenig Entrüstung verursachen wie das Foltern von Kindern, um deren Eltern zur Aufgabe zu zwingen. Die Beispiele zeigen: Auch über Kriegshandlungen werden moralische Urteile gefällt. Es wird durchaus unterschieden zwischen erlaubt und unerlaubt."

Mexikos Präsident López Obrador verlangt zum 500-Jahr-Gedenken der spanischen Eroberung von Mexiko im Jahre 1519, dass sich Spanien entschuldige, was Ministerpräsident Pedro Sánchez ablehnt, berichtet Michi Strausfeld in der NZZ. Immerhin wurde eine Historikerkommission eingesetzt, die Fakten zur Eroberung und zur Kolonialherrschaft neu bewerten soll - Vorsitzende ist allerdings die  Autorin María Elvira Roca Barea, die mit ihrem Buch "Imperiophobie und Schwarze Legende" in Spanien einen umstrittenen Bestseller landete, bemerkt Strausfeld kopfschüttelnd: "Namentlich bekämpfte sie die Behauptungen, Spanien sei ein rückständiges Land, das die Aufklärung ausgesperrt, die Inquisition jedoch dies- und jenseits des Atlantiks praktiziert habe. Sie trat den angeblich von Protestanten verbreiteten Legenden über die Verwüstung und Ausbeutung seiner Kolonien entgegen, wo doch bloß deren Reichtum den Neid der europäischen Mächte geweckt habe. Spanien habe Lateinamerika jedenfalls viel gegeben - nicht nur den Katholizismus (auch wenn er mit Feuer und Schwert durchgesetzt worden war), sondern auch die Sprache, die Kultur, die Technologie der modernen Welt."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 08.08.2019 - Geschichte

Seit dem Zweiten Weltkrieg wurden fast alle Juden arabischer Länder systematisch vertrieben. Die Stadt Bagdad etwa war vor den Vertreibungen zu einem Drittel jüdisch - 900.000 arabische Juden siedelten sich in Israel an. Diese Geschichte sei "bislang Gegenstand einer massiven Verleugnung", zitiert Ulrich Gutmair in der taz den Historiker Georges Bensoussan, dessen Studie "Die Juden der arabischen Welt - Die verbotene Frage" jetzt auf Deutsch vorliegt: "Dabei formuliert der Historiker, der 1952 in Marokko geboren wurde, zurückhaltend. Nur in Bezug auf Ägypten spricht er ausdrücklich von Vertreibung. Meist habe es sich um 'einen schleichenden Ausschluss' der Juden gehandelt, eine Atmosphäre 'heimtückischer Trennung', wie Bensoussan den Tunesier Albert Memmi zitiert, der diese Einschätzung bereits in den 1950ern formuliert hatte. Das Ergebnis dieses Ausschlusses: Die Juden, die seit 2.000 Jahren an diesen Orten gelebt hatten, verließen sie. Bensoussan nutzt ein biblisches Wort, um den Vorgang zu beschreiben: Exodus."

"Überzeugte Demokraten stehen immer in Opposition zu faschistischen Bewegungen, während Antifaschisten nicht zwangsläufig überzeugte Demokraten sein müssen", schreibt der Historiker Jens Späth im Tagesspiegel und spürt der Ambivalenz des Begriffs historisch nach. Während der Antifaschismus zum Gründungsmythos der DDR gehörte, verdrängten in der Bundesrepublik "selbst aktive Widerstandskämpfer ihre antifaschistischen Erfahrungen und Traditionen und ordneten sich meist der Staatsdoktrin des Antikommunismus unter. In den Jahren der Adenauer-Regierung war es wichtiger, gegen den Bolschewismus Stellung zu beziehen, als an den nur oberflächlich verheilten Wunden der jüngsten Vergangenheit zu rühren. In bürgerlichen Kreisen existierte maximal ein 'Antifaschismus der Phrase', der sich nicht wissenschaftlich mit den sozioökonomischen Ursachen von Faschismus und Nationalsozialismus auseinandersetzen wollte. Der marxistische Philosoph und Publizist Wolfgang F. Haug prägte dafür den Begriff des 'hilflosen Antifaschismus'."

In der NZZ kann der Historiker Volker Reinhardt mit dem Hang seiner Zunft zur Analogiebildung zwecks Zukunftsprognose nichts anfangen: "Wir bewahren euch vor Rückfällen in die Katastrophen der Vergangenheit und zeigen euch den Weg in eine bessere Zukunft! Diese Lebenslüge des historischen Metiers findet ihre regelmäßige Spiegelung in Politiker-Statements, die immer dasselbe Mantra gebetsmühlenartig wiederholen: Nur wer die Geschichte kennt, ist davor bewahrt, ihre Schrecken zu wiederholen. Zumindest in diesem Punkte darf getrost Entwarnung gegeben werden: Sie wiederholt sich nicht. Anders ausgedrückt: 2019 ist nicht 1933, und auch der 'Westen' ist nicht im Namen der Geschichte von akutem Zerfall bedroht. So ehrenhaft und moralisch vorbildlich solche Sonntagsreden sind, die vor der Wiederholung des geschichtlich Bösen warnen: Sie fokussieren nicht nur die Hoffnungen, sondern auch die Gefahren falsch."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 06.08.2019 - Geschichte

In der SZ findet der Historiker Stephan Malinowski es einfach absurd, dass die Hohenzollern jetzt versuchen, sich als Widerstandskämpfer gegen Hitler zu stilisieren, um Entschädigung für Enteignungen zu erhalten: "Die politische Bedeutung der Hohenzollern nach dem Ersten Weltkrieg ist auch in dem zu suchen, was 1933 und 1944 nicht geleistet wurde: die Darstellung einer konservativen Alternative zum Nationalsozialismus." Und überhaupt wird die Rolle des Adels im Widerstand übertrieben, findet Malinowski: "Wer über viele Jahre Europas Geschichte unterrichtet, stellt fest: Studenten aller Länder der Welt kennen Stauffenberg, einige haben von den Scholls gehört, niemand von der Berliner Widerstandskämpferin Elise Hampel, obwohl letztere Vorbild für die Heldin in Hans Falladas Roman 'Jeder stirbt für sich allein' war. Wenn aber, wie etwa die Verteidiger eines monumentalen Stauffenberg-Bildes fordern, 'Gewissen' die Leitkategorie zur Beurteilung von Widerstand sein soll, wäre schwer zu sehen, womit der Oberst der Wehrmacht die 21-jährige Studentin Sophie Scholl überstrahlen sollte."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 02.08.2019 - Geschichte

Absolut sehenswert findet Markus M. Haefliger in der NZZ die Ausstellung "Culture under Attack" im Londoner Imperial War Museum, die ihm vor Augen führt, wie über Jahrhunderte hinweg gezielt Kulturschätze in Kriegen zerstört wurden: "Die Kuratorin Paris Agar führt die Zerstörungswut der Barbaren auf verschiedene Beweggründe zurück. 'Oft soll die Bevölkerung demoralisiert werden', sagt sie. Ein Beispiel sind die 'Baedeker-Angriffe' durch die deutsche Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg. Der gleichnamige Fremdenführer aus der Zwischenkriegszeit hatte deutschen Touristen empfohlen, die englischen Kulturstädte Bath, Canterbury, Exeter, Norwich und York zu besuchen. Im Krieg wurden sie zum Ziel ausgewählter Bomberangriffe."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 01.08.2019 - Geschichte

Vor 75 Jahren schlugen die Deutschen den Warschauer Aufstand nieder - sie brachten dabei in einem gigantischen Massaker Zehntausende Warschauer Bürger um. Gabriele Lesser erzählt in der taz von einer deutsch-polnischen Ausstellung mit Fotos beider Seiten vom Warschauer Aufstand. Aber das Grauen ist nicht zu sehen: "Auch von den Leichenbergen, von denen Zeitzeugen berichteten, existieren heute keine Bilder. Die Deutschen wie auch ihre willigen Kollaborateure wollten ihr Verbrechen nicht dokumentieren, während die Fotografen der polnischen Aufstandspresse den Warschauern nicht zeigen wollten, was ihnen für ein Schicksal drohen könnte." In Polen berührt die Ausstellung so empfindliche Fragen, so Lesser, dass sie dort noch gar nicht gezeigt wurde. Mehr zur Ausstellung hier.

Kritik an der polnischen PiS-Regierung muss dennoch möglich sein, schreibt Daniel Brössler in der SZ, kann aber auch die polnische Reparationsforderungen verstehen: "Sie mögen rechtlich nicht haltbar sein, historisch aber sind sie verständlich. Die Bundesregierung sollte nach Wegen suchen, mit der doppelten Schuld umzugehen - dem polnischen Gefühl also, dass Deutschland sich auch materiell der Verantwortung für die Verbrechen der Nazis bislang nicht in einer angemessenen Weise gestellt hat. Dies wird sich nicht in Reparationszahlungen niederschlagen, könnte aber durch symbolstarke Projekte wie den Wiederaufbau des Sächsischen Palais geschehen."

Dass das Ende der Weimarer Republik nicht zwingend war, lernt Jens Bisky in der SZ im Haus der Weimarer Republik in Weimar, wo diese Woche die neue Dauerausstellung eröffnet wurde: "Mitarbeiter des preußischen Innenministeriums hatten seit Längerem Material über das Treiben der Hitler-Anhänger gesammelt und in einer Denkschrift nachgewiesen, dass die NSDAP eine kriminelle, terroristische Vereinigung war. Schon im Sommer 1930 überreichten sie ihre Denkschrift dem Ministerpräsidenten Otto Braun, der sie der Reichsregierung übergab und bat, die nötigen Maßnahmen zu ergreifen. Es geschah nichts. Einer der Autoren hieß Robert Kempner. 1945 war er stellvertretender Hauptankläger der Vereinigten Staaten beim Hauptkriegsverbrecherprozess in Nürnberg."

Weitere Artikel: In der Zeit erinnert der Historiker Achatz von Müller daran, wie die Hohenzollern unter Wilhelm I. das Königreich Hannover unter Leitung des blinden Monarchen Georg V. selbst enteigneten, nachdem dieser aus Abneigung gegen seinen Vetter Wilhelm das Bündnis gegen Österreich abgelehnt hatte.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 31.07.2019 - Geschichte

In vielen Ländern - etwa China oder Indien - wird der großen Schlächter Vinayak Damodar Savarkar  oder Mao Tsetung wieder als Volksheiliger gedacht. Und in Gori, Georgien, gibt es nach wie vor eine Kultstätte für Stalin, die Ilija Trojanow für seine taz-Kolumne besucht hat: "Bemerkenswert, wie schnell sich beim Besucher die Ungeheuerlichkeit dieser Inszenierung abnutzt und einer neuen Normalität weicht. Nach einer Stunde hat man sich mit dieser Ikonisierung eines der schlimmsten Staatsverbrechers der Menschheitsgeschichte fast abgefunden."

Dass die Hohenzollern 1,2 Millionen Euro Entschädigung haben wollen für Liegenschaften, die die Sowjetunion nach dem Zweiten Weltkrieg enteignet hatte, ist ja inzwischen bekannt. Die Historikerin Karina Urbach lehnt das im Interview mit der FR allerdings rundheraus ab: Eine Entschädigung komme nämlich nicht in Betracht, wenn die Hohenzollern einst dem "nationalsozialistischen System erheblichen Vorschub" geleistet hätten. Und das war laut Urbach definitiv der Fall: "Sie waren begeistert von Hitlers Eroberungskriegen. Das war in ihren Augen echte Hohenzollernpolitik. Der Kronprinz gratulierte Hitler am 26 Juni 1940 per Telegramm: 'Mein Führer! Ihrer genialen Führung, der unvergleichlichen Tapferkeit unserer Truppen (…) ist es gelungen, in der unvorstellbar kurzen Zeit von knapp 5 Wochen Holland und Belgien zur Kapitulation zu zwingen, die Trümmer des englischen Expeditionscorps in das Meer zu treiben. (…) Mit dem heutigen Tage ruhen die Waffen im Westen, und der Weg ist frei für eine endgültige Abrechnung mit dem perfiden Albion. In dieser Stunde von größter historischer Bedeutung möchte ich Ihnen als alter Soldat und Deutscher voller Bewunderung die Hand drücken. Gott schütze Sie und unser deutsches Vaterland!'" (Weiterer Satz wegen einer strittigen Textpassage im Zitat gestrichen, d.Red., 9. 9. 2019)