Seit dem Zweiten Weltkrieg wurden fast alle
Juden arabischer Länder systematisch vertrieben. Die Stadt Bagdad etwa war vor den Vertreibungen zu einem Drittel jüdisch - 900.000 arabische Juden siedelten sich in Israel an. Diese Geschichte sei "bislang Gegenstand einer
massiven Verleugnung",
zitiert Ulrich Gutmair in der
taz den Historiker
Georges Bensoussan, dessen Studie "Die Juden der arabischen Welt - Die verbotene Frage" jetzt auf Deutsch vorliegt: "Dabei formuliert der Historiker, der 1952 in Marokko geboren wurde, zurückhaltend. Nur in Bezug auf Ägypten spricht er ausdrücklich von Vertreibung. Meist habe es sich um 'einen
schleichenden Ausschluss' der Juden gehandelt, eine Atmosphäre 'heimtückischer Trennung', wie Bensoussan den Tunesier Albert Memmi zitiert, der diese Einschätzung bereits in den 1950ern formuliert hatte. Das Ergebnis dieses Ausschlusses: Die Juden, die
seit 2.000 Jahren an diesen Orten gelebt hatten, verließen sie. Bensoussan nutzt ein biblisches Wort, um den Vorgang zu beschreiben: Exodus."
"Überzeugte Demokraten stehen immer in Opposition zu faschistischen Bewegungen, während
Antifaschisten nicht zwangsläufig überzeugte Demokraten sein müssen",
schreibt der Historiker
Jens Späth im
Tagesspiegel und spürt der Ambivalenz des Begriffs historisch nach. Während der Antifaschismus zum
Gründungsmythos der DDR gehörte, verdrängten in der Bundesrepublik "selbst aktive Widerstandskämpfer ihre antifaschistischen Erfahrungen und Traditionen und ordneten sich meist der Staatsdoktrin des Antikommunismus unter. In den Jahren der Adenauer-Regierung war es wichtiger, gegen den Bolschewismus Stellung zu beziehen, als an den nur oberflächlich verheilten Wunden der jüngsten Vergangenheit zu rühren. In bürgerlichen Kreisen existierte maximal ein '
Antifaschismus der Phrase', der sich nicht wissenschaftlich mit den sozioökonomischen Ursachen von Faschismus und Nationalsozialismus auseinandersetzen wollte. Der marxistische Philosoph und Publizist Wolfgang F. Haug prägte dafür den Begriff des 'hilflosen Antifaschismus'."
In der
NZZ kann der Historiker
Volker Reinhardt mit dem Hang seiner Zunft zur
Analogiebildung zwecks Zukunftsprognose nichts anfangen: "Wir bewahren euch vor Rückfällen in die Katastrophen der Vergangenheit und zeigen euch den Weg in eine bessere Zukunft! Diese
Lebenslüge des historischen Metiers findet ihre regelmäßige Spiegelung in Politiker-Statements, die immer dasselbe Mantra gebetsmühlenartig wiederholen: Nur wer die Geschichte kennt, ist davor bewahrt, ihre Schrecken zu wiederholen. Zumindest in diesem Punkte darf getrost Entwarnung gegeben werden: Sie wiederholt sich nicht. Anders ausgedrückt:
2019 ist nicht 1933, und auch der 'Westen' ist nicht im Namen der Geschichte von akutem Zerfall bedroht. So ehrenhaft und moralisch vorbildlich solche Sonntagsreden sind, die vor der Wiederholung des geschichtlich Bösen warnen: Sie fokussieren nicht nur die Hoffnungen, sondern auch die Gefahren falsch."