Im Jüdischen Museum Berlin wird gerade eine
Ausstellung über Juden in der DDR gezeigt.
taz-Autor Jan Feddersen
unterhält sich mit dem Naturwissenschaftler
Daniel Rapoport darüber, wie es war in der DDR jüdisch zu sein - seine Familie war wie häufig bei Juden in der DDR besonders staatsfromm, erzählt er. Der
Holocaust sei in der DDR aber durchaus Thema gewesen, "nur eben
in staatsgenehmer Weise. Aber gelenkte Öffentlichkeiten haben das prinzipielle Problem, dass sie keinen Dissens aushalten, keine echten Debatten erlauben und eben auch kein Korrektiv für den Staat sein können. Sie machen die Meinungen und Befindlichkeiten nicht spürbar - und damit nicht verhandelbar."
Wie das war mit dem Jüdischsein in der DDR, beschreibt auch Raquel Erdtmann in einer
FAS-Kritk zur Ausstellung in Berlin: "In der DDR war niemandem bewusst, dass überdurchschnittlich viele prominente Vertreter in Politik, Kunst und Kultur, in Literatur und Wissenschaft, in der Popmusik jüdische Wurzeln hatten. In der Broschüre '
Antifaschisten in führender Position in der DDR' von 1965 waren von 98 Personen 24 Juden. Die ersehnte Egalität. Ähnlich gedachte man in der DDR der jüdischen Opfer kollektiv mit allen anderen, quasi 'klassenlos', als '
Opfer des Faschismus', auch wenn sich zahlreiche Romane und DEFA-Spielfilme der Judenverfolgung widmeten - die Täter natürlich: 'Faschisten'. Die gab es in diesem Staat ja nun nicht mehr, durfte es nicht geben - nur im Westen trieben die bekanntlich noch ihr Unwesen."
Salvador Allendes
Chile ist für die westliche Linke eine Idee geblieben, nämlich, die Idee, dass eine "
sozialistische Umwälzung ohne Gewalt und ohne Terror" möglich sei. Die Brutalität, mit der August Pinochet dagegen putschte und sich dann noch mit dem Neoliberalismus verbündete, hat die Idee erhalten wie unter einer Käseglocke. Aber sie hält nicht stand,
meint Welt-Autor Thomas Schmid: "Als Pinochet 1973 mit der Unterstützung der USA putschte, zerstörte er keineswegs ein florierendes, zukunftsträchtiges Projekt. Das Land lag vielmehr wirtschaftlich, aber auch politisch
am Boden. Es war erschöpft. Streiks ohne Ende, eine Inflation von 700 Prozent. Weder Preiskontrollen noch die Verstaatlichung aller Banken und der Rohstoffindustrie konnten den Niedergang aufhalten. Alles Gegensteuern der Regierung Allende machte alles nur noch düsterer und aussichtloser. Pinochet beendete ein gescheitertes Projekt.
Die Gewaltsamkeit dieses Endes hat Allende und sein Projekt mit einer Gloriole umgeben, die zwar verständlich, aber dennoch unverdient ist. Allendes Regierung stand im September 1973 vor dem Offenbarungseid."