Im
FR-Interview mit Harry Nutt
spricht der Soziologe
Heinz Bude über Herkunft, Mentalitätshintergrund und die heutige
Verklärung der 68er: "Da hat nichts begonnen, was es vorher nicht schon gab. Weder die sexuelle Revolution noch die Demokratisierung der Gesellschaft und vor allem nicht die Konfrontation mit Auschwitz. (…) Diese Suche nach dem gesellschaftlichen und geschichtlichen Trend verdeckt die Mischung aus Melancholie und Sehnsucht, aus radikaler Reflexion und rebellischem Elan, aus politischem Dadaismus und existenziellen Ausbruchsversuchen, die für die Bresche von 1968 kennzeichnend waren. Glaubten die 68er an ihre Mythen? Wenn sie auf der Straße riefen: 'Wer zweimal mit der Gleichen pennt, gehört schon zum Establishment!', ja. Wenn sie abends auf leeren Bürgersteigen als
dürre Gestalten in ihren Schlaghosen und Fransenjacken nach Hause gingen, nein."
In der
NZZ kann Claudia Mäder nur den Kopf schütteln über die Entscheidung des
französischen Kulturministeriums, den rechtsextremen Autor
Charles Maurras, der dieses Jahr 150 Jahre alt würde, nach öffentlichen Protesten wieder aus dem amtlichen Gedenkjahrbuch zu streichen. Das ist "
weiße Geschichtsblendung", meint sie: "Maurras ist wahrlich keine Gestalt, die einem das Herz aufgehen lässt. All jenen aber, die sich von dem Buch Aufschlüsse über die französische Geschichte versprechen, erweist sie einen Bärendienst. Denn Maurras ist ein Denker, den kennen muss, wer immer etwas von den
politischen Ideen der Zwischenkriegszeit, von der Ideologie des Vichy-Regimes oder den Konzepten der heutigen französischen Nationalisten verstehen will."