Im
Interview mit der
FR sprechen
Aleida und Jan Assmann über das
Holocaust-Mahnmal und wie sich das Erinnern und - mit Blick auf AfD-Mann Björn Höcke, der es ein "Denkmal der Schande" nannte - das
Sprechen über den Holocaust verändert hat: "Der Begriff der 'Schande' gehört ins Vokabular der 'Ehre' und ist in post-heroischen Zeiten seit längerem aus unserem aktiven Wortschatz verschwunden. Wir benutzen nach drei Generationen auch nicht mehr den Begriff der 'Schuld', sondern verwenden
zukunftsfähige Begriffe wie 'historische Verantwortung', 'Anerkennung der Opfer' und 'Empathie'. Das Wort 'Schande' drückte die Emotionen der ersten und zweiten Weltkriegs-Generation aus. Es spricht damit
sehr alte Muster an. Solche Muster können über längere Zeit schweigend ruhen, gewissermaßen in der Latenz verborgen, aber dann doch in neuem Zusammenhang wieder aufgerufen werden und ihre Wirkung entfalten."
Im Kampf gegen den Kommunismus waren sich die
Polen weitgehend einig. Doch seit 1989 fehlt dieser Kitt eines gemeinsamen Feindes,
meint die Stettiner Literaturwissenschafterin und Schriftstellerin
Inga Iwasiów im Interview mit der
NZZ. Gleichzeitig mussten die Polen Kratzer am lieb gewordenen Bild des ewigen Opfers akzeptieren: "Als Gesellschaft sind wir in zweierlei Hinsicht durch eine
Schocktherapie gegangen: einmal im Zusammenhang mit der Diskussion über
Jedwabne, also über die Teilnahme der Polen am Holocaust; und zum Zweiten hinsichtlich der Diskussion über
Wolhynien, also über die Verbrechen während des Zweiten Weltkriegs, die aus dem feindlichen polnisch-ukrainischen Verhältnis resultierten, aber mehr Leben von Polen als von Ukrainern forderten. Wir lebten lange in der Gewissheit, dass wir während des Zweiten Weltkriegs nur Opfer waren, dass wir ein Recht auf Nostalgie, verbunden mit unseren verlorenen Ostgebieten, haben. ... Dieses Trauma,
nicht nur Opfer zu sein, müssen wir erst einmal bewältigen."