
Staunend hat Zinovy Zinik
Daniel Kalders "Lost Cosmonaut" gelesen, den Bericht einer Reise zu den "
freudlosesten und aufgeblasensten Landschaften" der früheren Sowjetunion: "
Tatarstan und
Kalmückien,
Mari El und
Udmurtien drängen sich in den unteren Wolgaregionen, irgendwo zwischen dem Asowschen und dem Kaspischen Meer. Die kleinen Republiken entstanden im Zuge der rigoros verfolgten sowjetischen Vielvölkerpolitik. Bevor ihnen jedoch die nominelle Unabhängigkeit gewährt wurde, mussten sie erst einmal
Massendeportationen und forcierte Assimilation hinnehmen. Auferlegt wurde ihnen auch eine fiktive, künstlich kreierte oder neu aufpolierte Folklore. Dazu gehörten ein
obligatorisches Staatstheater in jeder Hauptstadt, wo Stücke in einer Sprache aufgeführt wurde, die niemand mehr verstand, ein Heimatkundemuseum, in dem sich niemand an die Bedeutung der Exponate erinnerte, und auf den öffentlichen Plätzen die allgegenwärtigen Statuen der Nationaldichter und -helden, die niemand schätzte. Es ist ein ganz anderes Europa, ein
Schatten-Europa, das, wenn es nach uns ginge, nicht existierte. Aber es existiert, nur nicht für uns."
"
Goethe ist gut für Sie",
weiß Paul Bishop und versucht zu ergründen, warum Deutschlands literarischer Institution so wenig Sympathie entgegengebracht wird. "In der englischsprachigen Welt können weder Shakespeare noch Cervantes, weder Racine noch Dante so viel
feindselige Leidenschaften hervorrufen wie die Gestalt Goethe. Warum ist das so? In
'Love, Life, Goethe: How to be happy in an imperfect world' legt
John Armstrong nahe, dass die Quelle dieses Image-Problems nicht in Goethe, sondern im Gegenteil in uns selbst liegt. Denn oft stecke hinter der Ablehnung Goethes, glaubt Armstrong, die Angst, Goethe selbst könnte wie ein Vorwurf wirken -
seine Ernsthaftigkeit, sein Glück und sein Erfolg lassen unser eigenes Leben schäbig und unvollständig erscheinen."
Weiteres: H. J. Jackson
stellt klar, dass die unter dem Namen
Mary Brunton veröffentlichten Romane nicht Jane Austen zugeschrieben werden können. Außerdem besprochen werden
Briefe von
Rudyard Kipling, und zwei
Studien zu Glanz und Elend der amerikanischen Universitäten.