Christian Buckard

Arthur Koestler

Ein extremes Leben 1905 - 1983
Cover: Arthur Koestler
C. H. Beck Verlag, München 2004
ISBN 9783406521775
Gebunden, 424 Seiten, 26,90 EUR

Klappentext

Ohne Übertreibung kann man Arthur Koestler (1905-1983) als den vielseitigsten und engagiertesten Schriftsteller des 20. Jahrhunderts bezeichnen. Als Journalist und Bestseller-Autor ("Sonnenfinsternis"), als politischer Aktivist und im Privatleben hat er wie kein Zweiter Grenzen und Extreme ausgelotet. Er war keiner jener Intellektuellen, die - wie Brecht oder Sartre - aus der Deckung des Schreibtischs heraus die Welt verändern wollten. Wenn er von einer Sache überzeugt war, konnte er für sie Kopf und Kragen riskieren: In den zwanziger Jahren prügelte er sich als Wiener Student mit Antisemiten, lebte als Kibbutznik, Limonadenverkäufer und Reporter in Palästina. Anfang der dreißiger Jahre pilgerte er mit Langston Hughes durch Stalins Sowjetunion, spürte arabische Terroristen in Beirut auf, fuhr Ambulanzwagen durch das London des Blitz und berichtete aus dem israelischen Unabhängigkeitskrieg. Koestler saß als kommunistischer Spion in Francos Todeszelle, die französische Vorkriegs-Regierung internierte und die Gestapo jagte ihn, von Moskau wurde er als "nervenkranker" Kalter Krieger beschimpft. Koestler engagierte sich nicht nur in der Politik, zeitlebens bewegte er sich mühelos zwischen den "Zwei Kulturen": Er überflog im Zeppelin den Nordpol, forderte die wissenschaftliche Anerkennung der Parapsychologie, traf Gurus in Indien, stritt sich in Japan mit Zen-Priestern und schlug die gezielte Manipulation des menschlichen Gehirns durch Drogen vor, um der angeborenen autodestruktiven Tendenz unserer Spezies Herr zu werden.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 04.12.2004

Lob und Enttäuschung zugleich schwingen in Karl Markus Gauß' Besprechung von Christian Burkhards Biografie des Journalisten, Publizisten und Romanciers Arthur Koestler mit. "Gescheit" sei das Buch, "glänzend geschrieben", außerdem "klug kommentiert" und damit, ergänzt durch den Kenntnisreichtum des Autors, "aufschlussreich" und "ungemein lehrreich" für den Leser. Aber nur für den Leser, schränkt der Rezensent ein, der sich für Koestlers Verhältnis zu seinem Judentum, zum Zionismus und zum Staat Israel interessiert. Denn auf diese Facette von Koestlers Walten und Wirken beschränkt sich Buckard im Großen und Ganzen, bedauert der Rezensent. Der Kommunist, Imperialismuskritiker und vor allem der späte Wissenschaftspublizist Koestler werden nur "knapp" bis "summarisch" dargestellt. Die "ungeheure Spannweite" seiner Persönlichkeit wird also wie schon bei Ian Hamiltons früherem Versuch nicht in Angriff genommen, darauf muss Gauß zähneknirschend "weiter warten".

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 02.12.2004

Rezensent Michael Rohrwasser findet es ganz "erfreulich", dass Arthur Koestler wieder "aufgetaucht" ist, und zwar aus der Feder Christian Buckards, einem "jungen Berliner Judaisten". Dieser rolle in seiner Biografie einen "ganz neuen Faden" auf, indem er nach der Bedeutung von Koestlers jüdischer Herkunft fragt. Das Buch informiert über die Zeit, in der der politische Autor Mitglied einer schlagenden Verbindung von Zionisten war, den Aufenthalt in einem Kibbuz und sogar so manches Liebäugeln mit "terroristischen Aktionen". Nach der ersten Biografie David Cesaranis habe Buckard ein Buch geschrieben, das zwar nicht "den ganzen Koestler" porträtiert, aber das Bild um "bemerkenswerte" Details ergänzt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.10.2004

Nicht wirklich überzeugt zeigt sich Rezensent Gerd Koenen von Christian Buckards Biografie Arthur Koestlers. Zwar hält er ihm zu Gute, mit seiner Verlagerung des Blickpunkts vom Kommunisten Koestler auf den Juden Koestler "viel Neues" zu Tage gefördert zu haben. Von einer Biografie aber, die dem vielseitig Begabten und Widersprüchlichen wirklich gerecht wird, ist diese Darstellung "weit entfernt", findet Koenen. Dass Buckard seinen Focus vor allem auf den in einem assimilierten Milieu aufgewachsenen Juden Koestler legt, hätte nach Ansicht Koenens durchaus ein Ansatz zur Entschlüsselung seines Lebens sein können, hätte er denn Psyche und Privatleben des Porträtierten "sorgfältiger und stimmiger" gezeichnet. Stattdessen bringe Buckard "merkwürdig insiderhafte Erörterungen" darüber, ob Koestler ein guter oder ein schlechter Jude gewesen sei. Auch im Blick auf Koestlers Hinwendung zum Marxismus und zur Kommunistischen Partei bleiben für Koenen viele Fragen offen. Als "eigentlichen Ertrag" des Buches sieht er die Akzentuierung von Koestlers radikalem Assimilationismus. Preis dieser Akzentuierung ist zum Bedauern des Rezensenten, dass die meisten anderen Aspekte der Person Koestler hier zu kurz kommen.
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