Magazinrundschau - Archiv

The New Yorker

855 Presseschau-Absätze - Seite 58 von 86

Magazinrundschau vom 13.01.2009 - New Yorker

Tad Friend porträtiert einen Marketingfachmann für Hollywoodfilme und liefert damit tiefe Einblicke in eine genauestens austarierte Werbemaschinerie. Eine deren Grundfragen lautet, wie ein Trailer aussehen muss, damit er "einen Babysitter wert" ist, die Leute also für einen Film überhaupt aus dem Haus gehen. Zentral sind dabei die genauen Kenntnissen geschlechts- und altersgruppenspezifischer Genre-Vorlieben. "Solche Überlegungen sind etwa für eine große Rolle verantwortlich, wie sie im neuesten 'Indiana Jones' für Shia LaBeouf geschrieben wurde (um neben den alternden Fans von Harrison Ford auch jugendliche Zuschauer anzuziehen). Sie sind auch dafür verantwortlich, dass Kinder vom Säuglingsalter bis zum Alter von Macauley Culkin in 'Kevin allein zu Haus' auf der Leinwand praktisch nicht vorkommen (Erstere höchstens, um im Trailer den Star vollzuspucken). Warum einen Vierjährigen einsetzen, wenn ein Zehnjähriger Altersgenossen dazu bringt, ihn 'zuortbar' zu finden und Vier- bis Neunjährige dazu, zu ihm aufzuschauen? 'Wenn wir keine auf Marktgängigkeit basierenden Entscheidungen träfen, würde John Malkovich in jedem Film mitspielen', erklärt der Marketingmann eines Topstudios. 'Toller Schauspieler, aber keiner, den man halbnackt neben Angelina Jolie in den Federn liegen sehen will.'"

Außerdem: Anthony Lane verreißt Steven Soderberghs zweiteilige Guevara-Filmbiografie "Che" ("It's like 'Butch Cassidy and the Sundance Kid,' shorn of all glamour and fun") Zu lesen sind weiter die Erzählung "Soldier?s Joy" von Antonya Nelson und Lyrik von Nathalie Anderson und Franz Wright.

Magazinrundschau vom 30.12.2008 - New Yorker

Jonathan Harr hat sich in den Flüchtlingscamps in der Grenzregion des Tschad zum Sudan beziehungsweise Darfur umgesehen und beschreibt in einer Reportage die erschütternden Verhältnisse und die nervenzehrende Arbeit der internationalen Hilfskräfte. "Das 'Handbuch für Notfälle' des Flüchtlingskommissariats der Vereinten Nationen, U.N.H.C.R., legt Grundregeln für die Einrichtung von Flüchtlingslagern fest: ein Zelt für eine vier- bis sechsköpfige Familie, aufgestellt auf etwa der Fläche eines kleinen Vorstadthauses, die genügend Platz für das Zelt sowie einen kleinen Garten bietet. Die Familien-Parzellen werden zu durch Pfade oder schmale Wege voneinander getrennte 'Gemeinden' von sechzehn Familien gruppiert, die ihrerseits in 'Blocks' und schließlich in 'Sektoren' zusammengefasst werden. Jeder Sektor, Block und jede Gemeinde wird mit einer Zahl oder einem Buchstaben bezeichnet. Theoretisch hat so jeder Bewohner in jedem Flüchtlingslager eine feste Adresse. (...) Bredjing, das am dichtest bevölkerte Lager im Tschad, hatte 30.390 Bewohner und war zwölf Mal größer, als vom U.N.H.C.R. ursprünglich vorgesehen. Es stellt im Umkreis von achtzig Meilen jede Stadt und jedes Dorf im Tschad in den Schatten."

Anthony Lane sah im Kino Ari Folmans animierten Dokumentarfilm "Waltz with Bashir" und Brian Singers Stauffenberg-Film "Valkyrie". Bei Letzterem habe er sich gelegentlich in eine "etwas überspannte Fortsetzung der Harry-Potter-Verfilmungen" versetzt gefühlt, außerdem werfe der Film neben anderen die wirklich drängendste historische Frage auf: nämlich ob die Nazis je eine solche Bedrohung für den Weltfrieden hätten werden können, "wenn der General der Nachrichtentruppe, Erich Fellgiebel, so ausgesehen und sich gebärdet hätte wie sein Darsteller Eddie Izzard".

Außerdem: Ariel Levy bespricht eine Neuauflage von Alex Comforts Ratgeber-Klassiker "The Joy of Sex". Kelefa Sanneh porträtiert den amerikanischen Songwriter und Musiker Will Oldham, der mit alternativem Country die amerikanische Musik umbaut. Zu lesen ist außerdem die Erzählung "The Limner" von Julian Barnes und Lyrik von Richard Wilbur (hier und hier) und Liz Waldner.

Magazinrundschau vom 16.12.2008 - New Yorker

James Surowiecki wirft einen Blick in die Zukunft der amerikanischen Zeitungsbranche, die in den letzten vier Jahrzehnten prozentual rund die Hälfte ihrer Abonnenten eingebüßt hat. Es ergehe ihr durchaus wie den Eisenbahnen zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als "ein einst bedeutsamer Geschäftszweig von einer neuen Technologie in den Hintergrund gedrängt wurde. In einem berühmten Artikel aus dem Jahr 1960 mit dem Titel 'Kurzsichtigkeit im Marketing' führte Theodore Levitt die Eisenbahnen als exemplarisches Beispiel für die Unfähigkeit von Unternehmen an, sich wandelnden Verhältnissen anzupassen. Demnach hätte die zunehmende Konzentration auf Produkte statt auf Kunden die Eisenbahngesellschaften zu einer Verkennung ihres Kerngeschäfts geführt. Hätten sie realisiert, dass sie in der Transportbranche statt im Bahngeschäft sind, hätten sie sich auf Lastwagen- und Flugtransport verlegen können, statt dieses Feld anderen Unternehmen zu überlassen. Entsprechend argumentieren viele, dass wenn Zeitungen begriffen hätten, dass sie in der Informationsbranche und nicht im Druckgeschäft tätig sind, sie sich schneller und mit mehr Erfolg ans Internet angepasst hätten."

Weiteres: In einem denkbar unkomischen, autobiografischen Text erzählt die britische Schriftstellerin Zadie Smith, worüber bei ihr zu Hause gelacht wurde. Darryl Pickney bespricht eine Ausgabe der frühen Tagebücher von Susan Sontag "Reborn: Journals and Notebooks 1947-1963" (Farrar, Straus &Giroux). Peter Schjeldahl führt durch eine Ausstellung der südafrikanischen Künstlerin Marlene Dumas im MoMA. Und David Denby sah im Kino das Liebesdrama "Revolutionary Road" von Sam Mendes, den Thriller "Gran Torino" von Clint Eastwood und den diesjährigen Cannes-Gewinner "The Class" ("Entre les murs") von Laurent Cantet und Francois Begaudeau.

Zu lesen ist außerdem die Erzählung "Meeting with Enrique Lihn" von Roberto Bolano und Lyrik von Dan Chiasson, Arthur Vogelsang und Roger Angell.

Magazinrundschau vom 09.12.2008 - New Yorker

Unter der Überschrift "Risikofaktoren" analysiert George Packer die Lehren, die aus den Anschlägen von Mumbai zu ziehen seien: Ein Vermächtnis der Bush-Regierung besteht darin, dass Amerika nicht länger einfach irgendwo einrauschen und eine Lösung der Krise erzwingen kann. Die Antworten hat Pakistan größtenteils selbst in der Hand - und das ist am beängstigenden überhaupt." Denn welches Pakistan soll die Extremisten bekämpfen? "Die schwache Zivilregierung von Präsident Asif Zardari? Die heuchlerischen Sicherheitskräfte? Die Stammesführer entlang der afghanischen Grenze? Die riesige, überwiegend arme, tumultgestimmte Bevölkerung? Kernproblem ist doch, dass Pakistan in Wirklichkeit längst kein Land mehr ist, wenn es denn je eines wahr."

Weiteres: James Wood bespricht eine Sammlung der frühen Erzählungen von Richard Yates: "Revolutionary Road, The Easter Parade, Eleven Kinds of Loneliness" (Everyman?s Library). Antony Lane sah im Kino das Action-Drama "The Wrestler" von Darren Aronofsky mit Mickey Rourke als ehemaligem Wrestling-Star Randy Robinson, "The Reader", die Verfilmung von Bernhard Schlinks Roman "Der Vorleser" durch Stephen Daldry, und das Priesterdrama "Doubt" von John Patrick Shanley.

Zu lesen ist außerdem die Erzählung "The Woman of the House" von William Trevor und Lyrik von Michael Dickmann und Jonathan Aaron.

Magazinrundschau vom 25.11.2008 - New Yorker

Wie gut der Kritiker James Wood ist, kann gleich hier überprüft werden. Noch immer unangepasst sei der "öffentliche Snob" und "Riesenlump", als der er sich ihm schon 1994 bei einem Interviewtermin präsentiert habe, schreibt er in seiner Besprechung der "außergewöhnlichen" Biografie von Patrick French über den Literaturnobelpreisträger V.S. Naipaul. In "The World Is What It Is" könne man viel erfahren über die zwei Seiten des zwar erfolgreichen, aber "sozial erfolgreichen, aber vorsätzlich freundlosen" Autors: "Diese beiden Seiten könnte man den Verwunder und den Verwundeten nennen."

Entzugskliniken in Hollywood funktionieren etwas anders als Einrichtungen für gewöhnliche Sterbliche, beschreibt Amanda Fortini in ihrer herrlich new-yorkerischen Reportage über die Zunahme so genannter Luxus Rehabs wie etwa Wonderland. Dort dürften die Alkohol-, Drogen- und Medikamentenabhängigen Handys und Computer benutzen, Schauspieler Drehtermine wahrnehmen und Musiker auf Tour gehen. Viele Spezialisten halten eine solche Behandlung für falsch: ",Abhängige brauchen Frustration, Grenzen und Struktur. Sie müssen lernen, diese Dinge auszuhalten?, erklärt Dr. Drew Pinsky, Leiter des angesehenen Entzugsprogramms im Las Encinas Hospital in Pasadena. (...) Und John MacDougall, Leiter der psychologischen Beratungsstelle im Hazelden, sagte mir: "Hier geht keiner raus - außer zur Beerdigung eines nahen Verwandten. Wir verlangen, dass man 28 Tage bleibt. Also, ich kann mich nur an einen einzigen Ausnahmefall in meinen vierzehn Jahren hier erinnern, und der musste ein Übereinkommen bei den Vereinten Nationen vorstellen."

Weiteres: John Cassidy porträtiert den Chef der amerikanischen Notenbank Ben Bernanke, der sich für seinen Kampf, das amerikanische Finanzsystem vor dem endgültigen Kollaps zu bewahren, Radikalität verschrieben hat. Sasha Frere-Jones stellt den Musikproduzenten und DJ Steven Ellison alias Flying Lotus vor. Und David Denby sah im Kino Gus Van Sants Verfilmung der Lebensgeschichte des amerikanischen Politikers und Bürgerrechtlers der Schwulen- und Lesbenbewegung Harvey Milk "Milk" mit Sean Penn in der Hauptrolle und die Vampir-Romanze "Twilight" von Catherine Hardwicke. Zu lesen ist außerdem die Erzählung "In Other Rooms, Other Wonders" von Daniyal Mueenuddin und Lyrik von Clive James und Stanley Moss.

Magazinrundschau vom 18.11.2008 - New Yorker

Diese Ausgabe widmet sich schwerpunktmäßig dem Essen und Trinken. So beschäftigt sich Burkhard Bilger mit dem Trend zu ungewöhnlichen Biersorten. Er porträtiert Sam Calagione von der Brauerei Dogfish Head in Delaware, der schon mal Bier mit frischen Austern oder Moltebeeren braut und zum aromatisierenden Reifen ein Fass aus Palo-Santo-Holz baute (Werbeslogan: "Exzentrische Biere für exzentrische Leute"). "Amerika hatte schon immer viele merkwürdige Biere. 1873 gab es viertausend Brauereien im Land, die in Dutzenden Regionen und ethnischen Stilrichtungen arbeiteten. Allein Brooklyn hatte fast fünfzig. Bier war nicht nur eine Erfrischung, sondern galt als nahrhaft - 'ein wertvoller Gemüseersatz' - wie ein Mitglied der amerikanischen Gesundheitsbehörde während des Sezessionskriegs anmerkte. (...) Lange Zeit hielten sich amerikanische Brauer an das deutsche Vorbild: Alle großen Industriebrauereien wurden von Deutsch-Amerikanern gegründet. Doch Calagione und andere sind in letzter Zeit zur belgischen Seite übergelaufen - und dabei geblieben. ,Ich würde wahrscheinlich eingesperrt, geteert und gefedert, wenn ich in Berlin aus einem Flugzeug stiege?, erklärte mir Calagione. Ungewöhnliche Brauer haben das amerikanische Brauwesen zu einem der einflussreichsten der Welt gemacht. Aber auch eine Grundsatzfrage aufgeworfen: Wann hört ein Bier auf, ein Bier zu sein?"

Calvin Trillin verrät, wo es das beste texanische BBQ der Welt gibt. Und James Surowiecki erklärt, wie es zur aktuellen Lebensmittelkrise kam.

Weiteres: Peter J. Boyer beschreibt die "Anatomie einer Zwangsvollstreckung" in Ohio als Folge der Finanzkrise. John Lahr porträtiert den amerikanischen Bühnen- und Drehbuchautor David Rabe. Peter Schjeldahl berichtet von der New Orleans Biennale. Besprochen wird das neue Album von Pink, Anthony Lane sah im Kino die Liebeskomödie "Slumdog Millionaire" von Danny Boyle und "A Christmas Tale" ("Un conte de Noel") von Arnaud Desplechin. Zu lesen ist außerdem die Erzählung "Ghosts" von Edwidge Danticat und Lyrik von Rita Dove und Charles Simic.

Magazinrundschau vom 11.11.2008 - New Yorker

Als hellen (Hoffnungs?-)Mond lässt der New Yorker sein O auf der Titelseite über dem Lincoln Memorial in Washington strahlen - und widmet sich im Inneren ausführlich Barack Obamas Wahl zum Präsidenten. In seinem sehr langen Porträt Barack Obamas setzt David Remnick zwei Schwerpunkte, die sich ergänzen: Obamas Wahlkampf und das verzwickte Verhältnis, dass ein Teil der älteren, vom Kampf um die Bürgerrechte geprägte afroamerikanische Community zu ihm hat. Remnick zitiert Colin Powell, der positiv ausdrückt, was andere - wie Jesse Jackson oder Al Sharpton - gestört haben mag: "Der Unterschied liegt kurz gesagt in folgendem - und darauf habe ich in meiner ganzen Karriere als erster schwarzer Sicherheitsberater, als erster schwarzer Generalstabschef, als erster schwarzer Außenminister: Obama hat seinen Wahlkampf als Amerikaner geführt, der schwarz ist, nicht als schwarzer Amerikaner. Das ist ein Unterschied. Leute haben zu mir gesagt, 'meine Güte, es ist großartig, der schwarze Außenminister zu sein' und ich blinzelte und lachte und sagte, 'Ist hier ein weißer in Sicht? Ich bin der Verteidigungsminister, der zufällig schwarz ist.' Passen Sie auf, an welche Stelle Sie Ihre Beschreibung setzen, denn das macht den ganzen Unterschied aus."

Hendrik Hertzberg kann es immer noch nicht fassen: "In zehn Wochen wird ein Mensch Präsident der Vereinigten Staaten sein, dessen Vorname ein aus dem Arabischen abgeleitetes Suaheli-Wort ist (und 'Segen' bedeutet), dessen zweiter Vorname nicht nur der eines Enkels des Propheten Mohammed ist, sondern auch das ursprüngliche Zielobjekt eines noch andauernden amerikanischen Kriegs, und dessen Nachname sich perfekt auf 'Osama' reimt. Das ist kein Name, sondern eine Katastrophe, jedenfalls in der amerikanischen Politik. Oder sollte es zumindest gewesen sein."

Weiteres: James Wood erlebte bei Obamas Siegrede "eine sehr gute Nacht für die englische Sprache". Ryan Lizza beschreibt die Schlachtpläne und Strategien, die hinter Obamas Sieg stehen. David Grann beschäftigt sich mit dem Absturz von John McCain. Nick Paumgarten erklärt, wie Banker und Broker die Auswirkungen der Wahl auf die Entwicklungen in der Finanzwelt belauern. Und George Packer untersucht, inwiefern die aktuelle Finanzkrise Obama dabei helfen kann, die Demokraten neu zu definieren.

Besprechungen: Joan Acocella stellt eine Reihe neuer Publikationen zum Thema "overparenting" vor - ein neumodischer Begriff für ein Elternverhalten, das früher schlicht "verziehen" hieß. Peter Schjeldahl führt durch eine Ausstellung des Fotografen William Eggleston im Whitney Museum. Und Anthony Lane sah im Kino den neuen Bond "Ein Quantum Trost". Zu lesen ist schließlich die Erzählung "Lostronaut" von Jonathan Lethem und Lyrik von C.K. Williams und Robert Wrigley.

Magazinrundschau vom 14.10.2008 - New Yorker

Louis Menand bespricht eine Studie über das SMS-Schreiben: "Txtng: The Gr8 Db8" des Linguisten David Crystal. Seine gegen Kulturpessimisten gerichtete Kernthese: SMS-Schreiben sei "in Teilen ein Spiel. Es ist wie ein Sonett schreiben (na gut, so irgendwie): Die Anforderung besteht darin, die Botschaft festen formalen Auflagen anzupassen. So darf ein Sonett nicht mehr als vierzehn Zeilen haben, eine Handy-Nachricht nicht mehr als 140 Bytes, was gewöhnlich auf 160 Zeichen hinausläuft. Das ist eine Herausforderung, Einfallsreichtum zu zeigen, keine Einladung zur Anarchie."

Weiteres: Malcolm Gladwell untersucht unter der Überschrift "Spätzünder" zwei Typen von Kreativität und warum wir Genialität mit Frühreife gleichsetzen. Zu lesen ist außerdem die Erzählung "Sleep" von Roddy Doyle und Lyrik von Fred Seidel, Gary Snyder und Donald Hall.

Jeffrey Frank bespricht das erst jetzt in den USA erscheinende Romandebüt "Sehnsucht nach Sibirien" des norwegischen Schriftstellers Per Petterson. Und Anthony Lane sah im Kino Madonnas Regiedebüt "Filth and Wisdom", den Krimi ihres Mannes Guy Ritchie "Rockn'Rolla" und die Komödie "What Just Happened?" von Barry Levinson.

Magazinrundschau vom 07.10.2008 - New Yorker

Unter der Überschrift "Das Orakel" porträtiert Lauren Collins die einflussreiche Autorin und Bloggerin Arianna Huffington und ihre linksliberale Onlinezeitung The Huffington Post. "Der Comedy-Autor Billy Kimball meint: 'Sie hat diese Gabe europäischer Frauen, einem auf eine Weise zuzuhören, die einem das Gefühl gibt, faszinierend und töricht zugleich zu sein. Ein Mensch, der Sätze ergänzt und einen dazu bringt, ein wenig mehr zu sagen, als man eigentlich wollte.'"
(Gawker betitelte sein enttäuschtes Resümee des Artikels mit: "The Missing Dirt on Ariana Huffington".)

Weiteres: James Wood beschäftigt sich mit dem republikanischen Hasswort dieses Wahlkampfs: "Worte". Thomas Mallon bespricht das Buch "Looking for Lincoln: The Making of an American Icon " von Philip B. Kunhardt III, Peter W. Kunhardt und Peter W. Kunhardt, Jr. Alex Ross hörte die Berliner Philharmoniker mit Stockhausens "Gruppen" auf dem Flughafen Tempelhof. Und David Denby sah im Kino den Thriller "Body of Lies" von Ridley Scott und die Komödie "Happy-Go-Lucky" von Mike Leigh. Zu lesen ist die Erzählung "Gold Boy, Emerald Girl" von Yiyun Li und Lyrik von Bryan D. Dietrich, Albert Goldbarth und Spencer Reece.

Magazinrundschau vom 30.09.2008 - New Yorker

Volle 38 Seiten widmet das Magazin einer Auswahl jener Korrespondenz von Norman Mailer, in welcher der vergangenes Jahr verstorbene Schriftsteller und scharfe Kritiker der amerikanischen Politik mit selbiger in den Clinch geht. In der Auswahl, die sich von 1945 bis 2006 erstreckt, finden sich unter anderem Briefe an Familienmitglieder, Präsidentengattin Jackie Kennedy und den konservativen Autor und Journalisten William F. Buckley jr. Um diesen geht es auch in einem Schreiben von Dezember 1962 an den Herausgeber des Playboy: "Sehr geehrter Herr, ich wünschte, Sie hätten die Diskussion zwischen William Buckley und mir nicht als Aufeinandertreffen eines Konservativen und eines Liberalen angekündigt. Es ist mir egal, wenn man mich als Radikalen, Rebellen, Roten, Revolutionär, Außenseiter, Verbrecher, Bolschewik, Anarchist, Nihilist oder sogar als linken Konservativen bezeichnet, aber nennen Sie mich niemals einen Liberalen. Ihr Norman Mailer."

Weiteres: Sasha Frere-Jones analysiert, wie der Musikproduzent Timbaland die Regeln des Gewerbes verändert hat. Außerdem die Erzählung "The Idiot President" von Daniel Alarcon und Lyrik von Anne Carson und Rosanna Warren.

Adam Gopnik rezensiert die Biografie "John Stuart Mill: Victorian Firebrand" (Overlook) über den englischen Philosophen und Ökonomen. John Lahr stellt Inszenierungen der Mysterienspiele "Passion Play" und "Equus" von Sarah Ruhl und Peter Shaffer vor. Und Anthony Lane sah im Kino "Blindness" von Fernando Meirelles nach einem Roman von Jose Saramago und die "aggressive" Liebeskomödie "Rachel Getting Married" von Jonathan Demme.