
Als hellen (Hoffnungs?-)Mond lässt der New Yorker sein O auf der Titelseite über dem Lincoln Memorial in Washington strahlen - und widmet sich im Inneren ausführlich
Barack Obamas Wahl zum Präsidenten. In seinem
sehr langen Porträt Barack Obamas setzt David Remnick zwei Schwerpunkte, die sich ergänzen: Obamas Wahlkampf und das verzwickte Verhältnis, dass ein Teil der älteren, vom Kampf um die Bürgerrechte geprägte afroamerikanische Community zu ihm hat. Remnick zitiert
Colin Powell, der positiv ausdrückt, was andere - wie Jesse Jackson oder Al Sharpton - gestört haben mag: "Der Unterschied liegt kurz gesagt in folgendem - und darauf habe ich in meiner ganzen Karriere als erster schwarzer Sicherheitsberater, als erster schwarzer Generalstabschef, als erster schwarzer Außenminister: Obama hat seinen Wahlkampf als Amerikaner geführt, der schwarz ist, nicht als schwarzer Amerikaner. Das ist ein Unterschied. Leute haben zu mir gesagt, 'meine Güte, es ist großartig,
der schwarze Außenminister zu sein' und ich blinzelte und lachte und sagte, 'Ist hier ein weißer in Sicht? Ich bin der Verteidigungsminister, der
zufällig schwarz ist.' Passen Sie auf, an welche Stelle Sie Ihre Beschreibung setzen, denn das macht den ganzen Unterschied aus."
Hendrik Hertzberg kann es
immer noch nicht fassen: "In zehn Wochen wird ein Mensch Präsident der Vereinigten Staaten sein, dessen Vorname ein aus dem Arabischen abgeleitetes
Suaheli-Wort ist (und 'Segen' bedeutet), dessen zweiter Vorname nicht nur der eines Enkels des Propheten
Mohammed ist, sondern auch das ursprüngliche Zielobjekt eines noch andauernden amerikanischen Kriegs, und dessen Nachname sich perfekt auf 'Osama' reimt. Das ist kein Name, sondern eine
Katastrophe, jedenfalls in der amerikanischen Politik. Oder sollte es zumindest gewesen sein."
Weiteres: James Wood
erlebte bei Obamas Siegrede "eine sehr gute Nacht für die
englische Sprache". Ryan Lizza
beschreibt die Schlachtpläne und
Strategien, die hinter Obamas Sieg stehen. David Grann
beschäftigt sich mit dem
Absturz von
John McCain. Nick Paumgarten
erklärt, wie
Banker und
Broker die Auswirkungen der Wahl auf die Entwicklungen in der Finanzwelt belauern. Und George Packer
untersucht, inwiefern die aktuelle Finanzkrise
Obama dabei helfen kann, die
Demokraten neu zu definieren.
Besprechungen: Joan Acocella
stellt eine Reihe neuer Publikationen zum Thema "
overparenting" vor - ein neumodischer Begriff für ein Elternverhalten, das früher schlicht "
verziehen" hieß. Peter Schjeldahl
führt durch eine Ausstellung des Fotografen
William Eggleston im
Whitney Museum. Und Anthony Lane
sah im Kino den neuen
Bond "Ein Quantum Trost". Zu lesen ist schließlich die
Erzählung "Lostronaut" von
Jonathan Lethem und Lyrik von
C.K. Williams und
Robert Wrigley.