
David Remnick
beschreibt die schwierige Situation eines der letzten kritischen Medien in Russland: der Radiostation
Ekho Moskvy und seines Chefredakteurs
Aleksei Venediktov. 2001 lud Putin Venediktov zu einem Treffen in der Kreml-Bibliothek ein. Ihn gleichzeitig umarmend und warnend sprach Putin lange über den Unterschied zwischen
Feinden und
Verrätern. 'Das ist ein wichtiger Unterschied für Putin', sagte Venediktov. 'Er sagte, >Feinde stehen direkt vor dir, du liegst im Krieg mit ihnen, dann vereinbart ihr einen Waffenstillstand und alles ist klar. Ein Verräter muss zerstört werden,
zerschmettert.< Das ist seine Philosophie von der Welt. Und dann sagte er: >Weißt du, Aleksei, du bist kein Verräter, du bist ein Feind.<' Ich stellte Venediktov die wahrscheinlich dumme Frage, ob
Putin gelächelt habe, als er dies sagte. 'Gelächelt?' sagte Venediktov. 'Putin lächelt nie. Er hat nur klargemacht, in welchem Sinne ich für ihn existiere.'"
In einem Brief aus
Alaska beschreibt Philip Gourevitch diese "sonderbare politische Landschaft" und porträtiert deren Gouverneurin und republikanische Vize-Präsidentschaftskandidatin
Sarah Palin, die dort politisch groß wurde. "Alaska wird wegen seines kollektiven Ressourcenbesitzes manchmal als
der sozialistische Staat von Amerika bezeichnet - eine Regelung, die es ermöglicht,
Dividenden aus den Öllizenzen des Staates an seine festen Bewohner auszuschütten. Palin hatte das Glück, den Staat in einer Zeit von Rekordölpreisen zu regieren, was bedeutete, Dividendenschecks ausstellen zu können: 2000 Dollar für jeden Bürger von Alaska. Und weil hohe Ölpreise an einem so
kalten Ort auch schwindelerregende Heizkostenrechungen bedeuten - und es politisch immer gut ankommt,
Wählern Geld zu schenken - brachte Palin das Parlament dazu, jedem Mann, jeder Frau und jedem Kind in Alaska zusätzlich einen Scheck über 1200 Dollar zu schicken."
Ergänzend dazu
wundert sich Steve Coll über zwei seltsam
anbiedernde Medieninterviews mit Palin, hofft aber zugleich, dass Journalisten sie in den verbleibenden 45 Tagen bis zur Wahl vielleicht doch noch "in vollem Umfang
politisch überprüfen, was
McCain ja nicht getan hat". Zu lesen ist außerdem die
Erzählung "The Noble Truths of Suffering" von Aleksandar Hemon und
Lyrik von
Marilyn Hacker sowie zwei Gedichte von
Bob Dylan (
hier und
hier).
Weiteres: "Überragend und wichtig"
findet Jill Lepore "The Hemingses of Monticello: An American Family" (Norton) von Annette Gordon-Reed, die Geschichte einer
Sklavenfamilie, welche dem dritten Präsidenten der Vereinigten Staaten,
Thomas Jefferson, gehörte, einem der größten Sklavenhalter in Virginia. Peter Schjeldahl
führt durch eine Ausstellung mit Stilleben von
Giorgio Morandi im
Metropolitan Museum of Art. Und Anthony Lane
sah im Kino die Komödie
"The Women" von Diane English und den Thriller
"Lakeview Terrace" von Neil LaBute.