
25.000 Seiten Briefe haben
Georgia O'
Keefe und
Alfred Stieglitz sich zwischen 1915 und 1946 geschrieben. Eine zeitlang waren sie Eheleute in einer offenen Ehe, was in diesem Fall offenbar darauf hinauslief, dass der 24 Jahre ältere Stieglitz seine Frau gerne mit
jüngeren Frauen in abhängiger Position betrog. Das hat sie zwar sehr verletzt, aber sie am Ende auch unabhängig gemacht,
meint Christopher Benfey: "Es ist leicht, Stieglitz als gleichgültigen Ehemann anzuklagen. Er tat nur wenig, sein Verhalten zu rechtfertigen. Aber seine Offenheit machte es für O'Keefe einfacher, sich selbst zu erfinden. In diesem Sinne befreite er sie, wie schmerzhaft und grausam auch immer. 'Ich bin dir für alles dankbar', schrieb sie 1929 und fügte hinzu, dass ihre Erfahrung mit ihm es anderen Menschen 'sehr schwer' gemacht hätte, 'mich an irgendeinem Punkt zu berühren, der mich
verletzen könnte'. Er habe ihr Herz genommen, erklärte sie ihm, 'und es mir zur gleichen Zeit in einer gebrauchsfähigen Form zurückgegeben'. Im Westen, wohin ihr Stieglitz taktvoller Weise niemals folgte, lernte O'Keefe, die Autos zu fahren, die er hasste. Sie erreichte etwas, das die Kunsthistorikerin Anne Middleton Wagner so beschrieb: eine zweckdienliche Neuerfindung als O'Keefe, die
resolute Wüstenälteste, ein offenbar unbezwinglicher Charakter, der sich jenseits von Trivialitäten wie
Alter und Sex bewegte."
Yasmine El Rashidi gibt einen
Überblick über die nicht unkomplizierte politische Lage in
Ägypten: die liberalen Kräfte, die einen säkularen Staat versprechen, schaffen es nicht, sich gegen die religiösen Kräfte durchzusetzen, die niedrige Brotpreise versprechen. Die
Muslimbrüder wiederum drohen inzwischen Wähler an die
von den Saudis finanzierten, fundamentalistischen
Salafisten zu verlieren: "Die Muslimbrüder boykottierten den 'Tag des Zorns' am 27. Mai und die 'Zweite Revolution', was Millionen von Menschen verärgerte, die daran teilnahmen. In den letzten Monaten
änderten die Führer der Muslimbrüder wieder und wieder ihre Meinung zu verschiedenen Fragen - etwa zum Status der Kopten und zu ihrem Endziel eines islamischen Staates - was ihnen den Ruf einbrachte, 'nie die ganze Wahrheit zu sprechen', wie ich oft hörte. Bei der Unterhaltung mit Wählern in armen Bezirken während der Wahlen am 28./29. November hörte ich wiederholt: 'Den Muslimbrüdern kann man nicht voll vertrauen, sie halten ihr Wort nicht. Die Salafisten sind
rein.'"
Außerdem: Joshua Hammer
erkundet Libyen nach der Befreiung von Gaddafi und lässt sich erklären, warum es von allen arabischen Ländern die
größte Chance hat, eine prosperierende Demokratie zu werden: "Es hat eine kleine, ziemlich gebildete Bevölkerung, hunderte von Meilen Küste und große Ölreserven." Sue Halpern
mag weder Walter Isaacsons
Steve-
Jobs-
Biografie (zu hagiogafisch) noch Steve Jobs, den sie für einen besonders skrupellosen, ausbeuterischen, die Umwelt schändenden Mistkerl hält. Und Colin Thubron
bespricht Simon Sebag Montefiores Jerusalem-
Biografie.