Magazinrundschau - Archiv

New York Magazine

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Magazinrundschau vom 09.05.2014 - New York Magazine

Was geschah wirklich bei dem Anschlag auf die US-Vertretung in Bengasi, dem der Botschafter Christopher Stevens zum Opfer fiel? Und wie wurde darüber berichtet? Joe Hagan untersucht dies am Beispiel Lara Logan. Die CBS-Reporterin befindet sich im vorläufigen Ruhestand, seit sie im Oktober 2013 einen gefaketen Bericht über den Anschlag für die Sendung 60 Minutes nutzte. Hagan erklärt die politischen Implikationen des Skandals: "Logan suchte nach einem neuen Blickwinkel auf den Fall Bengasi, als der ehemalige Waffenschieber Dylan Davies Logan die emotional aufgeladene Geschichte erzählte, wie er dem Anschlag beigewohnt hatte. Die Story passte gut in das Schema, das die politische Rechte seit Monaten versuchte gegen ein für die Gefahr von Al-Qaida blindes Außenministerium in Stellung zu bringen. Bald stellte sich jedoch heraus, dass der Bericht von Davies fast vollständig erfunden worden war, um sein Buch zu verkaufen. Für eine Sendung wie 60 Minutes konnte so etwas das Ende bedeuten."

Außerdem: Fotograf Norman Jean Roy beweist in einer Fotostrecke, dass immer noch große Damen in New York leben: sieben wenigstens.

Magazinrundschau vom 11.04.2014 - New York Magazine

In der Cover Story des New York Magazins untersucht Jonathan Chait, wie sich die Ethnien-Frage während Obamas Präsidentschaft entwickelt hat. Von Harmonie, wie Optimisten prognostiziert haben, kann keine Rede sein: "Ethnische Fragen sind zum Hauptkümmernis geworden, Teil eines Verfolgungsnarrativs, das alle Seiten benutzen, um sich die Welt zu erklären. Liberale verharren in der Paranoia eines weißen Rassismus, den sie überall vermuten. Konservative verharren in ihrer eigenen Paranoia, in der Rassismus die Keule ist, die ihre Kernwerte bedroht. Das Schlimme ist, beide Formen der Paranoia sind begründet. Wollte man eine Geschichte der Obama-Ära schreiben, dürften ethnische Fragen eigentlich keine Rolle spielen. Alle Präsidentschaften von Truman bis Clinton hatten ethnische Brandherde zu bekämpfen. Kämpfe um die Aufhebung der Rassentrennung beim Militär und in Schulen, Proteste gegen die Zivilrechte etc. Unter Obama sieht es eher aus wie während des New Deal, als es um den Geltungsbereich der Regierung ging. Eine ethnische Agenda existiert quasi nicht. Wollte man indessen eine Sozialgeschichte der Obama-Ära schreiben, würde man feststellen, dass ethnische Fragen einfach jedes Thema durchdrungen haben wie nie zuvor: Schulden, Gesundheit, Arbeitslosigkeit … Kaum ein Tag ohne den Vorwurf der ethnischen Über- oder Untersensibilität. Wo es bei Bush um Außenpolitik und kulturelle Grabenkämpfe über die Frage ging, wer das wahre Amerika erschaffen hat, sind die Obama-Jahre von einer bitteren Kontroverse über die Vergrößerung des Staats- und Regierungsapparats und ihre Nutznießer geprägt. Eine Diskussion, in der es immer auch um die Sympathie für oder die Vorurteile gegen das Afroamerikanische geht."

Magazinrundschau vom 04.04.2014 - New York Magazine

Das New York Magazin feiert 100 Jahre Popmusik in New York. In der Coverstory fragt Jody Rosen, ob es so etwas wie einen typischen Sound der Stadt gibt: "Hier wurde aus Folk Pop und dann wiederum Folk. 1886 starteten die Teenager Isidore, Julius und Jay Witmark ihren Musikverlag aus einer Ladenzeile in der West 40th Street, der Beginn des modernen Popsong-Geschäfts … Der Straßenhändlerstil war charakteristisch für das Geschäft mit Populärmusik damals in New York. Später wurde Boston zu einem Hauptort. Die Musikverleger dort waren europhil und viktorianisch mit einem Hang zur Wiener Operette. In New York ging es weniger hochfahrend zu - frech, grell, zeitgemäß und ohne Scheu vor dem Markt. Diese Musik wurde wie Schuhe oder Duschvorhänge angeboten und verkauft. In anderen Worten: New York City Music."

Zum Artikel gibt es eine Karte mit den Orten in New York, an denen Popmusikgeschichte geschrieben wurde, vom Bamville Club bis zum Studio 54. Außerdem eine umfangreiche Slideshow mit Fotos und Texten über die Protagonisten, von Irving Berlin und den Gershwins über Patti Smith, Bob Dylan und Madonna bis Lady Gaga.

Magazinrundschau vom 21.03.2014 - New York Magazine

In imposanter Länge untersucht Andrew Rice im New York Magazine die Umstrukturierungen bei Sotheby"s, nach Pinaults Christie"s das größte Auktionshaus der Welt und laut Rice in recht wackeliger Position, seit Chefauktionator Tobias Meyer vergangenes Jahr ausschied. Ursache scheint der Mehrheitsaktionär bei Sotheby"s, der Investor Daniel Loeb zu sein, der die altehrwürdige Firma fleißig abzuspecken versucht, um die Aktionäre glücklich zu machen, zu denen er ja selber zählt. "Wie ein Außenstehender fragt er etwa recht frech, wieso die Firma sich immer wieder von Verkäufern um die eigentlich fixe Kommission bringen lässt. Anstatt Vergünstigungen zu gewähren, um an große Werke zu gelangen, sollte Sotheby"s lieber wie ein cleverer Sammler agieren oder wie eine Kunsthändler-Bank, die Beratung und Finanzierung anbietet. Loeb möchte, dass stärker direkt in die Kunst investiert wird … In diese Richtung geht es bereits. Im Januar hat Sotheby"s angekündigt, seine Finanzdienstleistungen um 450 Millionen Dollar zu erweitern. Das soll der Firma erlauben, ihre Rolle als einer der ersten Adressen im Geldmarkt für große Händler und Sammler auszubauen. Der Kunstsammler Peter Brant und Jeff Koons haben bereits von Sotheby"s-Krediten Gebrauch gemacht, Letzterer, indem er eigene Arbeiten verpfändete." Das wiederum scheint gar nicht so neu. Martin Kippenberger, den auch Daniel Loeb sammelt, vermachte bekanntlich der Paris Bar Bilder und erhielt dafür lebenslang freie Kost.

Außerdem in der Ausgabe: Kevin Roose überlegt, ob San Francisco das neue New York ist (was die Mieten angeht, schon). Und Carl Swanson spricht mit Charlotte Gainsbourg über ihre Arbeit mit Lars von Trier.

Magazinrundschau vom 07.03.2014 - New York Magazine

Nach seinen jüngsten Scharmützeln mit Reportern, die ihm den Vorwurf der Homophobie eingetragen hatten, kündigt Alec Baldwin seine Hassliebe zur Presse auf und verabschiedet sich aus der Öffentlichkeit - öffentlich natürlich. In der Coverstory spielt der Schauspieler jetzt beleidigte Leberwurst und erklärt, dass New York leider nicht mehr seine Auster sei, sondern, so wie der Rest der Welt, ein einziger schlechter Film auf deinem Smartphone: "Als Schauspieler hat man vor einer Kamera das instinktive Bedürfnis zu spielen, einen dramatischen Moment zu erschaffen. Das ist fatal, wenn jeder dauernd eine Kamera auf dich richtet. So werden vor allem deine Fehler millionenfach und bis in alle Ewigkeit reproduziert, denn du wirst immer nur an deinem miesesten Tag gemessen … Was die Presse betrifft, sind liberale und konservative Medien in dieser Hinsicht gleich … Alle sind über die Maßen voreingenommen und nur darauf aus, dich in einem falschen Moment zu erwischen. Unsere Herzen, das politische Leben werden nurmehr noch von Hass angetrieben. Wir sind die Hass AG." Good-bye, poor Mr. Baldwin. Und sicherlich bis bald.

Joe Coscarelli berichtet von einem echt "Do the right thing"-mäßigen Ausbruch Spike Lees gegen weiße Hipster, die ihm sein Harlem kaputt, nein entschuldigung: sauber und ordentlich machen: "Das ist das beschissene Christopher-Kolumbus-Syndom. Ihr könnt nichts entdecken! Wir waren schon hier. Ihr könnt es euch nicht einfach unter den Nagel reißen. Die Brüder hier spielen ihre Scheiß-Drums in Mount Morris seit vierzig Jahren und jetzt dürfen sie das nicht mehr, weil es den neuen Bewohner zu laut ist. Mein Vater ist ein großer Jazzmusiker. Scheiße, er kaufte 1968 sein Haus und die Scheißleute, die letztes Jahr einzogen, riefen wegen meines Vaters die Polizei. Dabei spielt er nicht mal elektrischen Bass, er spielt akustisch! Verdammte Hacke, wir haben das beschissene Haus 1968 gekauft und Ihr ruft die Cops? 2013? Raus hier!"

Magazinrundschau vom 31.01.2014 - New York Magazine

Er nennt sich selbst das "größte lebende Vorbild und den prominentesten Menschenfreund Chinas". Jessica Pressler trifft den Mann, der die New York Times kaufen will, den Recyclingkönig und Möchtergernmedientycoon Chen Guangbiao. Bei der Times ist man nicht froh. Schließlich ist bekannt, dass China sich eine "gute Presse", gern einfach erkauft, in Afrika etwa. In so einer Zeitung steht dann nichts mehr über Tiananmen oder Tibet, und die Staatsgeschäfte blühen, meldet die für Pressefreiheit streitende NGO Freedom House. Doch sind das wirklich Chens Absichten? "Sein wahres Ziel könnte sein, Aufmerksamkeit zu erregen und gegen die in China seit 1999 verbotene Falun Gong Bewegung zu agitieren, die in den USA viele Anhänger hat … Auch, wenn er das nicht erreichen wird, die Aufmerksamkeit hat er schon." Was hiermit bewiesen wäre.

Die Cover Story widmet sich dem Versuch einer feindlichen Übernahme. Offenbar ist New Yorks Fauna um einen Vertreter einer besonders robusten Spezies reicher. Periplaneta japonica, die japanische Kakerlake hat es geschafft, den Pazifik zu überqueren, und sie ist winterhart. Laut Lee Siegel womöglich der Beginn einer wunderbaren neuen Beziehung für die New Yorker.

Magazinrundschau vom 16.12.2013 - New York Magazine

Dan P. Lee begleitet den britischen Künstler und Filmemacher Steve McQueen bei der Werbekampagne für sein Sklavereidrama "12 Years a Slave" durch Los Angeles. Auch wenn McQueen, der 1999 mit dem renommierten Turner Prize ausgezeichnet wurde, in Hollywood vieles fremd ist, beteiligt er sich doch mit Eifer daran, seinen Film für die Oscars zu promoten, beobachtet Lee: "Darin wird wohl McQueens Herkunft aus der Arbeiterklasse deutlich. 'Wenn mir jemand einen Preis verleihen will', verriet er mir über den Turner, 'dann nehme ich ihn an.' Er glaubt nicht an das Außenseitertum in der Kunst. 'Es gibt nur Innen. Auch wenn du sagst, dass du draußen bist, bist du eigentlich drin. Was kann man also innerhalb dieser Gegenbenheiten tun, um sie zu seinem Vorteil zu nutzen?'"

Magazinrundschau vom 19.11.2013 - New York Magazine

Kathryn Schulz gesteht ihre absolut verstörende Abhängigkeit von dem kleinen blauen Vogel. Wie schafft Twitter es nur, dass man derart süchtig wird nach diesen Kurznachrichten? Gerade für Schriftsteller ist die Gefahr ihrer Ansicht nach besonders hoch. "Twitter ist eben auch eine literarische Ausdrucksform, was in Ansätzen erklärt, warum ich es so verführerisch finde. Ein Tweet ist im Grunde ein Genre, bei dem man eine Information auf interessante Weise mitteilen will und dabei dessen Bedingungen einhalten (jene berühmten 140 Zeichen) und die sonderbare Geheimsprache benutzen muss (@, RT, MT, HT). Auf Leute, die diese Art von Herausforderung lieben - und es ist offenkundig, warum besonders viele Schriftsteller dazu gehören - übt Twitter denselben Reiz aus wie Spielen. Im Prinzip ist es Sentences With Friends."

Für die Titelgeschichte gewährt Taylor Swift dem Reporter Jody Rosen Zugang zu ihrem "Shabby-Chic Alice in Wonderland"- Reich in Nashville. Dort ergründet er das Mysterium, wie eine heute 23-Jährige, die gerne über unglückliche Highschool-Liebe singt, zum berühmtesten Popstar der Welt werden konnte. Ein Grund ist, dass sie Millionen junger Frauen als Projektionsfläche dient: "Eine Erklärung für Swifts enorme Popularität mag ihr Festhalten an der Rolle des unbeliebten Mädchens sein - 36,7 Million Twitter-Follower seien mal dahingestellt. Andere Diven verkörpern Unverwundbarkeit und schreiten wie Superheldinnen mit Kampfstiefeln durch ihre Videos. Swift entwirft ein anderes Image. (...) Im wahren Leben ist Swift zweifelsfrei der 'Cheerleader-Kapitän' - blond, langbeinig, selbstsicher, talentiert und, oh ja, weltberühmt. Aber in ihren Liedern wird sie zu einer Anderen: Der zweiten Geige, dem Mauerblümchen, der Außenseiterin."

Hier singt sie "I Knew You Were Trouble" bei den Brit Awards 2013:


Magazinrundschau vom 12.11.2013 - New York Magazine

Benjamin Wallace geht in einer langen Reportage dem Unfalltod des Journalisten Michael Hastings nach, der von vielen Verschwörungstheorien begleitet war. Doch Wallace legt nahe, dass Hastings nicht dunklen Mächten wie NSA, FBI und Pentagon zum Opfer gefallen ist, sondern sich selbst: Der Mann muss eine ziemliche Nervensäge gewesen sein. Sein großer Scoop, der Sturz des Afghanistan-Generals Stanley McChrystal, bestand darin, dass er in einer Reportage für den Rolling Stone verriet, wie der betrunkene McChrystal über seine Chefs in Washington lästerte. Er vermarktete den Tod seiner Freundin in Bagdad, beschimpfte KollegInnen wüst und berichtete mit Vorliebe von unter drei geführten Gesprächen: "Hastings pflegte seinen schlechten Ruf. Als er den Sprecher des State Departments Phillipe Reines per E-Mail fragte 'Warum geben Sie zur Abwechslung nicht mal eine Antwort, die kein verdammter Mist ist?', konterte Reines, dass eine Anfrage beim Pentagon ergeben habe, dass Hastings 'ein Arschloch auf ganzer Linie' sei und ihn mal kreuzweise könne. Hastings bestand darauf, dass BuzzFeed die E-Mails veröffentlichte. Er dokumentierte auch online, wie er mit Rahm Emanuel aneinandergeriet. Und einen Tag später nannte er Barbara Starr von CNN 'ein Sprachrohr des Pentagons'. Später würde Hastings behaupten, dass er von anderen Journalisten so schlecht behandelt werde wie Lindsay Lohan, doch das halbe Dutzend Reporter, mit denen ich mich unterhalten habe, sprach voller Zuneigung über Hastings. 'In Wahrheit stürzte er sich auf etwas, das wir alle gern tun würden, aber nicht können', sagt einer. 'Wenn jemand plötzlich verkündet, dass er sich nicht an die Regeln halten wird, berührt er einen wunden Punkt, aber er bekommt auch Respekt.'"

Weiteres: Angesichts der immer restriktiveren Abtreibungsregeln in den USA versammelt Meaghan Winter 26 Geschichten von Frauen, die abgetrieben haben. Rich Cohen trifft Simone Levitt, die mittlerweile ruinierte Witwe des einst mächtigen Immobilien-Tycoons und Erfinders von Surburbia, Bill Levitt.

Magazinrundschau vom 03.09.2013 - New York Magazine

Nach dem 11. September 2001 installierte die New Yorker Polizei einen eigenen Geheimdienst, um die Muslime der Stadt zu beobachten, wie die Journalisten Matt Apuzzo und Adam Goldman herausgefunden haben. In einem Auszug aus ihrem morgen in den USA erscheinenden Buch "Enemies Within" berichten sie, wie sich NYPD-Chef Ray Kelly mit CIA-Agent Larry Sanchez nach dem Anschlag vom 11. September zusammensetzten und überlegten, wie man die fünf Viertel New Yorks beobachten könnte, in denen vor allem Menschen aus dem Nahen Osten und Südasien lebten: "Die Hauptidee von Cohen und Sanchez war, dass die Dinge anders sein könnten, wenn die NYPD ihre eigenen Augen und Ohren in den ethnischen Communities der fünf Viertel hätte. Sie mussten in den Buchläden sein, um den Terroristen mit seinem neuen Bart zu entdecken, oder in den Restaurants, um Freunde über Amerika herziehen zu hören. Wenn Detektive muslimische Studentengruppen infiltrieren würden, dann könnten sie vielleicht junge Männer identifizieren, die von embryonischem Fanatismus schäumten. Schließlich wären Muhammed Atta und seine Mittäter deutlich sichtbar gewesen, hätte nur jemand hingesehen. Es gab im amerikanischen Strafverfolgungssystem nichts vergleichbares. Und natürlich war das Verhalten, das sie beobachten wollten, nicht nur bei den Attentätern vom 11. September üblich, sondern bei einer großen Anzahl unschuldiger Menschen. Die meisten Cafébesucher, Mitglieder eines Fitnessclubs und Kneipengänger waren keine Terroristen. Die meisten strenggläubigen Muslime waren es auch nicht. Um die wenigen zu fangen, musste die NYPD viele ausspionieren."