Magazinrundschau - Archiv

New York Magazine

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Magazinrundschau vom 18.11.2014 - New York Magazine

Adam Sternbergh prophezeit die baldige Ablösung der gesprochenen und geschriebenen Sprache durch knubbelige Bildschriftzeichen, die Emoji: "Auf den ersten Blick sind sie albern, leicht zu unterschätzen. Eine kleine Zeichentrick-Armee aus Gesichtern, Fahrzeugen, Flaggen, Symbolen, die die ewige Vorherrschaft der Worte attackiert. Emoji sind gemacht, um Worte in digitalen Nachrichten zu illustrieren oder auch zu ersetzen. Sie sehen aus wie das elektronische Gegenstück zu den Aufklebern, mit denen Zehnjährige früher ihre Schulhefter verzierten. Und doch sind sie auf jedem Smartphone verfügbar, genau wie eine richtige Sprache. Auf dem iPhone findet man die Emoji-Tastatur zwischen Niederländisch und Estnisch… In der Dehnbarkeit der Bedeutung liegt ihre Stärke. Sie haben sich dort bewährt, wo es um Gefühle geht und geschriebene Sprache oft plump und problematisch ist, vor allem auf kleinen Bildschirmen und Tastaturen, in Echtzeit. Diese infantil wirkenden Cartoons haben einen großen Wiedererkennungswert und sind verständlich, selbst über sprachliche Barrieren hinweg, auch wenn ihre Bedeutungen sich ständig verändern."
Stichwörter: Cartoons, Emoji, Iphone, Smartphones, Emojis

Magazinrundschau vom 04.11.2014 - New York Magazine

Im neuen Heft des Magazins stellt Andrew Rice uns die Pläne des eBay-Gründers Pierre Omidyar vor. Zusammen mit Glenn Greenwald, Laura Poitras und Jeremy Scahill von "The Nation" bastelt der philanthropische Internet-Milliardär an einer journalistischen Offensive. Erstes Projekt von Omidyars Firma First Look Media ist die Plattform The Intercept. Angepeilt ist ein "strukturell anderer Journalismus" (Greenwald): "Es soll ein bisschen wie WikiLeaks sein, aber mit gutbezahlten Journalisten und jeder Menge Geld aus Silicon Valley. Ziel ist die Vereinigung von streitbarer Ideologie mit Verlagstechnik, Kryptografie und aggressivem Rechtsbeistand. The Intercept ist Verwalter von Edward Snowdens riesigem Archiv geheimer Dokumente und durchwühlt es nach Geschichten, die es auch mit anderen Journalisten teilen will. Geplant ist ein sicherer "Leseraum" im Hauptquartier in der Fifth Avenue. The Intercept ermutigt andere aus der Welt der Geheimdienste, Material über ein verschlüsseltes System namens SecureDrop zu leaken. Zwischen den Scoops bringt das Portal ätzende Kritik an Obamas Sicherheitspolitik." Leider scheinen innere Konflikte First Look Media und seine Projekte zu gefährden, bevor es richtig losgeht, wie eine Inside-Story auf Intercept zeigt. Silicon Valleys Unternehmertum und unabhängiger Journalismus sind offenbar kein ideales Paar.

Weitere Artikel: Jon Stewart erzählt im Interview, wie er seinen ersten Film in Amman gedreht hat, mit Gael García Bernal als iranischem Gefangenen und Kim Bodnia als seinem Vernehmer: "Mein Job während des ganzen Films bestand darin, Kim davon abzuhalten, Gael wirklich weh zu tun. Mein Credo während der ganzen Sache war: Niemand stirbt. Wir machen einen Film über eine Sache, die schlimm ist, aber wir tun die schlimme Sache nicht." Es geht aber auch noch um viel ernstere Dinge wie Comedy und Politik. Hübsch auch die Fotostrecke im Magazin mit den extravagantesten Juwelen der Saison. Im Bild: eine Halskette von Cartier, 18 Karat Weißgold, mit 1.606 rundgeschliffenen Diamanten, drapiert auf einen Kraken.

Magazinrundschau vom 07.10.2014 - New York Magazine

Im neuen Heft des Magazins erklärt Benjamin Wallace-Wells, warum Drohnen die neuen Smartphones sein könnten: "Technologisch sind sie anders als alles, was wir bisher kannten. Sie ermöglichen die Eroberung des Raumes, die Ausweitung unseres Kompasses, den allwissenden Blick von ganz oben. Das kann beängstigend sein, aber auch faszinierend. Steuerst du eine Drohne mit einer Kamera dran, ist das Gefühl nicht Distanz, sondern Ausdehnung. Die Drohne verändert die Perspektive, sie vermittelt Macht …Sie kann autoritärer Herrschaft dienen, aber zugleich ein demokratisierendes Mittel sein, das nicht nur den Verfügungsbereich des Staates erweitert, sondern auch den des Einzelnen." Der Mensch mit quasi übermenschlichen Fähigkeiten also. Ob das wirklich so großartig ist, sei dahingestellt. Der Autor berichtet von aufgeschreckten Hochhausbewohnern, die sich von frei flottierenden Drohnen belästigt fühlen.

Außerdem porträtiert Gabriel Sherman den CNN-Chef Jeff Zucker als Spezialisten für Achterbahnfahrten.
Stichwörter: CNN, Drohnen, Smartphones

Magazinrundschau vom 11.09.2014 - New York Magazine

Im neuen Heft des Magazins stellt uns Lisa Miller Amerikas bestbezahlte CEO vor. Das wirklich Aufregende an Martine Rothblatt von "United Therapeutics", einer Pharmafirma, ist für Miller allerdings nicht ihr Einkommen (schlappe 38 Millionen), sondern der Umstand, dass Rothblatt als Mann geboren wurde. Noch spannender ist nur die von Rothblatt ins Leben gerufene Terasem Bewegung, eine transhumanistische Denkschule mit den hehren Zielen Glück, Vielfalt und Unsterblichkeit, letztere ermöglicht durch Techniken, wie "mind uploading": "Terasem hat eine wissenschaftliche Mission. Die einzige Vollzeitkraft bei Terasem, Bruce Duncan, hat die Aufgabe, den AI Roboter, den Martine 2010 bei Hanson Robotics bestellt hat und der ihrer Ehefrau Bina gleicht, zu erziehen. Bina48, wie der Roboter heißt, ist der absolut nicht überzeugende Beweis für Martines Fantasien zur Unsterblichkeit. Die Büste aus einem hautartigen Synthetikmaterial "enthält" 20 Stunden Interviews mit der echten Bina zu bevorzugten Filmen und Songs und ist so programmiert, dass sie Binas verbale Tics nachmacht. Im Fall des Ablebens der echten Bina haben Martine und die gemeinsamen Kinder immer noch Bina48."

Außerdem: Katie Zavadsky besucht die Frauen des Islamischen Staats, die fleißig twittern (was sonst). Und David Edelstein entdeckt den Punk in der Verfilmung von Charlotte Roches "Feuchtgebiete" (echt wahr).

Magazinrundschau vom 26.08.2014 - New York Magazine

In der neuen Ausgabe des Magazins schildert Gabriel Sherman die Schwierigkeiten von Amerikas ältestem Medienunternehmen, dem zu Time Warner gehörenden Zeitschriftenverlag Time Inc., sich neu zu definieren. Heftiges Rotieren in der Chefetage scheint keine Lösung zu sein, wie der Artikel nahelegt. Stattdessen geht es um das Ankommen im digitalen Zeitalter. Das Selbstverständnis als Verlag wird dabei wohl auf der Strecke bleiben. Mitarbeiter kommen sich schon vor wie bei einem Start-up: "Website-Relaunches bieten klarere Navigation und einfacher zu handhabende Publishing-Tools und Applikationen, wie "OneBot", das Redakteuren erlaubt, die Nutzung ihrer Inhalte im Netz zu verfolgen … Aber wird das reichen, um die heftigen Einbußen bei der Printwerbung und im Absatz zu kompensieren? Die Einnahmen bei der Onlinewerbung sind zwar um zwölf Prozent (auf 74 Millionen Dollar) gestiegen, aber das ist wenig für ein Unternehmen, das insgesamt Erträge von rund 3,4 Milliarden erwirtschaftet und jährlich rund 50 Millionen Dollar Zinsen zahlen dürfte. Selbst wenn alle Strategien von Time Inc. in Sachen Video, Apps und Beratung zünden, ist es schwer zu glauben, dass sie den Profit erbringen, den die Aktionäre von der Firma erwarten."

Magazinrundschau vom 12.08.2014 - New York Magazine

Im neuen Heft des New York Magazins fragt Kevin Roose, wann die Techies im Silicon Valley angefangen haben, ihre Produkte wie Kindergarten-Erzieher anzupreisen. Nach Steve Jobs" "Magie" bestimmen jetzt Begriffe, wie "Entzücken" oder "Wonne" die Werbung: "In unserer Markenwelt ist Silicon Valley zwar keine Ausnahme, aber die Semantik der Technik ist bedeutungsvoller, weil sie bestimmt, welche Innovationen belohnt und finanziert werden. Begriffe, wie "funktional" und "kompatibel" waren in den frühen Tagen des Valleys wichtig, als die Ingenieure Ordnung in die technische Infrastruktur zu bringen versuchten. Doch in der Post-iPhone-Welt genügt es nicht mehr, dass etwas gut funktioniert, es muss sich auch gut anfühlen. Das ist nicht nur eine Frage des Geschmacks, es ist ein politischer Paradigmenwechsel. Die Form über die Funktion zu stellen, ist für die Designer, die in der Hierarchie normalerweise unter den Ingenieuren stehen, eine Möglichkeit, daran zu erinnern, dass ihre Meinung zählt."

Selten, dass ein aktuelles Interview mit Werner Herzog nicht bloß aus den üblichen Anekdoten besteht. Alle Mühe hat sich Steve Marsh gegeben, in seinem Gespräch anlässlich der Veröffentlichung einer großen Kollektion von Filmen des bayerischen Regisseurs sowie eines neuen Gesprächsbandes nicht bloß die Bonmots abzufragen. So erfährt man von Werner Herzogs Drogenerlebnissen, zu denen dieser - sonst kein Freund von Joints und Kiffrunden - wie die Jungfrau zum Kinde gekommen ist: "Ich lehne einen Joint zwar nicht ab. Aber ich reiche ihn einfach an den nächsten weiter und lasse ihn tun, was er will. Seine Sache. Ich möchte das nicht machen. Einmal war ich allerdings tatsächlich stoned, mit dem Komponist Florian Fricke von Popol Vuh. Ich war bei ihm zuhause und er hatte Pfannkuchen mit Marmelade gemacht. Ich schmierte mir die Marmelade auf und er begann zu kichern und noch mehr zu kichern. Und ich aß und es schmeckte sehr gut, also wollte ich einen weiteren Pfannkuchen und schmierte mir nochmal einen großen Batzen Marmelade drauf, doch in der Marmelade war Gras. Nicht, dass er es mir erzählt hätte. Ich war so zugedröhnt, dass ich eine Stunde brauchte, um in München nach Hause zu finden." Ein tolles Beispiel für Popol Vuhs marmeladig verkiffte Musik finden wir via Youtube in dieser Aufnahme aus den Archiven des WDR:



Außerdem: Amy Larocca besucht Tavi Gevinson, die mit 11 Jahren als Modebloggerin berühmt wurde, und jetzt, im reifen Alter von 18 Jahren auf eine Karriere als Gründerin und Chefredakteurin eines Jugendmagazins, ein Debüt als Film- und Theaterschauspielerin und einen Highschoolabschluss - in dieser Reihenfolge - zurückblicken kann.

Magazinrundschau vom 15.07.2014 - New York Magazine

In der Coverstory des Magazins untersucht Tim Murphy, wie Truvada, die "morning-after"-Pille gegen HIV, das Leben Homosexueller verändert und alte Argumente wiederbelebt: "Die Leute fürchten, das Medikament könnte dazu einladen, so viel kondomlosen Sex zu haben, wie man will, was zu einem Anstieg von Erkrankungen wie der Syphilis führen könnte. Oder sie befürchten, nicht jeder könnte es mit der nötigen Gewissenhaftigkeit einnehmen oder es könnten Resistenzen auftreten. Andere haben Angst, Männer auf Truvada könnten plötzlich als Schlampen verschrieen sein, so wie Frauen in den 60ern, die die Pille nahmen … Wieder andere empfinden die Existenz von Truvada als Betrug: an den Aids-Toten, an der Treue zum Kondom, das für heißen Sex und zugleich für eine gewisse Müdigkeit dem sicheren Sex gegenüber steht, schließlich an einer ganzen, von sexueller Umsicht bestimmten Geisteshaltung, die das schwule Leben der Männer seit den frühen 80ern geprägt hat. Auch wenn HIV-Behandlungen heute ein Leben mit der Erkrankung für viele möglich machen, haben schwule Männer die Message internalisiert, dass nur eine Latexhülle sie vom Abgrund trennt. Und das bedeutet nicht "nur" die Infektion mit HIV, sondern alles, was damit zusammenhängt: Verlust von Würde und Selbstkontrolle und der Verzicht auf Bürgerpflicht."
Stichwörter: Aids, Pille, Truvada, Medikamente

Magazinrundschau vom 01.07.2014 - New York Magazine

Vor 25 Jahren lief die erste "Seinfeld"-Folge. Für Matt Zoller Seitz ein Meilenstein der TV-Geschichte. Aber was genau macht "Seinfeld" eigentlich so einzigartig? "Vor "Seinfeld" gab es einfach keine Sitcoms mit derart egoistischen Charakteren, die ihre Mitmenschen als Mittel zum Zweck oder Hindernis ansahen, während sie ihre eigenen Tricksereien mit zynischer Abgeklärtheit betrachteten. Davids Ethos des Nichtslernenwollens wurde insofern zum Mantra des Mediums, als es die Sitcom-Autoren ermutigte, authentisch zu sein, gleich, wie ihre Vorstellung auch aussah, und sich nicht zu sehr damit aufzuhalten, ob das, was die Charaktere sagen und tun, auch korrekt ist."

Außerdem: Boris Kachka fragt sich, was Ellar Coltrane nun anfängt, nachdem er 12 Jahre seines Lebens Richard Linklaters "Boy" war. Und in der Cover Story findet Andrew Rice heraus, wer in New York die ganz fetten Immobilien einkauft? Schwerreiche ausländische Investoren mit Geldkoffern.

Magazinrundschau vom 17.06.2014 - New York Magazine

Ist Starfotograf Terry Richardson ein Genie oder ein Sexualstraftäter? Dieser Frage geht Benjamin Wallace in der aktuellen Nummer des Magazins nach. Eine Hexenjagd nennt Richardson selbst, was gerade passiert. Models alarmieren die Modewelt mit Tweets über Richardsons zunehmend pornografische Shootings: "Als seine Karriere anzog, wurde seine Arbeit immer sexueller. Er zog sich jetzt regelmäßig während der Shootings aus, um es den Models einfacher zu machen, wie er selbst sagt. Als eine Art Katharsis für seine Probleme und seine Drogenvergangenheit begann er, sich selbst in expliziten Posen abzulichten ... Die bislang übelste Geschichte stammt von der 24-jährigen Charlotte Waters, die für Richardson 2009 posierte. Waters veröffentlichte ihre Erfahrungen jüngst auf dem Socialnews Portal Reddit. Ihrzufolge endete das Shooting damit, dass Richardson "ihren Hintern leckte" und sie aufforderte seine Hoden zu pressen. Eine Assistentin habe sie dabei angefeuert. Schließlich habe Richardson sie aufgefordert, die Augen weit aufreißen, und sei auf ihrem Gesicht gekommen. Dabei hätten die Assistentin und er dauernd Fotos gemacht." Ein andere Assistentin gibt dem Internet die Schuld an allem: "Vor etwa zehn Jahren, als Richardson und der Porn Chic bekannt wurden, sei der Markt für extreme Fotografie noch überschaubar und erlesen gewesen. Niemand habe befürchten müssen, dass ein Bild gleich via Twitter oder Huffington Post in jedem Haushalt landen würde. Diese Möglichkeit habe für viele Leute die Grenze zum Unangenehmen verschoben."

Magazinrundschau vom 23.05.2014 - New York Magazine

In der aktuellen Ausgabe des New York Magazins fragt sich Gabriel Sherman, wie viele andere auch, warum Arthur Sulzberger Jr., Verleger der New York Times, Chefredakteurin Jill Abramson gefeuert hat. Ganz eindeutig ist das offenbar nicht auszumachen, Sherman spricht von einer Akkumulation möglicher Gründe, einer davon Abramsons Skepsis gegenüber den Neuen Medien: "Sulzberger installierte Thompson (Mark Thompson, CEO der Times) als Impulsgeber, der die Rolle der Zeitung in einer sich mit Hochgeschwindigkeit verändernden Medienwelt überdenken sollte. Thompsons Rolle als Hausphilosoph kollidierte jedoch mit Abramson. Ein Brennpunkt war Thompsons Schwerpunktsetzung bei Video. Abramson war nicht überzeugt. "Jill mag Video nicht", sagte mir eine mit Abramsons Denken vertraute Person. "Für sie gibt es nichts Langweiligeres, als zwei Pressetypen, die sich vor einer Kamera über eine Story unterhalten, die sich ebensogut in einer Minute lesen lässt."" Erregung verursacht das Ganze nicht zuletzt aufgrund der Plötzlichkeit, mit der Abramson abserviert wurde. "Die merkwürdige Gnadenlosigkeit des Geschehens erinnert an den Rauswurf von Janet Robinson (Ex-CEO des Blattes) und ist inzwischen zum Kennzeichen dieser Ära der Times geworden. Das alles sei nicht der Stil der Times, heißt es aus der Redaktion. Viele empfänden das Verhalten als grob und unwürdig."