Magazinrundschau - Archiv

London Review of Books

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Magazinrundschau vom 06.11.2012 - London Review of Books

Mit tiefem Unbehagen wühlt Andrew O'Hagan im Zuge des momentanen Kindesmissbrauchsskandals um den Moderator Jimmy Savile und die BBC in der Geschichte des britischen Fernsehens, wo sich offenbar über viele Jahre ein Pädophilenring halten konnte. Liegt die Ursache dafür womöglich in einer Kultur der Pädophilie, die das britische Fernsehen in seiner Glanzphase bediente? "Savile fand eine Beschäftigung in der leichten Unterhaltung und blühte dort auf: Natürlich tat er das, denn diese Orte waren maßgeschneidert für Männer, die träumende Kinder auf ihren Knien verhätscheln wollten. Wer mit der 'goldenen Ära des britischen Fernsehens' aufwuchs, gewöhnte sich an erwachsene Männer wie Rod Hull, die auf der Bühne mit einem Mädchen wie Lena Zavaroni herumalberten. ... Britische leichte Unterhaltung hat etwas gruseliges an sich und hatte es schon immer. ... Jene von uns, die damit aufwuchsen, mochten ihre Absonderlichkeit, ohne je ganz zu verstehen, wie gruselig sie war. Ich meine, Benny Hill? Und dann wachen wir plötzlich im Jahr 2012 auf und wundern uns, warum sich so viele Leute daraus als abartig und unheimlich entpuppen."

Weitere Artikel: Jeremy Harding liest Philip Henschers Verteidigung der Handschrift.Theaterregisseur Alan Bennett schreibt über die Entstehung seines neuen Stücks "People". Lidija Haas stellt die HBO-Serie "Girls" vor. Julian Bell besucht eine Ausstellung mit Arbeiten von Alex Katz:


Magazinrundschau vom 23.10.2012 - London Review of Books

In den Tagebuchnotizen schildert Emily Witt ihre Erfahrungen mit einer Online-Dating-Börse, deren Dienste sie nicht aus Feldforschungsgründen, sondern aus reiner Not heraus in Anspruch nahm. Was sie dabei über sich selbst gelernt hat, ist alles andere als tröstlich: "Internet-Dating zerstörte meine Auffassung von mir selbst als jemanden, den ich sowohl kenne als auch mit Worten beschreiben kann. Es hatte einen ähnlich schädigenden Effekt auf meine Auffassung, dass andere Menschen sich selbst zu kennen und zu beschreiben in der Lage sind. Auch im Bereich der Psychologie hinterließ es mich irritiert. ... Internet-Dating machte mich auf die Tatsache aufmerksam, dass unsere Auffassungen von menschlichen Errungenschaften und Verhalten, das sich durch die aufgehäuften Texte in hunderten von Internet-Dating-Profilen ausdrückt, im wesentlichen alle gleich, damit langweilig und keine gute Art sind, andere Leute auf sich aufmerksam zu machen. Wie ich ebenfalls lernte, ist der Körper keine zweitrangige Angelegenheit. Der Verstand enthält nur wenige Wahrheiten, die der Körper nicht verrät."

Außerdem: Thomas Jones muss sich nach der Sichtung der aus dem Vatikan geleakten Dokumente ernsthaft fragen, ob der Klerus überhaupt noch zum Beten kommt: Es "entsteht der überwältigende Eindruck, dass der Vatikan regelrecht brodelt vor Vorschwörungen, Splittergruppen-Klüngel, Flügelkämpfen, Eigennutz-Denke, Bestechlichkeit und niederträchtigem Verrat." Thomas Powers porträtiert Jack Kerouac, über den dessen zeitweilige Freundin Joyce Johnson gerade eine Biografie veröffentlicht hat: Deren "wichtigste Entscheidung ist es, vor dem großen Unglück aufzuhören, um damit all die Schreibblockaden und Saufgelage und gescheiterten Beziehungen und Gesundheitsprobleme und die mitleiderregende Abhängigkeit von seiner Mutter den anderen Biografen zu überlassen." Jonathan Meades rauft sich die Haare über die gerade eingeweihte Bomber-Command-Gedenkstätte im Hyde Park. David Runciman liest das Occupy-Handbuch und Karl Miller schreibt einen persönlichen Nachruf auf Eric Hobsbawm.

Magazinrundschau vom 09.10.2012 - London Review of Books

Christian Lorentzen führt anhand von D. T. Max' neuer Biografie (die aus einem langen, im New Yorker erschienenen Nachruf des Biografen hervorgegangen ist) durch das Leben von David Foster Wallace. Doch stört sich der Rezensent ziemlich an Max' Versuchen, den 2008 durch Freitod gestorbenen Autor als möglichst normal hinzustellen: "Es scheint so, als würde Max die 'Tugend' der 'Normalität' mit deutlicher Absicht an Wallace zu heften versuchen. Das ist insofern seltsam als Max' sorgfältiger und gewissenhafter Bericht tatsächlich einen ziemlich wunderlichen Mann zeigt, der einen Großteil seines Lebens im quasi-klösterlichen Stil eines akademischen Lebens zubrachte, einen Raum in seinem Haus komplett schwarz gestrichen hatte und sich offenbar viele Jahre alleine von Blondies (einer schokoladelosen Brownie-Variante) ernährte. Max' Fixierung auf 'Normalität' ('Wallace' Kindheit war glücklich und gewöhnlich') ist Teil einer Mission zur Popularisierung. Er möchte Wallace zum Heiligen stilisieren ... Doch um jemanden zu bewundern, ist es nicht nötig, sich mit ihm zu identifizieren. Heiligkeit, bis zu jenem Grad, den er besaß, war Wallace' uninteressanteste Qualität. Wenigstens übertrifft Max' Faktenzusammenstellung für gewöhnlich seine Versuche, seinen Gegenstand heiligzusprechen." Beim New Yorker finden wir nicht nur einen Auszug aus der Biografie, sondern auch einige, die Buchveröffentlichung flankierende Blogposts, sowie die Aufnahme eines Gesprächs mit D. T. Max über sein Buch.

Weitere Artikel: Tom Carver schreibt Tagebuch in Beirut. Adam Smyth erinnert die Lektüre von Tom Phillips' Roman "A Humument" daran, "dass Bücher unausweichlich intertextuell sind (...) und dass alles Schreiben darauf fußt, aus einem endlichen Pool an Wörtern zu wählen." Anders als die anderen Besucher im Kinosaal hat ein recht ratloser Michael Wood "The Master" (Pressespiegel), den neuen Film von Paul Thomas Anderson über Scientology-Gründer L. Ron Hubbard, zwar tapfer durchgehalten, nur um sich am Ende doch zu fragen, ob er "weniger verwirrt oder vielleicht sogar weniger gelangweilt" war als die anderen Zuschauer. James Wood liest mit Freuden Michael Gorras ausführliches Buch über Henry James' Roman "Portrait of a Lady". Der guten Besetzung (unter anderem mit "Sherlock" Benedict Cumberbatch) zum Trotz findet Christopher Tayler die BBC/HBO-Produktion "Parade's End" (nach Ford M. Fords gleichnamigem Romanzyklus) auf "unschreckliche Art und Weise" ziemlich durchwachsen. Chimamanda Adichie liest Chinua Achebes "persönliche Geschichte von Biafra". James Davidson schlendert durch die Bronze-Ausstellung in der Royal Academy.

Magazinrundschau vom 25.09.2012 - London Review of Books

Für seine Reportage über den US-Wahlkampf mischt sich Christian Lorentzen nicht nur unter Occupy-Aktivisten, sondern auch unter hitzköpfige Republikaner, die mit ihrer Rage nicht hinterm Berg halten: "In anderen Kneipen, wo ich die Gesellschaft ausgelassener Republikaner genoss, vernahm ich, dass das Problem mit diesem Präsidenten einfach sei, dass er ein 'Hosenscheißer' sei, dass er nicht an Israels Seite gegen den Iran stehe, weil er 'selber viel zu sehr Moslem' sei, dass er seine Familie deshalb vor der Öffentlichkeit zu verstecken versuche, weil er 'kein echter Amerikaner' sei, dass es doch ganz einfach sei, das Gegenteil mit einem kleinen 'Mikrofilm' aus dem Krankenhaus, in dem er zur Welt kam, zu beweisen, dass das beste an Amerika 'unsere Verteidigung' sei und dass 'Obamacare' 'voller schrecklicher, schrecklicher Dinge' stecke, die man 'Ansprüche' nenne. Ich hörte, dass die besten Jahre der Nation die von 1983 bis 1987 waren, dass niemand mehr für die amerikanischen Frauen getan habe als Ronald Reagan und der Personal Computer, (...) dass New York wegen der ganzen Vergewaltiger ein schrecklicher Ort zum Leben sei, dass die heißesten Typen bei der Wahlveranstaltung die Geheimdienstbeamten waren und dass jeder, der darauf aus war, flach gelegt zu werden, bei den Demokraten die besten Chancen hätte."

Weiteres: Nir Rosen schreibt eine Reportage aus Syrien, wo er sich mit den Alawiten traf. Michael Friedman erzählt, wie er wegen eines nicht bezahlten Knöllchens eine Nacht im New Yorker Gefängnis verbrachte. Brian Dillon besucht die Turbine Hall in London, wo Tino Sehgal ausgestellt wird. Und Terry Castle liest "All We Know: Three Lives" von Lisa Cohen.

Magazinrundschau vom 11.09.2012 - London Review of Books

In einem nur online veröffentlichten, sehr wütenden Text schreibt sich Eliot Weinberger seine ganze Abscheu vor Mitt Romney von der Seele: "Sein Wahlkampfnarrativ (...) sollte simpel sein: 'Die Wirtschaft ist ein einziges Durcheinander, es braucht einen erfolgreichen Geschäftsmann, um aufzuräumen!' Dass die Demokraten sich irgendwann dafür interessieren würden, wie genau er zu seinen 250 Millionen Dollar gekommen ist, schien ihm nie einzufallen. Die Amerikaner bewundern Mega-Kapitalisten, die tatsächlich etwas zustande bringen - man denke an die Kanonisierung des Heiligen Steve Jobs trotz aller umstrittener Fabriken in Asien - doch Mitt, wie häufiger herausgestellt wurde, ist bloß Gordon Gecko [aus Oliver Stones "Wall Street"], ein Meister des Universums der fremdfinanzierten Übernahmen. Gewöhnliche Sterbliche haben ihre liebe Not zu verstehen, wie das funktioniert, doch sie können die Ergebnisse sehen: Die geschlossenen Fabriken, zehntausende Arbeitslose, das Protzen mit dem Wohlstand, die berühmte Fotografie von Mitt und den Bain-Kapitalisten, die sich für das Posieren 20-Dollarscheine in Mund und Ohren gestopft haben. Niemand, noch nicht einmal die Experten, können sich sein byzantinisches System zur Steuervermeidung erklären."

Weiteres: Rosemary Hill besucht die renovierte William Morris Gallery in Walthamstow. James Meek rauft sich gehörig die Haare über die von der Thatcher-Regierung auf den Weg gebrachte Privatisierung der britischen Stromnetze, die sich nun in der Hand von deutschen und französischen Konzernen befinden. Jeremy Harding macht sich Sorgen um Francois Hollande. Marina Warner ist sehr fasziniert von thailändischen Tempelstatuen, die die Leiden in der Hölle darstellen. Peter Pomerantsev schreibt Tagebuch in der russischen Community New Yorks. Und Colm Tóibín liest Mario Vargas Llosas Roman "Der Traum des Kelten".

Magazinrundschau vom 28.08.2012 - London Review of Books

Bruce Whitehouse geht der Frage nach, wie es einer Handvoll Militärs gelingen konnte, im bis dahin unauffälligen Mali in kurzer Zeit erfolgreich zu putschen. Beim genaueren Hinsehen zeigt sich, dass der afrikanische Vorzeigestaat keineswegs so demokratisch gefestigt war, wie es bis dahin den Anschein hatte: "Die Putschisten machten sich die allgemeine Enttäuschung über eine fadenscheinige Demokratie und eine schwache Regierung zunutze, um ihre Aktionen zu rechtfertigen. Stunden nach der Übernahme, sprach Juntaführer Sanogo über die Sehnsucht seiner Leute nach Reformen: 'nicht der Armee, sondern des Staates'. ... Ob Sanogo beachsichtigte, Malis Demokratie zu retten oder zu konfiszieren, ist offen. Doch hätten er und seine Leute keine Hoffnungen darauf setzen können, Präsident Touré zu stürzen und unter der Bevölkerung Malis Unterstützung zu finden, wenn die zentralen Institutionen des Landes - die Polizei, die Gerichte und die Durchführung der Wahlen - robust gewesen wären. Die Soldaten, die am 21. März den Palast des Präsidenten stürmten, wussten dass Touré von der Bevölkerung nicht mehr legitimiert war. Touré selbst wusste das auch."

Weiteres: David Conn zeichnet anhand seines Lieblingsvereins Manchester City die Kommerzialisierung des Fußballs in den vergangenen 40 Jahren nach. Mit seiner Wahl von Paul Ryan als seinen künftigen Vizepräsidenten sendet Mitt Romney eindeutige Signale an die Wall Street aus, dass diese sich unter Romney ihre Regeln selbst schreiben könnte, meint David Bromwich. Michael Wood schaut sich Alfred Hitchcocks Stummfilm "The Lodger" an, den er zunächst eher gräßlich findet ("ein schwerfälliger, alter Stummfilmthriller, dessen schreckliche schauspielerische Leistungen und Gesten düsterer Vorahnungen 'Das Kabinett des Dr. Caligari' wie ein cinematisches Understatement erscheinen lassen"). Iain Sinclair schreibt während der olympischen Spiele Tagebuch, und Julian Bell besucht die Munch-Ausstellung in der Tate Modern.

Magazinrundschau vom 31.07.2012 - London Review of Books

Heute schon gebadet? Nein? Angst vor Haien? Ach was, selbst an den haiverseuchtesten Küsten Amerikas ist es 75 mal wahrscheinlicher, dass Sie von einer Christbaumkugel verletzt werden als von einem Hai. Die Angst vor Haiangriffen ist ganz unbegründet, erklärt Theo Tait, der bei der Besprechung von Juliet Eilperins Buch "Demon Fish: Travels through the Hidden World of Sharks" jedoch ein merkwürdiges Interesse an blutigen Details an den Tag legt. Ein paar Vorsichtsmaßnahmen lernt er auch: "Nicht in der Morgen- oder Abenddämmerung schwimmen, wenn viele Haie fressen. Nicht in trübem Wasser schwimmen oder in der Nähe von Flussmündungen. Nicht ins Wasser pinkeln oder schwimmen, wenn man blutet. Nicht so viel aufs Wasser dreschen, nicht mit einem Hund schwimmen oder neben einem Fischschwarm. Speerfischen oder Surfen erhöhen das Risiko, gebissen zu werden. Tragen Sie keine Badekleidung im Gelb der Küstenwache - Forscher nennen es 'mjam mjam Gelb'. Es wird dringend davon abgeraten, einen Hai am Schwanz zu ziehen."

Außerdem: Perry Anderson schreibt über Indiens Demokratie nach Nehru. In den Short Cuts schwärmt Jeremy Harding von einem Bildband mit Magnum-Kontaktabzügen. Und Brian Dillon besucht die Ausstellung "Invisible" in der Hayward Gallery, die in der Presse ein wütend-ungläubiges Echo fand: 8 Pfund Eintrittsgeld, um in einer mit öffentlichen Mitteln geförderten Galerie ins Leere zu schauen?

Magazinrundschau vom 17.07.2012 - London Review of Books

Die Auslieferung von Julian Assange dürfte kaum auf der Top-Prioritätenliste der USA stehen, glaubt Jeremy Harding. Vor allem weil sie mit dem Soldaten Bradley Manning den Hauptverantwortlichen der WikiLeaks-Affäre längst inhaftiert haben und Assange in der Angelegenheit lediglich die Rolle des Verlegers zukommt: "Für Assange spricht auch der Einwand, dass jede Anzeige gegen ihn genauso auch Bill Keller treffen müsste, den vorherigen Chefredakteur der New York Times und US-Partner von WikiLeaks bei der Veröffentlichung der afghanischen und irakischen Kriegslogs". Wie Manning unterdessen die Daten des "Collateral Murder"-Videos aus dem Datenzentrum schmuggelte, erfährt Harding bei der Lektüre eines neues Buches über den Inhaftierten: "Ein früherer Sicherheitsbeamter erklärt, wie einfach man es sich machen konnte: 'Da standen überall Laptops mit Passwörtern auf Notizaufklebern. Wenn jemand in Uniform hereinkam, sich neben mir an einen Computer setzte und ich ihn nicht kannte, dann würde ich ihn doch nicht davon abhalten und ihn ansprechen, Entschuldigung, kann ich mal bitte ihren Ausweis sehen? Ich würde einfach mit der Schulter zucken, mir doch egal.'"

Außerdem: Adam Shatz schreibt Tagebuch in Ägypten. Christian Lorentzen verfolgt aufmerksam Paul Krugmans Besuch in Großbritannien und wundert sich dabei gehörig über den Geisteszustand des New-York-Times-Kolumnisten. Andrew O'Hagan macht sich Gedanken über den Sadomaso-Beststeller "50 Shades of Grey". Rosemary Hill besucht die Ausstellung "The Capture of Westmorland" im Ashmolean Museum in Oxford.

Magazinrundschau vom 03.07.2012 - London Review of Books

David Bromwich hat sich nochmals Obamas Reden im Lichte von David Maraniss' neuer Biografie angesehen und findet, dass dieser Präsident sich maßlos überschätzt: "Obama versteht sich selbst als den kühlsten Kopf, den vernünftigsten Zuhörer, den pragmatischen Mann in einer Welt voller Theoretiker und Fanatiker, doch keine dieser Eigenschaften qualifiziert eine Person, im Alleingang Entscheidungen zu treffen, die zwölf nur mit starken Gewissensbissen treffen könnten. Es gibt eben doch einen Punkt, in dem messianische Leidenschaft und die Liebe zur Exekutivmacht zusammenlaufen könnten. Indem er die Drohnenanschläge in Pakistan angeordnet hat, hat Obama es sich angemaßt, ungestraft ohne Gerichtsverfahren Personen zu richten und zu töten, die seiner Ansicht nach sterben sollten."

Außerdem: Perry Anderson liest sich durch einen ganzen Regalmeter von Literatur zur Geschichte der indischen Unabhängigkeit und Gandhis Rolle darin. Dokumentiert wird ein Vortrag der Kulturwissenschaftlerin Marina Warner über Damien Hirst. Richard Clogg meint, dass die Griechen angesichts der deutschen Besatzung von 1941 bis 1944 durchaus das Recht haben, gegenüber deutschen Forderungen empfindlich zu sein. Michael Wood legt dar, warum Ridley Scotts neuer Film "Prometheus" kein "Alien"-Prequel im strengen Sinne darstellt. Philip Oltermann erklärt den britschen Lesern den Status der Bild-Zeitung in Deutschland. Jenny Turner führt durch eine Ausstellung über britischen Glamour im Victoria & Albert Museum in London.

Magazinrundschau vom 05.06.2012 - London Review of Books

Slavoj Žižek gibt den "Propheten der Verdammnis" zwar recht, wenn sie sagen, dass die Wahl in Griechenland am 17. Juni womöglich über das Wohl und Wehe Europas entscheidet, allerdings in etwas anderer Hinsicht: Er macht davon abhängig, ob die Demokratie im Wortsinne Fortbestand haben wird oder nicht. "Das Paradox, das der 'freien Wahl' in den demokratischen Gesellschaften zugrunde liegt, besteht darin, dass einem zwar eingeräumt wird ist, sich frei zu entscheiden, allerdings zu der Bedingung, dass man auch die richtige Entscheidung trifft. (...) Griechenland bildet da keine Ausnahme. Es ist eines der zentralen Versuchslabore für ein neues sozio-ökonomisches Modell, das sich potenziell unendlich oft anwenden lässt: Eine depolitisierte Technokratie, in der es Bankern und anderen Experten gestattet ist, die Demokratie niederzureißen."

Außerdem: Elif Batuman schreibt Tagebuch über die Eröffnung von Orhan Pamuks "Museum der Unschuld" in Istanbul. James Meek denkt über die richtige Verhaltensweise gegenüber der Ukraine in der Causa Yulia Tymoshenko nach. Andrew O'Hagan liest gesammelte Briefe von Ernest Hemingway. Owen Bennett-Jones informiert sich über den wechselhaften Umgang westlicher Regierungen mit iranischen Dissidentengruppen. Brian Dillon stattet einer Ausstellung in der Tate Britain mit Arbeiten von Patrick Keiller über die Ursprünge der Wirtschaftskrise einen Besuch ab. Michael Wood schaut sich im Kino "The Dictator", die neue Komödie von Sacha Baron Cohen an. Abgedruckt ist außerdem ein von Dmitri Nabokov übersetztes, 63 Strophen umfassendes Gedicht von Vladimir Nabokov.