
Nach einer Ergänzung des Communication Act sieht sich die
britische Pornoindustrie mit einer ganzen Reihe neuer Zensurauflagen konfrontiert: Zahlreiche Praktiken sind nun untersagt, die, wie dem Kommentar
dieser Auflistung zu entnehmen ist, insbesondere auf die Darstellung des
Vergnügens der Frau zielen. Für den
Guardian hat Zoe Williams, die erst im November eine
große Reportage über ethische Pornografie geschrieben hat, bei Sexarbeiterinnen und sexpositiven Feministinnen
nachgefragt und ist dabei auf blankes Entsetzen gestoßen: "Die Liste der untersagten sexuellen Aktivitäten ergeben überhaupt keinen Sinn", hat ihr etwa die Domina
Itziko Urrutia erklärt, "außer man liest sie als
misogyne Vision weiblicher Sexualität, verfasst von Schuljungs, die noch immer Angst vor Mädchen haben. Die chaotische, dämonische weibliche sexuelle Energie muss unter allen Umständen gestoppt werden!" Und eine Bloggerin namens
"Girl on the Net" berichtet: "Wirklich sonderbar ist diese eine Sache mit dem Spanking, das verboten ist, sofern es nicht moderat ist und dazu eingewilligt wurde. Naja nun, wer entscheidet denn jetzt, was moderat ist? Als
lustvoll perverse Person bin ja wohl ich diejenige, die darüber entscheidet - so wurde mir das jedenfalls mal beigebracht. Eine dritte Partei kann nicht für mich bestimmen, in was ich einwillige."
Auch Suzanne Moore
hat in ihrem Kommentar nichts als Unverständnis für diese Gesetzgebung: "Die Art von Pornos, die jeder verdammt, also solche, zu der auch Kinder leichten Zugang haben, wird von
Mainstreamkonglomeraten hergestellt. Hier geht es völlig in Ordnung, dass Frauen sich als Schulmädchen verkleiden, den Penis bis zum Anschlag in den Rachen geschoben bekommen und vollejakuliert werden. Was in diesem Land nun aber nicht mehr in Ordnung geht, sind jene Fetischfilme, in denen
Frauen sich Stadtjungs schnappen, bestrafen und sie dazu zwingen, dabei feministische Texte zu rezitieren."
Dazu passend: ein aktueller TedX-Vortrag der feministischen
Pornofilmemacherin Erika Lust darüber, dass Pornos sich ändern müssen:
Soziale Mobilität hat die britische Klassengesellschaft nie gern gesehen, und nach einem kurzen Aufschwung offenbar seit den achtziger Jahren auch wieder erfolgreich untergraben. Für den Historiker
David Kynaston sind dafür ganz klar
die Privatschulen verantwortlich, wie er auch dem Bericht von Alan Milburns Kommission zu
Social Mobility and Child Poverty entnimmt: "Von hundert Top-Journalisten gingen 54 auf Privatschulen, das sind sieben Mal mehr als in den achtziger Jahren. Anderswo sieht es genauso aus: 71 Prozent der oberen Richter, 62 Prozent der höheren Offiziersränge in der Armee, 55 Prozent der Regierungsbeamten, 53 Prozent der höheren Diplomaten, 50 Prozent des Oberhauses. Als Zeichen einer "zutiefst elitären" und "
geschlossene Gesellschaft" bewertete die Kommission diese Zahlen, die alle jene
sieben Prozent der Bevölkerung übertrafen, die insgesamt Privatschulen besuchten. Milburns Worten ist schwerlich zu widersprechen: "Der Ausschluss von so vielen Talenten und Hoffnungen macht Großbritanniens führende Institutionen weniger informiert,
weniger repräsentativ und schließlich weniger glaubwürdig, als sie sein sollten."
Außerdem
zeichnen Ed Vulliamy und Helena Smith en détail jene
Dekemvriana-Ereignisse von 1944 in Athen nach, die zu einem
Massaker an linken Demonstranten durch die griechische Polizisten und britische Soldaten führten und den Auftakt zum griechischen Bürgerkrieg gaben.