Magazinrundschau - Archiv

Atlantic

234 Presseschau-Absätze - Seite 12 von 24

Magazinrundschau vom 24.10.2017 - The Atlantic

In der aktuellen Ausgabe von The Atlantic untersucht Derek Thompson, wie Silicon Valley gerade den radikalen Erfindergeist wiederbelebt: "Google X ist vielleicht das einzige Unternehmen der Welt, wo das Absurde zu denken nicht nur genehmigt, sondern ausdrücklich erwünscht und notwendig ist. X hat mit Weltraumfahrstühlen, kalter Fusion, magnetisch bewegten Hoverboards und Antriebsstoffen aus Meerwasser experimentiert, arbeitet erfolgreich an selbstfahrenden Autos, Lieferdrohnen und Kontaktlinsen, die den Glukosegehalt der Tränenflüssigkeit von Diabetespatienten messen. All diese Ideen eint ein Prinzip, eine dreiteilige Formel. Erstens: Es muss um ein großes Problem gehen. Zweitens: Eine radikale Lösung soll möglich sein. Drittens: Die Lösung soll eine realisierbare Technologie beinhalten. Der Zweck von X ist es nicht, Googles Probleme zu lösen oder eine philanthropische Mission zu verfolgen. X existiert, um weltverändernde Unternehmen zu erschaffen, das neue Google … Obwohl die akademische Erforschung der Kreativität zugenommen hat, deuten einige wichtige Merkmale der Kreativkraft im Land in den letzten 60 Jahren eher einen Abwärtstrend der Kreativität an. Unternehmertum mag als Statussymbol gewachsen sein, aber die Start-up-Rate fällt seit langem. Das Label Innovation mag von der Zahnpasta bis zur Getränkedose auf allem kleben, doch die Produktivität geht seit den 1970ern zurück. Sogar Silicon Valley ist in die Kritik geraten, weil seine Talente sich mit trivialen Problemen wie der Erleichterung von Hausarbeit abmühen."

Außerdem: Der Titel über die Mona Lisa ist ein Auszug aus Walter Isaacsons neuem Buch über Leonardo da Vinci. Ruth Franklin rezensiert Jennifer Egans historischen Roman "In Manhattan Beach". Ira Katznelson schreibt über James Q. Whitmans Buch "Hitler's American Model", das untersucht, wie die Nazis sich von den amerikanischen Rassegesetzen inspirieren ließen. Und: Am 7. November wird Joni Mitchel 74 Jahre alt. Zugleich sind zwei Bücher über sie erschienen, über die Jack Hamilton schreibt: David Yaffes Biografie "Reckless Daughter: A Portrait of Joni Mitchell" und eine von Barney Hoskyns herausgegebene Joni-Mitchell-Anthologie.

Hier singt sie "Harry's House", 1996:


Magazinrundschau vom 31.10.2017 - The Atlantic

Molly Ball tourte für The Atlantic zusammen mit dem Mitte-links-Think-Tank "Third Way" durch die Staaten, um herauszufinden, was 2016 schiefgelaufen ist. Die Wahrheit ist bitter: "Dem Trip lag eine optimistische Vorstellung zugrunde: Wenn die Leute im Land einander zuhören würden, würden sie erkennen, was sie eint, nicht, was sie trennt - die Idee von einem allen gemeinsamen dritten Weg unter der Oberfläche der Polaritäten. Die Idee wiederum basiert auf der Vorstellung, dass Parteilichkeit schlecht und Konsens gut ist und dass die meisten Amerikaner sich gern in der Mitte treffen würden. Doch diese Annahmen sind nicht unstrittig. Und nach drei Tagen Safari durch die Flyover-Staaten, klangen den Forschern die Ohren vor verstörenden Aussagen und Ansichten, die ihren Glauben im Kern erschütterten … Auf unserer Tour in West-Wisconsin trafen wir einen Farmer, der meinte, er wüsste genau, was falsch sei mit Amerika: seine Mitbürger. 'Schau dir die ganzen Parasiten an, die sich an der Bürokratie rundfressen wie Blutegel', meinte er. Wir waren eben erst angekommen und schon stießen wir bei unserer Suche nach gegenseitigem Verstehen an Grenzen. Einige ältere weiße Männer identifizierten andere Schuldige: Es gebe genug Jobs, die jungen Leute heute seien nur zu faul oder drogenabhängig, hieß es. Solche Schuldzuweisungen kristallisierten sich in den weiteren Befragungen als ein Muster heraus. Verachtung für die Jungen war eine Konstante über alle demografischen, soziökonomischen und generationellen Grenzen hinweg. Sogar die Jungen beschwerten sich über ihresgleichen. Andere gaben Veränderungen in der Gesellschaft und in der Familie die Schuld. Ein technischer Lehrer in Chippewa Falls zog in Zweifel, ob Frauen überhaupt ein Platz in der Arbeitswelt zukäme."

Magazinrundschau vom 12.09.2017 - The Atlantic

Auch wenn der Titel von Ta-Nehisi Coates' neuem Buch - "We Were Eight Years in Power" - ironisch gemeint sein mag, er zeigt doch, dass auch die neumodischen "Antirassisten" nicht anders können als in den Kategorien des Rassismus zu denken. Der Atlantic druckt einen Auszug aus dem Buch, bei dem einem ebenfalls unbehaglich wird, weil Coates die Geschichte ausschließlich in den Kategorien "weiß" und "schwarz" denken zu können scheint. Trumps einziges Streben sei, "nigger health care, nigger climate accords, and nigger justice reform" einzukassieren. Auch die anderen Präsidenten mit Ausnahme Obamas seien zwar aufgrund ihrer "Whiteness" ins Amt gekommen, aber Trump macht "dieses grauenhafte Erbe explizit". Trump gehe es im wesentlichen um "White supremacy", und der Punkt dabei sei, "sicherzustellen, dass weiße Leute (insbesondere weiße Männer) das, wofür andere sich extrem anstrengen müssen, ohne Qualifikation erreichen können. Barack Obama lieferte schwarzen Menschen die nüchterne Botschaft, dass alles möglich sei, wenn sie doppelt so hart arbeiten wie weiße Leute. Aber Trumps Konter ist überzeugend: Arbeite halb so hart wie schwarze Menschen, und es ist sogar noch mehr möglich."

Magazinrundschau vom 15.08.2017 - The Atlantic

Dies ist sicherlich einer der großartigsten Texte des Jahres. Und wenn das Bedürfnis, nochmal ganz neu über ein Land nachzudenken, das einen wie Donald Trump zum Präsidenten macht, weithin riesig ist, dann ist es auch ein Trost, dass dies nirgends besser geschieht als in Amerika selbst! Kurt Andersens "How America Lost Its Mind" ist ein Vorabdruck. Der Titel ist ernst gemeint und wörtlich zu verstehen: Das Bedürfnis, an Verschwörungen zu glauben, ist seit den gloriosen Sechzigern immer weiter gewachsen. Schuld ist auch die akademische Linke, die Andersen keineswegs ausspart, von Foucault über Feyerabend bis Baudrillard (alles keine Amerikaner, by the way). Das "Anything Goes" des Postmodernismus wurde von rechten Hass-Szenaristen begierig aufgegriffen: Wenn Wahrheit ein Konstrukt ist, dann lasst sie uns konstruieren. Auch wenn die Rechte am Ende erfolgreicher war als die modische Linke mit ihrem Relativismus - eben weil sie es fertig brachte, Verschwörungstheoretiker ins Präsidentenamt zu bringen - die beiden bedingen einander: Seit den Sechzigern hatte die Rechte zwar "stets die Verbreitung des Relativismus angeprangert, die Idee, dass nichts wahrer ist als irgendetwas anderes. Die Konservativen hassten natürlich, wie der Relativismus einige ehrwürdige und komfortabe herrschende Ideen unterminierte - Begriffe von natürlicher Bestimmung (die etwa auf Geschlecht und Hautfarbe beruhten) und ästhetischer Schönheit und moralischer Gewissheit. Aber sobald der Mainstream einmal akzeptiert hatte, dass es viele gleichermaßen gültige Realitäten und Wahrheiten gibt, konnte jedwede Barbarei darauf pochen, ernstgenommen zu werden. Konservative kritisierten zurecht, dass der Relativismus auf dem College-Campus nicht gestoppt wurde, aber als er sich über ganz Amerika verbreitete, trug er dazu bei, extreme christliche und andere Ideologien möglich zu machen, inklusive Waffenhysterie, Black-Helicopter-Wahn, Klimaleugnung und mehr."

Ebenfalls lesenswert: Der Text des ehemaligen New-Republic-Chefredakteurs Franklin Foer über seine Zusammenarbeit mit dem Facebook-Mitbegründer Chris Hughes, der die ehrwürdige Zeitschrift 2012 gekauft hatte und zunächst mit großem Enthusiasmus an die Erneuerung des Instituts ging, bis er sie als datengläubiger Techniknerd zu Tode modernisierte. Eines Tages tauchte er mit einigen Softwaringenieuren und Internetgurus in der Redaktion auf: "Sie sollten unserem Journalismus die coolen Features geben, die ihn auf dem Marktplatz herausragen lassen würden. Das kostete natürlich Geld, und dieses Geld sollte aus dem Budget kommen, mit dem bislang die großen Dossiers bezahlt wurden. Wir waren jetzt eine Tech-Firma, sagte er mir (er leugnet, dies gesagt zu haben). Und ich antwortete: 'Das klingt nicht wie die Art Firma, für deren Leitung ich qualifiziert wäre.' Doch doch, versicherte er. Zwei Monate später erfuhr ich von einem Kollegen, dass Chris meinen Nachfolger schon eingestellt hatte und dass der Nachfolger in New York Mittagessen abhielt, bei denen er Jobs bei der New Republic anbot." Foer und viele Kollegen kündigten - die New Republic ist seitdem ein Schatten ihrer selbst. Hughes ist ausgestiegen.

In diesem Zusammenhang könnte man noch auf Jeff Jarvis' Artikel in Medium verweisen - der New Yorker Journalismus-Professor will immer noch neue Geschäftsmodelle für den Journalismus finden - und hofft, neue Communities definieren zu können, die ihm diesen Journalismus abkaufen.

Magazinrundschau vom 27.06.2017 - The Atlantic

Zwei große Artikel in The Atlantic befassen sich mit dem Zustand der amerikanischen Demokraten. Für Franklin Foer, der in einem epischen Artikel die letzten 25 Jahre der Partei aufrollt, müssen sich die Demokraten ihr größtes Problem eingestehen: "Der Widerstand gegen Trump verschafft den Demokraten die Illusion der Einheit, aber in Wirklichkeit sind sie tief gespalten. Die beiden wichtigste Anliegen der Demokraten - Rasse und Klasse - stehen sich mit wachsender Spannung gegenüber, einer Spannung, die größer wird, je näher die nächsten Präsidentschaftswahlen rücken."

Peter Beinhart macht dieses Problem an der illegalen Einwanderung fest. Heute neigten die Demokraten dazu, dieses Problem zu negieren. Für sie ist das Einwanderungssystem das Problem, nicht die Einwanderung. Aber noch vor zehn Jahren war die Einstellung dazu deutlich differenzierter: "2005 schrieb ein linker Blogger: 'Illegale Einwanderung richtet verheerenden Schaden an, ökonomisch, sozial und kulturell. Sie verhöhnt das Gesetz und ist schändlich allein schon aus Gründen der grundlegendsten Fairness.' 2006 schrieb ein liberaler Kolumnist, dass 'Einwanderung die Löhne der einheimischen Arbeiter mindert, die mit den Immigranten konkurrieren müssen'. Seine Schlussfolgerung: 'Wir müssen den Zustrom niedrig qualifizierter Einwanderer eindämmen.' Im selben Jahr schrieb ein demokratischer Senator: 'Wenn ich bei Demonstrationen für Einwanderer mexikanische Fahnen wehen sehe, wallt in mir manchmal patriotische Ablehnung auf.' Der Blogger war Glenn Greenwald. Der Kolumnist war Paul Krugman. Der Senator war Barack Obama. Prominente Linksliberale waren vor zehn Jahren nicht gegen Einwanderung. Die meisten schätzten die positiven Auswirkungen für die amerikanische Wirtschaft und Kultur. Sie unterstützten die Möglichkeit für die Illegalen, die Staatsbürgerschaft zu erlangen. ... Aber anders als heutige Linksliberale gaben sie zu, dass, wie Krugman es ausdrückte, 'Einwanderung ein sehr schmerzhaftes Thema ist ... weil es grundlegende Prinzipien zusammenstoßen lässt'."

Außerdem: Maryn McKenna beschreibt die Suche des britischen Mikrobiologen Adam Roberts nach Antibiotika in Komposthaufen, Schweinetrögen und Laptop-Keyboards. Und Parul Seghal bespricht den neuen Roman von Arundhati Roy.

Magazinrundschau vom 08.08.2017 - The Atlantic

Ian Bogost, der am Georgia Institut of Technology lehrt, schreibt über das kürzlich geleakte Pamphlet eines Google-Mitarbeiters gegen Frauen in technischen Berufen (mehr bei 9punkt). Der anonyme Autor macht darin die biologischen Unterschiede zwischen den Geschlechtern dafür verantwortlich, dass Frauen in der Technologiebranche weniger stark vertreten sind. Nach Bogost entlarvt sich hier das große Machismo-Problem der Branche. In einem kürzlich von Google veröffentlichten "diversity report", so Bogost, habe sich herausgestellt, dass der Anteil weiblicher Angestellter momentan nur bei 31 Prozent liegt, von denen wiederum nur 20 Prozent im technischen Bereich arbeiten. Noch schlimmer steht es nach Bogost um die ethnische Vielfalt der Branche: Nur zwei Prozent der Angestellten sind schwarz und nur vier Prozent kommen aus latein- oder mittelamerikanischen Ländern. Für Bogost gibt es allerdings frühestens eine Lösung für das Problem, wenn der weiße Mann aus seinen Machtpositionen gedrängt ist: "Das Computerbusiness hängt an den Machthabern. Wer diese Wahrheit nicht anerkannt, behindert ernstliche Anstrengungen, diese Macht durch Diversifizierung zu überwinden. Für mehr weibliche Unternehmer (17 Prozent der Start-ups haben Gründerinnen) oder Venture-Kapitalgeber einzutreten, erscheint als ein toller Weg in Richtung Diversität und Gleichheit. Aber auch das risikokapitalfinanzierte Start-up ist ein Sklave eines Markts, der fast nur von männlichen Vorgängern gestaltet und geprägt wurde."

Das Manifest hat in der ganzen amerikanischen  Blogosphäre große Aufregung ausgelöst: Bei Medium schreibt die Programmiererin Erica Joy über das Pamphlet des Google-Mitarbeiters, sie sei "enttäuscht, aber nicht überrascht". Die Washington Post meldete gestern, dass Google den Autor des Manifests mittlerweile gefeuert hat und sich von dessen Aussagen distanziert.

Magazinrundschau vom 04.07.2017 - The Atlantic

In The Atlantic fürchtet McKay Coppins, dass linke Blogger, Aktivisten und Publizisten immer häufiger die niederträchtigen Strategien der Rechten übernehmen: "Eine Analyse von BuzzFeed während der fieberhaften letzten Wochen des Wahlkampfs 2016 zeigten, dass fast 20 Prozent der Geschichte auf drei der populärsten linken Facebook-Seiten - Occupy Democrats, The Other 98%, and Addicting Info - entweder teilweise oder ganz falsch waren. Und obwohl konservative Facebook-Seiten sogar noch mehr falsche Geschichten verbreiteten, sollten die Funde von BuzzFeed als Alarmsignal betrachtet werden für die Art von Nachrichten, die Millionen Anhänger der Demokraten auf der größten Social-Media-Plattform erhalten."
Stichwörter: Social Media, Occupy, Buzzfeed

Magazinrundschau vom 23.05.2017 - The Atlantic

Im Aufmacher erzählt Alex Tizon die Geschichte von Eudocia Tomas Pulido, genannt Lola, die sein Großvater als 18-Jährige seiner Tochter als Dienstbotin "schenkte" und die 56 Jahre mit Tizons Familie - Philippinos, die nach Amerika einwanderten - lebte: Beschimpft, ohne Gehalt, ohne eigenes Zimmer, ohne offiziellen Einwandererstatus und doch ein Familienmitglied, wie man lernt. "Sklaverei hat eine lange Geschichte auf den philippinischen Inseln. Bevor die Spanier kamen, versklavten die Inselbewohner andere Inselbewohner, meistens Kriegsgefangene, Kriminelle oder Schuldner. Sklaven gab es in unterschiedlicher Ausführung: vom Krieger, der seine Freiheit durch Tapferkeit zurückverdienen konnte, zu Haussklaven, die als Eigentum betrachtet und gekauft, verkauft oder gehandelt werden konnten. Sklaven mit hohem Status konnten Sklaven mit niedrigem Status halten und die wiederum solche mit noch niedrigerem Status. ... Traditionen hielten sich, selbst als die USA 1898 die Kontrolle über die Inseln übernahm. Heute können selbst die Armen utusans oder katulongs (Helfer) oder kasambahays (Diener) haben, solange es Menschen gibt, die noch ärmer sind als sie."

Richard Spencer zählt zu den gruseligsten Figuren, die im Zuge von Donald Trumps erfolgreicher Kandidatur für das Präsidentenamt aus den Kellerlöchern der sogenannten "Alt-Right"-Bewegung in die Öffentlichkeit gespült wurden: Seine völkischen, ideologisch an den Nazis ausgerichteten Positionen lassen Scharfmacher wie Steve Bannon oder Milo Yiannopoulos harmlos aussehen. Spencer sieht sich selbst als geistig-kulturelle Speerspitze eines alteuropäisch orientierten "Ethno-Staats", in dem eine starke Elite das Regiment übernimmt. An der High School war er allerdings eher mittelmäßig, erinnert sich Graeme Woods, der mit ihm zur High School ging. Dass Spencer sich mit seinen Positionen extrem angreifbar macht - als er im November vor laufender Kamera eine Ohrfeige bekam, ging das durch die Netzwelt - deutet Wood mit Norman Mailers Essay "Der weiße Neger" von 1957: "Frisch aus einem Krieg zurückgekehrt und im Angesicht nuklearer Auslöschung empfanden die Weißen ihre eigene Kultur damals als blutleer und einschläfernd. Sie sehnten sich nach der Gefahr - und fanden sie, indem sie den Lebensstil von Schwarzen nachahmten, die Gefahr kannten, ohne sich danach zu sehnen, und deren Kultur, Idiom und Alltag wie Riechsalz auf sie wirkten. ... Auch Spencer ist so ein fahler Imitator. Er suchte die Gefahr - oder zumindest dachte er das - und jetzt hat er sie."

Weiteres: Nicholas Dawidoff schreibt über die Entstehungsgeschichte des Beatles-Songs "A Day in the Life". Und Laura Parker erzählt, wie es Alan Eustace von Google gelungen ist, 2014 den von Felix Baumgartner aufgestellten Weltrekord im Stratosphärenspringen zu brechen.

Magazinrundschau vom 25.04.2017 - The Atlantic

In den Tiefen von Googles Datenbanken schlummern 25 Millionen eingescannte Bücher, die niemand lesen darf. James Somers rollt in einem ellenlangen Report auf, wie und warum Google Books Search gescheitert ist, der Konzern fast alle Tätigkeiten in der Hinsicht eingestellt hat, und vor allem warum das Justizministerium am Ende den historischen Vergleich kippte, den Google mit Verlagen, Bibliotheken und Autoren geschlossen hatte: "Niemand weiß genau, warum das Ministerium Position bezog anstatt neutral zu bleiben. Dan Clancy, der für Google das Projekt geleitet und den Vergleich mit ausgehandelt hat, macht dafür eine besondere Sorte von Opponenten verantwortlich: nicht Googles Konkurrenten, sondern beteiligte Organisationen, die eigentlich hätten dafür sein müssen - wie Bibliothekare und akademische Autoren. 'Ich weiß nicht, wie sich die Vereinbarung durchgesetzte hätte, wenn die Neinsager nicht so laut gewesen wären', sagt er. 'Wenn die Bibliotheken, die Bob Darntons und die Pam Samuelsons nicht so aktiv gewesen wären, dann hätte sich das Justizministerium wahrscheinlich nicht eingemischt, denn dann wäre es nur um ein Gezänk von Amazon und Microsoft gegen Google gegangen. Das wäre ja für die nichts Neues gewesen."

Franklin Foer rauft sich die Haare über Trumps Mexiko-Politik, die alles aufs Spiel setze. Denn es mag zwar sein, dass sich Nafta ökonomisch nicht ausgezahlt habe, sehr wohl aber politisch: "Der Antiamerikanismus, einst ein Grundbestandteil mexikanischer Politik, ist weitesgehend verschwunden, der Strom der Migranten aus Mexiko in die USA versiegt." Foer fürchtet, dass Mexiko jetzt auf China setzt.

Magazinrundschau vom 31.01.2017 - The Atlantic

Zu Beginn seines grandiosen Artikels über Trumps und Amerikas möglichem Weg in die Autokratie entwirft David Frum ein Szenario der Wiederwahl Trumps in vier Jahren und einer Öffentlichkeit, die längst abgestumpft ist - und er schildert, mit welchen Mechanismen Trump mögliche Widerstandsnester gefügig machen wird: Auch die Medien werden eines Tages freundlicher zu Trump, weil er wirtschaftlichen Druck auf sie ausüben kann. Und die Sicherungen im Kongress und Senat werden schlecht greifen, weil die republikanische Partei, zu der Trump keinerlei Loyalität empfindet, so schwach ist, dass die Abgeordneten angreifbar sind: "Das größte Risiko für all ihre Pläne und Projekte ist der selbe 'X-Faktor', dem sie ihre Wahl verdanken: Donald Trump und seine berüchtigt unberechenbare Person. Was Trump erregt, sind seine Zustimmungsraten, sein Reichtum, seine Macht.  Der Tag könnte kommen, an dem er die Republikanische Partei wie einen Ballast abwirft zugunsten einer populistischen Koalition, die Nationalismus mit generösen Sozialausgaben kombiniert  - ein Mix, der auch in anderen Gefilden des Autoritarismus wie in Polen funktioniert hat. Wer zweifelt daran, dass Trump so etwas tun könnte?" Die einzige Hoffnung sieht Frum letztlich in den individuellen Bürgern, die - etwa über Telefonanrufe bei ihren Senatoren - Druck auf ihre Repräsentanten machen.