Im Kino

Ninja-Schlümpfe in Paris

Die Filmkolumne. Von Robert Wagner
16.07.2025. Alle Schlümpfe sind schon da. Zumindest am Anfang von Chris Millers "Die Schlümpfe - Der große Kinofilm"; der sich leider im Anschluss von allem Schlumpfigen weitgehend fernhält. 

Früh im Film läuft die ikonische Erkennungsmelodie der Hanna-Barbera-Serie aus den 1980er Jahren. Die Pilzhäuser stehen im Wald, die Schlümpfe machen Party, Papa Schlumpf als DJ: keine Frage, wir befinden uns in Schlumpfhausen. Es dauert nicht lange, bis alle ihre kleinen Auftritte absolviert haben. Auf Papa folgen Schlumpfine, Hefty, Schlaubi, Clumsy, Beauty, Torti und Co. Schließlich endet es in einigen Meta-Scherze darüber, dass zu jeder denkbaren Eigenschaft ein Schlumpf existiert - selbst einen Hinten-im-Bild-steh-Schlumpf oder einen Hai-Test-Schlumpf. Ein unauffälliger Auftakt also, der uns versichert, dass wir einen Schlumpf-Film mit ein paar zeitgemäßen Auffrischungen sehen.

Auf gewisse Weise ist das Augenwischerei. Bevor "Die Schlümpfe - Der große Kinofilm" nämlich in Schlumpfhausen ankommt, gibt es ein Intro, das uns erklärt, dass die Schlümpfe Teil eines multidimensionalen Kampfs zwischen Gut und Böse sind. Vier lebendige Zauberbücher, die die Kraft haben, das Schicksal der Wirklichkeit und des Multiversums zu bestimmen, waren vor hundert Jahren in die Hand von vier Zauberern gefallen, die natürlich nur Böses damit vor hatten. Aufgehalten wurden sie von drei Schlümpfen, die eines der Bücher retten konnten und damit die Machtergreifung verhinderten. Papa wiederum hat dieses Buch in Schlumpfhausen versteckt. Niemand sollte je von seinem Aufenthaltsort erfahren.

Die eingangs erwähnte Szene endet mit No Name, einem Schlumpf, der seine Eigenschaft noch nicht gefunden hat. Für ihn bedeutet der Film eine Quest, an deren Ende die Erkenntnis steht, dass es magisch ist, zu wissen, wer man ist. Das Intro wiederum verleiht dieser Quest ihr episches Ausmaß. Einer der vier Zauberer von damals ist Gargamels Bruder Razamel, der nun Papa entführt. Eine Handvoll Schlümpfe bricht auf, um ihn zu retten, wobei sie Ninja-Schlümpfe in Paris treffen, Papas Bruder Ken und fusselige Minimonster in Australien kennenlernen, Razamels Schloss am Rande Münchens begehen, interdimensionale Sprünge vollziehen, in interstellaren Besprechungsräumen und divergenten Dimensionen gegen Razamel kämpfen und von der Existenz Rons erfahren, eines heroischen Schlumpfs mit endlos langer, güldener Mähne.


Beide Erzählstränge verbindet, dass sie höchstens oberflächlich mit den Schlümpfen zu tun haben. Nur Schlumpfine und Papa spielen für No Names Suche nach sich selbst eine Rolle. Die anderen verschwinden nach dem Auftakt schnell wieder im Hintergrund, selbst der Meta-Gag, dass sie zum Hinten-im-Bild-steh-Schlumpf verbannt sind, entfällt bald. Nicht mal Schlaubi darf in seiner aufdringlichen Art zweifelhafte Vorschläge unterbreiten.

Der Kampf um die Verteidigung der Wirklichkeit wiederum versucht alles, um Schlumpfhausen und die Schlümpfe möglichst schnell hinter sich zu lassen. Immer wieder werden per Infodump, Rückblenden und einem ständigen Aufbrechen zu neuen Ufern weitere Charaktere eingeführt, neue Zusammenhänge des Schlumpfseins offenbart und der Grundstein dafür gelegt, dass es hier um nicht weniger geht als um alles. Bei allen Upgrades des Altbekannten bleibt die Grundlage selbst kaum bestehen. Beziehungsweise: Das Schlumpfige steht, wie im Fall von Gargamel, lediglich in der Gegend herum und scheint nur noch da zu sein, um da zu sein. Das Schlumpfige ist bloß noch Pflicht, nicht Sinn, Verstand oder einfach nur Lust.

Das wäre alles nicht weiter schlimm, wenn das Neue etwas zu bieten hätte. Aber die Marvelisierung mitsamt einigen postmodernen Scherzchen und der Behauptung, dass es stets um die Verteidigung der gesamten Wirklichkeit durch die einzig würdigen Helden geht, führt zu nichts außer hastender Gefälligkeit. So sehr ist der Film auf Schnelligkeit und ständige Novität ausgelegt, dass das Neue von vor ein paar Minuten bald schon wieder im Hintergrund verschwindet. Wozu es Papas Bruder gibt oder die fusseligen Bälle, die große Auftritte haben, bleibt letztlich ein Rätsel.

Die erschreckend kurze Halbwertszeit der eigenen Einfälle hängt zusammen mit der Qualität, dem Herzblut und der Kreativität, mit der das alles betrieben wird. Optisch und erzählerisch herrscht eine abgeklärte Gesichtslosigkeit, halbwegs professionell zusammengeschustert ist der Film schon, aber letztlich will er bloß auf ein paar wenige exponierte Momente hinaus, die möglicherweise als Memes verwertbar sind. Selbst der Kampf gegen Razamel, der sich in 8-bit-Computerspiel-, Anime- und Gekritzel-Dimensionen vollzieht, entspricht einfach nur dem Status quo medialer Querverweise mit Retrotouch. Das ist vielleicht das Schlimmste an "Die Schlümpfe - Der große Kinofilm": dass zwar nicht viel zusammenläuft, dass er aber auch niemals ein wenig seltsam wird. Was bleibt ist schlicht generisches, gefälliges Irgendwas.

Robert Wagner

Die Schlümpfe - Der große Kinofilm - USA 2025 - OT: Smurfs - Regie: Chris Miller - Laufzeit: 92 Minuten.