Die Buchmacher - Archiv

Börsenblatt

328 Presseschau-Absätze - Seite 31 von 33

Die Buchmacher vom 17.06.2002 - Börsenblatt

Aus der Walser-Debatte kann man lernen, meint der Vorsteher des Börsenvereins, Dieter Schormann. Nämlich Folgendes: "Die Debatte hat bewiesen, dass das Buch noch immer das Leitmedium der Gesellschaft ist, wenn sie ihre eigene Situation reflektiert und kritische Neubewertungen anstrebt. Bücher bewegen." Lernen könne man auch aus der Konjunkturflaute der vergangenen Monate: "Nämlich, dass regionale Marketing-Aktionen notwendig sind, dass die Verlage noch nie so auf die Mitarbeit des Buchhändlers vor Ort für die Durchsetzung eines Titels angewiesen waren wie zurzeit". Mehr zur Walser-Debatte hier.

Unabhängig davon, ob der "Tod eines Kritikers" ein schlechtes Buch ist, wie einige lebende Kritiker meinen, oder ein antisemitisches Buch, wie von der FAZ unterstellt, unabhängig auch davon, ob die neuerliche Walser-Debatte nur eine Inszenierung posierender Gockel ist: Das Buch "könnte ein Verkaufshit werden", meint das Börsenblatt vorsichtig. Die Startauflage liegt bei ebenfalls vorsichtigen 50.000 Exemplaren. Bei hoher Nachfrage könne rasch nachgedruckt werden, erklärt Suhrkamp. "Die vergleichsweise geringe Auflage - Walsers zuletzt veröffentlichter Roman 'Der Lebenslauf der Liebe' war mit 100.000 Exemplaren gestartet - begründet der Verlag damit, dass man zurückhaltend agieren wolle. Dies betreffe auch die Werbung." Der gute Absatz scheine ohnehin garantiert, so das Börsenblatt. "Zahlreiche Buchhändler" sagten dem Magazin, dass sie "Tod eines Kritikers" in hoher Stückzahl bestellt hätten. Die Nürnberger Heinrich Heine Buchhandlung wird das Buch dagegen nicht führen.

Springer hat eine Einstweilige Verfügung gegen Eichborn erwirkt. Der Verlag darf das Buch "Vom Dackel der Großmutter entmannt - die besten 'Bild'-Schlagzeilen aus 50 Jahren" nicht mehr in den Handel bringen. Die bereits ausgelieferten Exemplare dürfen allerdings noch verkauft werden. "90 Prozent der Druckauflage (10.000 Exemplare) seien bereits im Handel, sagte Esther von Bruckhausen, Pressesprecherin von Eichborn, auf Anfrage."

Weitere Beiträge: Joanne K. Rowling schafft es nicht - "Harry Potter und der Orden des Phönix" (Band fünf der Reihe) wird in diesem Jahr nicht mehr erscheinen. Möglicherweise wird das Sortiment auch im nächsten Jahr ohne den wahrscheinlichen Bestseller auskommen müssen. Joachim Walter gibt Denkanstöße zum Reizthema Konditionen. Henning Klüver berichtet über die Fiera Internazionale del Libro, die im Mai in Turin stattfand. Von Michi Strausfeld erfahren wir, dass Deutsche Buchwochen in Barcelona und Madrid den deutschen Autoren den Weg in spanische Verlage ebnen sollen. Am 1. Juli tritt das neue Urhebervertragsrecht in Kraft. Im ersten Teil einer sechsteiligen Serie erklärt Börsenvereinsjustiziar Christian Sprang "die Regelungen, die für Verlage besonders wichtig sind". Teil zwei erschien im Börsenblatt vom 14. Juni.

Die Buchmacher vom 11.06.2002 - Börsenblatt

Stichproben des Börsenblatts haben ergeben, dass die Boykottdrohungen gegen Ullstein Heyne List nicht umgesetzt wurden. "Sowohl bei Hugendubel in Frankfurt am Main als auch bei der Mayerschen Buchhandlung in Dortmund stehen Hardcover aus der Heyne-Produktion in den Regalen. Auch im Taschenbuch wurde wohl kein Einkaufsstopp ausgesprochen: Die Juni-Titel werden als Neuerscheinungen herausgestellt." Die Drohungen waren ausgesprochen worden, weil der Verlag eine Vorab-Lizenz des Grisham-Titels "Die Farm" an den Bertelsmann-Club vergeben hatte.

Die Erbfolge bei Suhrkamp ist geregelt: "Der Stiftungsrat der Siegfried und Ulla Unseld Familienstiftung ist am vergangenen Samstag zur konstituierenden Sitzung zusammengetreten. Damit erfuhr die Öffentlichkeit auch erstmals, dass es die von Verleger Siegfried Unseld seit langem geplante Stiftung jetzt gibt; das Land Hessen hat sie am 29. April genehmigt." Außerdem meldet das Börsenblatt, dass Suhrkamp "kein antisemitisches Buch" druckt. Und das Blatt bringt eine Zusammenfassung der Feuilleton-Reaktionen auf Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers" (mehr dazu auch hier).

Das irgendwie uncoole Zurückschlagen gegen Literaturkritiker macht Schule: Das Börsenblatt weist darauf hin, dass offenbar auch Bodo Kirchhoff negative Gefühle gegen Marcel Reich-Ranicki hegt.

Weitere Meldungen: Weltbildplus wächst. Und das Börsenblatt bringt Teil zwei der "Überlebensstrategien für Verlage".

Die Buchmacher vom 11.06.2002 - Börsenblatt

Keine Woche ohne schlechte Nachrichten: Nicht nur der Buchhandel, natürlich auch die Verlage müssen Umsatzrückgänge hinnehmen, meldet das Börsenblatt. "Die an der Schnellumfrage des Börsenvereins teilnehmenden Unternehmen des herstellenden Buchhandels hatten im vergangenen Jahr erstmals mit sinkenden Umsätzen zu kämpfen; die Erlöse sind um 0,1 Prozent zurückgegangen". "Den größten Teil des Umsatzes (67,39 Prozent) steuern nach wie vor die Bücher bei. Deutlich gestiegen - von 0,3 Prozent auf 1,4 Prozent - ist der Anteil der Online-Dienste. Einen Rückgang von 17,2 Prozent auf 14,64 Prozent verbuchten die Zeitschriften."

Passend zu den Ergebnissen der Schnellumfrage des Börsenvereins startet das Börsenblatt eine Serie "Überlebensstrategien für Verlage". Teil eins ist in diesem Heft erschienen.

Christina Schulte kommentiert die Krise in der Buchbranche: "Der Buchhandel wird von der größten Krise seit Jahrzehnten erschüttert (...). Verstummt ist das Gespött über Buchhändler und Verleger, denen gern unterstellt wird, mit Passion zu jammern und zu klagen. Der Ernst der Lage scheint offensichtlich. (...) Warum schwächelt die Buchbranche so sehr? Sind die Probleme hausgemacht? Oder ist doch die gesamtwirtschaftliche Lage schuld? Die Antwort liegt in der Mitte."

Auf vier Seiten stellt Peter Ripken, Geschäftsführer der Gesellschaft zur Förderung der Literatur aus Afrika, Asien und Lateinamerika, den diesjährigen Friedenspreisträger Chinua Achebe vor. "Ausgangspunkt seines Schreibens war in den 50er Jahren für den jungen Achebe, den kolonialen Bildern Afrikas, wie sie etwa Joseph Conrad in 'Herz der Finsternis' oder Joyce Cary in seinem heute vergessenen Roman 'Mister Johnson' zeichneten, etwas entgegenzusetzen. Diese Art von Gegendiskurs charakterisiert die bislang fünf Romane Chinua Achebes, mit denen er einen Beitrag leistet für Afrikas Erneuerung und gegen falsche Zuschreibungen für das, was Afrikas Krise auszumachen scheint." Vier Titel von Achebe sind in Deutschland lieferbar: "Okonkwo oder der Alte stürzt", "Der Pfeil Gottes", "Ein Bild von Afrika. Rassismus in Conrads 'Herz der Finsternis'" und "Zwölf Gedichte".

Weitere Meldungen: Die Umbenennung der Phönix-Filialen in Thalia ist abgeschlossen. Nach dem Zusammenschluss der beiden Ketten präsentieren sich nun 76 Buchhandlungen in Deutschland unter dem Namen Thalia. Dann hat der Sortimenterarbeitskreist AKS die Buchhändler aufgefordert, künftig Prepaid-Guthaben für Mobiltelefone in ihr Sortiment aufzunehmen. "Offensichtlich gehe es trotz Umsatzrückgängen vielen Buchläden so gut, dass sie eine zusätzliche Kundenfrequenz nicht einmal ausprobieren wollten", schreibt Ilona Rehme vom AKS sarkastisch. Mehr Infos hier. Der Verlag Hoffmann und Campe baut sein Hörbuch-Segment aus. Und mit dem Landesverband Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen hat der neunte von elf Landesverbänden für den Zusammenschluss von Landesverbänden und Börsenverein zu einem Gesamtverband gestimmt.

Schließlich porträtiert Adrienne Braun den Jan Thorbecke Verlag, der sich - nachdem die Bibliotheken als Hauptkunden wegbrachen - ein neues Profil gegeben hat. "Mit Titeln zur Geschichtswissenschaft hat der Verlag einen guten Ruf. (...) Da mit purer Wissenschaft zuletzt jedoch wenig Geld verdient wurde, versucht man sich jetzt vor allem als Publikumsverlag." Der Verlag konzentriere sich, so Verlagsleiter Jörn Laakmann, auf "leicht lesbare, illustrierte, seriöse Sachbücher".

Die Buchmacher vom 03.06.2002 - Börsenblatt

Jetzt erwischt es auch die Großen: Bei Hugendubel, der zweitgrößten Buchhandelskette in Deutschland, wird über Kurzarbeit nachgedacht. "Die Reduzierung der Arbeitszeit und die damit verbundenen Kürzungen bei den Gehältern se jedoch die letzte aller möglichen Sparmaßnahmen, sagte Hugendubel-Geschäftsführer Thomas Nitz dem Börsenblatt." Mehr hier.

Streit um den Deutschen Jugendliteraturpreis: Der Bohem-Press-Verleger Otakar Bozejovsky v. Rawennoff hat den Juroren des renommiertesten Kinder- und Jugendbuchpreises insbesondere in der Sparte Bilderbuch Blindheit und Inkompetenz vorgeworfen. "Die Nominierungsliste im Bilderbuch habe ihm bestätigt, dass der Preis keine Auszeichnung mehr sei; bedeutende Illustratoren blieben unberücksichtigt". Der Nord-Süd Verlag sieht das ähnlich; Carlsen-Verleger Klaus Humann verteidigte die Nominierungsliste dagegen.

Nach einer Studie der GfK hat der E-Commerce in den vergangenen zwölf Monaten in Europa weiter zugelegt. Deutsche User gaben im Frühjahr 2002 rund 2,6 Milliarden Euro bei Einkäufen im Internet aus, ein Jahr zuvor waren es 1,2 Milliarden Euro. "Zu den beliebtesten Produkten bei Online-Shoppern zählen Bücher", vermerkt das Börsenblatt.

In Tübingen findet vom 7. bis zum 9. Juni das dritte Bücherfest statt. Mit dabei sind nach Angaben des Börsenblatts Ulrich Peltzer, Ingrid Noll und Peter Stamm. Noch bis zum 8. Juni läuft der elfte Sächsische Bücherfrühling in Leipzig. Motto: "Auto(r)mobile - Die Bewegung in der Literatur". Gelesen wird in Bussen, Straßen- und Eisenbahnen, im Eisenbahnmuseum Lunzenau und im Museum für Sächsische Fahrzeuge Chemnitz, im Paternoster des Leipziger Rathauses und, zum Abschluss, auf einem Schrottplatz.

Außerdem: Bei den Buchhändlertagen in Braunschweig wurde die Pflicht, Publikationen im Einklang mit Grundgesetz und Strafgesetzbuch zu veröffentlichen, aus dem Entwurf für die Satzung des Gesamtvereins gestrichen. Unter dem Titel "Die Pflicht, die zu weit ging" schreibt Hans-Martin Schmidt über das Thema Selbstzensur. Holger Ehling berichtet von der BookExpo (die auch schon einige Zeit her ist). Und Nils Kahlefendt porträtiert den Verlag HörZeichen.

In der Beilage "Aus dem Antiquariat" schreiben Ulrich Bach und Björn Biester über die Emigration deutscher und österreichischer Antiquare nach Großbritannien während der Nazi-Zeit. H. D. Tschörtner erinnert an den "aufrechten Antifaschisten und vielseitig begabten Schriftsteller" Günther Weisenborn. Folgende Ausstellungskataloge und Ausstellungen werden besprochen: zum Buchhändler Martin Flinker, der vor den Nazis nach Afrika floh, später im Nachkriegs-Paris landete und dort eine Buchhandlung eröffnete (Musee d'art et d'histoire du Judaïsme, Paris); zu deutschsprachigen Schriftstellern im Schweizer Exil, 1933-1950 (Frankfurt am Main); zur Hermann-Hesse-Gedächtnisausstellung im Schweizerischen Landesmuseum Zürich; zu Fotobüchern der zwanziger und dreißiger Jahre (Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg).

Die Buchmacher vom 03.06.2002 - Börsenblatt

Der Piper Verlag legt sich eine Fantasy-Schiene zu. Pro Halbjahr sind fünf Novitäten geplant, schreibt das Börsenblatt, die ersten Titel erscheinen im Herbst. Ab Sommer nächsten Jahres soll es auch Fantasy-Taschenbücher geben. Piper Fantasy - so heißt die Linie - führt außerdem das phantastische Programm des Weitbrecht Verlags weiter; das ehemalige Thienemann-Imprint war 2001 an den schwedischen Medienkonzern Bonnier verkauft worden, zu dem auch Piper gehört.

Bei den Ratgeberverlagen Südwest und Ludwig (Verlagsgruppe Ullstein Heyne List) sollen künftig nur noch 20 bis 25 Titel pro Saison erscheinen, halb so viele wie bisher. Die Verlage wollen den Umsatz trotzdem halten, sagt Verlagsleiterin Bettina Breitling im Interview mit dem Börsenblatt. "Unser Ziel ist es, durch gute Planung und gezieltes Marketing höhere Auflagen zu verkaufen." Einzelne Reihen sollen eingestellt werden, Gesundheit, Fitness und Ernährung (Südwest) sowie "Esoterik light" (Ludwig) bleiben die Kernbereiche.

Ab Oktober wird es auch bei Fischer eine allgemeine Sachbuchreihe im handlichen Taschenbuchformat geben. Unter den ersten Titeln: "Darwinismus", "Europa", "Das Genom" und "Islam". Nun könnte man sagen: Das gibt es längst. Programmleiter Peter Sillem formuliert: "Wir wollten bewusst Vergleichbarkeit herstellen." Und: "Wir sind nicht den Weg des geringsten Widerstands gegangen und haben Fachjournalisten gewonnen, sondern Professoren dazu gebracht, sich verständlich auszudrücken." Ab Oktober sollen diese Professoren ihre Bände auf der Internet-Seite www.fischer-kompakt.de "ständig auf den neuesten Stand bringen" und "zu aktuellen Entwicklungen Stellung nehmen".

Weitere Meldungen: Der Egmont Franz Schneider Verlag belebt das Bilderbuchprogramm des Verlags Boje wieder: Im Juli erscheinen fünf neue Titel "zu Themen wie Angst im Dunkeln oder Nicht-mit-spielen-dürfen", so das Börsenblatt. - Die französische Verlagsgruppe Hachette wird ihre Töchter Editions Stock und Calmann-Levy nun doch nicht zu einem Großverlag fusionieren. Und die Weka-Gruppe hat die Umstrukturierung ihres Fachinformationsbereiches abgeschlossen.

Außerdem schreibt Michael Rosler-Graichen über Markenführung in Fachverlagen, der EDV-Berater Knut Nicholas Krause über IT-Lösungen für Fachverlage. Christina Schulte hat sich mit Nicolaus Sondermann vom Institut für Handelsforschung über den Jahresbetriebsvergleich im Sortimentsbuchhandel unterhalten. Und Alexander U. Martens gratuliert "Mr. Leipzig liest", Theo Schäfer, der als Chef der Kultur- und Öffentlichkeitsarbeit des Bertelsmann Clubs die Veranstaltungsreihe "Leipzig liest" erfunden und möglich gemacht hat. Schäfer ist am 29. Mai 60 geworden.

Die Buchmacher vom 27.05.2002 - Börsenblatt

Viele kleinere Buchhandlungen sehen sich durch die aktuelle Rezession in ihrer Existenz bedroht. Zugleich legt der Marktführer zu: "Die zum Douglas-Konzern gehörende Thalia-Gruppe (Hamburg) hat im ersten Quartal nach eigenen Angaben einen Umsatz von rund 62 Millionen Euro erwirtschaftet. (...) Das Umsatzwachstum der 76 deutschen Phönix- und Thalia-Filialen betrug 6,7 Prozent." (Flächenbereinigt waren dies nach Angaben des buchreport 2,1 Prozent.) Gleich nebenan die Meldung: Schwaedt in Wiesbaden gibt auf.

Weitere Meldungen: Marcel Reich-Ranicki bringt 20 Romane in einer handlichen Kassette heraus, die für ihn den Kanon der 20 wichtigsten deutschsprachigen Romane bilden. Die Bücher-Box erscheint im Herbst. Die Banken haben das Sanierungskonzept des angeschlagenen Könemann Verlages akzeptiert. Auch die Karstadt-Buchsparte leidet unter der Konsumflaute. Und die Lübbe-Tochter Ehrenwirth (Gesundheitsratgeber) erhält ein neues Profil.

Außerdem gibt es Berichte über die Arbeit in Wörterbuchredaktionen und über das neue Buch von Isabel Allende, das zeitgleich in unterschiedlicher Ausstattung (und mit unterschiedlichen Preisen) bei Suhrkamp und Hanser erscheinen wird. Eine solche Kooperation hat es bislang nicht gegeben. Suhrkamp, Allendes Stammverlag, hatte eine Sublizenz an Hanser für eine Jugendbuchausgabe vergeben. "Doch niemand weiß, wie der Buchhandel, wie die Presse, wie die Leser reagieren werden", schreibt das Börsenblatt. Suhrkamp-Vertriebsleiter Ulrich Sonnenberg sagt: "Es wird spannend werden." Verkauft werden beide Ausgaben zuerst am 22. August, Suhrkamp druckt 100.000 Exemplare zum Preis von je 22,90 Euro, Hanser druckt 200.000 Exemplare die für 16,90 Euro an die Jugend gebracht werden sollen. Die Idee, zwei Ausgaben zur selben Zeit auf den Markt zu bringen, hatte Allendes Agentur.

In einem Extra-Teil des Börsenblatts geht es um Reiseführer und Reisebuchverlage. Darin unter anderem: Reiseführer für Kinder und Jugendliche sowie Reisehörbücher (!).

Die Buchmacher vom 27.05.2002 - Börsenblatt

Der Salzburger Verleger Jochen Jung ärgert sich über fehlendes Engagement der Buchhändler für Titel, die "gemeinhin als schwierig oder anspruchsvoll bezeichnet werden". Er folgert: "Wenn viele Verlage nicht einmal mehr die Chance bekommen, sich mit Hilfe der Verbreitungsmöglichkeiten des regulären Buchhandels zu positionieren, warum müssen sie sich dann an dessen Regularien halten? Ist dieses Ablocken des Buchhandels nicht eine Art Aufkündigung des contrat social zwischen Buchhandel und Verlagen?"

Der Konditionen-Streit zwischen der Deutschen Verlags-Anstalt (DVA) und den Barsortimenten geht weiter. Der Verlag hatte "überzogene Rabatte" für Barsortimente "auf den oberen Rand des Normalmaßes" gekürzt (laut Börsenblatt von 35 auf 33 Prozent) und zugleich die Konditionen für direkt beim Verlag bestellende Buchhandlungen verbessert. DVA-Geschäftsführer Jürgen Horbach wirft den Barsortimenten, aber auch den Buchketten in einem offenen Brief vor, "ihre höchst bedenkliche und ungesunde Marktmacht" auszunutzen. "Seit Jahren sieht sich die DVA - und mit ihr wahrscheinlich auch weitere Verlage gleichen Zuschnitts - mit jährlich oder fast jährlich steigenden Wünschen nach Konditionenverbesserungen konfrontiert." Weil die DVA sich hier widerständig verhalte, diskriminierten die Barsortimente nun den Verlag, "um mal wieder ein Exempel zu statuieren". Außerdem sei das Unternehmen "für längere Zeit" von großen Filialisten sowie von Internet-Buchhändlern von Zentrallager- und Direktbezügen ausgeschlossen worden. Außerdem beklagt Horbach die seiner Ansicht nach verfehlte Solidarität zwischen kleinen und großen Buchhändlern. Anlass: Die Reaktion der Kleinen auf den Grisham-Streit zwischen Ullstein Heyne List und einigen großen Buchketten: "Einige große Filialisten finanzieren mit ihrem Bezugsweg Barsortiment (den in Wahrheit nur die Verlage finanzieren) ihren Verdrängungswettbewerb gegenüber dem kleineren und mittleren Sortiment (...). Es ist allerdings verwunderlich, dass das kleine und mittlere Sortiment eine solche Entwicklung auch noch im Gleichklang mit den Handelsriesen beklatscht. (...) Merken die denn nicht, dass die zunehmende Handelsmacht der Filialisten und Barsortimente gerade auch ihnen das Wasser abgräbt?" (Diese merkwürdige Solidarität hatte bereits die NZZ beobachtet. Horbachs Brief gibt es in der Online-Ausgabe des Börsenblatts nicht, nur den Bericht darüber.)

Time Warner und Joanne K. Rowling haben rechtliche Schritte gegen den Verlag an der Ruhr eingeleitet. "Auch gegen andere Hersteller von Unterrichtsmaterialien, unter ihnen Cornelsen Scriptor, ist Time Warner offenbar juristisch vorgegangen." Nach Darstellung der Time-Warner-Anwälte hat der Verlag an der Ruhr Namens- und Titelschutzrechte verletzt. Inhalte aus den "Harry Potter"-Bänden seien unerlaubt in Unterrichtsmaterialien des Verlags übernommen worden. Begriffe und Eigennamen wie "Hogwarts", "Dumbledore", "Hermine" oder "Quidditch" seien Erfindungen der Autorin und könnten nicht ohne Lizenz genutzt werden. "Nach geltendem Recht sei eine monothematische Aufarbeitung eines geschützten Werkes in Schulmaterialien nicht zulässig, so der Anwalt Axel Nordemann. Lizenzen für Schulmaterialien hätte die Autorin bewusst nicht vergeben." Hier die Position des Verlags an der Ruhr: Dessen Verleger Wilfried Stascheit fragt sich dem Börsenblatt zufolge, "ob man zu bestimmten Themen und Büchern überhaupt noch Sekundärliteratur produzieren könne, wenn der Urheberrechts- und Markenschutzgedanke so weit ausgedehnt werde".

Weitere Meldungen: Der Göttinger Verlag Vandenhoeck & Ruprecht hat eine Books-on-Demand-Tochter gegründet: V&R unipress. Anzeigenflaute und Wirtschaftsflaute haben bei Fachzeitschriften zu einem Umsatzrückgang von 13 Prozent geführt. Und das EU-Parlament hat die Europäische Kommission aufgefordert, bis Ende 2002 einen Richtlinienentwurf zur Buchpreisbindung vorzulegen.

Außerdem schreibt Tamara Weise über die Arbeit eines Schulberaters (der wird von Schulbuchverlagen in die Schulen geschickt und brauche "starke Nerven und hohe Sensibilität"). Stefan Hauck berichtet von der Arbeitstagung der Arbeitsgemeinschaft Wissenschaftlicher Sortimenter (AWS) in Münster (auch dort ging es um den "Kampf um die Rabatte"). Des weiteren schildert Hauck die Umstrukturierung bei der Verlagsgruppe Oetinger. Und schließlich informiert das Börsenblatt über die Details der Kooperation zwischen dem Verzeichnis lieferbarer Bücher und der Deutschen Bibliothek.

Die Buchmacher vom 21.05.2002 - Börsenblatt

Die von Thalia, Hugendubel und der Mayerschen Buchhandlung gegen den Heyne Verlag verhängten Sanktionen sind offenbar noch nicht vom Tisch, schreibt das Börsenblatt. "Öffentlich äußern wollte sich zum jetzigen Zeitpunkt jedoch keiner der Großbuchhändler." Noch in Braunschweig hatten die versammelten Buchhändler die Entschuldigung des Ullstein-Heyne-List-Verlegers Christian Strasser generös angenommen. In der Ausgabe vom 14. Mai erzählt das Börsenblatt von Strassers Gang nach Canossa. Strasser hatte sich heftigen Ärger mit den großen Buchketten eingehandelt, weil er eine Bestseller-Lizenz vorab an den Bertelsmann Club vergeben hatte. In Braunschweig leistete er vor den Buchhändlern Abbitte (die NZZ hatte seinen Auftritt bereits beschrieben). "Der Verleger entschuldigte sich persönlich bei Heinrich Riethmüller von der Osianderschen Buchhandlung in Tübingen, dem er einst versprochen hatte, nicht mehr am Sortiment vorbei zu agieren. Schließlich folgte der Satz, der die Erwartungen übertraf: Solange er in der Verlagsgruppe verantwortlich sei, 'werden wir keine Club-Premieren mehr vergeben', sagte Strasser, 'niemals mehr.'"

Der Harry-Potter-Verlag Carlsen hat eine einstweilige Verfügung gegen eine Hamburger Saturn-Filiale erwirkt. Diese wollte jedem Käufer einer Harry-Potter-DVD (19,99 Euro) das Buch (14,50 Euro) kostenlos dazu geben. Mit der einstweiligen Verfügung werde es Saturn untersagt, das Buch weiterhin zu einem Preis anzubieten und/oder zu bewerben, der unter dem gebundenen Ladenpreis liegt, so das Börsenblatt (mehr hier). "Wer die Bücher an Saturn geliefert hat, würde noch recherchiert, sagte Carlsen-Geschäftsführer Klaus Kämpfe-Burghardt". Der Börsenverein hat Saturn zudem abgemahnt. Der Verband argumentiert, der Preis sei so niedrig, dass sich der Kunde nur zum Kauf der DVD entschließe, um in den Besitz des Buches zu gelangen. "Damit würde der DVD-Kauf entscheidend durch eine sachfremde Erwägung bestimmt, womit der Tatbestand des übertriebenen Anlockens im Sinne der Generalklausel des Paragrafen 1 Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) erfüllt sei."

Weitere Meldungen: Die Arbeitsgemeinschaft wissenschaftlicher Sortiments- und Fachbuchhandlungen (AWS) will mit dem Thieme Verlag über dessen neues Konditionenmodell sprechen. Geklärt werden soll, ob dieses Modell "auf der Basis gesicherter Zahlen berechnet wurde". Die Fachbuchhändler sehen sich vom Thieme-Modell übervorteilt. Das Börsenblatt meldet außerdem, dass Ende Mai eine Taschenbuchausgabe von Sebastian Haffners "Geschichte eines Deutschen" erscheint, in der das verschollen geglaubte Schlusskapitel enthalten ist. Und die Privatisierung des Österreichischen Bundesverlags (ÖBV) kommt nur langsam voran.

Dann fasst Jürgen Hespe eine Logistikumfrage bei Verlagsauslieferern zusammen (die hohe Remissionsquote bleibt ein Problem). Christiana Schulte schreibt über die Umsatzentwicklung im Buchhandel im April und über Unterschiede zwischen dem Verzeichnis lieferbarer Bücher und der Deutschen Bücherdatenbank. Sybille Fuhrmann berichtet von der Jahrestagung des Bundesverbands der deutschen Versandbuchhändler (Titel: Entschleunigung, das klingt sehr vernünftig).

"Mit dem Thema Gewalt kann eigentlich nur die Sexualität mithalten. Das Töten gehörte schon immer zu einem der stärksten Genüsse der menschlichen Spezies", sagt Wolfgang Sofsky. Das Börsenblatt bringt ein Porträt des Soziologen, der für seine Habilitation "Die Ordnung des Terrors. Das Konzentrationslager" mit dem Geschwister-Scholl-Preis ausgezeichnet wurde. Im Gespräch mit dem Börsenblatt sagt Sofsky, er folge dem Leitsatz seines Lehrers Hans Paul Bahrdt, der davon gesprochen habe, "dass die Gesellschaft mit den Sinnen zu erfassen sei". Zuletzt erschien von Sofsky "Zeiten des Schreckens".

Die Buchmacher vom 21.05.2002 - Börsenblatt

Eine historische Entscheidung haben die Börsenvereinsmitglieder auf den Buchhändlertagen in Braunschweig gefällt: Sie stimmten einer Fusion von Börsenverein und den Landesverbänden der Branche mit großer Mehrheit zu. Die meisten Landesverbände hatten diese Zustimmung bereits zuvor gegeben. "Jetzt steht noch die Entscheidung der Landesverbände Bayern und Baden-Württemberg aus - aller Voraussicht nach werden sie der Fusion von Börsenverein und Landesverbänden ebenfalls zustimmen. Ab 2003 wird dann der Gesamtverein die Interessen der Branche vertreten". Nachdem der buchreport im Vorfeld geschrieben hatte, die Anmeldungen für die Buchhändlertage hätten einen neuen Tiefstand erreicht, weist das Börsenblatt darauf hin, das Treffen sei gut besucht gewesen.

In Braunschweig wurde auch eine neue Beitragsstaffel für den Börsenverein verabschiedet. Auf die dritte Sonderumlage wird verzichtet, für 2003 wird ein ausgeglichener Haushalt angestrebt. Die Vermögenslage des Börsenvereins sei dennoch nach wie vor angespannt, "bedingt vor allem durch die finanziellen Belastungen, die das Haus des Buches verursacht."

Und noch ein Machtkampf: Die Barsortimente Libri, KNO und Umbreit überlegen, die Herbst-Titel der Deutschen Verlags-Anstalt nicht einzukaufen und ordern derzeit nicht nach. Der Grund: Die DVA hatte den Grundrabatt für seine Belletristik- und populären Sachbuch-Programme gesenkt (gleichzeitig aber, so das Börsenblatt, die Konditionen für den Nachbezug verbessert). Libri und Co. werfen dem Verlag vor, es gehe ihm darum, weniger Bücher über die Barsortimente zu verkaufen. Die DVA bestreitet das nicht: Der Verlag habe eine Barsortimentsquote von 30 Prozent; diese Quote sei zu hoch.

Die VG Wort hat im vergangenen Jahr ein neues Rekordergebnis erzielt, meldet das Börsenblatt. "Von den gestiegenen Einnahmen dürften die einzelnen Berechtigten allerdings nicht viel gemerkt haben. Denn die Zahl der Ausschüttungsempfänger ist nach Angaben der VG Wort erneut gewachsen; Tantiemen erhielten rund 108.000 Autoren und 5.400 Verlage - das sind 8,5 Prozent mehr als im Vorjahr."

Die Jury des Leipziger Buchpreises zur europäischen Verständigung bittet um Vorschläge für mögliche Preisträger. "Gesucht werden Persönlichkeiten, 'die sich in Buchform um das gegenseitige Verständnis in Europa verdient gemacht haben'", zitiert das Börsenblatt aus den Statuten. Der Schwerpunkt liege auf dem Ausgleich mit und dem Zugang zu den Kulturen Mittel-Ost-Europas. Die Auszeichnung wird auf der nächsten Leipziger Buchmesse im Frühjahr 2003 vergeben.

Ein wenig verspätet meldet das Börsenblatt, dass die Europäische Kommission das Verfahren gegen die Buchpreisbindung zu den Akten gelegt hat. "In einem Brief an den Börsenverein hat die Europäische Kommission dem Sammelrevers ein so genanntes Negativ-Attest ausgestellt. Das mehr als neun Jahre dauernde Prüfverfahren gegen das in Deutschland gebräuchliche System der Buchpreisbindung sei nun eingestellt worden, freut sich Börsenvereinsvorsteher Dieter Schormann." Viel später hätte der Brief aus Brüssel nicht kommen dürfen: Börsenverein und Gesetzgeber bereiten derzeit ein Preisbindungsgesetz vor, das den Sammelrevers ablösen wird. (Zum Stand der Verhandlungen bringt das Börsenblatt einen Zwischenbericht.)

Weitere Beiträge: Der Medienkonzern Axel Springer schreibt erstmals rote Zahlen. Christina Schulte schreibt über Strategien zur Zukunftssicherung für Verlage und Buchhändler (im Anreißer heißt es: "Die Verlage sollen ihre Titelproduktion um mindestens ein Viertel reduzieren". An die Buchhändler erging in Braunschweig der Appell: "Unterstützen Sie die Verlage dabei, mit weniger Titeln mehr Umsatz zu machen"). Dann berichtet Michael Roesler-Graichen von einem Treffen des Arbeitskreises Elektronisches Publizieren am Rande der Buchhändlertage. Und schließlich dokumentiert das Böbla den Jahresbericht des Börsenvereins-Vorstands sowie die Dankesrede von Maike Albath, die in Braunschweig den Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik erhielt. Darin plädiert Albath für Tiefe und Ruhe in der Kritik, vom "aktualitätsbesessenen Tagesjournalismus" hält sie nicht viel. "Die Literaturkritik ist nämlich ein behäbiges Genre."

Die Buchmacher vom 13.05.2002 - Börsenblatt

Wulf D. v. Lucius und Christian Sprang geben einen Zwischenbericht über die geplante Novellierung des Urheberrechts. Ihrer Ansicht nach schützt der vorliegende Gesetzentwurf vor allem die elektronisch publizierenden Urheber nicht ausreichend. Auch das "Forum der Rechteinhaber" sieht noch Nachbesserungsbedarf. Seine Stellungnahme findet sich hier, ein Bericht darüber hier.

Nicht im Börsenblatt zu finden ist folgende Meldung, die wir jedoch freundlicherweise vom Börsenveren zugemailt bekommen haben: Die Europäische Kommission hat das Verfahren gegen die Buchpreisbindung zu den Akten gelegt. "In einem Brief an den Börsenverein hat die Europäische Kommission nunmehr dem in Deutschland gebräuchlichen System der Buchpreisbindung, dem Sammelrevers, ein so genanntes Negativ-Attest ausgestellt. Wie der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Dieter Schormann, (...) erklärte, ist damit das über neun Jahre dauernde Verfahren gegen den deutschen Sammelrevers von der Kommission eingestellt worden."

Weitere Beiträge: Der Deutsche Fachverlag behauptet sich trotz eines Umsatzrückgangs. Der niederländische Fachverlag Wolters Kluwer bündelt seine deutschen RWS-Töchter sowie seine deutschen Bildungsverlage unter jeweils einem Dach. In einer Serie über Fachbuchhandlungen porträtiert Andreas Trojan das "Münchner Traditionshaus" Schweitzer Sortiment. Ursula Rautenberg, Professorin an der Friedrich-Alexander-Universität, stellt den Erlanger Studiengang Buchwissenschaft vor. Und Walter Funken, Geschäftsführer des Berliner Schulbuchverlages Volk und Wissen, schreibt über die Schulbuchausschreibung der öffentlichen Hand "aus preisbindungsrechtlicher, wirtschaftlicher und kulturpolitischer Sicht" (der Artikel hat zwei Teile: diesen und diesen).