Die von
Thalia,
Hugendubel und der
Mayerschen Buchhandlung gegen den
Heyne Verlag verhängten Sanktionen sind offenbar noch
nicht vom Tisch, schreibt das
Börsenblatt. "Öffentlich äußern wollte sich zum jetzigen Zeitpunkt jedoch keiner der Großbuchhändler." Noch in Braunschweig hatten die versammelten Buchhändler die
Entschuldigung des Ullstein-Heyne-List-Verlegers Christian Strasser
generös angenommen. In der Ausgabe vom 14. Mai erzählt das
Börsenblatt von
Strassers Gang nach Canossa. Strasser hatte sich heftigen Ärger mit den großen Buchketten eingehandelt, weil er eine Bestseller-Lizenz
vorab an den Bertelsmann Club vergeben hatte. In Braunschweig leistete er vor den Buchhändlern
Abbitte (die NZZ hatte seinen Auftritt bereits
beschrieben). "Der Verleger entschuldigte sich persönlich bei Heinrich Riethmüller von der
Osianderschen Buchhandlung in Tübingen, dem er einst versprochen hatte, nicht mehr am Sortiment vorbei zu agieren. Schließlich folgte der Satz, der
die Erwartungen übertraf: Solange er in der Verlagsgruppe verantwortlich sei, 'werden wir keine Club-Premieren mehr vergeben', sagte Strasser,
'niemals mehr.'"
Der Harry-Potter-Verlag
Carlsen hat eine einstweilige Verfügung gegen eine Hamburger
Saturn-Filiale erwirkt. Diese wollte jedem Käufer einer Harry-Potter-DVD (19,99 Euro) das Buch (14,50 Euro)
kostenlos dazu geben. Mit der einstweiligen Verfügung werde es Saturn untersagt, das Buch weiterhin zu einem Preis anzubieten und/oder zu bewerben, der unter dem gebundenen Ladenpreis liegt, so das Börsenblatt (mehr
hier). "Wer die Bücher an Saturn geliefert hat, würde
noch recherchiert, sagte Carlsen-Geschäftsführer Klaus Kämpfe-Burghardt". Der
Börsenverein hat Saturn zudem abgemahnt. Der Verband argumentiert, der Preis sei so niedrig, dass sich der Kunde nur zum Kauf der DVD entschließe, um in den Besitz des Buches zu gelangen. "Damit würde der DVD-Kauf entscheidend durch eine
sachfremde Erwägung bestimmt, womit der
Tatbestand des übertriebenen Anlockens im Sinne der Generalklausel des Paragrafen 1 Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) erfüllt sei."
Weitere Meldungen: Die Arbeitsgemeinschaft wissenschaftlicher Sortiments- und Fachbuchhandlungen (AWS) will mit dem Thieme Verlag über dessen
neues Konditionenmodell sprechen. Geklärt werden soll, ob dieses Modell "auf der Basis gesicherter Zahlen berechnet wurde". Die Fachbuchhändler sehen sich vom Thieme-Modell
übervorteilt. Das
Börsenblatt meldet außerdem, dass Ende Mai eine Taschenbuchausgabe von Sebastian Haffners
"Geschichte eines Deutschen" erscheint, in der das verschollen geglaubte
Schlusskapitel enthalten ist. Und die Privatisierung des Österreichischen Bundesverlags (ÖBV) kommt nur
langsam voran.
Dann
fasst Jürgen Hespe eine
Logistikumfrage bei Verlagsauslieferern zusammen (die hohe
Remissionsquote bleibt ein Problem). Christiana Schulte schreibt über die
Umsatzentwicklung im Buchhandel im April und über
Unterschiede zwischen dem Verzeichnis lieferbarer Bücher und der Deutschen Bücherdatenbank. Sybille Fuhrmann berichtet von der Jahrestagung des Bundesverbands der deutschen Versandbuchhändler (Titel:
Entschleunigung, das klingt sehr vernünftig).
"Mit dem Thema
Gewalt kann eigentlich nur die
Sexualität mithalten. Das Töten gehörte schon immer zu einem der
stärksten Genüsse der menschlichen Spezies", sagt
Wolfgang Sofsky. Das
Börsenblatt bringt ein Porträt des Soziologen, der für seine Habilitation "Die Ordnung des Terrors. Das Konzentrationslager" mit dem
Geschwister-Scholl-Preis ausgezeichnet wurde. Im Gespräch mit dem
Börsenblatt sagt Sofsky, er folge dem Leitsatz seines Lehrers
Hans Paul Bahrdt, der davon gesprochen habe, "dass die Gesellschaft
mit den Sinnen zu erfassen sei". Zuletzt erschien von Sofsky
"Zeiten des Schreckens".