Die Buchmacher - Archiv

Börsenblatt

328 Presseschau-Absätze - Seite 32 von 33

Die Buchmacher vom 13.05.2002 - Börsenblatt

Das Börsenblatt bringt ein paar Reaktionen auf den Kompromiss zur Regelung der Club-Ausgaben im geplanten Preisbindungsgesetz. Der Chef der führenden deutschen Buch-Kette Thalia, Jürgen Könnecke, lehnt das Ergebnis der Gespräche zwischen Börsenverein und Bertelsmann Club ab: "Es bringt keine Klarheit, es verlagert das Problem auf Einzelfallentscheidungen und letztendlich, konsequent durchgespielt, auf die Gerichte", sagt er. Könnecke wie auch seine Kollegen von anderen Ketten wollen die Vergabe von Vorab-Lizenzen an den Bertelsmann Club verhindern.

Eine solche Vorab-Lizenz für Grishams "Die Farm" hatte Heyne an den Club gegeben und sich damit heftigen Ärger mit wenigstens drei Buch-Ketten eingehandelt: Thalia, Hugendubel und die Meyersche Buchhandlung verhängten Sanktionen gegen den Verlag. In einem Brief an alle Buchhändlerinnen und Buchhändler ist Ullstein-Heyne-List-Verlagschef Christian Strasser nun zurückgerudert: "Als ersten Schritt hin zu einem neuen Konsens" erklärt Strasser "für unsere gesamte Verlagsgruppe", dass sie bis zur Festschreibung des Preisbindungsgesetzes "keine neuen Lizenzen für Club-Premieren vergeben werden". Zugleich rechtfertigt Strasser die Vergabe der Grisham-Lizenz. "Ich kann Ihnen versichern, dass mir die Entscheidung für die Vergabe der Lizenz an den Club nicht leicht gefallen ist." Ausschlaggebend für die Entscheidung sei gewesen, "dass wir mit der Vergabe weder gegen Branchenvereinbarungen noch gegen den Preisbindungsrevers oder gar bestehendes Recht verstoßen" haben. "Unsere Entscheidung reiht sich vielmehr ein in die etablierte Praxis der Verlage, die bereits zu einer großen Zahl von Club-Premieren geführt hat."

In einem Bericht über die Braunschweiger Buchhändlertage schrieb Joachim Güntner vor wenigen Tagen in der NZZ: "Die kleinen und mittleren Sortimente wissen, dass ihnen vor allem die Konkurrenz der Buchhandelsketten die Luft abdreht. Giganten wie Thalia und Hugendubel, die jetzt für einmal als ihre Mitstreiter auftraten, müssen sie generell mehr schrecken als der Bertelsmann-Club mit seinem Marktanteil von gerade einmal 3,8 Prozent." Wissen die kleinen Sortimente das wirklich? Buchhändler Uli Gruber aus dem oberschwäbischen Bad Saulgau schreibt in einem Leserbrief an das Börsenblatt: "Endlich melden sich auch die großen, wichtigen Buchhändler zu Wort, lassen es sich nicht mehr bieten, dass uns unsere 'Partner' die Butter vom Brot stehlen." Das mit der Butter hat auch Claus Weisweiler aus Elsdorf (das liegt zwischen Köln und Aachen) geärgert. Die Erfahrung mit einem Roman von Barbara Wood brachte ihn zu der Überzeugung, "dass es keinen Sinn macht, Geld für Titel auszugeben, die vorher bereits im Club erschienen sind."

Verlag ohne Lektorat: Der CD-ROM-Verlag Directmedia Publishing hat an seinem Hauptsitz in Berlin sechs Stellen gestrichen. Das Lektorat wurde aufgelöst, die Pressearbeit outgesourct und die Redaktionsarbeit ins rumänische Kronstadt (Brasov) verlagert. Dort sind die Löhne nun einmal billiger. Geschäftsführer Ralf Szymanski formuliert das so: "Wir haben aus Kostenerwägungen Kapazitäten von Berlin nach Kronstadt verschoben". In Kronstadt / Brasov konzentrierte sich die Arbeit bislang vor allem darauf, "die Texte und Bildseiten elektronisch einzulesen", so das Börsenblatt.

Und noch eine schlechte Nachricht aus der digitalen Lesewelt: Der französische E-Book-Anbieter Cytale ist insolvent. Bislang seien nur 1.200 Lesegeräte verkauft worden. "Zur Markteinführung im Januar 2001 war das Unternehmen von einem Absatz von 40.000 Exemplaren im ersten Jahr ausgegangen." Jetzt sucht das Unternehmen einen Käufer.

Der Fachverlag Wiley-VCH hat eine Publikationswebsite eingerichtet, auf der Wissenschaftler ihre Artikel für Fachzeitschriften des Verlages künftig online einreichen können. Beim Hochladen eines Textes "wird automatisch ein Formular erzeugt, über das der Autor das Copyright für seinen Text überträgt", schreibt das Börsenblatt. Sinn dieses Verfahrens sei es, die Publikationszeit zu verkürzen.

Weitere Meldungen und Artikel: Der Buchgroßhändler KNO / KV hat auf die Proteste aus dem Handel reagiert und sein Gebührenmodell für Online-Kooperationen modifiziert. Marianne Menzel schreibt über die Zusammenarbeit von Buchhandlungen im PR-Bereich auf lokaler Ebene. Und den 50. Geburtstag von Diogenes feiert das Börsenblatt mit einem Artikel von Urs Heinz Aerni.

Die Buchmacher vom 06.05.2002 - Börsenblatt

Der Bertelsmann-Club und der Börsenverein haben sich auf eine gemeinsame Position zu den Club-Ausgaben geeinigt. Gemeinsam will man dem Gesetzgeber vorschlagen, in Paragraf 5 Absatz 5 des geplanten Gesetzes zur Buchpreisbindung auf die ausdrückliche Definition von Club-Ausgaben und anderen Sonderausgaben zu verzichten. Dies soll stattdessen in der Begründung des Gesetzes geschehen, schreibt das Börsenblatt. "Über die rechtliche Zulässigkeit des Angebots eines Titels zu verschiedenen Endpreisen" sollen weiterhin folgende Faktoren bestimmen: "Preisunterschied, Ausstattungsunterschied, Erscheinenszeitpunkt und bei Buchgemeinschafts-Ausgaben Mitgliedschaftsbindung des Käufers." Ob diese Faktoren kumulativ oder alternativ gelten sollen, ist dem Börsenblatt nicht zu entnehmen. Allerdings erläutert Börsenvereins-Vorsteher Dieter Schormann in einem Interview: "Diese Kriterien müssen sich wie kommunizierende Röhren verhalten; je geringer also zum Beispiel der Zeitabstand zur Originalausgabe ist, desto geringer müsste auch der Preisabstand sein." Im Übrigen war Schormanns Eindruck, "dass man bei Bertelsmann den Konfrontationskurs beenden will. Das dadurch bewirkte Negativ-Image beim Sortiment würde sich wohl letztlich auf den gesamten Konzern auswirken; und dazu gehört nicht zuletzt auch die Verlagsgruppe."

"Buchstaben lesen ist in der Evolution nicht vorgesehen", sagt Ernst Pöppel, Professor für Medizinische Psychologie in einem interessanten Interview mit dem Börsenblatt. "Das Gehirn verwendet dafür einen Teil, der eigentlich andere Aufgaben hat, was ein Plus und ein Minus nach sich zieht: Das Plus ist die ungeheure Lesefähigkeit, das Minus ist der Verlust der visuellen Sensibilität, beispielsweise um Farben zu erkennen. Naturvölker sind uns darin überlegen." Symbolschriften sprechen die rechte Gehirnhälfte an, Buchstabenschriften die linke. Das führe zu "ganz anderen Denkprozessen. Ostasiaten denken in Metaphern, wir nicht." Eine weitere Erkenntnis: Zehn bis 14 Silben entsprechen dem "natürlichen Sprach- und Atemrhythmus"; in dieser Größenordnung liege daher auch die optimale Spaltenbreite.

Die Hörbuchhandlung Litraton eröffnet im September eine Filiale in Lübeck. Das Hamburger Muttergeschäft wurde 1998 eröffnet. Litraton ist außerdem als Hörbuch-Versand sowie als Hörbuchverlag aktiv.

Weitere Beiträge: Die Klett-Gruppe hat ihren Umsatz 2001 um elf Prozent gesteigert; dafür sorgte nicht zuletzt "Der Herr der Ringe". Die Eichborn AG hat zwar auch zugelegt, erwartet für das laufende Jahr allerdings einen Umsatzrückgang. Der Fischer-Taschenbuchverlag gibt sich ein neues Logo: Die drei Fische werden in eine Kreisfläche gesetzt. Die ersten Bücher mit dem neuen Signet erscheinen im November. Und die Schulbuchverlage ärgern sich über die Sparpolitik im Bildungsbereich - dazu gibt es ein Interview mit dem Geschäftsführer des VdS Bildungsmedien.

Die Buchmacher vom 06.05.2002 - Börsenblatt

Thalia, der Marktführer unter den Buchketten, hat beim Umsatz im vergangenen Jahr um 4,3 Prozent zugelegt und will weiter wachsen. "Das Unternehmen solle nach dem Vorbild der Douglas-Parfümerien zu der Top-Marke für Bücher ausgebaut werden, heißt es im Geschäftsbericht des Douglas-Konzerns", zu dem die Thalia-Gruppe gehört.

Die Verlagsgruppe Random House dementiert, dass sie keine Vorab-Lizenzen an den Bertelsmann-Club geben will. Dies hatte der buchreport gemeldet. Allerdings wird es aus dem Herbstprogramm von Random House keine Lizenzen für Vorabveröffentlichungen geben. Sowohl der Club als auch Random House gehören zum Medienkonzern Bertelsmann; die Debatte um Vorab-Club-Lizenzen "erhitzt seit dem Erscheinen von John Grishams 'Die Farm' im Bertelsmann Club die Gemüter der Branche."

Mit dem Thema Preisbindung und Club-Lizenzen setzt sich der Preisbindungstreuhänder Dieter Wallenfels in einem längeren Beitrag auseinander. Nach seiner Auffassung widersprechen zeitgleiche Parallelausgaben nicht nur der bisherigen Praxis, sondern auch den geltenden Rechtsgrundsätzen. Sein Fazit: "Wenn eine Abweichung vom gebundenen Ladenpreis der Original-Ausgabe sachlich gerechtfertigt sein soll, ist es unabdingbar, dass wie bisher die Kriterien Zeitabstand, Ausstattungsunterschied, Mitgliedsbindung in Buchclubs und Preisabstand im Zusammenspiel zu würdigen sind - also kumulativ und nicht alternativ."

Weitere Meldungen und Beiträge: Der Bertelsmann Lexikon Verlag wird umgetauft in Wissen Media Verlag. AOL Time Warner hat im ersten Quartal dieses Jahres das höchste Minus in der US-Wirtschaftsgeschichte erzielt. Beim insolventen Könemann Verlag herrscht verhaltene Zuversicht. Dann schreibt Thomas Hess, BWL-Professor in München, über das Thema Verlagscontrolling. Und Volkhard Bode stellt den Verlag Hans Schiler vor.

In der Beilage "Aus dem Antiquariat" schreibt Dirk Heißerer über ein Porträt der Clara Rilke-Westhoff von Oskar Zwintscher aus dem Jahre 1902 und die Antiquarin Lotte Roth-Wölfle über ihr eigenes Leben.

Ein beigelegtes Plakat enthält die Hörbuch-Bestenliste für den Monat Mai.

Die Buchmacher vom 29.04.2002 - Börsenblatt

Schlechte Nachrichten aus der digitalen Welt: Den vor zwei Jahren erstmals verliehenen eBook Award gibt es nicht mehr. "Als Grund nannte die International eBook Award Foundation (IeBAF) die angespannte Wirtschaftslage. Es sei immer schwieriger gewesen, die notwendigen Gelder bei den Sponsoren zu akquirieren." Der Preis war mit rund 146.000 Euro dotiert, zu den Sponsoren gehörten Microsoft, Gemstar, Adobe und Overdrive.

Die "Encyclopaedia Britannica" erscheint wieder in einer Print-Version. "Das Konzept, die Inhalte der 'Encyclopaedia Britannica' ausschließlich über britannica.com oder auf CD-Rom zu verbreiten, sei nicht aufgegangen", sagt Hans-Dieter Blatter vom Akademischen Lexikadienst in Münster. "Die meisten Kunden, so Blatter, wollten das Nachschlagewerk gedruckt lesen und benutzten die CD-ROM nur als Hilfsmittel."

Die deutsche Unesco-Kommission hat ihre Nominierungen für den Internationalen Unesco-Preis für Kinder- und Jugendbücher bekannt gegeben, meldet das Börsenblatt. Kategorie bis zwölf Jahre: "Wir alle für immer zusammen" von Guus Kuijer, "Der Tag, als ich lernte, die Spinnen zu zähmen" von Jutta Richter, "Madlenka" von Peter Sis, "East End, West End" von Jerry Spinelli und "Theodor Terror" von John A. Rowe. Kategorie 13-18 Jahre: "Benny und Omar" von Eoin Colfer, "Wir Goonyas, ihr Nungas" von Philipp Gwynne und "Birnbäume blühen weiß" von Gerbrand Bakker.

Den Weg zur finanziellen Freiheit hat Bestsellerautor Bodo Schäfer zweifellos sich selbst gewiesen. Jetzt hat er den Verlag gewechselt, von Campus zu Hoffmann und Campe. "Schäfer habe nach einem Haus mit einem breit angelegten Programm gesucht, kommentierte Rainer Moritz, Verlagsleiter von Hoffmann und Campe, den Wechsel. (...) Nach Angaben des Campus-Verlags habe man sich aufgrund überhöhter Honorarforderungen (es sollen weit mehr als 500.000 Euro gewesen sein) nicht auf eine weitere Zusammenarbeit mit Schäfer einigen können."

Weitere Beiträge: Der Xenos Verlag gehört der FAZ-Gruppe seit dem 17. April zu 100 Prozent, zuvor waren es lediglich 50 Prozent (mehr dazu hier). In den USA und in der Schweiz hat der Nord-Süd-Verlag Stellen abgebaut und Mitarbeiter entlassen. Claudia Kramatschek schreibt über den Welttag des Buches, der am 23. April begangen wurde. Und Hendrik Markgraf stellt den Marebuchverlag vor, einen neuen Verlag für Bücher nur über das Meer.

Die Buchmacher vom 29.04.2002 - Börsenblatt

Nach Thalia hat sich auch Hugendubel zu Strafmaßnahmen gegen den Heyne Verlag entschieden. Damit hat der Verlag die größte (Thalia) und zweitgrößte (Hugendubel) deutsche Buchhandelskette gegen sich. Hintergrund ist der Entschluss von Heyne, die Lizenz für den Grisham-Roman "Die Farm" vorab an den Bertelsmann-Club zu geben. Für den freien Buchhandel bedeutet dies: Ein potenzieller Bestseller kommt erst später und dann teurer in die Buchläden. Hugendubel hat einen Marketing- und Einkaufs-Boykott beschlossen: Heyne-Hardcover werden nicht mehr im Hugendubel-Zentrallager gelistet, Heyne-Vertreter werden nicht mehr empfangen, Heyne-Werbung wird aus den Hugendubel-Buchhandlungen entfernt und zu Marketing-Aktionen wird Heyne nicht mehr eingeladen. Dem Börsenblatt sagte Hugendubel-Geschäftsführer Heinrich Hugendubel, Heyne-Titel seien (für seine Filialen) nach wie vor über die Barsortimente beziehbar. Mehr hier.

Weitere Meldungen: "Leibhaftig" von Christa Wolf ist bisher 150.000 Mal verkauft worden. Die Wuppertaler Buchhandelskette Köndgen ist insolvent. Der Umsatz des Bahnhofsbuchhandels geht zurück. Die Verlagsgruppe Westermann will das Schulbuchprogramm des Schöningh Verlags kaufen. Der französisch-amerikanische Medienkonzern Vivendi trennt sich von seiner Fachpressesparte. Und unter dem Motto "Die Stadt am Fluss" findet in Frankfurt am Main vom 15. bis zum 23. Juni ein neues Literaturfest statt.

Thomas Blume stellt das literarische Braunschweig vor. Anlass: Dort finden Anfang Mai die Buchhändlertage statt. Christina Busse porträtiert die Buchhandlung Groth (Elmshorn), die ihren 125. Geburtstag feiert. Und Stephan Füssel schreibt über Georg Joachim Göschen, dem Stammvater des Börsenvereins. Der Leipziger Buchhändler und Verleger wurde vor 250 Jahren geboren. Vor 100 Jahren legte er eine programmatische Schrift über eine Reform des Buchhandels vor, "deren Fragestellungen die Branche zum Teil bis heute beschäftigen".

Die Buchmacher vom 22.04.2002 - Börsenblatt

Die Umsätze im Buchhandel sind im März 2002 erneut gesunken: im Vergleich zum März 2001 um rund zwei Prozent. Christina Schulte kommentiert: "Durchhalten heißt die Devise." In einem Interview mit Nicolaus Sondermann vom Institut für Handelsforschung geht es um den monatlichen Betriebsvergleich, den das Institut im Auftrag des Börsenvereins erhebt.

Der vom Börsenblatt gestiftete Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik geht in diesem Jahr an die Berliner Journalistin Maike Albath (mehr hier). In ihrer Begründung schreibt die Jury, Albath beschäftige sich mit Kenntnis, Sympathie und Leidenschaft vor allem mit italienischer und deutscher Literatur.

Claudia Kramatschek stellt den Belgrader Schriftsteller Dragan Velikic vor, der seine Heimatstadt 1999 verließ und derzeit in Berlin lebt. "Ob Belgrad, Triest oder Pula - stets bannen seinen Schauplätze das, was man mediterranes Klima nennen kann und ohne das seine Romane ebenso undenkbar wären wie ohne den obligaten Baedeker, der als Motiv stets wiederkehrt (...). 'Mitteleuropa ist für mich vor allem die Literatur von Schriftstellern, die ich liebe: Hermann Broch, Elias Canetti, Robert Musil, ganz besonders aber Italo Svevo.'" Hier der vollständige Beitrag.

Weitere Meldungen: Die Berliner Universitätsbuchhandlung am Alex überlebt in verkleinerter Form: Weniger Mitarbeiter, weniger Verkaufsfläche. Der neue Laden, der von einer Mitarbeiter-GmbH getragen wird, eröffnet am 2. Mai in der Nähe des alten Standortes. Außerdem vermeldet das Börsenblatt, dass die Bertelsmann Clubs mit ihrem Online-Geschäft zufrieden sind. Und Stefan Hauck berichtet von der Internationalen Kinder- und Jugendbuchmesse in Bologna.

Die Buchmacher vom 22.04.2002 - Börsenblatt

Die Büchergilde Gutenberg startet im Herbst einen eigenen Verlag: die Edition Büchergilde. Über diesen Verlag kommen Büchergilde-Bücher auch in den freien Buchhandel. Originalausgaben der Büchergilde erscheinen seit 2001 beim Steidl Verlag. "Die Edition Büchergilde ist so etwas wie ein Steidl-Imprint", zitiert das Börsenblatt den Büchergilde-Geschäftsführer Mario Früh.

Hendrik Markgraf kommentiert den Streit um die Club-Ausgaben, der sich an John Grishams "Die Farm" entzündete (siehe dazu auch den BuchMarkt-Eintrag): "In der aktuellen Debatte (...) reklamieren die Kontrahenten jeweils für sich faire Wettbewerbsbedingungen. Freilich versteht jeder der Beteiligten etwas anderes darunter. Der Streit zeigt: In wirtschaftlich schwierigen Zeiten wird es immer komplizierter, einen Ausgleich der Interessen zu finden; hoffentlich kommt er noch zustande. Gerade die Fähigkeit zum Konsens hat die Buchbranche so stark gemacht." Der Streit zeigt allerdings noch etwas anderes: Nichts macht Verlagen, Buchhändlern und Clubs mehr Angst als ein (mehr oder weniger) freier Markt. Gestritten wird vor allem darum, wer die Regeln diktiert.

Die Krise im Ratgeber-Geschäft hat nun auch die Weltbild-Ratgeberverlage Augustus und Midena erreicht. Augustus will die Zahl seiner Neuerscheinungen deutlich reduzieren, Midena schließt Entlassungen nicht aus.

Weitere Artikel: Andreas Trojan berichtet von einer E-Learning-Konferenz im Münchner Literaturhaus. Eugen Emmerling hat einen Nachruf auf die im Januar gestorbene türkische Verlegerin Ayse Nur Zarakolu geschrieben. Und das Börsenblatt bringt Teil zwei eines Beitrags von Wulf D. v. Lucius über das neue Urhebervertragsrecht.

Die Buchmacher vom 15.04.2002 - Börsenblatt

Börsenblatt, 12. April 2002

Der Buchhandel ärgert sich weiterhin über den Roman "Die Farm" von John Grisham. Der erschien zunächst im Bertelsmann Club und soll erst im August in einer teureren Verlagsausgabe in den freien Buchhandel kommen. "In einem offenen Brief appelliert Jürgen Könnecke, Geschäftsführer der Thalia Holding, an die Verlage, sie sollten nicht mit der Preisbindung spielen und sich an die buchhändlerischen Usancen halten, andernfalls schadeten sie ihrem Vertriebspartner Nummer 1 - dem Sortiment". Thalia ist nicht irgendwer, sondern die umsatzstärkste Buchkette in Deutschland. Könnecke kündigt an, sein Unternehmen werde den neuen Grisham nicht einkaufen: "So werden wir es grundsätzlich auch mit allen anderen gleich gelagerten Fällen halten, die vorab oder gleichzeitig im Club oder als Weltbild-Reader erscheinen." Könnecke kritisiert nicht nur den Bertelmann Club, sondern wirft dem gesamten Konzern vor, "die Spielregeln im Buchhandel gravierend" ändern zu wollen. Vor allem richtet sich seine Kritik jedoch an den Heyne Verlag, der die Grisham-Lizenz an den Club gegeben hat. Interessanterweise antwortet nicht Heyne-Verleger Christian Strasser, sondern Wulf Böttger, Geschäftsführer des Bertelsmann Clubs. In scharfem Ton weist er alle Vorwürfe zurück und erklärt, niemand habe ein größeres Interesse an der Beibehaltung der Buchpreisbindung als die Buchgemeinschaften (dies sind in Deutschland neben dem Bertelsmann Club die Büchergilde Gutenberg und die WBG). "Die Gründe dafür brauche ich nicht zu erklären - sie liegen auf der Hand." Tatsächlich: Ohne Buchpreisbindung würde sich kaum jemand für die Vergünstigungen des Buchclubs interessieren. Beide Briefe gibt es hier. In der Online-Ausgabe des Börsenblatts findet sich bereits ein Kommentar zum Thema. "Rauhe Sitten".

Die zum Axel-Springer-Verlag gehörende Verlagsgruppe Ullstein Heyne List muss noch mehr sparen. Es werde "nicht nur bei den bereits bekannt gegebenen Kürzungen im Ratgebersegment bleiben", schreibt das Börsenblatt. Bei den Ratgeberverlagen Südwest und Ludwig sollen bei Personal und Kosten mindestens zehn Prozent eingespart werden.

Die FAZ wird die Auswahl aus den Frühjahrs- und Herbstprogrammen der Verlage künftig nicht mehr in ihrem Feuilleton, sondern nur noch in der Online-Version veröffentlichen, berichtet das Börsenblatt. Grund seien Sparmaßnahmen, "die auch einen verringerten Seitenumfang mit sich bringen". Die FAZ-Auswahl aus den aktuellen Frühjahrsprogrammen finden Sie hier.

Der Börsenverein kündigt weitere "politische Lobbyarbeit" gegen das neue Urhebervertragsrecht an. Auch sollen Verlage "im Wege von Musterprozessen einzelne Vorschriften verfassungsrechtlich auf den Prüfstand" bringen. Und in einem längeren Beitrag (dem noch ein zweiter Teil folgt) bringt Wulf D. v. Lucius eine "kritisch-wertende Zusammenfassung der Genese des neuen Urhebervertragsrechts".

Nils Kahlefendt stellt eine Reihe von Internetauftritten von Autoren vor. Die Zeiten der großen (oder großsprecherischen) Entwürfe von Online-Literatur scheinen vorbei zu sein: "Beim Surfen durch einschlägige Sites begegnet einem fast durchweg Literatur, die in den überkommenen Strukturen des 'Betriebs' nicht punkten konnte - oder die dort gar nicht erst in Konkurrenz treten wollte." Dagegen nutzt Thomas Hettche seine Seite als "eine Art erweiterte Visitenkarte", Thomas Brussig ist im Netz vertreten, um nicht ständig telefonisch belästigt zu werden: "Die Zeiten, da Sie mich unter einer Vielzahl von Entschudigungen anrufen bzw. anschreiben mussten, um von mir Dinge zu erfahren, die ich schon längst woanders gesagt hatte, sind vorbei." Dann gibt es Autoren wie Alexander Kluge und Elfriede Jelinek, die "Rohmaterial für ganze Magisterarbeiten ins Netz stellen". Und natürlich noch viele, viele andere.

Die Buchmacher vom 15.04.2002 - Börsenblatt

Prepaid-Mobiltelefone könnten künftig ein Zusatzgeschäft für Buchhändler werden. "Nach den Plänen der Mobilfunkbetreiber soll das bisherige Vertriebsmodell, der Verkauf von so genannten Prepaid-Einheiten über Karten, einem neuen System weichen", schreibt Anke Benstem. "Ab 2004 will etwa die Telekom-Tochter T-Mobile die Karten vollständig durch das Aufladen des Guthabens online ersetzen. Weil der Buchhandel über ein flächendeckendes Netz und - im Gegensatz zu anderen Einzelhandelsbranchen - über eine entwickelte IT-Infrastruktur verfügt, zählt das Sortiment zu den Wunschpartnern der Mobilfunkanbieter als Online-Verkaufsstelle".

In Frankreich schreiben Politiker offenbar häufiger als anderswo Bücher - zum Teil sogar selbst, zum Teil sogar lesbar. Oft suchen sie sich "wahltaktisch geschickt" einen historischen Bezug zu ihrem Wahlkreis, berichtet Ralf Klingsieck. Meist scheinen es Biographien zu sein: Ex-Premier Alain Juppe schrieb über Montesquieu, Jack Lang über König François I., Ex-Parlamentspräsident Philippe Seguin "erst über Napoleon III. und dann über Louis Napoleon". Der ehemalige Staatspräsident und jetzige Chef des EU-Konvents, Valery Giscard d'Estaing schrieb dagegen einen im Jägermilieu spielenden Liebesroman, der "etwas schwülstig" ausfiel.

Weitere Beiträge: Der Fachverlag Wiley-VCH hat den auf naturwissenschaftliche Fachzeitschriften spezialisierten GIT Verlag übernommen. Christoph Kochhan stellt die Ergebnisse einer Verbraucheranalyse zum Thema Reiseführer und Karten vor. Passend dazu hat der Reise- und Outdoor-Verlag Bruckmann ein Touristikportal freigeschaltet.

In einem Extra-Teil geht es um kleinere Verlage. Themen sind unter anderem die Verlagsauslieferung, Print on Demand, das Moderne Antiquariat, die Website-Hersteller TXT, der Kochbuch-Verlag Olli Leeb, der Autorenhaus-Verlag Berlin und die Pressearbeit.

Die Buchmacher vom 08.04.2002 - Börsenblatt

Die neue Leitung des österreichischen Medienunternehmens Libro AG will von den ehemaligen Vorstandsmitgliedern Andre Rettberg und Johann Knöbl jeweils 18 Millionen Euro Schadenersatz fordern, berichtet das Börsenblatt. Libro hatte im vergangenen Sommer Insolvenz anmelden müssen "und befindet sich jetzt in der Sanierungsphase".

Im notorisch klammen Berlin will die rot-rote Koalition die Mittel für das Literaturhaus um 50.000 Euro kürzen - für das Literaturhaus sind dies nach Angaben seines Leiters Herbert Wiesner 15 Prozent des Gesamtetats. Der Haushaltsentwurf des Berliner Senats sieht außerdem vor, das Literaturhaus und das Literarische Colloquium am Wannsee "in eine Verwaltungskooperation zu überführen", so das Börsenblatt. Mehr hier.

Trotz und alledem zieht Berlin "viele Verlage magisch an", will Volkhard Bode beobachtet haben. In den vergangenen Jahren seien zahlreiche neue Dependancen eröffnet worden, schreibt er in einem Überblick über Verlagsbüros in der Hauptstadt. Gründe seien die "Autoren-Dichte" und die "Aufmerksamkeit der Medien" in Berlin. Selbst bei Suhrkamp denke man über ein Büro an der Spree nach. Beispiele für neue und alte Berliner Zweigstellen listet Bode auch auf: Weidle Verlag, S. Fischer, Eichborn Berlin, Hanser, DVA / Koehler & Amelang, C.H. Beck, Walhalla Fachverlag, Wiley-VCH Verlag, Schöffling & Co., Waxmann und Prestel.

Weitere Beiträge: Das Bundesjustizministerium hat Ende März einen Referentenentwurf für ein Gesetz zur Regelung des Urheberrechts in der Informationsgesellschaft vorgelegt (mehr hier und hier); der Börsenverein bereitet eine Stellungnahme vor. Wegen der politischen Situation in Simbabwe veranstalten die Organisatoren der Zimbabwe International Book Fair unmittelbar vor der Buchmesse in Harare eine Messe in Kapstadt. Thalia geht nach Osnabrück und Krefeld. Ralf Klingsieck berichtet vom Pariser Salon du Livre. Und in Hamburg finden vom 11. bis zum 17. April Lesetage an ungewöhnlichen Orten statt.