Das
Börsenblatt bringt
ein paar Reaktionen auf den
Kompromiss zur Regelung der
Club-Ausgaben im geplanten
Preisbindungsgesetz. Der Chef der führenden deutschen Buch-Kette
Thalia, Jürgen Könnecke, lehnt das Ergebnis der Gespräche zwischen
Börsenverein und
Bertelsmann Club ab: "Es bringt keine Klarheit,
es verlagert das Problem auf Einzelfallentscheidungen und letztendlich, konsequent durchgespielt, auf die Gerichte", sagt er. Könnecke wie auch seine Kollegen von anderen Ketten wollen die Vergabe von Vorab-Lizenzen an den Bertelsmann Club verhindern.
Eine solche Vorab-Lizenz für Grishams "Die Farm" hatte
Heyne an den Club gegeben und sich damit heftigen Ärger mit wenigstens drei Buch-Ketten eingehandelt:
Thalia, Hugendubel und die
Meyersche Buchhandlung verhängten
Sanktionen gegen den Verlag. In einem
Brief an alle Buchhändlerinnen und Buchhändler ist
Ullstein-Heyne-List-Verlagschef
Christian Strasser nun zurückgerudert: "Als ersten Schritt hin zu einem neuen Konsens" erklärt Strasser "für unsere gesamte Verlagsgruppe", dass sie bis zur Festschreibung des Preisbindungsgesetzes "
keine neuen Lizenzen für Club-Premieren vergeben werden". Zugleich rechtfertigt Strasser die Vergabe der Grisham-Lizenz. "Ich kann Ihnen versichern, dass mir die Entscheidung für die Vergabe der Lizenz an den Club
nicht leicht gefallen ist." Ausschlaggebend für die Entscheidung sei gewesen, "dass wir mit der Vergabe weder gegen Branchenvereinbarungen noch gegen den Preisbindungsrevers oder gar bestehendes Recht verstoßen" haben. "Unsere Entscheidung reiht sich vielmehr ein in die
etablierte Praxis der Verlage, die bereits zu einer großen Zahl von Club-Premieren geführt hat."
In einem
Bericht über die Braunschweiger Buchhändlertage schrieb
Joachim Güntner vor wenigen Tagen in der
NZZ: "Die
kleinen und mittleren Sortimente wissen, dass ihnen vor allem die Konkurrenz der
Buchhandelsketten die
Luft abdreht. Giganten wie Thalia und Hugendubel, die jetzt für einmal
als ihre Mitstreiter auftraten, müssen sie generell
mehr schrecken als der Bertelsmann-Club mit seinem Marktanteil von gerade einmal 3,8 Prozent." Wissen die kleinen Sortimente das wirklich? Buchhändler Uli Gruber aus dem oberschwäbischen Bad Saulgau schreibt in einem
Leserbrief an das Börsenblatt: "Endlich melden sich auch
die großen, wichtigen Buchhändler zu Wort, lassen es sich nicht mehr bieten, dass uns unsere 'Partner' die
Butter vom Brot stehlen." Das mit der Butter hat auch Claus Weisweiler aus Elsdorf (das liegt zwischen Köln und Aachen) geärgert. Die Erfahrung mit einem Roman von
Barbara Wood brachte ihn zu der Überzeugung, "dass es keinen Sinn macht, Geld für Titel auszugeben, die vorher bereits im Club erschienen sind."
Verlag ohne Lektorat: Der CD-ROM-Verlag
Directmedia Publishing hat an seinem Hauptsitz in Berlin sechs Stellen gestrichen. Das
Lektorat wurde
aufgelöst, die
Pressearbeit outgesourct und die
Redaktionsarbeit ins rumänische Kronstadt (Brasov)
verlagert. Dort sind die Löhne nun einmal billiger. Geschäftsführer Ralf Szymanski formuliert das so: "Wir haben aus Kostenerwägungen Kapazitäten von Berlin nach Kronstadt verschoben". In Kronstadt / Brasov konzentrierte sich die Arbeit bislang vor allem darauf, "die Texte und Bildseiten
elektronisch einzulesen", so das
Börsenblatt.
Und noch eine
schlechte Nachricht aus der digitalen Lesewelt: Der französische E-Book-Anbieter
Cytale ist
insolvent. Bislang seien nur
1.200 Lesegeräte verkauft worden. "Zur Markteinführung im Januar 2001 war das Unternehmen von einem Absatz von
40.000 Exemplaren im ersten Jahr ausgegangen." Jetzt sucht das Unternehmen einen Käufer.
Der Fachverlag
Wiley-VCH hat eine
Publikationswebsite eingerichtet, auf der Wissenschaftler ihre Artikel für Fachzeitschriften des Verlages künftig online einreichen können. Beim Hochladen eines Textes "wird automatisch ein Formular erzeugt, über das der Autor das Copyright für seinen Text überträgt", schreibt das
Börsenblatt. Sinn dieses Verfahrens sei es, die Publikationszeit zu verkürzen.
Weitere Meldungen und Artikel: Der Buchgroßhändler
KNO / KV hat auf die Proteste aus dem Handel reagiert und sein
Gebührenmodell für Online-Kooperationen
modifiziert. Marianne Menzel schreibt über die Zusammenarbeit von Buchhandlungen im PR-Bereich auf lokaler Ebene. Und den 50. Geburtstag von
Diogenes feiert das
Börsenblatt mit einem Artikel von Urs Heinz Aerni.