Die Buchmacher - Archiv

Börsenblatt

328 Presseschau-Absätze - Seite 30 von 33

Die Buchmacher vom 22.07.2002 - Börsenblatt

Andreas Trojan hat sich die Herbstprogramme der Sachbuchverlage angeschaut und dabei Bekanntes - "Globalisierung, fundamentalistischer Terror und deutsche Geschichte" - und Neues entdeckt. So richtig neu ist das Neue allerdings nicht, denn es handelt sich lediglich um "eine Zusammenschau von Themen, die zuvor in der Regel getrennt betrachtet wurden: Gewalt im Nationalsozialismus etwa erscheint als eine Art Vorläufer für heutigen Terror, Globalisierung als Nährboden religiöser Verblendung". Unter anderem zählt Trojan "Die Zukunft der Geschichte" von Christian von Krockow zu diesen Büchern. Vielleicht sollte sich mal jemand die Mühe machen, nachzuzählen, wie viele Bücher über die "Berliner Republik" erschienen sind. Im Herbst wird die Liste jedenfalls noch etwas länger: "Wie anders sind die Deutschen?" von Alfred Grosser erscheint. Was noch? "In einem reichen Land. Zeugnisse alltäglichen Leidens an der Gesellschaft", ein Buch, das unter der "Schirmherrschaft" von Günter Grass im Steidl Verlag erscheint. Erwähnt werden außerdem eine Brandt-Biografie von Peter Merseburger, Lafontaines Wut-Buch und "Welt Um Welt. Gerechtigkeit und Globalisierung" von Jürgen Trittin. Noch mehr Globalisierung gibt es von Claus Leggewie, Stefan Gosepath und Jean-Christophe Merle sowie von Ulrich Beck. Ein Bestsellser-Geheimtipp sei "Sushi in Bombay, Jetlag in L.A. Unterwegs in einer Welt ohne Grenzen" von Pico Iyer.

Weitere Meldungen: Der Bleicher Verlag stellt sein Buchprogramm ein. Weltbildplus eröffnet neue Filialen in Wernigerode und in Sondershausen. In Deutschland, Österreich und der Schweiz hat Weltbildplus damit 218 Filialen. Außerdem gibt es einen Hintergrundbericht zur Kiepert-Krise.

Die Buchmacher vom 15.07.2002 - Börsenblatt

Die wirtschaftliche Lage der Buchbranche ist "kein Grund zur Panik", meint der Börsenverein. Offenbar will der Verband wegkommen vom Image des Jammerers, das der Branche anhängt: "Seit Wochen schon berichten die Feuilletons und Wirtschaftsseiten großer Zeitungen und Zeitschriften genüsslich über die Flaute der Buchbranche. Buchhandel und Verlage seien dem Abgrund nahe, kämpften um ihr Überleben. Dass die Branche vom Tief des gesamten Einzelhandels betroffen ist und schon bessere Zeiten gesehen hat, bestreitet niemand - von einer existenzbedrohenden Krise kann jedoch keine Rede sein." Das klang schon mal anders (wie nicht zuletzt dem Juli-Heft des BuchMarkts zu entnehmen ist, siehe unten). Mehr Zahlen und Informationen aus der Wirtschaftspressekonferenz des Börsenvereins hier. "Flaute ja, Krise nein", meint auch Christina Schulte.

Der Axel Springer Verlag stellt seine gesamte Buchsparte auf den Prüfstand. Das sagte Vorstandschef Mathias Döpfner der Financial Times Deutschland, berichtet das Börsenblatt. "Das öffentliche Eingeständnis kommt einem Kurswechsel in der PR-Strategie des Unternehmens gleich: Bislang hatten Geschäftsführungsmitglieder stets bekräftigt, dass ein Verkauf der Buchsparte, zu der unter anderen Ullstein Heyne List gehört, nicht zur Diskussion stehe. In der Branche waren schon seit längerem Gerüchte im Umlauf, Springer wolle sich von seinen Buchverlagen trennen."

Der Börsenverein trennt sich von seinem langjährigen Pressesprecher Eugen Emmerling. Die Bereiche Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Mitgliederkommunikation, Dienstleistungsmarketing, Leseförderung und Mitgliedsstelle werden zusammengefasst, Chefin dieser Abteilung wird Anja zum Hingst.

Marcel Reich-Ranicki hat die Ehrendoktorwürde der Ludwig-Maximilian-Universität München verliehen bekommen und bei der Gelegenheit heftig gegen den "Mann vom Bodensee" vom Leder gezogen. Hier die Börsenblatt-Meldung, hier mehr.

Weitere Meldungen: Der Aufbau Verlag wechselt zur VVA. Und der Süddeutsche Verlag will kräftig Stellen abbauen: "Mehr als zehn Prozent der insgesamt ca. 5 000 Mitarbeiter des Süddeutschen Verlages werden das Unternehmen verlassen, heißt es in einer Pressemitteilung des Verlags." Und in der Statistik "Die 100 größten Unternehmen" ist Bertelsmann in fast jeder Kategorie dabei. Schließlich meldet das Börsenblatt, dass die DVA umzieht: Die FAZ bündelt ihre Buchverlage.

Die Buchmacher vom 15.07.2002 - Börsenblatt

Der Streit zwischen der DVA auf der einen und ZDF, ORF und dem Regisseur Dieter Wedel auf der anderen Seite ist beigelegt. In einem Vergleichsverfahren erhält die DVA 38.350 Euro von ihren Kontrahenten. Nach Angaben des Verlags habe Wedel für seinen TV-Sechsteiler "Die Affäre Semmeling" Dialoge, Zitate und Handlungsstränge aus dem Roman "Monrepos" von Hans Zach ohne Genehmigung entnommen. Die Vergleichszahlung liege in der Größenordnung von Lizenzzahlungen, sagte DVA-Verlagsleiter Jürgen Horbach dem Börsenblatt, darum habe man zustimmen können.

Der Verlag an der Ruhr hat seinen Harry-Potter-Prozess gegen Time Warner gewonnen. Er darf weiterhin Unterrichtsmaterialien zu den Büchern von Joanne K. Rowling vertreiben. Das Landgericht Berlin wies den von der Autorin und Time Warner Entertainment gestellten Antrag auf Erlass einer Einstweiligen Verfügung zurück. Mehr hier.

Auszüge der Erhebung "Buch und Buchhandel in Zahlen 2002" liegen diesem Börsenblatt bei. Das vollständige Nachschlagewerk ist für 34,80 Euro über die Buchhändlervereinigung zu bekommen.

Der britische Ableger des Online-Buchladens von Bertelsmann, Bol.uk, wird in einen Online-Buchclub umgewandelt. Damit folgt Bertelsmann seiner deutschen Strategie: Bol.de war bereits im vergangenen Jahr abgespeckt und in das Clubgeschäft integriert worden. "Im Zuge der Integration wird das Angebot von Bol.uk von mehr als einer Million auf rund 10.000 Titel zurückgefahren. Mitglieder will der Online-Club durch Rabatte von bis zu 60 Prozent auf aktuelle Bestseller und Backlist-Titel gewinnen."

Außerdem berichtet das Börsenblatt über Verkaufsgerüchte um Vivendi Universal, über Vorwürfe gegen Reed Elsevier, falsch bilanziert zu haben, und über die erste Buchmesse in Basel vom 2. bis zum 4. Mai 2003. Schließlich schreibt Eckart Baier - passend zum baldigen Schuljahresbeginn - über das Geschäft mit Schulbüchern. Eine weitere Börsenblatt-Umfrage hat ergeben, dass es den Fachbuchhändlern besser geht als ihren Kolleginnen und Kollegen im allgemeinen Sortiment. Und Helmut Benze gibt erneut Tipps für kundenfreundliches Bücherverkaufen.

Die Buchmacher vom 07.07.2002 - Börsenblatt

Drei Monate vor der Frankfurter Buchmesse hat der Aufsichtsrat der Ausstellungs- und Messe GmbH des Börsenvereins (AuM) beschlossen, die bisherigen Geschäftsführer der Buchmesse, Lorenzo A. Rudolf und Joachim Kehl, rauszuschmeißen. "Für einen Übergangszeitraum übernimmt Dr. Harald Heker, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins, zusätzlich die Geschäftsführung der AuM", meldet das Vereinsorgan. Anlass für das "Ausscheiden" seien "seit längerer Zeit bestehende unterschiedliche Auffassungen über die Kooperation zwischen Aufsichtsrat und Unternehmensleitung, heißt es". Faktisch gefeuert ist offenbar nur Rudolf. "Bis zum 31. Juli ist (...) Kehl noch im Amt. Mit ihm wird über eine andere Form der weiteren Zusammenarbeit gesprochen", erklärt AuM-Aufsichtsratschef Hubertus Schenkel im Interview mit dem Börsenblatt. Außerdem sagt Schenkel über die Differenzen zwischen Aufsichtsrat und Messeleitung: "Es gelang (...) nicht, darüber so zu kommunizieren, dass eine konstruktive Zusammenarbeit möglich gewesen wäre."

Der Verlag UTB hat bei Marktuntersuchungen "Erschreckendes" festgestellt, schreibt UTB-Geschäftsführer Volker Hühn in einem Meinungs-Beitrag: "Auch deutsche Studierende sind vermutlich längst nicht mehr internationale Spitzenklasse, zumindest aber in ihrer Auffassungsgabe deutlich eingeschränkter als die Generationen vor ihnen. Es zeigte sich, dass Klassiker der Lehrbuchliteratur - trotz Aktualisierung und Neubearbeitung - die heutigen Studenten überfordern. Ein Buch über 400 Seiten (...) wird gern liegen gelassen, wenn an der Kasse der neueste Schnellkurs oder das Repetitorium liegt." Die Konsequenz bei UTB: "Man holte sich Rat aus Schulbuchredaktionen, Zauberwörter wie 'Didaktisierung', 'Inszenierung' oder 'Visualisierung' machten die Runde."

Ebenfalls angeregt durch Pisa schreibt die Kinder- und Jugendbuchautorin Kirsten Boie, sie könne heute bei Lesungen an Schulen "noch höchstens zwei Drittel der Zeit vorlesen, die an derselben Schule vor zehn Jahren möglich waren". Auf der anderen Seite erlebe sie "bei offenen Lesungen in Buchhandlungen oder Büchereien, wenn also nur diejenigen kommen, die freiwillig einen Teil ihrer Freizeit dafür investieren, rote Wangen, offene Münder, Kinder, denen ich vorlesen könnte, bis mir die Stimme versagt". Und sie fordert: "Kinder müssen die Erfahrung machen, dass erzählte Geschichten auch ihnen eine Sprache geben, dass Bücher es möglich machen, eigenen Ängsten und Problemen in fremder Gestalt zu begegnen, und dass dadurch eine Auseinandersetzung möglich wird. Es ist allerdings fraglich, ob diese Art von Büchern eine Überlebenschance hat bei einer Verlagspolitik, die immer mehr von der Mischkalkulation übergeht zum Prinzip, von jedem einzelnen Titel zu verlangen, dass er teilweise völlig unrealistische Beträge einspielen muss."

Weitere Meldungen: Vivendi Universal sieht einer ungewissen Zukunft entgegen. Die Carl Heymanns Verlag Beteiligungs- und Verwaltungsgesellschaft hat die Nürnberger Fachbuchhandlung Jacob Zeiser & A. M. Reß übernommen. Das Überleben der Buchkette Libro ist dank eines weiteren Kredites bis zum Herbst gesichert. Petersen Buchimport wächst. Schließlich stellt Christoph Kochhan die B.A.T. Medienanalyse 2002 vor. Volkhard Bode porträtiert die Verlagsauslieferung VAH Jager. Und Maren Bonacker resümiert die Umstrukturierungen im Verlagshaus Patmos.

Die Buchmacher vom 07.07.2002 - Börsenblatt

Margit Schönberger hat Theo Schäfer als SprecherIn der Verlagsgruppe Random House abgelöst. "Schäfer bleibt nach eigenen Angaben für die nächsten drei Jahre Angestellter des Unternehmens, wird aber in München keinen Schreibtisch mehr haben. Von seiner Wahlheimat Wien aus wird der Pfarrerssohn aus Stuttgart Kulturprojekte betreuen, darunter das von ihm begründete Lesefestival 'Leipzig liest'."

Eine Stichprobe des Börsenblatts bei Buchhandlungen in Frankfurt am Main hat ergeben, dass die Kritikermord-Romane von Walser und Kirchhoff den Buchhandel nicht überall pünktlich erreichten. So trafen etwa bei Hugendubel "die 500 georderten Walser-Exemplare erst am Freitag (28. Juni; Erstverkaufstag war der 27. Juni) aus dem Zentrallager ein".

"Keine Flaute bei Thalia", meldet das Börsenblatt. Die größte Buchkette des Landes habe in den ersten fünf Monaten dieses Jahres ein Umsatzplus von 2,9 Prozent erzielt. "Flächenbereinigt fällt das Umsatzplus allerdings deutlich geringer aus: Auf vergleichbarer Fläche gab es lediglich Zuwächse von 0,8 Prozent." Natürlich ist der "Drang nach weiterer Expansion" ungebrochen: "Bis 2003 sollten Filialen in Limburg, Jena, Darmstadt, Hamburg-Niendorf, Münster, Erlangen und Bremen hinzukommen; auch den Standort Hannover hat Thalia angepeilt." (Dort, so meldet der buchreport, entsteht auf jeden Fall eine neue Buchhandlung. Unsicher sei allerdings noch, ob Thalia, Habel, Weiland oder Buch und Kunst in das Gebäude an der Georgstraße ziehen.)

In der Serie "Veränderungen im Buchhandel" stellt Simone Beutel den Standort Kassel vor. Seit einigen Monaten ist neben Habel auch Hugendubel vor Ort, was die Lage für die einheimischen Buchhändler nicht gerade leichter macht.

Interview mit dem Unternehmensberater Norbert Wittmann von Nymphenburg Retail Consult: "Nicht allen Verlagen ist klar, dass man mit seinem Handelspartner, also dem Buchhandel, weit reichende Kooperationen eingehen sollte. Das kann bis zur Erarbeitung gemeinsamer Konzepte und Produkte gehen - unter Umständen ein lohnendes Geschäft, wenn man an die großen Buchhandelsfilialisten denkt. Die kennen ihr Kundenprofil besser als die meisten Verlage."

Tamara Weise stellt den Verlag Karl Robert Langewiesche vor, bei dem auch der KunstbuchAnzeiger erscheint. Zum 100. Geburtstag des Verlages erscheinen Neuauflagen von Bildkunstbänden aus der Reihe Die Blauen Bücher von 1928 und 1931, "ergänzt um Materialien zu ihrer Entstehungs- und Wirkungsgeschichte sowie einen einführenden Experten-Essay". Die Geschichte des Verlages ist nicht uninteressant: Langewiesche startete als Sozialreformer und landete noch vor dem Ersten Weltkrieg im Lager der Deutschnationalen. Er starb 1931, seine Frau und sein Mitarbeiter übernahmen den Verlag, dessen Programm "nach und nach" immer nationalistischer wurde. Der heutige Verleger Hans-Curt Köster hat sich erst in den achtziger Jahren mit den Blauen Büchern versöhnt, "die für ihn eher 'Braune Bücher' waren".

Weitere Beiträge: Das Börsenblatt initiiert ein Expertengespräch zu "Pisa". Die Schweizer Hans Huber AG hat die wissenschaftlichen Buchhandlungen der Züricher Freihofer AG übernommen. Außerdem in diesem Heft: Teil vier der Serie über das neue Urhebervertragsrecht.

Die Buchmacher vom 01.07.2002 - Börsenblatt

Endlich mal eine gute Nachricht: Den Fachverlagen geht es gut, hat das Börsenblatt bei einer Umfrage herausgefunden. Freundlicherweise haben die Herren Fachverleger ein paar Tipps für ihre Kollegen parat: "Jammern nutzt nichts" (Georg Siebeck), "Jammern nutzt nichts" (Wulf D. v. Lucius), "Klagen bringt nichts" (Matthias Pflieger, C.H. Beck), "Klagen ersetzt nicht das Handeln" (Bertram Gallus, Carl Heymanns Verlag). Roland Ulmer weist darauf hin, dass die Umsatzzuwächse in seinem Verlag "von den Spezialisten, den Versendern und Internet-Buchhandlungen, den Fachgeschäften oder dem eigenen Versandbuchhandel" kommen.

Interview mit Alexander Fest, der seit fünf Monaten Chef des Rowohlt Verlages ist. Mit seinem Wechsel von Berlin nach Hamburg stellte er den Alexander Fest Verlag ein. Jonathan Franzens Roman "Die Korrekturen" erscheint daher nicht im Fest Verlag, sondern bei Rowohlt. Nils Kahlefendt fragte den Verleger, ob nicht doch ein Fünkchen Wehmut mitschwinge, wenn auf dem Cover "nicht mehr der eigene Name steht". Fest: "Vielleicht in sehr egoistischen Momenten. Im Übrigen finde ich, dass Rowohlt gerade für diesen Roman der denkbar beste Name ist - vor allem deshalb, weil das Buch so ganz und gar in die Tradition der Rowohlt-Literatur hineingehört." Den Alexander Fest Verlag aufzugeben "war eine sehr schwierige Entscheidung, und ich denke, dass ich dieses Opfer für keinen anderen Verlag gebracht hätte".

Weitere Meldungen: "Pisa E" schlägt Wellen. Seit dem 24. Juni ist Joachim Unseld alleiniger Eigentümer seiner Frankfurter Verlagsanstalt. Bisher hatte Unseld lediglich 74 Prozent der Anteile gehalten. Ein Artikel über den Richard Boorberg Verlag, der in diesem Jahr 75 Jahre alt wird. Die VG Wort zahlt bei ihrer Hauptausschüttung ca. 46 Millionen Euro an 100.000 Autoren und Verlage aus. Die LG Buch schreibt rote Zahlen. Die Buchhandlung Lux in Mainz-Gonsenheim wird 50 Jahre alt. Teil drei einer Artikelserie von Christian Sprang über das neue Urhebervertragsrecht erscheint in diesem Börsenblatt. Und der Buchhandel verzeichnet erste positive Ergebnisse mit dem Verkauf von Prepaid-Karten.

In der Beilage "Aus dem Antiquariat" schreibt Irmgard Wagner über die Jugendschriftstellerin Tony Schumacher (1848-1931), Roland Stark über "'Knecht Ruprecht' im Schaffstein Verlag - zeitgerecht geordnet" und Lotte Roth-Wölfle über Begegnungen mit Sammlerinnen und Sammlern.

Die Buchmacher vom 01.07.2002 - Börsenblatt

Zusammen mit der Münchner Pinakothek der Moderne hat der DuMont Literatur und Kunst Verlag ein neues Label gegründet: Pinakothek-DuMont. "Die Kooperation sei 'wegweisend'", sagt Maria Platte, Programmleiterin Kunst bei DuMont, "der Verlag sei - anders als bislang im Geschäft mit Ausstellungskatalogen üblich - bereits an der Konzeption der Publikation beteiligt." Zum Start erscheinen vier Titel: "ein Prachtband über das Museum, ein Publikumsband, ein Kurzführer und ein Kalender".

Im Online-Buchhandel ist die Berechnung von Versandkosten mittlerweile fast die Regel: "Nach Amazon und Bol haben nun auch buch.de und die Plattform libri.de Versandkosten eingeführt."

Der Tonträgerindustrie gehen durch Raubkopien "etliche Milliarden" verloren, sagt Peter Hanser-Strecker, Präsident des Deutschen Musikverleger-Verbands und Vorsitzender der Geschäftsführung des Musikverlages Schott. "Im vergangenen Jahr musste die Tonträgerabteilung unseres Hauses einen Umsatzrückgang von 20 Prozent hinnehmen. Werke von Carl Orff etwa, an denen wir die Rechte halten, werden oft am Rechner heruntergeladen. Außerdem kursieren im Internet Techno-Versionen von Orffs Carmina Burana - illegale Bearbeitungen, die Urheber und Rechteinhaber in vielerlei Hinsicht schädigen." Hanser-Strecker fordert eine Erhöhung der Urheberabgabe auf CDs und eine Geräteabgabe auf Brenner. "Sorgen machen uns ebenfalls die rückläufigen Gema-Einnahmen und die Ignoranz der Radiosender, die der englischsprachigen Musik immer größeren Raum geben. Im Prinzip pflegen wir mit unseren Rundfunkgebühren die Musikindustrie im Ausland. Erfreuliche Ausnahmen sind nur die boomende Volksmusik und deutsche Hiphop- und Technoerfolge." Hier das ganze Interview.

Birgit Leonhardt stellt die Lernplattform Bildung online vor, ein Gemeinschaftsprojekt diverser Schulbuchverlage. "Renner bei 'Bildung online' sind aktuelle Informationen, die die Verlage entsprechend ihrer Provenienz ins Netz stellen und zum Teil im Abonnement anbieten. So kann sich ein Lehrer für 45 Euro pro Jahr 'Schroedel aktuell' bestellen. Für diesen Betrag erhält er zweimal wöchentlich per E-Mail Arbeitsblätter zu aktuellen Themen."

Weitere Meldungen: Der Schweizer Verlag Nagel & Kimche, eine Tochter des Carl Hanser Verlags, übergibt einzelne Bereiche an das Münchner Mutterhaus. Anderthalb von vier Stellen seien von der Umstrukturierung "betroffen". Die Bildungsmesse 2003 beginnt am 31. März. Und Stefan Hauck hat die Landessieger des Vorlesewettbewerbs gefragt, nach welchen Kriterien sie ihre Bücher kaufen oder ausleihen.

Die Buchmacher vom 24.06.2002 - Börsenblatt

Das österreichische Medienunternehmen Libro hat Konkurs angemeldet. Die letzten Versuche, die Finanzierung von Libro weiter zu sichern, waren am 17. Juni gescheitert, meldet das Börsenblatt. 2.370 Mitarbeiter sind betroffen. "'Wir hoffen, dass trotzdem ein großer Teil der Arbeitsplätze erhalten werden kann', sagte der Libro-Betriebsratsvorsitzende Werner Krachtovil dem Börsenblatt. Es gebe sowohl für die 246 Libro- als auch für die 22 Amadeus-Filialen Interessenten." Potenzielle Libro-Käufer sind der Büromaterial- und Papiergroßhändler Anton Stahrlinger sowie die auf Papier- und Schulartikel spezialisierte Donau Design, für Amadeus kämen der Oberösterreichische Landesverlag und die Buchhandelsgruppe Morawa & Styria in Betracht, so das Börsenblatt weiter.

Buch.de hat 15 Prozent des Münchener E-Book-Anbieters Ciando erworben. "Ab 15. Juni können Kunden komplette E-Books über die Plattform www.buch.de herunterladen. (...) Ciando hält zurzeit 600 digitalisierte Titel aus Wirtschaft, Recht, EDV, Internet, Medizin, Psychologie und Politik über das Internet verfügbar. (...) Die Beteiligung an Ciando wird von Buch.de als Einstieg in einen Zukunftsmarkt gewertet: Der Download von Fachliteratur sei eine potenzielle Einnahmequelle."

Bertelsmann will die Fachverlagsgruppe BertelsmannSpringer verkaufen. Das sagte der Vorstandschef der Bertelsmann AG, Thomas Middelhoff, am 17. Juni der Süddeutschen Zeitung (hier das Interview). "BertelsmannSpringer erfülle nicht die Kriterien, die der Gütersloher Medienkonzern für seine Unternehmensbereiche definiert hat, betonte Unternehmenssprecher Oliver Herrgesell gegenüber dem Börsenblatt. Dazu zählen die Möglichkeit zur Weltmarktführerschaft, der Beitrag zum Gesamtunternehmen sowie die Erzeugung von Synergien mit anderen Unternehmensbereichen. Verschiedene Optionen werden nun geprüft: der Verkauf, die Fusion mit einem anderen Verlagshaus, aber auch ein Management-Buy-out durch die eigenen Führungskräfte."

Das Börsenblatt berichtet außerdem von den Vorwürfen gegen Martin Walser, er habe noch Änderungen an dem Manuskript vorgenommen. Beispielsweise habe er "doitsch" in "deutsch" abgeändert. Suhrkamp-Pressesprecherin Heide Grasnick sagte dem Börsenblatt, dem FAZ-Mitherausgeber Frank Schirrmacher habe lediglich eine Roh- und nicht die Druckfassung vorgelegen. "Korrekturen seien ein üblicher Vorgang und Sache des Autors: 'Nachdem der Erscheinungstermin vorgezogen wurde, blieben Walser gerade noch zwei Tage Zeit, die Fahnen zu korrigieren.'" In einer kurzen Notiz weist das Börsenblatt daraufhin, dass die Frankfurter Verlagsanstalt den "Schundroman" von Bodo Kirchhoff ebenfalls vorgezogen hat. Auch dieser Kritiker-Mord erscheint nun am 26. Juni. Die Erstauflage ist bereits jetzt vergriffen.

Weitere Meldungen: Die Libri-Holding schließt ihren Auslieferungsstandort in Frankfurt am Main und übergibt ihr Auslieferungsgeschäft an die VVA - Vereinigte Verlagsauslieferung. Der Bertelsmann Club erkundet die Möglichkeiten einer Expansion nach Japan. Gondrom eröffnet eine Großbuchhandlung in Pforzheim. In Großbritannien gehen die Gewinne der Verlage zurück. Woody Mues und Felix Müller haben den Vorlesewettbewerb gewonnen. Und der Verband Bayerischer Verlage und Buchhandlungen hat als letzter der elf Landesverbände für einen Gesamtverein gestimmt.

Schließlich schreibt Henning Klüver über Feltrinelli: Dem Verlag gehe es prächtig, sagt Carlo Feltrinelli: "Ich sehe gar nicht ein, warum wir uns da in einen irren Wettlauf um schiere Größe begeben müssen." Die Buchhandlung Feltrinelli soll dagegen weiter wachsen: Aus den derzeit 97 Verkaufsstellen sollen 120 werden.

Die Buchmacher vom 24.06.2002 - Börsenblatt

Wenn es um Bücher geht, ist der Bundestag zu großer Harmonie fähig: "Einstimmig verabschiedeten die Abgeordneten (am 14. Juni) das Gesetz zur Sicherung der Buchpreisbindung. Es soll vor der Sommerpause passieren und am 1. Oktober in Kraft treten. (...) Durch das neue Preisbindungsgesetz hat die Bundesregierung sichergestellt, dass feste Buchpreise auch innerhalb der Europäischen Union stärker als bisher rechtlich und politisch abgesichert sind." Der alte, privatrechtliche Preisbindungsregelung war von der EU-Kommission wiederholt in Frage gestellt worden. Das Börsenblatt weist darauf hin, dass Preisbindungsgesetze sich inzwischen "als eine Art EU-Standard" durchgesetzt haben. Im Interview mit dem Börsenblatt sagt Börsenvereinsvorsteher Dieter Schormann, er sei "sehr zuversichtlich, dass wir Konflikte, die im Zusammenhang mit dem neuen Gesetz sicher nicht ganz ausbleiben werden, in kollegialem Geist innerhalb der Branche" werden regeln können. Ansonsten meint Schormann, dass die Branche mit dem neuen Gesetz "sogar sehr zufrieden" sein kann.

Der Bertelsmann Buchclub hat ermittelt, dass die Clubmitglieder in Deutschland nur rund 23 Prozent ihres Medienbudgets im Club ausgeben. Das geht natürlich nicht, und deshalb richtet der Club "voraussichtlich noch in diesem Jahr" einen Medienbesorgungsdienst ein. In den USA soll es das Angebot bereits ab Juli geben, schreibt das Börsenblatt. Mit dem neuen Service hätten die Kunden in den Clubfilialen die Möglichkeit, alle im freien Handel erhältlichen Medien online zu bestellen. Geliefert werde direkt nach Hause. Der Sprecher der DirectGroup, Rocco Thiede, sagte dem Börsenblatt, auch der Club leide unter der wirtschaftlichen Lage. "Zum Jahresende würde dennoch ein positives Ergebnis im operativen Geschäft erwartet. (...) Die DirectGroup, in der die Clubs und die Online-Aktivitäten von Bertelsmann zusammengefasst sind, hat laut Bertelsmann-Vorstand Klaus Eierhoff im März erstmals schwarze Zahlen im operativen Geschäft geschrieben."

Weltbild wächst immer weiter, hat der Geschäftsführer der katholischen Verlagsgruppe, Carel Halff, dem Handelsblatt anvertraut. "Inklusive der konsolidierten Töchter sei ein Umsatz von ca. 900 Millionen Euro erzielt worden - das entspricht einem Plus von einem Prozent. (...) Entgegen dem Branchentrend sei der Mai für das Unternehmen ein Spitzenmonat gewesen."

Weitere Beiträge: Ein Interview mit Günter Wielpütz, dem Leiter der Buchhandlung Buchhaus Stern-Verlag. Die Düsseldorfer Buchhandlung ist mit 6.000 Quadratmeter Verkaufsfläche das größte Buchkaufhaus in Europa. Ein Artikel über die Umsatzentwicklung im Mai: minus vier Prozent. Auch die nächsten Monate dürften kaum Besserung bringen, prognostiziert das Börsenblatt. Dazu gibt es noch einen Artikel über die Krise des Buchhandels in Berlin. Und eine Umfrage unter Verlegern und Vertriebsleitern: Haben die Herbst-Novitäten im Handel angesichts der Kaufzurückhaltung der Kunden überhaupt eine Chance? Andreas Horn (Eichborn) und Konstantin Wegner (Ullstein Heyne List) glauben, dass die Kunden "spätestens nach der Bundestagswahl" bzw. "frühestens im Herbst" mehr Geld in die Buchläden tragen werden; Antje Kunstmann meint, so dramatisch wie jetzt sei die Situation noch nie gewesen; "wir hoffen alle, dass es sich so schnell wie möglich wieder einrenkt - sonst sieht es schlecht aus". Schließlich schreibt Holger Heimann noch über das 50-jährige Jubiläum des Fischer Taschenbuch Verlages.

In der Beilage zur Buchhandelsgeschichte schreibt Gangolf Hübinger über "Politik mit Büchern und kulturelle Fragmentierung im Deutschen Kaiserreich", Rainer Stamm über den Verlag Karl Robert Langewiesche ("Von den 'Blauen Büchern' zum Coffee-table-book") und Andreas Graf über Feuilleton-Korrespondenzen 1871-1939.

Die Buchmacher vom 17.06.2002 - Börsenblatt

Der Bundestag hat das Preisbindungsgesetz verabschiedet. Börsenvereinsvorsteher Dieter Schormann freut sich: "Die Bundesregierung und die Fraktionen des Deutschen Bundestags haben mit diesem Gesetz einen bedeutenden Beitrag zur Sicherung des Bildungs- und Kulturstandorts Deutschland geleistet", sagte er. Mehr hier und hier und hier auch.

Hugendubel hat die Kurzarbeit nun eingeführt, die Maßnahme gilt vorerst für sechs Monate (bis zum Beginn des Weihnachtsgeschäfts). "Betroffen sind mehr als 90 Prozent der Mitarbeiter in allen Filialen; die Arbeitszeit reduziert sich von 37,5 auf maximal 30 Stunden. In einigen, weniger frequentierten Filialen werden auch die Ladenöffnungszeiten eingeschränkt." Expandieren will Hugendubel dennoch, wie der BuchMarkt in seiner Online-Ausgabe meldet.

Zwischen der DVA und dem Sortimenter-Ausschuss des Börsenvereins ist im Konditionen-Streit ein Kompromiss erzielt worden. "Nach den neuen Vereinbarungen erhalten Buchhandlungen ab 1. Juli einen generellen Grundrabatt von 34 Prozent. Zuletzt war ein Grundrabatt von 33 Prozent festgeschrieben; vor der Änderung der Konditionen durch die DVA lag dieser hingegen noch bei 35 Prozent", so das Börsenblatt.

Weitere Meldungen: Die 14. Shell Jugendstudie erscheint Mitte August bei Fischer; bislang hatte Leske + Budrich die Jugendstudien veröffentlicht. Umsatz und Jahresüberschuss der B.I. & F.A. Brockhaus AG sind im vergangenen Geschäftsjahr gewachsen. Bei der Eichborn AG ist der Gewinn trotz Umsatzplus geschrumpft. Hotzbrinck hat seinen Umsatz leicht erhöht. Die Frankfurter Buchmesse beherbergt künftig ein Kinderbuchforum. Bei Amazon.de kann nun auch per Rechnung bezahlt werden.

Außerdem berichtet Holger Ehling von der Buchmesse Warschau, die wie der polnische Buchmarkt insgesamt mit "schwierigen Rahmenbedingungen" zu kämpfen hat (die Buchmesse fand vom 15. bis zum 19. Mai statt).

Ein Extra-Teil widmet sich dem Krimi. Darin unter anderem: ein Artikel über die Pseudonyme von Krimi-Autorinnen und -Autoren; ein Interview mit der Schriftstellerin Sabine Thomas und dem Schriftsteller Till Bastian über den deutschsprachigen Krimi, dem es offenbar gut geht; je ein Beitrag über den französisch-deutschen Krimi-Markt, über Krimis aus Russland, über historische Krimis, über Krimi-Autorinnen sowie über PoD und E-Books. Und ein Kurzinterview mit Henning Mankell. Er habe die Wallander-Serie nach acht Folgen "aus Respekt sowohl vor dem Leser als auch vor mir selbst" beendet, sagt Mankell darin. "Ich wollte nicht in die Situation kommen, diese Krimis aus reiner Routine heraus zu schreiben." In seiner neuen Serie steht Wallanders Tochter Linda im Mittelpunkt. Hier wird Wallander dennoch "sehr sichtbar" sein, "schon allein deshalb, weil seine Tochter bei ihm wohnt und die beiden sehr viele Probleme miteinander haben. (...) Wir sehen ihn nun durch die Augen seiner Tochter. Kinder kennen Eltern wie niemand sonst. Wir werden ein völlig neues Bild von Wallander bekommen."