Wenn es um Bücher geht, ist der
Bundestag zu großer Harmonie fähig: "Einstimmig verabschiedeten die Abgeordneten (am 14. Juni) das
Gesetz zur Sicherung der Buchpreisbindung. Es soll vor der Sommerpause passieren und am 1. Oktober in Kraft treten. (...) Durch das neue Preisbindungsgesetz hat die Bundesregierung sichergestellt, dass feste Buchpreise auch innerhalb der Europäischen Union stärker als bisher rechtlich und politisch abgesichert sind." Der alte, privatrechtliche Preisbindungsregelung war von der EU-Kommission wiederholt in Frage gestellt worden. Das
Börsenblatt weist darauf hin, dass Preisbindungsgesetze sich inzwischen "als
eine Art EU-Standard" durchgesetzt haben. Im Interview mit dem Börsenblatt sagt Börsenvereinsvorsteher
Dieter Schormann, er sei "
sehr zuversichtlich, dass wir Konflikte, die im Zusammenhang mit dem neuen Gesetz sicher nicht ganz ausbleiben werden, in
kollegialem Geist innerhalb der Branche" werden regeln können. Ansonsten meint Schormann, dass die Branche mit dem neuen Gesetz "sogar sehr zufrieden" sein kann.
Der
Bertelsmann Buchclub hat ermittelt, dass die Clubmitglieder in Deutschland nur rund 23 Prozent ihres Medienbudgets im Club ausgeben. Das geht natürlich nicht, und deshalb richtet der Club "voraussichtlich noch in diesem Jahr" einen
Medienbesorgungsdienst ein. In den USA soll es das Angebot bereits ab Juli geben,
schreibt das
Börsenblatt. Mit dem neuen Service hätten die Kunden in den Clubfilialen die Möglichkeit, alle im freien Handel erhältlichen Medien online zu bestellen. Geliefert werde direkt nach Hause. Der Sprecher der DirectGroup,
Rocco Thiede, sagte dem Börsenblatt, auch der Club leide unter der wirtschaftlichen Lage. "Zum Jahresende würde dennoch ein
positives Ergebnis im operativen Geschäft erwartet. (...) Die
DirectGroup, in der die Clubs und die Online-Aktivitäten von Bertelsmann zusammengefasst sind, hat laut Bertelsmann-Vorstand
Klaus Eierhoff im März erstmals schwarze Zahlen im operativen Geschäft geschrieben."
Weltbild wächst
immer weiter, hat der Geschäftsführer der katholischen Verlagsgruppe,
Carel Halff, dem
Handelsblatt anvertraut. "Inklusive der konsolidierten Töchter sei ein Umsatz von ca. 900 Millionen Euro erzielt worden - das entspricht einem Plus von einem Prozent. (...) Entgegen dem
Branchentrend sei der Mai für das Unternehmen ein
Spitzenmonat gewesen."
Weitere Beiträge: Ein Interview mit
Günter Wielpütz, dem Leiter der Buchhandlung
Buchhaus Stern-Verlag. Die Düsseldorfer Buchhandlung ist mit
6.000 Quadratmeter Verkaufsfläche das größte Buchkaufhaus in Europa. Ein Artikel über die
Umsatzentwicklung im Mai:
minus vier Prozent. Auch die nächsten Monate dürften
kaum Besserung bringen, prognostiziert das
Börsenblatt. Dazu gibt es noch einen Artikel über die
Krise des Buchhandels
in Berlin. Und eine Umfrage unter Verlegern und Vertriebsleitern: Haben die
Herbst-Novitäten im Handel angesichts der Kaufzurückhaltung der Kunden
überhaupt eine Chance? Andreas Horn (Eichborn) und Konstantin Wegner (Ullstein Heyne List) glauben, dass die Kunden
"spätestens nach der Bundestagswahl" bzw.
"frühestens im Herbst" mehr Geld in die Buchläden tragen werden; Antje Kunstmann meint,
so dramatisch wie jetzt sei die Situation
noch nie gewesen; "wir hoffen alle, dass es sich so schnell wie möglich wieder einrenkt - sonst sieht es schlecht aus". Schließlich schreibt
Holger Heimann noch über das 50-jährige Jubiläum des
Fischer Taschenbuch Verlages.
In der
Beilage zur Buchhandelsgeschichte schreibt
Gangolf Hübinger über "Politik mit Büchern und kulturelle Fragmentierung im Deutschen Kaiserreich",
Rainer Stamm über den Verlag
Karl Robert Langewiesche ("Von den 'Blauen Büchern' zum Coffee-table-book") und
Andreas Graf über Feuilleton-Korrespondenzen 1871-1939.