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Literaturnobelpreis für J. M. Coetzee

02.10.2003. Der Nobelpreis für Literatur 2003 geht an den südafrikanischen Autor J. M. Coetzee. Wir suchen Reaktionen und geben Links.
Nachtrag vom 4. Oktober 2003

Als hätte sie es geahnt, bringt die NY Review of Books in ihrer gerade erschienenen Ausgabe einen Essay Coetzees. Er handelt von zwei neuen Büchern Nadine Gordimers, die Coetzee postiv, aber nicht ohne Einschränkungen beurteilt: "Her latest fiction shows a welcome readiness to pursue new avenues and a new sense of the world."

Hier außerdem der Link auf die Reaktionen der Feuilletons.

Vom 2. Oktober 2003

Der südafrikanische Schriftsteller J. M. Coetzee erhält den Nobelpreis für Literatur 2003.

In der etwas schräg klingenden Begründung der Schwedischen Akademie heißt es:

"Der Nobelpreis in Literatur des Jahres 2003 wird dem südafrikanischen Schriftsteller John Maxwell Coetzee verliehen, 'der in zahlreichen Verkleidungen die überrumpelnde Teilhabe des Außenseitertums darstellt'." Weiter heißt es: "J.M. Coetzees Romane zeichnen sich durch verschlagene Komposition, verdichteten Dialog und analytische Brillanz aus. Aber er ist gleichzeitig ein gewissenhafter Zweifler, schonungslos in seiner Kritik der grausamen Vernunft und der kosmetischen Moral der westlichen Zivilisation. Seine intellektuelle Ehrlichkeit zersetzt alle Grundlagen des Trostes und distanziert sich vom billigen Theater der Reue und des Bekenntnisses. Auch wenn seine eigene Überzeugung durchscheint wie in der Verteidigung der Rechte der Tiere, so erhellt er eher die Voraussetzungen dieser Überzeugung, als daß er für sie argumentiert."

Einige Informationen haben wir hier aus dem Netz zusammengetragen.

J. M. Coetzee wurde 1940 in Kapstadt geboren. So sieht er aus. So spricht er sich aus.

In der Buchdatenbank des Perlentauchers finden sich einige seiner Bücher und die dazugehörigen Besprechungen.

Zuletzt besprochen wurde sein autobiografisches Buch "Die jungen Jahre" (Leseprobe), in dem sich Coetzee laut FR als "unattraktiver", "feiger" und "engherziger" erfolgloser Künstler outet. (Bestellen über buecher.de oder über Amazon.) Sein bekanntester Roman ist "Schande", für den der Autor 1999 mit dem Booker Prize ausgezeichnet wurde. "Schande" stieß auch in Deutschland auf eine einhellig begeisterte Kritik. Das erste Kapitel der englischen Ausgabe ist hier zu lesen. (Hier können Sie "Schande" über buecher.de bestellen, hier über Amazon.) Coetzee ist übrigens der erste Autor überhaupt, der diesen Preis zweimal verliehen bekommen hat. Den ersten Booker Prize bekam er 1983 für den Roman "Life and Times of Michael K".

In der New York Review of Books kann man einige seiner Essays kostenfrei lesen, darunter über Robert Walser, Joseph Roth, Salman Rushdie und den Nobelpreisträger vom vorletzten Jahr, V.S. Naipaul.

Auf der Seite des BBC findet man anläßlich seiner zweiten Auszeichnung mit dem Booker Prize for Fiction 1999 einiges zum Hören, unter anderem Interviews mit dem frischgebackenen Preisträger und Hörproben aus "Disgrace" (Schande).

Die New York Times hat im letzten Jahr ein ganzes Dossier zu Coetzee ins Netz gestellt, das ebenfalls (nach kostenloser Registrierung) frei zu lesen ist. Hier finden sich Kritiken zu seinen Werken bis zurück ins Jahr 1977, mehrere Artikel von Coetzee selbst und eine Leseprobe aus "Disgrace".

Die University of Tenessee Chattanooga hat eine ziemlich ausführliche Bibliographie und Sekundärliteratur zusammengestellt. Aus Coetzees Buch "Giving Offense: Essays on Censorship" findet sich hier eine Leseprobe.