Die Buchmacher

Die Buchmacher

Ein Blick in die Branchenblätter der Buch- und Verlagswelt. Jeden Montag ab 12 Uhr.
19.11.2003. In dieser Woche lesen Sie: Warum der stationäre Buchhandel kaum von Harry Potter V profitiert. Und warum sich jetzt sogar Ebay in den Buchhandel einschaltet. Von Sandra Evertz

buchreport.express

Schlechte Nachrichten für den stationären Buchhandel. Zum einen hat er im Oktober 2003 mit einem Minus von 6,93 Prozent gegenüber dem Vorjahr abgeschlossen (die ausführliche Analyse hier). Zum anderen flossen mehr als Dreiviertel der sehnsüchtig erwarteten Harry Potter V-Startumsätze am Sortiment vorbei über andere Vertriebskanäle (zum Beispiel Amazon, Bertelsmann Club, Weltbild, Supermärkte, Tankstellen) direkt an den Endkunden. "Es ist beängstigend, wie Carlsen alle Vertriebswege bedient", klagt Buchhändler Sven Grüttefien, der für seine Filialen nur 5000 statt der georderten 10.000 Exemplare zugeteilt bekam, im Buchreport. "Es wäre wünschenswert gewesen, dass der Buchhandel wenigstens bevorzugt beliefert worden wäre."

Carlsen hat aus seinen Fehlern gelernt und Harry Potter V in mehreren Auflagen drucken lassen. "Der Verlag hatte die komplette erste Auflage von zwei Millionen Exemplaren zum Verkaufsstart an den Handel ausgeliefert - und damit trotzdem nur 98 Prozent der Nachfrage gedeckt", berichtet der Buchreport. Die zweite Auflage von 600.000 sei derzeit unterwegs zum Handel, die dritte Auflage in Planung. Harry Potter IV war im Jahr 2000 mit einer Erstauflage von 2,8 Millionen Exemplaren an den Start gegangen. Bis heute sei der Verlag auf Teilen des Vorrats sitzen geblieben und habe somit die Chance, die Erstausgabe zu korrigieren, vertan.

Ein neues Konzept für den in diesem Jahr zum dritten Mal verliehenen Buchpreis "Corine" muss her. Nur 230.000 Zuschauer verfolgten Anfang November die Aufzeichnung der Gala, die unter der Schirmherrschaft der bayerischen Landesregierung steht, im Fernsehen. Damit können die Hauptsponsoren Weltbild, Heyne und HypoVereinsbank nicht zufrieden sein. In kommenden Gesprächen stehe die Finanzierung des Preises im Mittelpunkt, schreibt der Buchreport. "Die ,Corine' steht am Scheideweg", erklärte die Vorsitzende des Landesverbands Bayern, Rosemarie von dem Knesebeck. Die vom Börsenverein in die Diskussion gebrachte mögliche Verschmelzung der "Corine" mit dem Deutschen Bücherpreis kommentierte Knesebeck mit Skepsis: Gespräche zu diesem Thema seien durchweg "ohne konkretes Ergebnis" geblieben.

Ein Rekord-Weihnachtsgeschäft für eBay prognostizierte dessen Vorstandsvorsitzende Meg Whitman kürzlich in der FAZ. Zum Erfolg beitragen sollen auch die Buchhändler mit der bereits begonnenen, bis 15. Dezember befristeten, Aktion "200 Bestseller". In deren Rahmen können die Titel zu gebundenen Festpreisen und versandkostenfrei angeboten werden. Für die Aktion ködere eBay die Partner unter anderem mit einer Gutschrift der Angebotsgebühr, weiß der Buchreport. Das Feedback der Verlage und Buchhändler sei bei der Präsentation der Idee auf der Buchmesse groß gewesen, erzählt Dirk Wagener, eBay Senior Manager Unterhaltung. eBay sei inzwischen eine kritische Masse geworden, sodass die Buchbranche verstärkt die Zusammenarbeit suche.

Personalien: Der Programmgeschäftsführer des Hoffmann & Campe Verlags, Dr. Rainer Moritz, wechselt Ende 2004 in die Geschäftsführung des Hamburger Literaturhauses. Joseph Unruhe hat sich mit dem Unternehmen JU Books International, das sich vornehmlich auf den Import englischsprachiger Literatur konzentriert, selbstständig gemacht. Barbara Ammann übernimmt die Aufgaben von Gaby Marx, die den 130 Sortimenter betreuenden Buchbereich bei der Einkaufsgemeinschaft Branion geleitet hat.

Meldungen: BMG und Sony Music fusionieren vorbehaltlich der Genehmigungen der US-amerikanischen und der europäischen Kartellbehörden. Sony BMG würde die bisherige Nummer 1 nach Umsatz, Universal Music, auf den zweiten Platz zurückdrängen. Die Brönner Umschau Gruppe trennte sich vom Umschau Buchverlag, der nun zur Niederberger Unternehmengruppe gehört. Der Süddeutsche Verlag legt zum 1. Januar 2004 seine juristischen Fachverlage Hüthig und Jehle Rehm zusammen.
Stichwörter: Buchverlage, Tankstellen

Börsenblatt

Vom Kunstbuch- und Kataloggeschäft profitieren die Verlage. Doch meistens nur als Dienstleister für die öffentliche Hand und nicht immer mit großem Gewinn, heißt es im "Thema der Woche" des Börsenblatts. Museen seien beispielsweise aufgrund ihres Kulturauftrags gehalten, ihren Besuchern möglichst billige Bücher anzubieten, nur der Verlag mit dem günstigsten Angebot bekomme den Zuschlag. Nicht nur Verlage, auch die Sortimenter ärgern sich: Oft seien Kataloge im Museumsshop deutlich billiger zu erstehen. Einen Ausweg aus der Misere für den ganzen Buchhandel hat der Kölner DuMont Literatur- und Kunstverlag gefunden: Er kooperiert mit der Bayerischen Staatsgalerie und den Staatlichen Museen zu Berlin. "Das Museum ist nicht länger Auftraggeber, der Inhalt und Form diktiert, sondern die Bücher sollen von Anfang an gemeinsam und vor allem marktgerecht entwickelt werden." Die Bücher - mit eigenem Label - kosten übrigens im Museum und in der Buchhandlung dasselbe.

"Angemessen" sollen die Honorare von Autoren und Übersetzern nach der Novellierung des Urheberrechts im Juli 2002 sein. "Angemessen", das lasse sich schwer in Zahlen fassen, weiß das Börsenblatt. So genannte Verlegervereinigungen ringen seit Monaten mit dem Verband deutscher Schriftsteller erfolglos um gemeinsame Vergütungsregeln. Jetzt habe sich der Börsenverein mit einem in Auftrag gegebenen Gutachten, das den Ist-Zustand in Deutschlands Belletristik- und Sachbuchverlagen analysiert und die Folgen einer Honorarsteigerung aufzeigt, eingeschaltet. Das Fazit des Betriebswissenschaftlers Christian Homburg: "Bereits kleine Honorarkostenerhöhungen würden die wirtschaftliche Lage vieler Häuser deutlich verschlechtern."

Die in Hamburg lebende Kinder- und Jugendbuchautorin Cornelia Funke (2,3 Millionen verkaufte Exemplare ihres Werks allein in Deutschland) ist auch international immer mehr gefragt: Jeden Tag gebe sie zurzeit ein Interview, sagt sie. Dem Börsenblatt erzählte die Mutter von zwei Kindern, dass sie realistische Geschichten a la "Wilde Hühner" nur den Lesern zuliebe verfasse, ihr eigentliches Sujet sei die fantastische Geschichte. Ganz auf der fantastischen Ebene spiele "Tintenherz", dessen Fortsetzungsband Funke gerade abgeschlossen hat.

Meldungen: Mehr als 1,2 Millionen Exemplare HP V (Platz 1 der Belletristik-Bestsellerliste) wurden an den beiden ersten Verkaufstagen an die Leser gebracht. Die Chance, dass der reduzierte Mehrwertsteuersatz für Bücher und CDs nicht abgeschafft wird, steigt - im Entwurf der zu verabschiedenden Steueränderungsgesetze der Bundesregierung ist eine Erhöhung nicht enthalten. Woody Allen will seine Memoiren jetzt doch nicht schreiben - ein deutscher Verlag soll laut FAZ schon 750.000 Dollar dafür geboten haben. Das Bundeskartellamt hat den Verkauf des Tagesspiegels durch den Holtzbrinck-Konzern an den Manager Pierre Gerckens vorläufig genehmigt. Überlegungen zur Schließung beziehungsweise Fusion der Literaturbüros in Nordrhein-Westfalen sind vom Tisch, allerdings soll der Förderetat für die Büros in den kommenden Jahren um jeweils zehn Prozent reduziert werden. Mit einer Startauflage von 100.000 Exemplaren bringt die VVA Kommunikation "bücher. Das Magazin zum Lesen" auf den Markt.
Archiv: Börsenblatt