9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Kulturpolitik

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 28.11.2018 - Kulturpolitik

Horst Bredekamp, einer der drei Gründungsindentanten des Humboldt Forums, widersetzt sich den weitreichenden Forderungen aus dem Manifest zur Restitution afrikanischer Kunst, das seine Kollegin Bénédicte Savoy dem französischen Präsidenten übergeben hat (unsere Resümees). Die deutschen Sammlungen seien nicht so von kolonialem Geist kontaminiert wie etwa die französische so Bredekamp im Gespräch mit  Eckhard Roelcke von Dlf Kultur. Die Begründung klingt etwas wolkig: "In Deutschland gab es keinen Nationalstaat und das ist der fundamentale Unterschied gegenüber Frankreich, das seit dem 17. Jahrhundert, seit dem Sonnenkönig, eben alle Macht in Paris konzentriert hat. In Deutschland ist jeder Bewohner, der über etwa hundert Kilometer gereist ist, in eine neue Nation gekommen, in eine neue Gemeinschaft, er musste sich umorientieren, er musste seinen eigenen Standpunkt relativieren, das ist der entscheidende Erfahrungsunterschied, der ... einen Universalismus hat entstehen lassen, der mit Leibniz zu verbinden ist."

Israel ist immer noch ein demokratischer Staat. Das zeigt sich für Hannah Lühmann (Welt) unter anderem darin, dass die Abstimmung über das umstrittene Loyalitätsgesetz, das staatliche Hilfen an die Loyalität von Künstlern für die israelische Regierung knüpfen wollte, von der Knesset nach landesweiten Protesten auf unbestimmte Zeit verschoben wurde: "Losgegangen war die Kampagne zu Beginn des Jahres als Regev dem arabischen 'Al-Midan'-Theater über eine Million Schekel vorenthalten hatte; das Kulturministerium hatte sich schon länger in die Finanzen des Theaters eingemischt, nachdem dieses ein Stück über den Terroristen Walid Daka auf die Bühne gebracht hatte. Die Proteste gegen den Gesetzesentwurf waren zuletzt immer lauter geworden; Kulturschaffende initiierten landesweite Demonstrationen; zuletzt verbrannten Künstler in Jerusalem öffentlich ihre Werke als drastisches Zeichen des Widerstands gegen Regevs Pläne."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.11.2018 - Kulturpolitik

Im Interview mit der SZ erklärt Guido Gryseels, Direktor des Afrika-Museums in Tervuren bei Brüssel, dass er gern erst prüfen würde, was Raubkunst ist und was nicht, bevor er Kunstwerke nach Afrika zurückgibt. Dafür müsse die Provenienzforschung verstärkt werden, was er sehr begrüßt. Ansonsten plädiert er für Pragmatismus: "Ich bin offen für Diskussionen mit jenen Ländern, die eine gute Museumsinfrastruktur haben. Viel schwieriger wird es mit einem Land wie dem Kongo, aus dem die meisten Objekte unserer Sammlung stammen. Dort fehlt die Infrastruktur. Der Direktor des Nationalmuseums sagt, er halte die Diskussion für verfrüht. Er wäre schon froh, wenn man ihm helfen würde, das kulturelle Erbe zu schützen, das sie heute haben und das wirklich bedroht ist. Im Kongo gibt es keine Aufbewahrungsorte, keine Restaurierungsmöglichkeiten. Allein in Kinshasa lagern 85 000 Objekte, die sind kaum inventarisiert. Der Direktor sagt, ihm gehe es weniger um Rückgabe als um Zugang zu unserer Sammlung, damit er Ausstellungen organisieren und die eigene Sammlung vervollständigen könne."

Weiteres zum Thema: Monika Grütters droht derweil mit Sanktionen, wenn Museen die Aufarbeitung und Rückgabe von Raubkunst aus den Jahren des Nationalsozialismus weiter verzögern, berichtet Marcus Woeller in der Welt. Und Ira Mazzoni berichtet in der SZ, dass auch private Sammlungen, die vom Bund finanziell unterstützt werden, künftig zur Restitution von Raubkunst verpflichtet werden sollen.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 26.11.2018 - Kulturpolitik

Am Freitag übergaben Bénédicte Savoy und Felwine Sarr dem französischen Präsidenten ihren Bericht zur Restitution afrikanischer Kunst - Macron gab daraufhin gleich einige Objekte aus Benin zurück. Gleichzeitig tagte in Berlin eine internationale Konferenz zu genau diesen Fragen, über die Ulrich Gutmair in der taz berichtet: "Obwohl sich alle darüber einig waren, dass die Anerkennung der kolonialen Verbrechen heute die Grundlage musealer Arbeit sein muss, war kein Konsens darüber auszumachen, wie in Bezug auf die teils vehement geforderte Rückgabe zu verfahren sei. Die Umstände sind oft extrem unterschiedlich. Und die Frage, wem Artefakte gehören, ist auch in den Herkunftsländern häufig umstritten." In der FAZ resümiert Jürg Altwegg die franzöische Debatte zum Thema.

Das Museum in Dahomey, wohin die 26 von Emmanuel Macraon zurückgegebenen Skulpturen wohl gelangen werden,  befindet sich in traurigem Zustand, berichtet der französische Auslandssender RFI: Es handele sich um ein mehrere Hektar großes Gelände: "Wir entdecken eine riesige königliche Stadt im Verfall, bestehend aus riesigen Höfen, die mit Kapok- und Mangobäumen bepflanzt sind, die Gebäude in erbärmlichem Zustand, mit Dächern ausn aus Wellblech."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 24.11.2018 - Kulturpolitik

Auch die Osterinseln wollen die Statue zurück, die eine britische Fregatte 1868 für Königin Victoria als Souvenir mitnahm: Im Guardian findet Simon Jenkins: "Die erste Antwort auf Rückgabeforderungen ist einfach: Man muss ihr nachgeben. In unseren Kellern stehen Tonnen von dem Zeug. Fairerweise muss man sagen, dass damit damit angefangen wird. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bringt Gesetze für die Rückgabe des afrikanischen Erbes auf den Weg. Das British Museum seinerseits gibt Objekte als permanente Leihgaben zurück. Die Benin-Bronzen gehen nach Nigeria, und das Museum ist bereit, mit den Osterinseln zu reden. Mehr Sorge bereitet die Frage, was die Restitution für die Welt-Museen bedeutet. Sie sin die wahren Erben der Kolonialreiche. Ihre Verteidiger stimmen immer wieder den Kuratoren-Gesang an, dass sie globale Wächter seien, eine Quelle der Forschung, der Ort, an dem Kunst ihren Kontext bekommt. Aber wenn der Kontext wirklich zählt, warum nicht Objekte wie die Lewis- Schachfiguren, das Lindisfarne-Evangeliar und den Parthenon-Fries dahin geben, wo sie urprünglich genossen werden sollten? Das einzige echte Argument der Museen ist, dass Besitz neunzig Prozent des Rechts ausmachen."

Die Berliner Ethnologin Larissa Förster widerspricht in der FAZ vehement der Auffassung, dass die Rückgabe afrikanischer Kunst erst in jüngerer Zeit gefordert wird. Es gibt etliche, noch nicht zu Ende erforschte Beispiele, in denen sich afrikanische Gesellschaften gegen die Enteignung wehrten und eine Rückgabe forderten. Und formal legalistische Argumente will Förster auch nicht gelten lassen: "Es ist bemerkenswert, dass immer, wenn auf die Frage der Legalität zum Zeitpunkt des Erwerbs von Objekten verwiesen wird, nur auf die eigenen historisch gewachsenen Rechtssysteme geblickt und selten nach den historischen Rechtssystemen der 'Anderen' gefragt wird. Es scheint, als würden deren Rechtsvorstellungen noch immer dem Feld der Mythologie oder Religion zugeordnet."

Im Tagesspiegel resümiert Birgit Rieger die bisherige Diskussion um den Bericht von Bénédicte Savoy und Felwine Sarr zur Restitution afrikanischer Kunst.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.11.2018 - Kulturpolitik

Heute übergeben Bénédicte Savoy und Felwine Sarr ihren Bericht zur Restitution afrikanischer Kunst an Emmanuel Macron - sie fordern eine fast totale Rückgabe und stoßen damit in der Öffentlichkeit bisher kaum auf kritische Reaktionen. Eine wirkliche Debatte ist zu dem Bericht aber noch nicht entbrannt.

Le Monde äußert sich in einem Leitartikel vorsichtig kritisch zu dem Bericht von Savoy und Sarr, dem die Zeitung "Maximalismus" vorwirft: "Es besteht kein Zweifel daran, dass die Kolonialzeit ein Synonym für Unterdrückung und Ausbeutung war. Dass jedes einzelne Objekt automatisch als Produkt eines Raubs betrachtet wird, mag dennoch vereinfachend erscheinen, schon allein wegen der häufigen Aufträge, die afrikanische Künstler von europäischen Sammlern erhielten."

Die Restitution von Kolonialkunst ist überfällig, meint Marcus Woeller in der Welt - befürchtet aber die nächste ideologische Debatte: "Denn Reinwaschung von europäischer Schuld ist auch durch die so generös proklamierte Rückgabe nicht möglich. Unrecht ist geschehen, unabhängig davon, ob die Artefakte nun in Europa bleiben, ob sie an Museen in Afrika übergeben werden, ob sie wieder in rituelle Zusammenhänge rückgeführt werden können oder in den Kunsthandel gelangen, der von den Restitutionen zweifellos profitieren würde. Sinnvoll ist, was viele europäische Museen (wenn auch mit jahrzehntelanger Verspätung) betreiben und bestenfalls gemeinsam mit den Herkunftsländern vorantreiben müssen: die Entschlüsselung der Objektbiografien. Darin müssen ehemalige Kolonialisten wie Frankreich oder Deutschland investieren - als ethische Wiedergutmachung."

Im Tagesspiegel vermisste Nicola Kuhn am Donnerstagmorgen bei dem in Dahlem eröffneten Symposium zum Thema "Vertagtes Erbe? Vergangenheit und Gegenwart des Kolonialismus" klare Worte von Hermann Parzinger. Eher skeptisch äußerte er, "dass man 'die erzählerische Kraft der Objekte' miteinander teilen müsse. An welchem Ort dies zuallererst zu geschehen habe, daran lässt er jedoch keine Zweifel, erst die deutschen Museen, dann die afrikanischen Partner. Savoys und Sarrs 'Neue Ethik der Beziehungen', so der Untertitel ihres Berichts, stellt genau diese Hierarchie in Frage. Frankreich, die Grande Nation, kann hier echte Größe beweisen."

Paul Starzmann sammelt indes ebenfalls im Tagesspiegel Stimmen, die nun ein klares Signal aus Deutschland fordern. Aber: "Wie im Oktober aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Grünen-Anfrage hervorging, hat die Bundesregierung nicht einmal einen Überblick, wie viel Raubkunst und Leichenteile aus früheren Kolonien die Deutschen bis heute in Museen und Privatsammlungen horten." In der FAZ kommentiert Jürg Altwegg das Ausmaß des Raubs und der Restitution. Es geht um nicht weniger als die Zukunft Afrikas und das Schicksal Europas, meint er.

Auch in Dänemark gibt es eine Restitutionsdebatte, berichten Anaïs Kien und Séverine Cassar im französischen Radiosender France Culture. Und die geht so: "Nach sieben Jahrhunderten Kolonisierung nutzte Island die Besetzung der Kolonialmacht Dänemark durch die Nazis und erklärte seine Unabhängigkeit. Da es kaum über Baudenkmäler verfügt, blieb Island nur ein einziger Schatz: die Sagas, jene Geschichten der skandinavischen und Wikingerwelt, die von anonymen isländischen Autoren zusammengetragen wurden und heute die Erforschung der germano-skandinavischen Vorstellungen und Lebensweisen im Mittelalter erlauben und bis heute die Fantasie anregen. Da dies natürliche nationale Schätze sind, wurden die Manuskripte sofort zum Gegenstand von Rückgabeforderungen, auf die die dänischen Behörden mit den aus dieser Art postkolonialem Konflikt bekannten Argumenten reagierten: Island habe nicht die Kompetenz zur Erhaltung und Präsentation der Dokumente, und dänisches Kulturgut sei nicht veräußerbar." Der einstündige Bericht gehört zu einer vierteiligen Serie von France Culture zum Thema Restitution - ach, würden deutsche Sender auch mal sowas machen!

9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.11.2018 - Kulturpolitik

Während Laureline Dupont in Le Point gestern äußerst kritisch auf den von der Kunsthistorikerin Benedicte Savoy und dem Ökonom Felwine Sarr verfassten Bericht zur Restitution afrikanischer Kunstwerke blickte (unser Resümee), übernimmt Jörg Häntzschel im Aufmacher des SZ-Feuilletons begeistert deren Vorstoß, zumal Savoy und Sarr auf sämtliche Vorbehalte eine Antwort haben, wie er versichert: "Wenn die afrikanischen Staaten mit den ersten feierlichen Rückgaben auch Inventarlisten und Archivmaterial der Museen erhalten, wenn sie erstmals erfahren, was die Franzosen fortgeschleppt haben, dann werden weitere Restitutionsforderungen folgen. Savoy und Sarr erwarten und hoffen das. Sie rechnen in Afrika mit einem neuen Interesse an der eigenen Geschichte und Kultur, ohne die eine Gesellschaft verloren sei. Und sie erwarten, dass die Afrikaner neue Museen bauen und dann weitere Objekte entgegennehmen werden. Wäre es wirklich so schlimm, so Savoy und Sarr, wenn in Europa Kopien an die Stelle der restituierten Originale treten oder 3-D-Projektionen?"

Der Bericht stelle "eine brillante Rücksichtslosigkeit dar - wohl auch im Wissen, dass, wer kann, immer ein bisschen mehr fordern soll, als er am Ende bekommt", schreibt auch Peer Teuwsen in der NZZ und weist noch einmal auf ein Interview hin, das Savoy erst kürzlich der NZZ gab und wo die Forderungen Savoys bei weitem nicht so dramatisch klangen: "Niemand will die westlichen Museen leeren, man will einzelne wichtige, symbolisch aufgeladene Objekte. Niemand spricht von Tausenden Objekten. Das sind Schlagzeilen für schlechte Zeitungen."

Afrikanischen Kulturschaffenden geht die Debatte indes nicht weit genug, weiß Sonja Zekri ebenfalls in der SZ: "Ernsthaft geführt müsste die Debatte die westlichen Vorstellungen von Museen, Exponaten und kulturellem Erbe ohnehin über den Haufen werfen. Nana Ofariatta-Ayim hat unlängst zwei Massai-Älteste nach Oxford gebracht, die schockiert vor einem rituellen Halsschmuck standen. Keine Familie hätte spirituell so wertvolle Objekte freiwillig abgegeben, sagt sie. Da wird die vermeintliche Nobilitierung durch das Museum zur Entweihung." Im Dlf diskutieren Karin Fischer und Lorenz Rollhäuser über das Papier.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.11.2018 - Kulturpolitik

Sehr kritisch berichtet Laureline Dupont in Le Point über den Bericht zur Restitution afrikanische Kunstwerke, den die Kunsthistorikerin Bénédicte Savoy und ihr Kollege Felwine Sarr übermorgen Emmanuel Macron überreichen sollen. Macron wird auf einer geplanten Afrika-Reise in den nächsten Tagen sicher auf den Bericht eingehen. Dupont konnte ihn bereits lesen und kritisiert allein schon den Begriff "Restitution", der bereits eine grundlegende und ursprüngliche Schuld unterstelle - Savoy und Sarr sehen es aber so, wie aus einem Zitat aus ihrem Bericht hervorgeht: "Dieser Begriff erinnert uns daran, dass die Aneignung und der Genuss des zurückzugebenden Eigentums auf einer moralisch verwerflichen Handlung beruht (Diebstahl, Plünderung, Plünderung, Betrug, erzwungene Zustimung und so weiter)  (....) Offen über Restitution zu sprechen bedeutet, von Gerechtigkeit, Wiederherstellung, Anerkennung, Wiederherstellung und Wiedergutmachung zu sprechen, vor allem aber, den Weg für den Aufbau neuer kultureller Beziehungen zu ebnen, die auf einer neu überlegten Beziehungsethik basieren." Sarr und Savoy machen in dem Bericht auch klar, dass sie eine "temporäre" Restitution ablehnen und grundsätzlich eine dauerhafte Rückgabe befürworten. Mehr zum Thema bei Hyperallergic. Dort wird auch darauf hingewiesen, dass französische Museen bisher laut Gesetz überhaupt keine Gegenstände dauerhaft hergeben dürfen.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.11.2018 - Kulturpolitik

Für Kulturinstitutionen in Ägypten wird es immer schwieriger, sich den Staat vom Leib zu halten, berichtet Susanna Petrin in der NZZ: "Sie machen alle ähnliche Erfahrungen mit willkürlicher Zensur, krasser Bürokratie, verstärkter Repression. Viele Kulturorte und Galerien verzichten auf Beschilderungen, ducken sich im braungrauen Häusermeer der 25-Millionen-Metropole. 'Wir möchten irgendwie lieber nicht gefunden werden', sagt eine Galeristin, 'unseren Umsatz machen wir ohnehin vor allem im Ausland.' Seit 2017 ist zudem die Finanzierung für Nonprofit-Betriebe noch prekärer geworden: Vergangenes Jahr trat ein NGO-Gesetz in Kraft, das es auch Kulturinstituten stark erschwert, Gelder von ausländischen Stiftungen oder Organisationen entgegenzunehmen. ... Mit jenem Gesetz glaubte man, die Talsohle erreicht zu haben. Aber nun droht 2019 ein noch fataleres Dekret: Das sogenannte Festival-Gesetz verlangt eine spezielle Lizenz für jedes Kulturfestival wie auch für andere Events. Gemäss Dekret wird jeweils die Zustimmung eines Komitees mit Mitgliedern aus neun Ministerien notwendig sein.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 14.11.2018 - Kulturpolitik

Die Chemnitzer versuchen den Ruf ihrer Stadt zu retten. Erst mit einem Freiluftkonzert gegen Rechts, zu dem 65.000 Besucher kamen (eine Zahl, von der die Rechten nur träumen können) und jetzt mit dem Festival "Aufstand der Geschichten", das von einer Kunst-Biennale begleitet wird. Zum Auftakt kam viel Prominenz, berichtet Burkhard Müller in der SZ: Armin Nassehi "lobt die Chemnitzer dafür, dass sie einen Titel wie 'Aufstand der Geschichten' gewählt haben, denn auf das Narrativ kommt es an. Freilich muss er einräumen, dass es auch falsche Geschichten gibt, und dass man darum nicht aufhören dürfe, ihnen beharrlich die richtigen entgegenzusetzen, solang, bis sie sich eingeprägt haben. Ganz wohl war einem dabei nicht: Wo bleibt, wenn alle nur gegeneinander anerzählen, das Prinzip der Wahrheit? Was ist mit der Macht? Was mit den Interessen?"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.11.2018 - Kulturpolitik

Die israelische Kulturministerin Miri Regev arbeitet seit einiger Zeit daran, ein "Loyalitätsgesetz" durchs Parlament zu bringen, berichtet Alexandra Föderl-Schmid in der SZ. "Es sieht vor, dass Kultureinrichtungen, Projekte oder Künstler kein öffentliches Geld erhalten, wenn sie 'gegen die Prinzipien des Staates arbeiten'. Regev verteidigte das von ihr seit zwei Jahren betriebene Gesetzesvorhaben vor der Abstimmung, es 'basiert auf den Prinzipien von Loyalität und Dankbarkeit dem Staat gegenüber'. Die Kulturministerin hatte in den vergangenen Wochen wiederholt Projekte genannt, bei denen sie das Geld streichen würde."

Während dessen haben sich in Deutschland rund 300 Kulturinstitutionen, 140 davon in Berlin, einer "Erklärung der Vielen" gegen Rechts angeschlossen, berichtet Petra Kohse in der Berliner Zeitung. 'Müssen sich Kultureinrichtungen, die staatlich gefördert sind, parteipolitisch neutral verhalten?', fragte der Intendant des Friedrichstadtpalastes, Berndt Schmidt, beim Pressetermin im Max-Liebermann-Haus, und antwortete: 'Ich meine: Nein.' Dass Extremisten demokratisch gewählt seien, sei 'kein Persilschein' und kein Grund, deren extreme Maßnahmen erdulden zu müssen. 'Wer einen von uns angreift, hat ab heute 140 an der Backe.'"