Magazinrundschau - Archiv

Wired

201 Presseschau-Absätze - Seite 9 von 21

Magazinrundschau vom 20.11.2018 - Wired

Richtig schlechte Laune kann man kriegen, wenn man Paris Martineaus Reportage über die Horrorwelt der Instagram- und Youtube-Influencer liest: Während der traditionelle Werbemarkt, der journalistische Produkte stützt, vor sich hinsiecht, fließen an die "Influencer" Summen im hohen fünfstelligen Bereich für Product-Placement, gekaufte Jubelbesprechungen oder gekaufte Verrisse von Konkurrenzprodukten. Ein fast schon mafiös anmutender Markt ist die Folge: "Jemand mit drei Millionen Abonnenten berechnet üblicherweise mindestens 40 000 Dollar pro Video. Wünscht sich die Firma, dass ein Produkt eines Konkurrenten negativ besprochen wird, kostet das nochmal 10 000 bis 30 000 Dollar extra - oder mehr. Dass die Preise mit steigender Abonnentenzahl ebenfalls steigen, versteht sich von selbst. Nahezu jeder Influencer und Markenrepräsentant, mit dem Wired sprach, schiebt die steigenden Preise auf die Agenten und Mittelsmänner, die sich in der Branche in den letzten Jahren breitgemacht haben. Agenten berechnen üblicherweise zwischen 1 000 und 20 000 Dollar pro Monat für ihren Dienst, sowie einen Anteil von 20 Prozent auf jeden Deal. Selbst ein Influencer mit einer massiven Zahl enthusiastischer Follower wird mit einer einzelnen Video-Review wahrscheinlich nicht den direkten Umsatz für die Marke generieren, mit dem sich die teuersten Preisraten amortisieren würden, sagt Kosmetik-Youtuberin Marlena Stell. Aber die Marken zahlen weiter."

Magazinrundschau vom 16.10.2018 - Wired

Wenn es nach Amazon-Gründer Jeff Bezos geht, ist der Kampf gegen die Klimaerwärmung im Grunde genommen schon gescheitert und es hilft nur noch die Verteidigung nach vorne. Zumindest rechtfertigt er in Steven Levys großer Feature-Story auf diese Weise die Raumfahrtpläne seiner zweiten großen Firma Blue Origin. Derzeit zielt er zwar noch auf das Geschäftsmodell des suborbitalen Edel-Tourismus. "Doch in den Augen seiner Kritiker erscheinen solche hochfliegenden Absichten leichtfertig gegenüber allzu drückenden irdischen Angelegenheiten. Der reichste Mann der Welt solle sich lieber um den Klimawandel, extreme Armut und Seuchen kümmern, sagen sie, oder einfach um irgendetwas anderes. Eines der kritischen Lager sammelt sich um US-Senator Bernie Sanders als inoffizielles Sprachrohr und fordert, dass Bezos' Wohlfahrtsgedanke nicht erst im Weltall beginnt. ... Auf die Bitte, dies zu präzisieren, antwortete Sanders: 'Ich finde es absurd, dass Bezos offenbar Milliarden von Dollars für ein Weltall-Unternehmen hat, aber nicht genug Geld, um seinen Mitarbeitern bei Amazon hier unten auf dem Planeten Erde ein anständiges Gehalt zu zahlen.'  ... Anfang Oktober kündigte Amazon an, dass alle Angestellten künftig mindestens 15 Dollar pro Stunde erhalten würden. Doch Bezos ist der Ansicht, dass er mit seinen Geschäften am meisten bewirken kann: 'Meine Ressourcen sind ein großer Luxus', sagt er. 'Ich werde an nichts arbeiten, von dem ich nicht überzeugt bin, dass es der Zivilisation nützen wird. Ich meine, die Washington Post tut genau das, genau wie Amazon und auch Blue Origin. Langfristig gesehen ist Blue Origin am wichtigsten.' Bezos spricht oft davon, wie leicht man missverstanden werde, wenn man mit extremen langen Zeithorizonten arbeitet. Die Leute, sagt er, würden seinen Kreuzzug irgendwann zu schätzen wissen, sobald die Verwüstungen des Klimawandels, die Ressourcen-Knappheit und die Luftverschmutzung es nötig machen, das hinter sich zu lassen, was Isaac Asimov in einer Fernsehsendung in den 70ern, die Bezos damals so sehr in Begeisterung versetzte, 'planetarischen Chauvinismus' nannte." Der dann auf dem nächsten Planeten weitergeht?

Magazinrundschau vom 25.09.2018 - Wired

Die Zukunft ist auch nicht mehr das, was sie einmal war, lautet David Karpfs Fazit nach einer ausgiebigen Archivlektüre aller Wired-Ausgaben, die er zum 25-jährigen Jubiläum des Blattes unternommen hat: Früher umarmte das Blatt alles, was nach "disruption" klang, blickte mit Enthusiasmus auf alles, was irgendwie nach digitaler und damit besserer Zukunft aussah. Heute ist das alles oft schon Geschichte: "William Gibson wird der Ausspruch zugeschrieben, dass 'die Zukunft bereits da ist - sie ist nur ungleichmäßig verteilt.' Blättert man sich durch 25 Jahre Wired sticht am auffälligsten ins Auge, dass die Zukunft niemals gleichmäßig verteilt wird. Sicher, jeder nutzt Facebook und Google. Aber die Dinosaurierer sterben nie mit einem Mal aus und das neue Zeitalter des Überflüsses kommt nie wirklich stabil in Schwung. ... Der Blick auf die Bilanz der digitalen Revolution legt nahe, dass ihr Verlauf nicht immer in Richtung Überfluss weist - oder überhaupt auch nur geradlinig verläuft. Sie huscht herum, folgt den Gravitationskräften von Hype-Blasen und Monopolmacht, wird von der Widerstandskraft alter Institutionen gescheucht und von der Fragilität der neuen. So, wie sich Wired heute präsentiert, wurde diese Lektion gelernt. Wohl auch wegen der angehäuften Geschichte gestatten die digitalen Ambitionen der Gegenwart weniger stümischen Optimismus, der einem offenen Ausgang der Geschehnisse gelassen entgegen sieht."

Außerdem: Edward Snowden erklärt in einem kurzen Stück, wie sich Aktivisten gegen Überwachung schützen können. Und  Virginia Heffernan erklärt, warum es eine gute Sache ist, dass auch das Internet Sachen vergisst.

Magazinrundschau vom 04.09.2018 - Wired

An Drastik lässt es Andy Greenberg in seinem Text über den in der deutschen Öffentlichkeit nur am Rande bemerkten NotPetya-Angriffs nicht fehlen. Die mutmaßlich vom russischen Militär lancierte Schadsoftware legte im vergangenen Jahr weite Teile der ukrainischen Infrastruktur lahm - und zwar laut Greenberg mit dem größt möglichen Schaden: Er wird auf rund zehn Milliarden Dollar beziffert. Auch jenseits der Ukraine kam es, da das Netz bekanntlich keine Nationalgrenzen kennt, zu zahlreichen Ausfällen. "NotPetya fraß ukrainische Computer zum Frühstück. Allein in Kiev wurden mindestens vier Krankenhäuser von dem Schlag getroffen, dazu sechs Energieunternehmen, zwei Flughäfen und mehr als 22 ukrainische Banken, Geldautomaten und Kartenbezahlsysteme in Handel und Transportwesen sowie so gut wie jede Einrichtung der Regierung. 'Die Regierung war tot', fasst die ukranische Verkehrsminister Volodymyr Omelyan die Lage zusammen. ... 60 Kilometer weiter waren selbst jene Computer, mit denen die Wissenschaftler die Aufräumarbeiten in Tschernobyl koordinierten, von dem Angriff betroffen. 'Sämtliche unserer Systeme standen massiv unter Beschuss', sagt Omelyan. ... Im ganzen Land stellten sich Ukrainer ähnliche Fragen: Hatten sie genug Geld im Haus, um sich für die Dauer des Schlags mit Lebensmittel und Benzin zu versorgen? Würden sie ihr Gehalt und ihre Renten erhalten? Würden sie weiterhin Medikamente erhalten? In der Nacht, als die Welt draußen noch darüber diskutierte, ob es sich bei NotPetya um kriminelle Ransomware oder um eine Waffe in einem staatlich gelenkten Cyber-Krieg handelte, sprachen die Mitarbeiter des internationalen Cyber-Security-Zusammenschlusses ISSP bereits von einem neuartigen Phänomen: einer 'massiven, koordinierten Cyber-Invasion'."

Magazinrundschau vom 07.08.2018 - Wired

Der amerikanische Strafvollzug bildet längst einen lukrativen Wirtschaftssektor eigenen Rechts: Auch mit dem Bedürfnis der Insassen nach Kommunikation mit der Außenwelt lassen sich Millionen machen. Einige Gefängnisse stellen zum Beispiel Grußkarten auf Papier nicht mehr durch, hat Victoria Law herausgefunden. Begründet wird dies mit dem Verweis auf eine vom privaten Anbieter JPay eingerichtete elektronische Lösung per Quasi-Email - deren Interface allerdings an die klobige Ästhetik der Neunziger erinnert und bei der jede Seite Text, jedes Foto mit "Briefmarken" genannten Tickets abgerechnet wird, für die der Insasse oder dessen Angehörige aufkommen müssen: "Still und heimlich bauen E-Messaging-Firmen in den Gefängnissen jenseits des Wettbewerbs eine Art Gelddruckerei auf - ein Monopol, das in der Außenwelt nicht tolerierbar wäre. Sie basiert auf einer simplen Formel: Egal wie hoch der Preis ist, um eine Nachricht zu verschicken, Gefangene und deren Angehörige werden einen Weg finden, ihn zu zahlen. ... Auch wenn diese Firmen ihr Geschäftsmodell mit Briefmarken vergleichen, ist ein traditioneller Brief per Post, in dem eine Person mehrere Fotos oder fünf Blatt Papier zum festgesetzten Preis verschicken kann, ein viel besserer Deal. 'Es handelt sich um eine Firma, deren Preisgestaltung nicht transparent ist', sagt Peter Wagner von der Prison Policy Initiative. 'Da die Vollzugsanstalten für die Rechnungen nicht aufkommen müssen, besteht für sie auch kein Anreiz, sich darüber Gedanken zu machen.' Tatsächlich ist es sogar so, dass die Anstalten einen Anreiz haben, den Gebrauch solcher Dienste zu lancieren, da sie am Umsatz beteiligt sind."

Außerdem gibt Adam Fischer Mark Zuckerberg Tipps, was er von Bill Gates und aus der Geschichte Microsofts lernen kann.

Magazinrundschau vom 31.07.2018 - Wired

Die libertäre Staatsskepsis, die in den Neunzigern im Silicon Valley und im frühen World Wide Web noch allgegenwärtig war, hat sich gewandelt: Auf den ersten Blick ist der Tech-Sektor in zahlreichen politischen Fragen nach links gerückt und unterstützt gesellschaftspoltische Forderungen, die nur mit einem starken und nicht mit einem nach libertären Vorstellungen abgeschwächten Staat zu meistern sind, erklärt Steven Johnson. Doch hat eine große Umfrage nun auch ergeben, dass diese Positionen keineswegs konsequent im Sinne einer orthodox linken Weltsicht formuliert werden, sondern sich insbesondere dann eine bemerkenswerte Elastizität in politischen Fragen zeigt, sobald die eigene Branche betroffen ist: "Die Tech-Elite wünscht sich zwar eine aktivistische Regierung, möchte aber nicht, dass die Regierung sie aktiv beschränkt (62 Prozent der Befragten erklärten den Stanford-Forschern, dass die Regierung Unternehmen nicht engmaschig regulieren, sondern lieber die Reichen besteuern solle, um soziale Programme zu finanzieren). Wenn es um die Umverteilung des Wohlstands und soziale Sicherheiten geht, klingen sie wie nordeuropäische Progressive. Fragt man sie nach Gewerkschaften oder Regulierungen, klingen sie wie die Koch Brothers. ... Doch den Forschern Brink Lindsey und Steven Teles zufolge ist der Tech-Sektor tatsächlich in eine Position gestolpert, deren Ideologie sich als kohärenter erweist als man zuerst vermuten würde. Sie nennen sie 'Liberatarianismus'. Lindsey, Vizepräsident des Niskanen Zentrums in politischen Fragen, einem Think Tank, der liberaltäre Positionen unterstützt, beschreibt die Ideologie als belebt von der 'Idee der freien Marktwirtschaft innerhalb eines Wohlfahrtstaats. Manche sehen darin einen Widerspruch in sich, für uns stellt sich so aber eine gute, dem 21. Jahrhundert gemäße Regierungspolitik dar: Sie kombiniert einschneidende Umverteilungen und soziale Ausgaben mit hippem Marktwettbewerb.'" Ach ja? Wir nennen das soziale Marktwirtschaft, und das schon ziemlich lange.

Magazinrundschau vom 24.07.2018 - Wired

Wenn es darum geht, Diskursknotenpunkte im Web zu analysieren - etwa, um herauszubekommen, ob bestimmte politische Milieus im Netz mutmaßlich lanciert sind oder wie Verschwörungstheorien aus wirren Nischen des Web auf der Startseite von Youtube landen - kommt man an dem Medienforscher und Datenjournalisten Jonathan Albright kaum vorbei. Die Autorin Issie Lapowsky widmet ihm ein ausführliches Porträt und beschreibt ein Schlüsselerlebnis: "Trotz seiner akademischen Forschungsarbeit war Albright so überrascht wie jeder andere auch von Donald Trumps Sieg über Hillary Clinton. In einem losen Versuch, zu verstehen, was gerade geschehen war, brütete er über einer Google-Tabelle mit Links zu Websites, die während des Wahlkampfs Falschinformationen gestreut hatten. Er wollte herauskriegen, ob es zwischen ihnen Gemeinsamkeiten gab. Mit Open-Source-Werkzeugen verbrachte er die Nacht damit, die Inhalte dieser 117 Seiten zu ziehen, darunter Neonazi-Websites wie Stormfront und die bekennender Verschwörungstheoretiker wie Conspirational Planet. Schlussendlich häufte er eine Liste von mehr als 735.000 Links an, die auf diesen Seiten auftauchten. Auf der Suche nach Hinweisen auf etwaige Strippenzieher im Hintergrund begann Albright, jene Links zu identifizieren, die auf mehr als einer zweifelhaften Website gesetzt wurden, und identifizierte rund 80.000 davon. ... Nach etwa 36 Stunden Arbeit mit mehrfachen überlastungsbedingten Software-Abstürzen war er in der Lage, diese Links zu kartografieren, indem er die Liste in eine atemberaubend komplizierte Datenvisualisierung übersetzte. 'Nur wenige Tage nach der Wahl bildete sich vor meinen Augen das Bild eines ausgewachsenen Ökosystems von Falschinformationen', sagt Albright, noch immer ganz berauscht von seiner Entdeckung. 'Mir zeigten sich Erkenntnisse, an die ich nie gedacht hätte.' Und als Spinne inmitten dieses monströsen Netzes saß ein riesiger Knotenpunkt namens Youtube."

Außerdem: Garrett M. Graff fasst zusammen - und spendiert dazu Myriaden von weiterführenden Links -, was Robert Mueller in seinen Ermittlungen über die mutmaßlichen russischen Manipulationen des amerikanischen Wahlkampfs weiß oder wissen könnte. Adam Fisher schreibt über die Flegeljahre von Facebook, als das heutige IT-Flaggschiff noch ein Start-Up zwischen Bierdosen, Pizzaschachteln und pubertären Wandgraffitis war. Stephen S. Hall singt ein Loblied auf die Genmanipulationen, die (das Anfang des Monats von John Oliver angenehm gegrillte) Start-Up Crispr in Aussicht stellt. Und Cathy Alter hat einen Knaben ausfindig gemacht, der von allem, was mit Ventilatoren zu tun hat, massiv begeistert ist.

Magazinrundschau vom 03.07.2018 - Wired

Bei Google, Microsoft und anderen IT-Konzernen brodelt es mächtig in der Belegschaft: Zahlreiche Tech-Arbeiter protestieren gegen die Regierungsaufträge ihrer Firmen, weil sie keine Lust haben, ihre Fähigkeiten etwa dafür einzusetzen, dass Drohnen per KI ihre Videoaufnahmen besser interpretieren können. Das Ausmaß dieses Protestes und die Strategie, damit an die Öffentlichkeit zu gehen, ist neu, schreibt Nitasha Tiku. Im Grunde befolgen die Mitarbeiter nur das Credo, mit dem sie einst angeheuert wurden, erfahren wir: "Lange Zeit lautete der Slogan, mit dem Silicon Valley für sich geworben hat: Arbeite bei uns und verändere die Welt. Die Angestellten werden dazu ermuntert, das Arbeitsleben mit ihrer sozialen Identität gleichzusetzen und viele internalisieren dieses utopische Ideal. 'Wer hier anheuert, um ein Tech-Held zu werden, will mit Menschenrechtsverletzungen nicht zu tun haben', sagt ein älterer Angestellter von Google, der sich in dem Protest gegen das Projekt Maven engagiert. Dass die Tech-Arbeiter sich heutzutage eher dazu imstande sehen, ihre Arbeitgeber derart herauszufordern, mag auch damit zu tun haben, dass ihre Kompetenzen in der momentanen Phase hoher Nachfrage gut vermarktbar sind, sagt Nelson Lichtenstein, Geschichtsprofessor und Leiter des Zentrums für Arbeits- und Demokratiestudien an der Universität Santa Barbara. 'Warum stößt man unter denen, die in China Schaltkreise löten, auf nichts Vergleichbares? Weil sie dort um einiges verwundbarer sind.'"

Außerdem brütet Garrett M. Graff über der Frage, ob ein vor kurzem aufgetauchter, 21 Seiten umfassender Text mit zahlreichen Anekdoten und Erinnerungen tatsächlich, wie behauptet, von Satoshi Nakamoto, dem (oder den) anonymen Entwickler(n) von Bitcoin stammt. In der Tat wäre es ja mal ganz interessant zu wissen, wer sich hinter dem Pseudonym verbirgt. Denn: "Das 'wer ist Satoshi'-Spiel ist mehr als nur eine niedliche Online-Plauderei, wenn man sich vor Augen hält, was für immense Ressourcen allem Anschein nach in Nakamotos digitalem Geldbeutel schlummern. Forscher gehen davon aus, dass die Person (oder die Personen), die Bitcoin entwickeln haben, noch immer über etwas mehr als 900.000 Bitcoins verfügen. Ein Vermögen, das sich selbst zum mittlerweile stark gesunkenen Kurs - Bitcoin liegt heute etwa 70 Prozent unter dem Spitzenwert von 22.000 Dollars Ende letzten Jahres - auf gut 5,8 Milliarden Dollar belaufen würde."

Magazinrundschau vom 10.07.2018 - Wired

Da Waffensysteme immer präziser und punktuell einsetzbarer werden, könnte sich das Schlachtfeld der Zukunft zahlreiche Kilometer über unseren Köpfen befinden, schreibt Garrett M. Graff: Wer gezielt Satelliten im Orbit zerstören kann, hat seinen Gegner auf dem Boden im Grunde schon besiegt - zumal weite Teile der Infrastruktur und Logistiken auf dem Boden von einem funktionierenden Satellitensystem abhängig sind und weite Teile des Militärs ohne Satellit kaum mehr einsetzbar sind. "Nach Jahrzehnten unbestrittener Vorherrschaft der USA, multinationalen Abkommen und einem diplomatischen Konsens, das Weltall dem rein friedlichen Gebrauch vorzubehalten, haben die militärischen Führungskräfte begonnen, den Orbit als einen neuen 'Kriegsschauplatz' zu bezeichnen. ... Doch sollte das All tatsächlich ein Kriegsschauplatz werden, ist es wichtig, sich die Risiken vor Augen zu halten, und zwar nicht für Amerikas strategische Position, sondern für die gesamte Menschheit. Ein russo-chinesisch-amerikanischer Krieg im All könnte ohne weiteres zu einer stark beschädigten globalen Ökonomie führen, einer unbrauchbaren Infrastruktur und einem von den Fragmenten pulverisierter Satelliten ummantelten Planeten, was im übrigen für alle Menschen zu einem Problem werden könnte, bis wir einen Weg gefunden haben, uns dessen zu entledigen. Im Nachspiel eines solchen Konflikts könnte es Jahre dauern, bevor wir neue Satellitenformationen im Orbit platzieren könnten. Die Vorbereitungen für einen Orbit-Krieg haben beim US-Militär rasch Priorität gewonnen. Doch viel dringender wäre es, herauszukriegen, wie er sich verhindern lässt."

Magazinrundschau vom 19.06.2018 - Wired

Palmer Luckey ist der Mann hinter Oculus Rift - ein Gamer, der sich immer stärker in seine Spielwelten versenken wollte und daher ein Virtual-Reality-System entwickelte, das ihm Facebook für viel Geld abgekauft hat. Seitdem machte der gerade mal 25-jährige Neu-Milliardär eher politisch von sich reden: Als Unterstützer der Alt-Right und von Trump, dem er nun beim Bau der Mauer an der Grenze zwischen den USA und Mexiko mit einem Virtual- und Augmented-Reality-System seines Start-Ups Anduril unter die Arme greifen will. Steven Levy hat sich das System übergestülpt und fand sich "im Nu in einer digitalen Welt wieder, die das, was ich eben noch vor Augen hatte, exakt simuliert." Mittels Kameras und eingeblendeten Hinweisen gestattet es das System jedoch, an all jene Orte zu zoomen, an denen sich gerade verdächtige Bewegungen abspielen - und dabei vorab darüber zu informieren, wie wahrscheinlich es ist, dass es sich dabei um einen Menschen oder um ein Tier handelt. "Das System, das ich teste, ist Luckeys Lösungsvorschlag dafür, wie die USA illegale Grenzübertritte registrieren sollte. Sie verschmilzt Virtual-Reality mit Überwachungstools zu einer digitalen Mauer, die nicht so sehr eine Barriere darstellt, sondern vielmehr ein Netz aus allgegenwärtigen Augen, die smart genug sind, um zu wissen, was sie sehen. ... Doch wie sollte man mit den auf diese Weise festgesetzten Leuten verfahren? Was ist mit den Kindern und Eltern, die jetzt auseinander gerissen werden, wenn sie die Grenze überschreiten? Dies sind gesellschaftliche und politische Fragen, keine technologischen Spezifikationen. Doch es verhält sich zunehmend so, dass die Leute, die neue Technologien bauen damit politische Konsequenzen. Auch wenn TechFirmen zuletzt ziemlich einstecken mussten, sind auch jene, die heute besonders in der Kritik stehen, einst aus glühendem Idealismus heraus gegründet worden. Wir träumten einst von einer Zeit, in der ultra-vernetzte und unendliche Möglichkeiten erschließende Technologie jene Probleme lösen würde, derentwegen Leute aus ihren Ländern fliehen oder die terroristische oder militärische Angriffe begünstigen. Doch die Probleme hörten nicht auf. Heute scheint es offensichtlich, dass Technologie uns niemals zu besseren Menschen machen würde. Wir sind noch immer so fehlerbehaftet wie früher. Stattdessen mischt jene Technologie, deren Versprechungen einst so reich waren, heute in allzumenschlichen Zusammenstößen mit - angeführt von einer Firma, die nach einem rächenden Schwert benannt ist."