Magazinrundschau

Planetarischer Chauvinismus

Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag Mittag
16.10.2018. Im Zeit Magazin erklärt der chinesische Autor Cixin Liu, warum alle Welt plötzlich chinesische SciFi liest. Eurozine untersucht die französische Literatur der Ungerechtigkeit. Qantara schildert Ägyptens wenig freundlichen Umgang mit Einwanderern. In Words without Borders erinnert sich die Dalit-Autorin Kausalya Baisantry, wie ihre Verwandtschaft jeden Bildungsversuch unterminierte. La vie des idees kritisiert den Kommunitarismus in Marseille. In Elet es Irodalom sieht Timothy Snyder das System Ungarn (und Russland) auf lange Sicht scheitern. Die New York Times fragt: Welche Einwanderungspolitik wollen die Demokraten?

Die Zeit (Deutschland), 16.10.2018

Ziemlich matt und müde wirkt Cixin Liu im Gespräch, das Xifan Yang mit dem chinesischen Science-Fiction-Autor geführt hat. Seine Trisolaris-Reihe schlug in den letzten Jahren im Westen zwar ein wie eine Bombe, wurde in China aber schon vor zehn Jahren veröffentlicht. Seitdem habe er kaum mehr etwas zu Papier gebracht, erklärt der Schriftsteller, und auch die Bücher der Kolleginnen und Kollegen seiner Zunft begeistern ihn nicht so recht - insbesondere nicht für Science-Fiction als Vehikel philosophischer Überlegungen. "Wir leben in einer Zeit, in der sich die Geschwindigkeit technologischer Veränderungen überschlägt, sodass die Vorstellungskraft eines Science-Fiction-Autors kaum noch mitkommt. Das ist für das Genre fatal." Warum nun gerade chinesische Science-Fiction einen Boom erlebt, weiß er ebenfalls: "Ich kenne hervorragende ägyptische, vietnamesische und philippinische Science-Fiction-Autoren! Für deren Werk interessiert sich kaum jemand. Das liegt daran, dass Science-Fiction ein besonderes Literaturgenre ist: Ihr Erfolg ist ein Barometer für den Entwicklungsstand des Herkunftslandes. Ein Leo Tolstoi oder ein Gabriel García Márquez wurden zu Lebzeiten international bekannt, obwohl das Zarenreich und das Kolumbien der Sechzigerjahre technisch wie wirtschaftlich rückständig waren. In der Science-Fiction ist das anders: 'Frankenstein' von Mary Shelley, der erste Science-Fiction-Roman der Welt, stammt aus der Blütezeit der englischen Industrialisierung. Oder schauen Sie sich die Goldene Ära der amerikanischen Science-Fiction zwischen 1930 und 1960 an, die zusammenfiel mit dem Aufstieg der USA zur Supermacht. Dass die Welt nun chinesische Science-Fiction liest, hat mit der Modernisierung in unserem Land und seiner wachsenden Bedeutung zu tun."
Archiv: Die Zeit

Eurozine (Österreich), 15.10.2018

Slowenien rangiert in Fragen der Geschlechtergleichstellung weltweit auf Platz sieben, hinter den skandinavischen Staaten und Kanada. Die Feministin, Psychologin und langjährige Parlamentsabgeordnete, Metka Mencin Čeplak sieht darin durchaus ein Erbe staatlicher sozialistischer Frauenpolitik, wie sie im Interview mit der Zeitschrift Dialogi erklärt, das bei Eurozine auf Englisch erscheint. Heute fürchtet sie eine Retraditionalisierung der Rollenbilder und den Verlust von egalitären Triebkräften im Feminismus: "Ich bin heute viel skeptischer als früher, was die Institutionalisierung von Frauenpolitik angeht. Ich glaube zwar immer noch, dass es für Regierungen und öffentliche Einrichtungen essentiell ist, sich von Zielen und Regeln der Gleichstellung leiten zu lassen. Aber zugleich wird mir auch immer klarer, dass die Institutionalisierung zugleich Anfang und Ende einer Gleichstellungspolitik ist, wenn wir nicht wachsam bleiben und aufpassen, dass unsere Forderungen heruntergeschraubt werden. Und ich glaube, dass wir zurückfallen, wenn wir übersehen, wie schädlich sich der Kapitalismus auswirkt. Ich bin heute viel skeptischer gegenüber dem liberalen Feminismus, mit seinem Fokus auf das zahlenmäßige Verhältnis von Männern und Frauen in privilegierten Positionen, während er zugleich Klasse und andere Achsen von Ungleichheit und Unterwerfung übersieht."

Nicolas Léger liest in einem aus Esprit übernommenen Text Michel Houellebecq und Virginie Despentes parallel und erkennt in ihnen die großen Chronisten des modernen inegalitären Frankreichs: "Obwohl Houellebecqs kalter analytischer Stil des Überdrusses als das genaue Gegenteil von Despentes schwungvoller, wild musikalischer Prosa erscheint, arbeiten beide an derselben Aufgabe: Sie bieten in ihren Panoramen luzide Fresken einer Desillusionierung, die in den achtziger Jahren aufkam. Beide Autoren füllen ihre Sprache mit dem Atem und der Atemlosigkeit einer Generation, die immer schon wusste, dass sie verloren war. Das Individuum mag König sein, doch es ist eine König ohne Kleider, Herrscher über eine emotionale und existenzielle Wüste: allein und in betäubendem Komfort sterbend, außer wenn er zerschlagen und ausgeschlossen wird. Ratlos taumelt das Individuum durch die inegalitäre Welt, seiner eigenen Ohnmacht bewusst, oder schlimmer noch: ohne jedes Interesse, sich gegen die hegemoniale Ordnung und den permanenten Zustand sozialer Gewalt aufzulehnen."

Archiv: Eurozine

New Yorker (USA), 22.10.2018

In der aktuellen Ausgabe des New Yorker berichtet Sheelah Kolhatkar über die raffinierte Expansionsstrategie des konservativen amerikanischen Mediengiganten Sinclair Broadcast, der in den USA 39 Prozent Marktanteil besitzt und seine Zuschauer auf Trump-Kurs bringt, sofern sie da nicht längst sind: "In den letzten zehn Jahren wurden die Anzahl der Nachrichten produzierenden Sender reduziert. Mit dem Abwandern der Werbung auf Onlineplattformen, gingen Dutzende Zeitungen pleite, sodass viele Orte in den USA über keine oder nur unzureichende regionale Berichterstattung verfügen. Die Veränderung in der Medienlandschaft hat den Einfluss von Unternehmen mit klarer politischer Stoßrichtung wie Sinclair verstärkt. Laut einer Studie des Pew Research Centers beziehen 50 Prozent der US-Amerikaner ihre Informationen über das Fernsehen. In Zeiten, in denen Trump das Vertrauen in die öffentlich-rechtlichen Medien untergräbt und Facebook und Twitter von russischen Agenten kreierte Falschinformationen verbreiten, bekräftigen 76 Prozent von ihnen ihren Glauben an regionale Nachrichtenanstalten. Sinclair hat sich gut positioniert, um auf dieses Vertrauen zu bauen und besitzt mehr Sendestationen in Wechselwählerstaaten als jedes andere Unternehmen … Bei den Präsidentschaftswahlen votierten die Wähler in Gegenden mit hoher Konzentration von Sinclair-Sendern im Schnitt um 19 Prozentpunkte mehr für Trump als für Hillary Clinton."

Außerdem: Nick Paumgarten überlegt, ob Bitcoin und Co. die Welt verändern können. Alexandra Schwartz stellt "Rent a Runway" vor, ein Service, bei dem man Designerkleider leihen kann. Pankaj Mishra überlegt anlässlich einiger Neuerscheinungen, was Gandhi uns lehren kann. James Wood liest den norwegischen Autor Dag Solstadt. Und Anthony Lane sah im Kino David Gordon Greens "Halloween".
Anzeige
Archiv: New Yorker

Qantara (Deutschland), 10.10.2018

Immigranten habe es auch in Ägypten nicht leicht, erzählt Aya Nabil in einer Reportage: "So erlaubt das ägyptische Gesetz Asylsuchenden weder eine permanente Aufenthaltsgenehmigung noch Staatsbürgerschaft. ... Die Möglichkeit auf Staatsbürgerschaft besteht allein für die Kinder flüchtender Frauen, die einen ägyptischen Mann heiraten. Die Frauen selbst erhalten jedoch nicht die Staatsbürgerschaft, genauso wenig wie ausländische Männer, die Ägypterinnen heiraten, und auch nicht deren Kinder, die lediglich den Namen der ägyptischen Mutter auf der Geburtsurkunde erhalten." Besonders schwierig ist es für Frauen mit dunklerer Hautfarbe, erzählt ihr Fatima Idris, Geschäftsführerin bei "Tadamon - The Egyptian Refugee Multicultural Council", die selbst vor 16 Jahren aus dem Nordsudan nach Ägypten geflüchtet war: "Ich habe die Integration geschafft, obwohl ich den nubischen ÄgypterInnen ähnlicher sehe. Meine Kinder haben weiße Haut und deshalb wenig Probleme. Aber wenn wir alle zusammen sind, gehen die Fragen an uns los - als wären das nicht meine Kinder. Einmal ging eine Lehrerin an ihrer Schule so weit, zu einem Freund meines Sohnes zu sagen: 'Du bist weiß und schön.' Da musste ich eingreifen. Ich will nicht, dass sie die weitverbreitete Meinung übernehmen, dass helle Haut überlegen ist.' Fatima meint, dass das Leben in Ägypten von Stereotypisierung beherrscht sei und die Probleme immer dann begännen, wenn sich jemand davon unterscheide: 'Ich kenne viele Frauen, die gezwungen waren, ein Kopftuch aufzusetzen, damit sie in ihrem Wohngebiet nicht länger in Schwierigkeiten kamen, weil sie anders aussahen.'"
Archiv: Qantara

Wired (USA), 15.10.2018

Wenn es nach Amazon-Gründer Jeff Bezos geht, ist der Kampf gegen die Klimaerwärmung im Grunde genommen schon gescheitert und es hilft nur noch die Verteidigung nach vorne. Zumindest rechtfertigt er in Steven Levys großer Feature-Story auf diese Weise die Raumfahrtpläne seiner zweiten großen Firma Blue Origin. Derzeit zielt er zwar noch auf das Geschäftsmodell des suborbitalen Edel-Tourismus. "Doch in den Augen seiner Kritiker erscheinen solche hochfliegenden Absichten leichtfertig gegenüber allzu drückenden irdischen Angelegenheiten. Der reichste Mann der Welt solle sich lieber um den Klimawandel, extreme Armut und Seuchen kümmern, sagen sie, oder einfach um irgendetwas anderes. Eines der kritischen Lager sammelt sich um US-Senator Bernie Sanders als inoffizielles Sprachrohr und fordert, dass Bezos' Wohlfahrtsgedanke nicht erst im Weltall beginnt. ... Auf die Bitte, dies zu präzisieren, antwortete Sanders: 'Ich finde es absurd, dass Bezos offenbar Milliarden von Dollars für ein Weltall-Unternehmen hat, aber nicht genug Geld, um seinen Mitarbeitern bei Amazon hier unten auf dem Planeten Erde ein anständiges Gehalt zu zahlen.'  ... Anfang Oktober kündigte Amazon an, dass alle Angestellten künftig mindestens 15 Dollar pro Stunde erhalten würden. Doch Bezos ist der Ansicht, dass er mit seinen Geschäften am meisten bewirken kann: 'Meine Ressourcen sind ein großer Luxus', sagt er. 'Ich werde an nichts arbeiten, von dem ich nicht überzeugt bin, dass es der Zivilisation nützen wird. Ich meine, die Washington Post tut genau das, genau wie Amazon und auch Blue Origin. Langfristig gesehen ist Blue Origin am wichtigsten.' Bezos spricht oft davon, wie leicht man missverstanden werde, wenn man mit extremen langen Zeithorizonten arbeitet. Die Leute, sagt er, würden seinen Kreuzzug irgendwann zu schätzen wissen, sobald die Verwüstungen des Klimawandels, die Ressourcen-Knappheit und die Luftverschmutzung es nötig machen, das hinter sich zu lassen, was Isaac Asimov in einer Fernsehsendung in den 70ern, die Bezos damals so sehr in Begeisterung versetzte, 'planetarischen Chauvinismus' nannte." Der dann auf dem nächsten Planeten weitergeht?
Archiv: Wired

Words without Borders (USA), 16.10.2018

Words without Border bringt in diesem Monat eine Ausgabe mit Dalit-Literatur, die auf Hindi geschrieben wurde. Lesen kann man unter anderem einen Auszug aus Kausalya Baisantrys Erinnerungen an ihre Kindheit. Ihre Familie stach in ihrem Dorf heraus: Sie besaßen ein Grammophon und Schallplatten, sangen und die Mädchen gingen alle zur Schule. Viele, auch viele Verwandte, akzeptierten das nicht. Sie hassten sie für ihren Willen weiterzukommen: "Es gab keine Arbeit für den Pöbel in unserem Bezirk, und sie erhielten auch keine Ausbildung. Also konnten sie nur Unsinn machen. Einige kniffen die Augen zusammen, verstört vom Fortschritts anderer. Es hat sie nur angestachelt. Sie lebten dafür, Liebesbekundungen zwischen Jungen und Mädchen zu entdecken, und versuchten alles, um herauszufinden, wo sich die beiden Liebenden trafen, wohin sie gehen würden. Dann schnappten sie sich die beiden und brachten sie zurück, um sie zu beschämen. Die armen Liebenden wurden von ihren Eltern mit Prügeln bestraft. Sie gingen mit gesenkten Köpfen, jetzt, da ihr Familienstolz in den Dreck gezogen worden war. Diese Gundas! Niemand widersprach jemals diesen Sticheleien, aus Angst, selbst verprügelt zu werden. Sie schrieben wirklich schmutzige Dinge mit den Namen der Liebenden in Kreide oder Kohle an die Wände der Toiletten. Einige waren beleidigt. Einige fanden es lustig. Dies waren die Missetaten von Jungen, die es gerade mal bis zur dritten oder vierten Klasse geschafft hatten. Ma hatte viel Mut, und Baba hatte endlose Geduld. Sie schenkten diesen Eckenstehern keine Beachtung. Manchmal schleuderte Ma Flüche auf sie, wenn sie versuchten, uns zu belästigen. Diese Jungs, sie hatten Angst vor Ma. Sie war schrecklich."

Aktualne (Tschechien), 16.10.2018

Anlässlich des Prager Demokratie-Festivals "Forum 2000" führt Daniel Konrád ein langes Gespräch mit der polnischen Filmemacherin Agnieszka Holland, die sich zunehmend politisch äußert und derzeit entstehende Bürgervereinigungen unterstützt, die gegen die antidemokratischen Tendenzen der Regierung protestieren - was besonders in den polnischen Kleinstädten Mut erfordere. "Ich beobachte in den letzten Jahren in den postkommunistischen Ländern, dass, sobald die Regierung autoritärer wird, die Menschen sich sehr schnell zu fürchten beginnen", so Holland. "Da kommt in uns ein alter Reflex aus Normalisierungszeiten zum Vorschein, dieses ängstliche Buckeln. Wie ein Virus, den wir die ganze Zeit im Blut hatten und der jetzt wieder ausbricht." Holland, die nach 1968 auf der Prager Filmhochschule studierte, erinnert sich: "Nicht den Einzug der Panzer habe ich damals am einschneidensten erlebt, sondern die 'Normalisierung', als die Leute sofort dem neuen Regime zustimmten." Heute seien in Polen zwar keine Kommunisten an der Macht, sondern Rechte, Nationalisten, Katholiken, Populisten, "aber die Art, wie sie die Macht übernehmen, die Stimmen von Minderheiten sowie Menschenrechte ignorieren, erinnert an das kommunistische Denken". Auch die Kulturschaffenden selbst sieht Holland in der Verantwortung: "Die Kultur hat es nicht geschafft, den Kommunismus ausreichend zu verarbeiten. Wenn man jeweils die Anzahl von Filmen, Serien oder Büchern über die Verbrechen des Nationalsozialismus und des Kommunismus vergleicht, besteht da ein riesiges Missverhältnis."
Archiv: Aktualne
Stichwörter: Holland, Agnieszka, Polen

La vie des idees (Frankreich), 12.10.2018

Selbst in Frankreich, dessen republikanische Prinzipien das eigentlich verbieten sollten, wird längst über Kommunitarismus debattiert. Der Soziologe Cesare Mattina kritisiert in einem auf die letzten fünfzig Jahre zurückgreifenden Essay, wie die Politiker der Stadt Marseille die "Communities" in der Stadt quasi geschaffen hätten, um teilen und herrschen zu können. Dabei sieht er die "Communities" als fast ausschließlich von oben konstruiert - als seien die betroffenen Populationen nicht auch in der Lage, selbst zu agieren. Implizit macht er den Vorwurf der "Islamophobie": "In Marseille hat die Politik der Zuteilung materieller Ressourcen (Stellen, Wohnungen, Dienstleistungen aller Art), die den üblichen klientelistischen Kanälen folgen, vor allem Personen und Familien älterer Einwanderergruppen bevorzugt, die von der Stadtverwaltung als 'verbündete Communities' angesehen wurden. Personen und Familien, denen eine Zugehörigkeit zu diesen sozio-ethnischen oder religiösen Gruppen zugeschrieben wurden - vor allem 'Armenier', 'Juden' und 'Heimgekehrte' wurden in erster Linie zufriedengestellt." Einzige Opfer dieses Kommunitarismus seien mithin Franzosen und Nicht-Franzosen arabischer Herkunft und (meist schwarze) Franzosen komorischer Herkunft.

Elet es Irodalom (Ungarn), 12.10.2018

Der Historiker Timothy Snyder ist Permanent Fellow am Wiener Institut für die Wissenschaft vom Menschen, wo er im Interview mit Tamás Fóti über die Rolle Ungarns und der Beziehung zu Russland sprach: "Ich denke Viktor Orbán ist eher ein Asteroid, der am Ende in etwas krachen wird. Er ist Opfer seiner Erfolge. Er hat recht, wenn er denkt - zumindest eine Zeit lang -, dass man auf seine Weise ein ein Land lenken kann; er irrt sich, wenn er denkt, dass er es nur auf diese Weise lenken kann; er hat recht, wenn er davon ausgeht, dass die EU Fehler macht, weil sie mit inneren Problemen kämpft; er irrt sich, wenn er denkt, dass Russland oder China Alternativen zur EU bieten; er hat recht, wenn er glaubt, dass eine Demokratie von innen zerstört werden kann; doch er irrt sich, wenn er denkt, dass er sie von innen auch zerstören muss. Meiner Meinung nach denkt er von sich, dass er ein Vorbote von etwas sei - so wie Putin auch - doch am Ende werden Russland und auch Ungarn verlieren. (...) Ungarn und Russland können davon überzeugt sein, dass sie eine Alternative zu Europa bieten könnten, und sie haben auch die Macht, gegen die EU aufzutreten - doch nur vorübergehend. All dies ist eine schlechte Richtung, denn sie können sich nur gegen etwas definieren. Das ist nicht konstruktiv, darauf kann nicht gebaut werden."
Stichwörter: Snyder, Timothy, Ungarn

New York Times (USA), 13.10.2018

Im New York Times Magazine fordert Robert Draper die Demokraten auf, in Sache Einwanderungspolitik endlich Farbe zu bekennen: "Wenige Themen wurden von der Trump-Regierung derart schwarzweiß gemalt wie das hoch komplexe Thema Einwanderung. Vor einem Vierteljahrhundert hatten beide politischen Seiten noch eine ähnliche Meinung zum Thema. Aber während Republikaner die Frage, ob Immigranten den USA nützen, zwischen 1994 und 2016 laut einer Erhebung des Pew Research Centers relativ gleichbleibend mit 30-35 Prozent bejahten, stieg die Quote bei den Demokraten von 32 auf 78 Prozent. Heute sind die Demokraten hauptsächlich für die Einwanderung. Und doch halten sich viele Offizielle mit ihrer Meinung zurück und kritisieren die Einwanderungspolitik ihres Landes nur sehr ungern. Ihre Beweggründe könnten so aussehen: Anders als die republikanischen Wähler, die ihre Partei routinemäßig für einen allzu laschen Anti-Einwanderungskurs kritisieren, belohnen demokratische Wähler ihre Abgeordneten nicht für eine klare Pro-Einwanderungspolitik."