
Er scheint zu gut, um wahr zu sein: der indische
Präsident A.P.J. Abdul Kalam (mehr
hier), dem die
Titelgeschichte - oder sollte man sagen: Lobpreisung - von Sheela Reddy gewidmet ist. Nach zehn Monaten im Amt hat Kalam offensichtlich nicht nur die Journalisten, sondern auch den Rest der Inder komplett für sich eingenommen. Selbst die politische Elite, die den unkonventionellen Außenseiter anfangs nicht recht ernst nahm, erwärmt sich mittlerweile für den Wissenschaftler mit der langen Silbermähne und dem
sokratischen Auftreten. Und wer sollte auch etwas gegen einen
poetisch veranlagten Präsidenten haben, der sich ganz seinem Traum verschrieben zu haben scheint, "Indien zu einem sicheren, wohlhabenden und aufgeklärten Land zu machen" - und zwar bis zum Jahr 2020 - und der
Schulkindern und
Ministern mit der gleichen Unbefangenheit und Ernsthaftigkeit begegnet, weil er in ihnen vor allem notwendige Partner für dieses Projekt sieht. Der Mann, schreibt Reddy, hat eine
Mission, und die besteht darin, das Land zu motivieren, sein Potential auszuschöpfen. Scheinbar findet er die richtigen Worte und Gesten.
Washington hat in Neu Delhi angefragt, ob Indien bereit wäre,
Truppen in den Irak zu schicken, zur Unterstützung der amerikanischen und englischen Einheiten. Sollte also,
fragt aus diesem Anlass Prem Shankar Jha, "ein Land, das
190 Jahre koloniale Unterdrückung durchlitt und
62 Jahre für seine Befreiung kämpfte, plötzlich selber zu einer kolonialen Macht werden?" Seine Antwort ist eindeutig: Indien soll humanitäre Hilfe schicken, aber sonst nichts. "Alles andere würde nicht nur (...) das Risiko bergen, in einen fremden Krieg hineingezogen zu werden, sondern auch jedes
Ideal verraten, für das Mahatma Gandhi, Shyama Prasad Mukherjee und andere Gründerväter unserer Unabhängigkeit kämpften." Die Frage nach einem Engagement von Indiens Armee in Irak wurde natürlich auch dem stellvertretenden Premierminister
Advani bei seinem Besuch in Washington gestellt. Ashish Kumar Sen
berichtet, wie er sie beantwortete und warum einige
indische Amerikaner gegen seinen Besuch
protestierten.
Weitere Artikel: Mariana Baabar
berichtet aus Pakistans Nordwestprovinz an der afghanischen Grenze, wo das islamistische Parteienbündnis MMA die
Einführung der Scharia-Gesetzgebung im Parlament durchsetzte. Mihir Bose
beklagt den
Kleingeist des indischen kulturellen Protektionismus, der Mitglieder der Diaspora zu einer neuen
minderwertigen Kaste stempele - und das mehr als ein halbes Jahrhundert nach der Unabhängigkeit. Madhu Jain
weiß von einer
neuen Sorte NIRs - Non-Indian Residents: Sie kommen aus dem Westen, sind aber nicht länger auf der Suche nach spiritueller Erleuchtung, sondern wollen in Indien arbeiten - und bleiben. Keine Möchtegern-Gurus mehr, sondern "
Kosmetikerinnen, Musiker, Anwälte, Bauchtänzerinnen,
Geschäftsberater, DJs, Architekten,
Finanzanalysten, Filmtechniker, Barkeeper und
Filmregisseure - sogar eine blonde Stuntfrau in Bollywood ist dabei." Und Dilip Simeon
weist auf die Mängel von "
The Future Of Freedom: Illiberal Democracy At Home And Abroad" hin, ein Buch des in den USA hoch gehandelten Historikers und Politologen
Fareed Zakaria.