Magazinrundschau - Archiv

Outlook India

338 Presseschau-Absätze - Seite 28 von 34

Magazinrundschau vom 21.07.2003 - Outlook India

Erst jetzt wurde bekannt, dass es vor einem halben Jahr in einer indischen Anlage zur Wiederaufbereitung von Plutonium zu einem Unfall kam, bei dem sechs Personen hohen Dosen radioaktiver Strahlung ausgesetzt waren. Outlook recherchierte und stieß auf Sicherheitsmängel und grassierende Bedenkenlosigkeit. S. Anand teilt die Ergebnisse mit und warnt: "Sicherheitsbestimmungen wurden missachtet, um in aller Eile Plutonium zu produzieren, möglicherweise für Waffenprogramme. Einhalt ist geboten - ansonsten könnte es sein, dass eine Bombe tickt."

Weitere Artikel: In der Titelgeschichte berichtet Paromita Shastri, dass ein Aufatmen durch Indien geht: Es regnet! Nach der Dürre im vergangenen Jahr herrscht allerorten großer Optimismus - nicht nur bei den Bauern, die nach wie vor vom Niederschlag abhängig sind, sondern auch bei den anhängigen Industrien, an der Börse, beim Einzelhandel, bei den Goldimporteure, den Analysten, den Politikern und überhaupt allen. Die Redaktion schließt sich an. Prem Shankar Jha hat zwei scheinbar ganz verschiedene Artikel gelesen, die ihm zusammengenommen als Vorboten eines Friedensschlusses zwischen Indien und Pakistan erscheinen. In einem geht es um politische Vernunft, im anderen um das Potential der Zusammenarbeit. Und Krishna Baldev Vaid lobt die Autobiografie und das gesamte Werk des kürzlich verstorbenen Hindi-Autors Bhishma Sahni in derart hohen Tönen, dass man sofortige Übersetzungen fordern möchte.

Magazinrundschau vom 14.07.2003 - Outlook India

Ayodhya, die Tempelbewegung und kein Ende: Mehr als zehn Jahre nach der gewaltsamen Zerstörung der Babri-Moschee durch Hindu-Nationalisten sind die Fronten zwischen den Propagandisten der Errichtung eines Tempels für den Gott Ram und den Repräsentanten der muslimischen Minderheit verhärtet; jüngste Bemühungen um einen Konsens blieben erfolglos. Das ist die eine Sache. Die andere ist der immer weiter klaffende Spalt innerhalb der hindu-nationalistischen Bewegung, die vor allem vom Welthindurat (VHP) und der Regierungspartei BJP vertreten wird. Die populistischen Hardliner werfen dem als moderat geltenden Premierminister Atal Behari Vajpayee Verrat an der Sache und Wahlbetrug vor. Der Hintergrund für den verbalen Schlagabtausch: die Parlamentswahlen im nächsten Jahr. Die Partei braucht Vajpayee, um die Wahlen zu gewinnen. Vajpayee wiederum braucht die hinduistische Basis. Und jede Seite sucht sich die andere gefügig zu machen. Es ist kompliziert. Wie sehr, erklärt Saba Naqvi Bhaumik in der Titelgeschichte.

Vinod Mehta dagegen kann die ganze Sache nicht fassen und fragt sich, was zum Teufel eigentlich passiert: "Sind wir im Indien des Jahres 2003 oder - 1203?" Es geht doch nur um einen Tempel! Und die meisten Inder seien keineswegs so leidenschaftlich an dem Thema interessiert, wie es die Streithähne beider Seiten gerne hätten.

Das andere große Thema, dass die politischen Kommentatoren seit Wochen beschäftigt, ist die Frage der Entsendung von Truppen nach Irak, zur Unterstützung der Amerikaner. Nach einigem Wankelmut auf Seiten der Regierung, weiß V. Sudarshan, kündigt sich jetzt eine Entscheidung dagegen an.

Weitere Artikel: Seema Sirohi stellt Raghuram Rajan vor - den neuen Chefvolkswirt des Internationalen Währungsfonds. Vaishna Roy hat Brahmanen K. Seshadri getroffen, "möglicherweise Indiens einziger Priester mit einem schwarzen Gürtel in Karate". Und Manu Joseph berichtet aus einer Off-Off-Bollywood-Parallelwelt: die vorwiegend muslimische Stadt Malegaon, 300 Kilometer von Mumbai entfernt.

Magazinrundschau vom 30.06.2003 - Outlook India

Auf dem Cover von Outlook India ist - Harry Potter. Soutik Biswas überlegt, wie er dort hingekommen ist, findet universelle Werte und Anreize am Werk und vermutet, dass es bei dem hohen Preis für die Hardcover-Ausgabe wieder einmal Armut ist, die viele Kinder aus der weltweiten Gemeinde der Potter-Heads ausschließt.

Manjira Majumdar weiß von schlechtem Ersatz für kleine Geldbeutel: Wie wäre es mit "Harry Potter in Kolkata", einem Rip-Off des ersten Bandes, in dem Harry auf berühmte Figuren aus der bengalischen Literatur trifft? Oder mit einer unauthorisierten Übersetzung desselben Buches? Der Vorteil: es kostet nur so viel wie ein Groschenroman. Das Problem: Joanne Rowling sieht das nicht so gerne.

Weitere Artikel: Sheela Reddy berichtet von der Enttäuschung von 100.000 im indischen Exil lebenden Tibetern, nachdem Premierminister Vajpayee während seines China-Besuches in einer offiziellen Verlautbarung Tibet zu einem Teil der Volksrepublik erklärte. Saba Naqvi Bhaumik vermutet, dass Tibet ein Pfand war, das im Bemühen um eine historische Annäherung zwischen den zwei größten Nationen der Welt hinterlegt wurde, und erörtert die Bedeutung der Reise des Premiers: "Ein großer Erfolg? Ein kleiner Ausverkauf von Tibet? (...) Semantik hin oder her - Vajayees Besuch war wichtig."

Weiterhin umstritten: die Frage, ob Indien der amerikanischen Einladung nachkommen und Truppen in den Irak entsenden sollte. Aber ja, meint Satish Nambiar und sieht einen möglichen Gewinn an Einfluss. Nein, nein und nochmals nein, findet Prem Shankar Jha und weist auf die Gefahren hin. Schließlich hat Faizan Ahmad George Orwells Geburtshaus besucht und eine chaotische Farm der Tiere vorgefunden.

Magazinrundschau vom 23.06.2003 - Outlook India

Anita Pratap hat zwei Jahrzehnte lang über Indiens Konflikte berichtet und genug gesehen für ein paar grundsätzliche Worte: "Als Nation sind wir herausragend im Krisenmanagement. Wenige Länder der Welt wären mit dem Stress zurechtgekommen, den Indien seit der Unabhängigkeit durchstehen musste - Armut, Krankheit, Korruption, Bevölkerungsexplosion, sektiererische Gewalt, Naturkatastrophen, politisch motivierte Attentate. Wir haben diese Probleme nicht besiegt, aber zumindest haben wir sie überlebt. Das Problem ist, dass wir furchtbar schlecht sind, wenn es um Krisenprävention geht." Zum Beispiel die kürzlichen Kastenunruhen in einem Dorf in Punjab ...

Seit der Unabhängigkeit steht die nordindische Stadt Ayodhya im Mittelpunkt politischer Auseinandersetzungen und Fragen nationaler Identität, berichtet Bhavdeep Kang. Genauer gesagt: ein Grundstück, auf dem bis zu ihrer Zerstörung im Jahr 1992 die Barbri-Moschee stand und wo Hindu-Nationalisten einen Tempel zu Ehren des Gottes Ram errichten wollen. In Ayodhya manifestiert sich Geschichte (im Augenblick sind sogar archäologische Grabungen im Gange, um die Frage zu klären, ob schon einmal ein Hindu-Tempel an der Stelle stand), noch mehr aber ist es ein Austragungsort der politischen Kämpfe der Gegenwart. Militante Hindu-Organisationen, die Vertretungen der muslimischen Bevölkerung, die hindu-nationalistische, im Moment aber um Ausgleich bemühte Regierungspartei BJP - wie kompliziert die Angelegenheit ist, noch dazu mitten in einer Wahlkampfphase, welche Frontverläufe und Koalitionen es gibt, und wie wenig absehbar im Moment eine Lösung ist, das macht dieser Artikel deutlich. Was Indiens Muslime über die Sache denken, zeigt die exklusive Umfrage, die es in dieser Wochen auf den Titel geschafft hat.

Weitere Artikel: Nitin A. Gokhale berichtet über die Probleme von Assams Teeindustrie, die sich zunehmend in Gewalt entladen. V. Sudarshan lässt anlässlich des China-Besuches von Premierminister Vajpayee die Beziehungen der benachbarten Mächte Revue passieren. Und Nilanjana S. Roy empfiehlt wärmstens den Roman "Trespassing" der pakistanischen Autorin Uzma Aslam Khan.

Magazinrundschau vom 16.06.2003 - Outlook India

Er scheint zu gut, um wahr zu sein: der indische Präsident A.P.J. Abdul Kalam (mehr hier), dem die Titelgeschichte - oder sollte man sagen: Lobpreisung - von Sheela Reddy gewidmet ist. Nach zehn Monaten im Amt hat Kalam offensichtlich nicht nur die Journalisten, sondern auch den Rest der Inder komplett für sich eingenommen. Selbst die politische Elite, die den unkonventionellen Außenseiter anfangs nicht recht ernst nahm, erwärmt sich mittlerweile für den Wissenschaftler mit der langen Silbermähne und dem sokratischen Auftreten. Und wer sollte auch etwas gegen einen poetisch veranlagten Präsidenten haben, der sich ganz seinem Traum verschrieben zu haben scheint, "Indien zu einem sicheren, wohlhabenden und aufgeklärten Land zu machen" - und zwar bis zum Jahr 2020 - und der Schulkindern und Ministern mit der gleichen Unbefangenheit und Ernsthaftigkeit begegnet, weil er in ihnen vor allem notwendige Partner für dieses Projekt sieht. Der Mann, schreibt Reddy, hat eine Mission, und die besteht darin, das Land zu motivieren, sein Potential auszuschöpfen. Scheinbar findet er die richtigen Worte und Gesten.

Washington hat in Neu Delhi angefragt, ob Indien bereit wäre, Truppen in den Irak zu schicken, zur Unterstützung der amerikanischen und englischen Einheiten. Sollte also, fragt aus diesem Anlass Prem Shankar Jha, "ein Land, das 190 Jahre koloniale Unterdrückung durchlitt und 62 Jahre für seine Befreiung kämpfte, plötzlich selber zu einer kolonialen Macht werden?" Seine Antwort ist eindeutig: Indien soll humanitäre Hilfe schicken, aber sonst nichts. "Alles andere würde nicht nur (...) das Risiko bergen, in einen fremden Krieg hineingezogen zu werden, sondern auch jedes Ideal verraten, für das Mahatma Gandhi, Shyama Prasad Mukherjee und andere Gründerväter unserer Unabhängigkeit kämpften." Die Frage nach einem Engagement von Indiens Armee in Irak wurde natürlich auch dem stellvertretenden Premierminister Advani bei seinem Besuch in Washington gestellt. Ashish Kumar Sen berichtet, wie er sie beantwortete und warum einige indische Amerikaner gegen seinen Besuch protestierten.

Weitere Artikel: Mariana Baabar berichtet aus Pakistans Nordwestprovinz an der afghanischen Grenze, wo das islamistische Parteienbündnis MMA die Einführung der Scharia-Gesetzgebung im Parlament durchsetzte. Mihir Bose beklagt den Kleingeist des indischen kulturellen Protektionismus, der Mitglieder der Diaspora zu einer neuen minderwertigen Kaste stempele - und das mehr als ein halbes Jahrhundert nach der Unabhängigkeit. Madhu Jain weiß von einer neuen Sorte NIRs - Non-Indian Residents: Sie kommen aus dem Westen, sind aber nicht länger auf der Suche nach spiritueller Erleuchtung, sondern wollen in Indien arbeiten - und bleiben. Keine Möchtegern-Gurus mehr, sondern "Kosmetikerinnen, Musiker, Anwälte, Bauchtänzerinnen, Geschäftsberater, DJs, Architekten, Finanzanalysten, Filmtechniker, Barkeeper und Filmregisseure - sogar eine blonde Stuntfrau in Bollywood ist dabei." Und Dilip Simeon weist auf die Mängel von "The Future Of Freedom: Illiberal Democracy At Home And Abroad" hin, ein Buch des in den USA hoch gehandelten Historikers und Politologen Fareed Zakaria.

Magazinrundschau vom 10.06.2003 - Outlook India

Viel Interessantes diese Woche in Outlook India: Manu Joseph hat Schlagzeilen gesammelt: "LKW-Fahrer schlägt Autofahrer mit Eisenstange", "Frauen zerstören Alkoholgeschäft", "213 Lynchmorde in Kalkutta". Indien hat 35 Millionenstädte, berichtet er, in denen mehr Menschen leben als in den gesamten USA. Die meisten von ihnen wohnen mit großen Familien in kleinen Wohnungen, müssen ständigen Lärm ertragen, fahren oft mehrere Stunden zur Arbeit, und zwar in Verkehrsmitteln, in die sich ein Vielfaches an Menschen quetschen, als Tiere darin zugelassen wären. Sie haben zu wenig Trinkwasser, und auf Polizei und Justiz ist keine Verlass. Die Großstädter, so Joseph, sind gestresst und wutgeladen. Kein Wunder, meinen Soziologen, dass Gewalt und Bereitschaft zur Kriminalität zunehmen. Mit einer massenhaften, organisierten Entladung der Wut sei jedoch nicht zu rechnen.

Die Titelgeschichte widmet sich Plänkeleien auf höchster Ebene: Lal Krishna Advani, der Stellvertreter des indischen Premierministers Atal Behari Vajpayee, hat offensichtlich mehr Macht, als ihm manchmal gut tut. Vajpayee gilt als Aushängeschild und Garant des Erfolges der Regierungspartei BJP, sein Vize als Strippenzieher im Hintergrund. Nachdem allerdings Parteichef Naidu für die Wahlen im nächsten Jahr die Idee einer Doppelspitze ins Spiel brachte, flogen in der vergangenen Woche die Giftpfeile: Vajpayee ging in die Offensive und stellte seine rechte Hand Advani öffentlich bloß; gleichzeitig drohte er dem Parteichef sehr subtil mit dem Entzug des Vertrauens. Der Premierminister, schreibt Saba Naqvi Bhaumik, "hatte wieder einmal shock and awe - die Rücktrittsdrohung - eingesetzt, um seine Partei dazu zu bringen, hinter ihm einzuschwenken." Dennoch, meint Bhaumik, ist es nicht auszuschließen, dass der ewige Zweite irgendwann doch noch an die Spitze rückt.

Anita Pratap vergleicht den religiösen Eifer der Europäer mit dem von Asiaten und Afrikanern: Während immer größere Massen in die indischen Tempel und Kirchen strömen, werden die europäischen Kirchen hauptsächlich von Touristen besucht. Ihre These: "In den meisten dieser Länder hat der Sozialstaat das Bedürfnis nach Gott ersetzt." Und jetzt, wo die sozialen Sicherheiten am Bröckeln sind, wittern die Kirchen Morgenluft und werben um junge Menschen. "Vielleicht", vermutet Pratap, "wird in den kommenden Jahren eine Kombination aus Spaß und Furcht die Europäer zurück in die Kirchen locken."

Weitere Artikel: Das amerikanische Militär, berichtet Ranjit Bhushan, hat einen unvorteilhaften Bericht über den Zustand der indischen Armee vorgelegt. In Delhi ist man nicht nur beleidigt und empört über die kruden amerikanischen Verallgemeinerungen, sondern auch besorgt darüber, als Bündnispartner an Wert zu verlieren. Savitri Choudhuri berichtet aus dem Bundesstaat Andhra Pradesh, wo eine wochenlange Hitzwelle schon 1.200 Todesopfer gefordert hat. Oder war es doch nicht nur die Hitze? Jedenfalls sind es die Ärmsten, die es sich nicht leisten können, im schattigen Haus zu bleiben. V. Sudarshan ist besorgt ob Indiens bevorstehendem Balanceakt zwischen der Verfolgung strategischer und wirtschaftlicher Interessen im Iran und der Zufriedenstellung amerikanischer Forderungen. Und Vikram Chandra empfiehlt Aniruddha Bahals hoch gehandelten Thriller "Bunker 13".

Magazinrundschau vom 02.06.2003 - Outlook India

Prem Shankar Jha denkt in einem Kommentar über den neuesten "bösen Jungen" der US-Regierung nach: Iran. "Iran wird der drei tödlichen Sünden angeklagt, die auch der Irak begangen haben soll: es entwickelt und besitzt eine Reihe von Massenvernichtungswaffen, es beschützt Terroristen, und es hat jahrelang die Menschenrechte verletzt." Grund für einen Angriffskrieg? Unser Kommentator empfiehlt, diesmal etwas genauer hinzusehen als beim Irak. Dort seien nämlich bis heute keinerlei Massenvernichtungswaffen gefunden worden. "Die Schlussfolgerung ist unausweichlich: während der letzten zehn Monate hat das verachtete Regime von Saddam Hussein die Wahrheit gesprochen, und die zwei ältesten, verantwortungsbewusstesten und friedliebendsten Demokratien der Welt haben gelogen."

In Indiens Metropolen schießen neue Restaurants nur so aus dem Boden und der "Mumbai Good Food Guide" ist 900 Seiten stark - die indische Mittelklasse, berichtet Paromita Shastri in der Titelgeschichte, isst immer häufiger nicht zu Hause: "Die Arbeitszeiten in den Büros werden länger, die Angestellten werden jünger, gute Köche sind schwer zu finden, die Frau des Hauses ist häufig berufstätig (...) Und vor allem übernehmen Kinder und junge Erwachsene im Haushalt mehr Entscheidungen, und eine davon ist es, weniger von Mamas Mahlzeiten zu essen." Elf Prozent des Einkommens wird bereits in Edelrestaurants und Fast-Food-Läden getragen, am beliebtesten ist authentisches ethnisches Essen von italienisch bis vietnamesisch. Gute Zeiten also für risikowillige Unternehmer - nach der Informationstechnologie kommt das Essen an die Reihe.

Weitere Artikel: Chander Suta Dogra berichtet aus wohlhabenden ländlichen Gebieten des Staates Punjab, in denen mehr als vierzig Prozent der jungen Leute drogensüchtig sind, Poornima Joshi fragt sich, ob die indische Gesundheitsministerin allen Ernstes die Ausbreitung von AIDS mit Kampagnen bekämpfen will, denen das Wort "Kondom" zu schmutzig ist und Manu Joseph ist aufgefallen, dass die männlichen Bollywood-Stars vom Typ "heldenhafter Liebhaber" alle um die vierzig sind - auch nicht mehr die Jüngsten.

Magazinrundschau vom 26.05.2003 - Outlook India

In der Titelgeschichte berichtet Sandipan Deb über brisante Ausgrabungen in der nordindischen Stadt Ayodhya, einer der heiligen Stätten des Hinduismus. Hier stand vom 16. Jahrhundert an die muslimische Babri-Moschee - bis sie im Dezember 1992 von einem radikal-hinduistischen Mob zerstört wurde, da sie angeblich auf der Geburtsstätte des Gottkönigs Ram errichtet worden war. Eine weitere Kontroverse besteht darüber, ob die Moschee auf den Ruinen eines prächtigen Ram-Tempels stand - also im Klartext: wer eher da war. Seit März dieses Jahres sucht ein Team von Archäologen in bis zu zehn Metern Tiefe und unter Ausschluss der Öffentlichkeit nach Indizien. Dabei werde auch so einiges ans Tageslicht befördert, informiert Deb - nur, dass jede der erbittert auf Neuigkeiten lauernden Seiten die Funde in ihrem Sinne interpretiere. "Das Problem", schreibt er, "scheint darin zu bestehen, dass alle Betroffenen sich in Amateurarchäologen verwandeln, während die eigentlichen Archäologen Monate brauchen werden, um irgendwelchen Schlussfolgerungen zu ziehen". Eine Farce also, das Ganze? Kann man so nicht sagen, meint Deb - "es hängt einfach alles davon ab, auf welcher Seite man steht."

Anita Pratap zieht ein paar Schlüsse aus einem aktuellen Schlagzeilenstoff: der Ermordung der drittklassigen Dichterin Madhumita Shukla. Die Geschichte erscheint, meint sie, "als eine wahre Seifenoper, die jede gefilmte in den Schatten stellt. Ehrgeiz, Poesie, Ehebruch, Mord, Lügen, Politik und Verschleierung sind kombiniert zu einem melodramatischen Molotow-Cocktail des Lebens auf Indiens entstehenden Überholspuren." Und keiner komme in dieser Geschichte gut weg.

Eine andere aktuelle Geschichte ist die von Nisha Sharma, der 21-jährigen Studentin, die ihren Bräutigam wegen überhöhter Mitgiftforderungen verhaften ließ und jetzt zum landesweiten Vorbild geworden ist. Wenn das stimmt, überlegt Soma Wadhwa, dann würde das auf eine breite gesellschaftliche Front gegen die Mitgift hindeuten. Tatsächlich haben es Sharma schon ein paar junge Frauen gleichgetan. Und mehr als das.

Weitere Artikel: Ed Douglas resümiert 50 Jahre Besteigungen des Mount Everest. Gerson da Cunha übermittelt gute Nachrichten für Bollywood aus Cannes. Und Nilanjana S. Roy erklärt zu Monica Ali, dem neuesten exotischen Darling der britischen Literaturkritik: Don?t believe the hype - lesen Sie aber dennoch ihr Buch "Brick Lane".

Magazinrundschau vom 19.05.2003 - Outlook India

Diese Woche auf dem Cover: Roy gegen das Empire. Outlook India dokumentiert eine lange Rede, die Arundhati Roy in der vergangenen Woche vor 3.000 Menschen im New Yorker Stadtteil Harlem gehalten hat. Es geht um die "Kriegslügen" Amerikas, um die unheilvolle Verflechtung von Politik und Wirtschaft, um Rassismus und die Gleichschaltung der Medien. Roys Ansprache endet mit einer emphatischen Aufforderung zum Widerstand - gerichtet an ihre amerikanischen Zuhörer: "Unsere Freiheiten wurden uns nicht von Regierungen eingeräumt. Wir haben sie ihnen abgerungen. Und haben wir sie erst einmal preisgegeben, dann wird der Kampf um ihre Rückgewinnung Revolution genannt. Es ist ein Kampf, der in allen Kontinenten und Ländern ausgefochten werden muss. Er darf vor nationalen Grenzen nicht halt machen, doch wenn er erfolgreich sein soll, dann muss er hier seinen Anfang nehmen. In Amerika. Die einzige Institution, die mächtiger ist als die amerikanische Regierung, ist die amerikanische Zivilgesellschaft. Wir anderen sind Untertanen von Sklavennationen. Wir sind keineswegs machtlos, aber ihr habt die Macht der Nähe. Ihr habt Zutritt zum kaiserlichen Palast und zu den Gemächern des Herrschers. Die Eroberungen des Imperiums werden in eurem Namen geführt, und ihr habt das Recht, euch zu weigern."

Harsh Kabra berichtet über einen geplanten Film des Oscar-Preisträgers Roland Joffe, "The Invaders", der schon vor Beginn der Dreharbeiten den Widerwillen von britischen Journalisten heraufbeschworen hat: "Schon wieder der Versuch eines Filmemachers, die Engländer als blutige und egoistische Konquistadoren zu porträtieren", zitiert Kabra Susan Bisset, die Filmkritikerin des Sunday Telegraph. Es geht in dem Film um eine Schlacht bei Wadgaon zwischen Marathas und Briten 1778, bei der sich die Engländer "eine blutige Nase" holten. Aber auch indische Historiker sind mit dem geplanten Film unzufrieden: Sie machen darauf aufmerksam, dass der Anführer der britischen Truppen, Lt James Stewart, in Wahrheit zwei Wochen vor der Schlacht starb. Und deshalb nicht - wie im Film - noch irgendwelche Heldentaten bei Wadgaon vollbringen konnte.

Weitere Artikel: Saibal Chatterjee macht sich Gedanken über die Rolle der Schauspielerin Aishwarya Rai in der Jury von Cannes, und P. Lal bespricht ein Buch über die "Muttergöttin" Kalkutta, in dem fünf Seiten ausgerechnet Günter Grass gewidmet sind.

Magazinrundschau vom 12.05.2003 - Outlook India

Murali Krishnan deckt die enormen menschlichen Kosten der größten militärischen Mobilmachung in der Geschichte Indiens auf: Nach der Terrorattacke auf das indische Parlament im Dezember 2001 wurde der Aufmarsch von einer halben Million Soldaten und Offizieren entlang der indisch-pakistanischen Grenze eingeleitet - schlecht vorbereitet und überhastet. Es gab keinen Krieg, aber trotzdem starben hunderte Armeeangehörige und Zivilisten: bei vermeidbaren Unfällen, aufgrund unerträglicher klimatischer Bedingungen und schlechter Versorgung, durch Terroranschläge, beim Legen oder Entschärfen von Minen oder weil sie den psychologischen Belastungen der zehnmonatigen Gefechtsbereitschaft nicht mehr standhalten konnten und sich umbrachten. Hat der Aufmarsch irgendetwas bewirkt, fragt Krishnan, das den Tod dieser Menschen rechtfertigt? War der indische Quasi-Krieg gegen den Terrorismus erfolgreich? Die Antwort lautet: Nein.

Mitch Potter erzählt das Making-Of einer der erfolgreichsten Hollywood-Inszenierungen der vergangenen Monate, gedreht im Irak: "Saving Private Lynch". Aus der Perspektive der Statisten - den Doktoren und Patienten des Krankenhauses, aus dem die US-Soldatin "befreit" wurde - war der Plot ein wenig anders: Als die Amerikaner mit Kameraleuten im Schlepptau die Türen eintraten, waren die letzten irakischen Soldaten bereits zwei Tage weg, und das Krankenhauspersonal hatte vergeblich versucht, Jessica Lynch selber zurückzubringen - sie waren beschossen worden.

Weitere Artikel: Seemi Sirohi war vergangene Woche bei Lord & Taylor an 5th Avenue Zeuge, wie vier indischen Mode-Designern auf Anhieb der Durchbruch bei den New Yorker Frauen gelang. Und K.P.S. Gill bespricht die Buchausgabe einer prominent besetzten Talkrunde über das Vermögen des menschlichen Gehirns: Vor gut drei Jahren unterhielten sich Psychologen und Akademiker eine Woche lang mit dem Dalai Lama über die Möglichkeiten, Wissenschaft und Spiritualität einander befruchten zu lassen. Hätte nicht unbedingt sein müssen, meint der Rezensent.